Sentiero attrezzato Claudio Costanzi

Brentazauber ohne Brentarummel. Auf diese Kurzformel könnte man das Erlebnis »Costanzi-Weg« bringen. Wenn die zentrale Brenta ihren hochsommerlichen Besucherboom erlebt, sich die »Alpinisten« an der »Via delle Bocchette« gegenseitig auf die Füße treten, ist man in der Nordkette fast immer allein: hier gibt es sie noch, die berühmte Bergesruh. (Autor: Eugen E. Hüsler)
Zustieg.
Auf einer groben Schotterpiste steigt man über das Karrenplateau ab zum weithin sichtbaren Rifugio Graffer (2261 m).
Sentiero Costanzi.
Von der Hütte leicht bergan gegen ein erstes Kar mit dem schönen Namen »Orto della Regina« (Garten der Königin), dann steil hinauf zu einem Band, dem die markierte Spur nach links folgt. Im Zickzack auf eine herrliche Aussichtskanzel (Sperone degli Orti, 2522 m); in ihrem Rücken mündet der »Sentiero Vidi« (? Tour 42). Auf deutlicher Geröllspur fast eben unter den Felsen der Pietra Grande in den innersten Kessel des Val Gelada di Campiglio und etwas mühsam hinauf in die Bocchetta dei Tre Sassi (2613 m), die ihren Namen von ein paar bizarren Zacken hat.
Aus der Scharte zunächst im Geröll, dann über leichte, gestufte Felsen (I-II) und Schrofen auf eine Schulter in der Westflanke des Corno di Flavona, dann über gemütliche Bänder leicht abwärts in den Passo di Val Gelada (2687 m).
Dabei hat man den Weiterweg bereits im Blick. Er steigt im lockeren Geröll aufwärts gegen den Sasso Alto (2890 m). Eine Eisenleiter (die einzige am Weg) und Drahtseile erleichtern den weiteren Anstieg über den felsigen Südgrat. Der Gipfel wird allerdings nicht betreten; die Markierungen leiten auf ein Geröllband, das leicht fallend in die Scharte vor der Cima Sassara (2892 m) führt. Drahtseile sichern hier die exponierten Passagen. Nun kurz aufwärts zu einer Verzweigung: geradeaus zum Bivacco Bonvecchio (2779 m), rechts zum Gipfel mit großem Kreuz und weitem Panorama, 3.45 Std. ab Rifugio Graffer.
Über Geröll kurz hinab zum Biwak, dann teilweise recht luftig, aber nur sparsam gesichert, um ein paar Gratzacken herum und steil auf die Cima Paradiso (2835 m). Am Grat hinüber zur Cima Rocca (2830 m), dahinter mit einigen Sicherungen abwärts in die enge Bocchetta delle Livezze (ca. 2700 m). Ein zwar kurzer, aber senkrechter Kamin erweist sich trotz des Fixseils als recht knifflig. Aus der Scharte gleich wieder steil aufwärts, dann nach links auf ein Band und westlich um die Cima delle Livezze (2774 m) herum (Gipfel-abstecher 5Min.). Nördlich hinab in die nächste Scharte (Sicherungen), über der sich markant die Cima del Vento aufbaut. Der »Sentiero Costanzi« quert ihre wilde, felsdurchsetzte Ostflanke (Edelweiß!), erst an-, dann absteigend in die Bocchetta del Vento (2582 m). Sicherungen fehlen hier völlig, vor allem bei Nässe ist auf der schmalen Spur überm Abgrund größte Vorsicht geboten! Aus der Vento-Scharte nochmals steiler Anstieg bis knapp unter den Gipfel der Cima Tuena (2682 m; Abstecher 10 Min.), am langen, luftigen Nordgrat hinüber gegen die Cima Benon (2685 m). Links unter dem Gipfel hindurch und über teilweise geröllbedeckte Karrenfelder sanft abwärts in die weite Senke des Passo di Prà Castrón (2503 m), 7.30 Std.
Abstieg.
Er führt westlich hinunter ins Valle del Vento, ist bestens markiert, beschreibt aber einige Schleifen. Im Nachhinein erweist sich der Verlauf stets als der logische; vermeintliche »Abkürzer« führen immer in Absturzgelände. Vor dem »Einstieg« in diesen Steilgraben zweigt rechts der Zugang zum Bivacco Costanzi (2365 m, 10 Min.) ab.
Nach knapp zweistündigem Abstieg erreicht man die längst auf-gegebene Malga Scale (1563 m). Hier biegt man links in den mit 355 bezeichneten Talweg ein. Er verläuft mit einigem Auf und Ab an der orographisch rechten Flanke des Val Meledrio. An einer Verzweigung spitzwinklig links weiter (Hinweis »Malga Mondifrà«) und ansteigend in weitläufige Almgelände. Zuletzt auf breiter Sandstraße zurück zur Talstation der Grostè-Gondelbahn.

Herbststeige

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour20 km
Höhenunterschied1400 m
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBergstation der Grostè-Gondelbahn am Grostèpass (2446 m). Die Grostè-Gondelbahn ist von Mitte Juli bis Mitte September in Betrieb; erste Fahrt um 8.30 Uhr.
Endpunktwie Ausgangspunkt
TourencharakterBrentazauber ohne Brentarummel. Auf diese Kurzformel könnte man das Erlebnis »Costanzi-Weg« bringen. Wenn die zentrale Brenta ihren hochsommerlichen Besucherboom erlebt, sich die »Alpinisten« an der »Via delle Bocchette« gegenseitig auf die Füße treten, ist man in der Nordkette fast immer allein: hier gibt es sie noch, die berühmte Bergesruh. Das Weglein läuft in ständigem Auf und Ab über mehrere Gipfel und Scharten, manchmal direkt am Grat, dann wieder in die steilen, schrofigen Flanken ausweichend; eine groß-artige Route, ganz sparsam nur gesichert und absolut logisch in ihrem Verlauf über den fast fünf Kilometer langen Kamm von der Bocchetta dei Tre Sassi zum Passo di Prà Castrón. Faszinierend die Kulisse, weitgespannt der Horizont mit den Dolomiten im Osten, dem Alpenhauptkamm und dem Ortlermassiv im Norden, Presanella und Adamello im Westen. Genau südlich baut sich die zentrale Brenta auf. Mit ihren Felsformen kann die Nordkette nicht konkurrieren; hier zeichnen keine Sfúlmini ihr bizarres Profil in den Himmel, steht kein Campanile Basso. Sie liefert also keine Wiederholung klas-sischer Brentamotive, hat aber ihren ganz eigenen, unverwechsel-baren Reiz. Dazu gehören auch die ständigen Ausblicke in die weite, grüne Mulde des Nonstals: Kontrastbilder.Insgesamt ist die Tour sehr lang, stellenweise auch recht exponiert und als Tagespensum nur für alpine Dauerläufer geeignet. Zum garantiert unvergesslichen Erlebnis wird diese Überschreitung, wenn man in einem der beiden Biwaks am Weg übernachtet.
Hinweise
Gratüberschreitung, der sehr abwechslungsreiche Wegverlauf, im Juli/August die üppigsten Edelweißwiesen weit und breit. Bei einer Übernachtung im Bivacco Bonvecchio Abend- und Morgenstimmung. Man kann die Kammüberschreitung vom Passo di Prà Castrón auch bis zum Rifugio Peller (2022 m) fortsetzen, weitere 3 Std.
VerkehrsanbindungMadonna di Campiglio (1522 m) liegt im Westen der Brentagruppe, 18 km von Dimaro, 31 km von Tione di Trento. An der Straße zum Passo Campo Carlo Magno befindet sich die Talstation (1646 m) der Grostè-Gondelbahn; Bergstation Passo del Grostè (2446 m).
GastronomieRifugio Graffer (2261 m), bewirtschaftet 20. Juni bis 20. September. Bivacco Bonvecchio (2779 m) knapp unter dem Gipfel der Cima Sassara, Bivacco Costanzi (2369 m) nordwestlich vom Passo di Prà Castrón; Notunterkünfte, beide stets zugänglich.
Informationen
Ingesamt 12 Std.; Passo del Grostè – Cima Sassara 3.45 Std., Cima Sassara – Passo di Prà Castrón 3.45 Std., Abstieg zur Malga Scale 2 Std., Rückweg 2.30 Std.
Unterkunft
Rifugio Graffer (2261 m), bewirtschaftet 20. Juni bis 20. September. Bivacco Bonvecchio (2779 m) knapp unter dem Gipfel der Cima Sassara, Bivacco Costanzi (2369 m) nordwestlich vom Passo di Prà Castrón; Notunterkünfte, beide stets zugänglich.

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