SENTIERO ATTREZZATO DINO BUZZATI

Große, anstrengende Tour mit knackigen Klettersteigpassagen an der Ferrata del Porton. Durchwegs gut gesicherte Steige; verhältnismäßig langer Zustieg aus dem Valle dei Canali. Gute Kondition deshalb unerlässlich. Bitte beachten: Auf GPS-Track ist die Runde gemeinsam mit Via Ferrata del Porton, Del Velo und Sentiero Attrezato Dino Buzzati abgebildet. (Autor: Eugen E. Hüsler und Manfred Kostner)
11 km
1430 m
8.00 h
Dino Buzzati – Bergsteiger und Dichter.
Der »Sentiero Buzzati« erinnert an den bei Belluno geborenen Schriftsteller, Maler, Grafiker und Jour-nalisten Dino Buzzati (1906–72), der seinen Heimatbergen zeitlebens verbunden war. Nicht zufällig verläuft »sein« Weg über den Cimerlo; wer die bizarre Felskulisse durchwandert, fühlt sich leicht in eine der fantastischen Erzählungen des Dichters versetzt – vor allem, wenn aufziehende Nebel die Grenze zwischen Wirklichkeit und Schein, zwischen Realität und Fantasie verwischen.Das dichterische Werk Buzzatis gilt als stark von Franz Kafka beeinflusst; surreale Züge tragen auch viele seiner Bilder, unter denen jenes des Mailänder Doms – einer Dolomitenlandschaft nachempfunden – das bekannteste ist.
Zustieg.
Die große Runde beginnt gemütlich. Eine Sandstraße führt sanft steigend hinein ins Val Pradidali, mit gelegentlichen Ausblicken auf die Gipfel jenseits des Canalitals. Bei Pedemonte (1650 m), das seinen Namen angesichts der Felsmauern rundum wirklich verdient, stößt man auf den von La Ritonda heraufkommenden Talweg. Er steigt im Zickzack über einen schrofigen Rücken an, beschreibt dann eine Schleife unter den Sockelfelsen der Cima Canali (2900 m), ehe er über steinige Wiesenböden das herrlich gelegene Rifugio Pradidali (2278 m) ansteuert. Hinter der Hütte weist ein Schild zur »Ferrata del Porton«. Die markierte Spur verläuft über einen Grasrücken und steigt dann über einen Schrofenhang ab in den wilden Graben am Fuß der Cima-di-Ball-Ostwand (ca. 2220 m).
Via ferrata del Porton.
Aus dem beklemmenden Winkel (bis in den Sommer Schneereste) leitet eine lange Reihe von Eisenbügeln unter einem ausladenden Dach steil und zunehmend luftig nach oben. Nach einer kurzen Querung folgen erneut Klammern, dann führen die Sicherungen über gestufte Felsen schräg aufwärts. Mächtiges Gegenüber ist die Cima Canali (2900 m) mit ihrer markant gegliederten Westwand. Die »Ferrata del Porton« steigt kurz ab in den Grund der ummauer-ten Geröllrinne (Vorsicht Steinschlaggefahr!), die vom Porton (2460 m) herunterkommt. In losem Schutt und über Blockwerk geht’s mühsam hinauf gegen die enge Pforte und zum neu angelegten Ausstieg. Über eine lange Leiter und mehrere Eisenbügel entsteigt man schließlich dem Graben in die U-förmig eingekerbte Scharte. Manche kommen hier etwas atemlos an; atemberaubend im Wortsinn ist auch das Bild, das sich unvermittelt vor dem Klettersteigler auftut: Sass Maor und Cima della Madonna mit der Schleierkante.
Via ferrata del Velo.
Der »Schleierweg« führt in einem weiten Bogen – zunächst ab-, dann wieder ansteigend – hinüber zu den westseitigen Sockelfelsen der beiden Gipfel. Über Schrofen quert man, in etwa die Höhe haltend, weiter, bis das erste Drahtseil auftaucht. Teilweise auf Eisenbügeln geht’s steil hinab in die wilde Schlucht zwischen Sass Maor und Cima della Madonna. Gut 100Meter tiefer entlässt einen die Ferrata über eine kurze, senkrechte Wandstufe ins Gehgelände. Die Wegspur quert unter mächtigen Überhängen ansteigend zu einem Schrofenhang. Hier hat man bereits Sichtverbindung mit dem 1980 erbauten Rifugio Velo della Madonna (2358m), das ein paar Meter höher auf einer Terrasse thront – unmittelbar vor der Schleierkante.
Sentiero attrezzato Buzzati.
Von der Hütte führt ein kleiner Weg durch das Schuttkar unter den Südabstürzen der Cima della Madonna bergan. Er tangiert kurz den Grat. Hier darf man keinesfalls – den verführerischen Spuren folgend – in die ostseitige Schlucht absteigen! Die rot-weißen Markierungen leiten nach rechts in leichtes Felsgelände und auf den Ostgipfel der Cima della Stanga (2550m), der einen packenden Rundblick bietet. Von dem Aussichtspunkt steigt man südseitig über einen Schrofenhang gut 100 Meter weit ab zu einer Weggabelung (ca. 2430m; Tafeln). Links zweigt hier der »Sentiero del Cacciatore« ab (siehe Tour 18), während der »Sentiero Buzzati« am Grat hinüberläuft zum Cimerlo. Den Torre Moser umgeht er links, dann helfen Drahtseile hinauf in eine enge Scharte. Man krabbelt durch ein enges Felsenloch (Seile) und steigt dann auf den Gipfelhang aus. Der höchste Punkt bleibt rechts; die deutliche Wegspur zieht im Zickzack über den felsdurchsetzten Edelweißhang hinab, notabene mit freier Sicht auf die Gipfelketten über den Tälern von Pradidali und Canali und die Feltriner Dolomiten. Wer hier allerdings zu sehr in die Ferne guckt, kann leicht den Weiterweg übersehen. Der führt nämlich ins Bergesinnere, buchstäblich. Über zwei Eisenleitern steigt man ab in einen tiefen, gerade halbmeterbreiten Spalt. Ein großer Klemmblock sorgt dabei für gute Tarnung; damit sich nicht auch noch der Rucksack zwischen den Felsen verklemmt, nimmt man ihn besser gleich ab. Aufatmend kehrt der Klettersteigler schließlich gut 10 Meter tiefer ans Tageslicht zurück. Im Rückblick ist dann leicht zu erkennen, dass sich ein riesiger Felsklotz vom eigentlichen Bergkörper abgespaltet hat. Bergstürze gab’s hier übrigens immer mal wieder; 1976 – im Friauler Erdbebenjahr – fiel ein großer Felszacken, die Gobba del Cimerlo, in sich zusammen.
Der Weiterweg verläuft durch das zauberhafte Felslabyrinth der »Pinnacoli«. An Drahtseilen steigt man ab in ein wildes Geröllkar, dann kurz auf zu einer winzigen Scharte. Dahinter geht’s – wieder mit Drahtseilsicherungen – hinunter zum Felsfuß (ca. 2150m). Anschließend steigt das Weglein im Zickzack durch eine von bizarren Türmen flankierte Geröllrinne weiter ab. Nach einer Rechtsquerung kommt man schließlich in denWald, aus der steinig-beweglichen Unterlage werden angenehme Nadelpolster. Unten am Parkplatz bei den Prati Fosne schließt sich die große Runde.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied1430 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWanderparkplatz (1326 m) wenig unterhalb der Prati Fosne, auf asphaltierten Zufahrten aus dem Val Canali erreichbar; Abzweigungen bei der Ponte Piazmador (1075 m) bzw. bei der Baita La Ritonda (1186 m)
Endpunktwie Ausgangspunkt
TourencharakterIn den Dolomiten gibt es viele Traumbilder, natürlich aus Stein gemeiselt, und (mindestens) eines steht an dieser Klettersteigrunde: das Gipfelduo Sass Maor (2814 m) und Cima della Madonna (2752 m), über deren Westgrat (Schleierkante) eine legendäre Kletterroute verläuft (Langes/Merlet, 1920). Es ist aber nur eines von vielen Highlights, die diese »eiserne« Runde im Südwesten der Pala bereithält – ein genialer Mix aus Landschafts- und Klettersteigerlebnis. Letzteres verdient an der »Ferrata del Porton« locker zwei Sternchen; die Fortsetzung der großen Tour ist dann vor allem Schaulaufen in einer großen Kulisse mit stets neuen, immer wieder überraschenden Bildern.
Beste Jahreszeit
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 022 »Pale di San Martino«
MarkierungenDurchwegs ordentlich markierte Wege, Hinweistafeln an den Verzweigungen
GastronomieRifugio Pradidali (2278 m), 20.6.–20.9., Tel. 0439/64180. Rifugio Velo della Madonna (2358 m), 20.6.–20.9., Tel. 0439/768731
Tipps
Erläuterung zum Schwierigkeits-Grad: Von K1 - steht für: "Leicht" bis K6 - steht für: "Extrem schwierig"
Informationen
Schwierigkeit: K 2 (mittel)