VIA FERRATA TOFANA DI MEZZO

Durch ihre Länge sehr anspruchsvolle Tour mit einigen knackigen, Kraft raubenden Einzelstellen. Man bewegt sich in hochalpinem Gelände, muss deshalb auch im Sommer unter Umständen mit schwierigen äußeren Bedingungen rechnen (Schnee, Eis). Verschiedene kürzere Varianten möglich, Zwischenabstiege jeweils (schwach) markiert. (Autor: Eugen E. Hüsler und Manfred Kostner)
3 km
1240 m
8.00 h
Action!
Manche Ferratisti werden nach dem extrem langen und anstrengenden Aufstieg über die Punta Anna allerdings auch etwas gezeichnet im »cielo« ankommen, aber zu-frieden mit der eigenen Leistung. Wer genussvoll über den Punta-Anna-Grat geturnt ist, die Gänsehautquerung am Torre Aglio gemeistert hat und auch noch den finalen Anstieg, darf vom Gipfel dann schon mal nach Süden schauen, wo sich hinter der Civetta die Moiazza verbirgt. Und in ihren Felsflanken hängen bekanntlich die Drahtseile jenes Klettersteigs, der als das non plus ultra in den Dolomiten gilt, der »Ferrata Costantini« (siehe Tour 45).
Storia in ferro.
An der Tofana di Mezzo wurde übrigens Klettersteiggeschichte geschrieben: Ihre Gipfelferrata ist mit Baujahr 1957 die älteste der Ampezzaner Dolomiten! Die Ini-tiative ging vom CAI Cortina aus und vor allem vom Besitzer der Pomedeshütte, dem Bergführer und Spitzenkletterer Luigi Ghedina, genannt »Bibi«. Er war auch maßgeblich am Bau der Route beteiligt, die mit 800 Meter Drahtseil, 350 Verankerungen, vier Leitern und 45 Krampen ausgerüstet ist. Mit dem aufkommenden Klettersteigboom wurde weitergebaut, 1966 der Grat von der Punta Anna zum Bus de Tofana gesichert, 1972 die »Ferrata Olivieri« angelegt (und später im unteren Teil neu trassiert), 1977 dann der »Sentiero Olivieri«. Im Jahr 1979 kam schließlich die Variante »Aglio« am gleichnamigen Felsturm dazu. Der riecht keineswegs – wie man vielleicht annehmen möchte – nach dem würzigen Lauchgewächs (ital. aglio); der Name erinnert vielmehr an den Mäzen Gianni Aglio, der den Bau dieser Route ermöglichte.
Zustieg.
Der schön angelegte Weg führt vom Rifugio Dibona erst quer über eine Geröllreiße, dann in kurzen Kehren an ihrem rechten Rand bergan. Unter den Sockelfelsen der Punta Anna, die auf bunten Raibler Schichten liegen, kommt links der »Sentiero Astaldi« aus dem Tofanakar herüber; wenig später ist die herrlich gelegene Pomedes-Hütte (2303 m) erreicht. Dem Hinweis »Via ferrata« folgend, steigt man auf einer deutlichen Spur über Geröll und Schrofen hinauf zum Einstieg des Klettersteigs (ca. 2460 m)
Via ferrata Giuseppe.
Olivieri Drahtseile leiten zum Auftakt über steile, aber gestufte Felsen auf ein markantes Band. Man folgt ihm nach links ansteigend bis zu einem aussichtsreichen Eck, wo ein origineller steinerner Hochthron zu einem kleinen (Kletter-)Ab-stecher verleitet. Nur wenig höher passiert die Route eine Minischarte (ca. 2530 m); im weiteren Verlauf hält sie sich weitgehend an den Südgrat der Punta Anna, mit einem kleinen Schwenk in die Westwand. Die Schwierigkeiten, bis dahin eher moderat, nehmen nun erheblich zu. Zwei, drei senkrechte Aufschwünge verlangen vollen Krafteinsatz, vor allem eine Passage, die unmittelbar an der schmalen und sehr ausgesetzten Gratkante verläuft. Nach einer luftigen Linksquerung gewinnt die Route über letzte Felsaufschwünge und Schrofen den Gipfel.
Zwischenabstieg.
Am lang gestreckten Gipfelgrat stößt man auf (leicht verblasste) rot-weiße Markierungen. Sie leiten auf ein mit Drahtseilen gesichertes Bandsystem, das den Zugang in das Kar unterhalb des großen Tofanafensters vermittelt. Im Geröll steigt (oder fährt) man ab ins Tofanakar.
Via ferrata Gianni Aglio.
Die Fortsetzung der großen Klettersteigtour führt hinauf (keine Markierungen!), zunächst am Grat, dann schräg über plattige Felsen zu einermarkanten Verschneidung an der Südwand des Dritten Pomedesturms. Sie mündet auf ein breites Horizontalband, demman rechts bis in die ostseitige Schrofenflanke des wuchtigen Turms folgt. Hier heißt es aufpassen; die folgende Verzweigung ist nur schwach bezeichnet! Eine Felsinschrift weist geradeaus nach Ra Valles (siehe unten), ein roter Punkt links bergan. Über Schrofen und im Geröll steigt man, den deutlichen Pfadspuren (zwei Varianten) folgend, an zumlang gestreckten Gipfelrücken des Dritten Pomedesturms (ca. 2850m). Nun am Grat (ab und zu schwarze Markierungen) entlang – nicht auf die nach links abgehenden Bänder ausweichen! Auf eine kleine, ungesicherte Felsstufe (Pfeil) folgt wieder Gehgelände, dann hilft eine Eisenleiter über einen etwa 8Meter hohen Überhang. Dem nächsten Aufschwung weicht die Route nach rechts aus, bis Drahtseile steil zurück zum Grat leiten. Ein Geröllband führt links schräg hinab in die Scharte vor dem Torre Gianni Aglio (2980m). Hier folgen die schwierigsten Passagen der Tour: am Drahtseil steil und anstrengend aufwärts zu einer Verzweigung, dann entweder links auf den Gipfel des Turms (K 5; Abstieg auf der gleichen Route!) oder rechts hinaus in seine Ostwand. Für den Gipfelabstecher ist ein starker Bizeps unerlässlich, die buchstäblich bodenlose, nach außen drängende Querung gut 100Meter über dem Geröllkar von Ra Valles verlangt ein solides Nervenkostüm! Beim Weiterweg darf man ein echtes Naturwunder nicht übersehe: das riesige Felsenfenster (Bus deTofana, 2910m) knapp unterhalb der nächsten Gratsenke, die überleitet zum eigentlichen Bergkörper der Tofana diMezzo.
Zwischenabstieg.
Vom Bus de Tofana bietet sich die Möglichkeit, links im Geröll in den Valon de Tofana abzusteigen (Spur).
Via ferrata Tofana diMezzo.
Die Fortsetzung der »Ferrata Aglio« bietet keine größe- ren Schwierigkeiten mehr, Schnee und Eis in dem schattigen Winkel über dem Ra-Valles- Kar können das Unterfangen allerdings erheblich erschweren, die Lawinenverbauungen dagegen sind vor allem ein ästhetisches Ärgernis. Der deutlichen Spur folgend steigt man zwischen all dem Eisen im Geröll an zu einer Felsstufe. Drahtseile leiten zu einer etwa 10Meter hohen Leiter, die auf ein Horizontalband mündet. Es folgen gestufte Felsen; eine weitere Leiter markiert das Ende der Ferrata. Über Schrofen (gut auf rote Markierungen achten!) erreicht man bald den breiten, mit einem Seilgeländer versehenen Gipfelweg der Funivia. Er führt in wenigen Minuten zum großen Panorama.
Abstiege.
In der Regel wird man sich der modernen Seilbahn bedienen und am ganz dicken Drahtseil bis zur Zwischenstation Ra Valles (2470m) hinabfahren. Eine Überschreitung der Tofana di Dentro (3238m) mit anschließendem Abstieg über den Nordgrat nach Ra Valles kommt nur für trittfeste Dauerläufer in Frage (K 2; keine Hütte am Weg!), ein Rückweg auf der Route der Erstbesteiger (Paul Grohmann, 1863) ist eher etwas für Alpinisten vom alten Schlag: viel Geröll und Schrofen.
Sentiero Giuseppe Olivieri.
Von der erwähnten Verzweigung an der Ostflanke des Dritten Pomedesturms führt eine mit Steinmännchen und wenigen Farbpunkten markierte Spur erst auf breiten Schichtbändern, dann östlich über einen Geröllhang (teilweise abfahren möglich) hinab in die weite Karmulde von Ra Valles. Wenig unterhalb einer Liftstation gabelt sich die Route: links zur Seilbahn (Ra Valles, 2470m), rechts zurück zum Rifugio Pomedes. Der »Sentiero Olivieri« folgt zunächst einem Felsband, steigt dann durch Rinnen (Drahtseile) ab zu einer Steilstufe mit Eisenleiter. Dann wird aus der Ferrata vorübergehend ein Wanderweg, der in Schleifen über den Südosthang des Ersten Pomedesturms hinabzieht zur Ausstiegwand. Drahtseile und eine etwa 8Meter lange Leiter helfen über den Abbruch. Anschließend knickt der Weg nach rechts ab, quert – teilweise mit Drahtseilsicherung – die wilde Schlucht unter den Pomedestürmen, ehe er in einem Geröllhang ausläuft. Vom Rifugio Pomedes (2303m), das man in kurzem Gegenanstieg erreicht, auf dem Zustiegsweg zurück zum Rifugio Dibona.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour3 km
Höhenunterschied1240 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktRifugio Dibona (2037 m), löchrige und nur zum Teil asphaltierte Zufahrt von der »Großen Dolomitenstraße«; Abzweigung etwa auf halber Strecke zwischen Cortina d’Ampezzo und dem Passo Falzárego. Als alternativer Startpunkt kommt das Rifugio Pomedes (2303 m) in Frage. Die Tofana-Seilbahn verkehrt von Mitte Juli bis 10. September von 9–17 Uhr.
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterCortina d’Ampezzo wird immer mal wieder als Klettersteig-Hauptstadt der Dolomiten bezeichnet, und das Angebot ist ja auch wirklich über-zeugend. Fast zwei Dutzend gesicherte Routen zählt man in den Bergen rundum, darunter ein paar absolute Klassiker. Wie die Ferrate an der Punta Anna bzw. der Tofana di Mezzo, die sich so schön miteinander verbinden lassen: fast 1000 Höhenmeter Eisen bis zum dritthöchsten Gipfel der Dolomiten, mit diversen knackigen Einzelstellen, einer überwältigenden Felskulisse und einem Panorama als optischem Schluss-akkord, das zu den schönsten weitum gehört, sich vom Adamello bis zum Triglav in den slowenischen Juliern spannt. Kleiner Schönheitsfehler: Die berauschende Rundschau muss man sich an sommerlichen Schönwettertagen mit einem sehr gemischten Publikum teilen, das den »Aufstieg« zwar auch am Drahtseil zurückgelegt hat, aber weitgehend ohne Anstrengung. Für manche/n reichen allerdings bereits die 50 Höhen-meter zwischen der Bergstation des »Himmelspfeils« (Freccia nel cielo) und dem Gipfelkreuz, um in der dünnen (Alpen-)Luft schwer ins Schnaufen zu kommen.
Beste Jahreszeit
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 03 »Cortina d’Ampezzo«
MarkierungenInsgesamt sehr mangelhafte Markierungen, vor allem oberhalb der Punta Anna und im Abstieg Richtung Ra Valles.
GastronomieRifugio Pomedes (2303 m), Restaurant bei der Bergstation der großen Tofana-Seilbahn
Tipps
Erläuterung zum Schwierigkeits-Grad: Von K1 - steht für: "Leicht" bis K6 - steht für: "Extrem schwierig"
Informationen
Schwierigkeit: K 3 (ziemlich schwierig)
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