VIA FERRATA FIAMME GIALLE – MONTE PELSA

Langer, anspruchsvoller Klettersteig, nur mit Drahtseilsicherungen, keine künstlichen Tritte, Eisenstifte und dergleichen. Zwischen den Kletterpassagen folgt allerdings immer wieder Gehgelände, was die Homogenität der Route beeinträchtigt, aber Gelegenheit zur Erholung bietet. Finaler Coup: der Blick in die Südflanke der Civetta! Der kürzeste Abstieg (»Direttissima«) ist nicht zu empfehlen: extrem steil, mit zahlreichen Kletterpassagen (I, II), bei Nässe sehr gefährlich und auch sonst eine Zumutung. (Autor: Eugen E. Hüsler und Manfred Kostner)
Eine Klassetour.
Schön und schwierig, dazu recht lang ist auch die ge-sicherte Route am Monte Pelsa, die am Westabbruch der Palazza Alta rund 800 Höhenmeter überwindet, mit steilem Auftakt und einem knackigen Ausstieg zum Gipfel (der umgangen werden kann). Dazwischen liegt allerdings auch Latschengelände, was bei Klettersteiglern erfahrungs-gemäß wenig Begeisterung hervorruft. Beim Abstieg hat man dann die Wahl zwischen einer »Direttissima« mit Kletterstellen, die nur sehr ein-geschränkt zu empfehlen ist, und einem schönen, allerdings wesentlich längeren Rückweg. Der bietet dafür viel Aussicht, erst auf die Civetta und ihre Trabanten, dann auf die Pala und zur Marmolada, hinter der rechts die Sella ins schöne Bild hereinschaut.
Über das Civettamassiv.
Die Ferrata am Monte Pelsa lässt sich gut mit den beiden Klettersteigen am Civettahauptgipfel verbinden: drei Tage zwischen Tal und Gipfel, dem (Bergsteiger-)Himmel ganz nahe. Man übernachtet, von der Palazza Alta absteigend, ein erstes Mal im Rifugio Vazzoler (1714 m), überschreitet anderntags die Civetta auf der »Ferrata Tissi« (siehe Tour 44) und gelangt über die »Ferrata Alleghesi« (siehe Tour 43) zur Coldai-Hütte (2132 m). Mit dem Abstieg ins Tal drei un-vergessliche Tage mit viel Eisen – und noch mehr Dolomitenzauber!
Zustieg.
Die »eiserne« Tour beginnt auf Asphalt, führt von Bastiani (971 m) über ein paar Straßenkehren bergan. Kurz vor den wenigen Häusern von Bricol (1097 m) zweigt links der Zustieg zur Ferrata ab. In schönem Mischwald geht’s schweißtreibend steil aufwärts. Von links mündet die »Direttissima«. Der Hinweis »Via ferrata« führt rechts auf ein Band (Drahtseile) und in leichtem Auf und Ab zum Einstieg (ca. 1440 m).
Via ferrata Fiamme Gialle – Monte Pelsa.
Bereits der erste Aufschwung, fast senkrecht am straff gespannten Drahtseil, verlangt vollen Einsatz, und ähnlich anspruchsvoll geht’s zunächst weiter. Nach knapp 100 Höhen-metern ist man erst einmal aus dem Steilfels heraus; es folgt ein halbstündiges Intermezzo in den Latschen, was die erste Freude etwas dämpft, dafür den Schweiß fließen lässt. Ein Notabstieg (»Variante facile per la discesa«), mit dem ursprünglichen Zustieg der Ferrata identisch, erlaubt einen Abbruch der Tour, bevor es erneut in die Felsen geht. Die sind zunächst noch angenehm gestuft, werden dann aber zunehmend steiler. Eine senkrechte Wandstufe und trittarme Platten leiten auf ein Latschenband (1980 m). Man folgt ihm kurz nach rechts und hat dann eine 10-Meter-Wand über sich, die erneut kräftiges Zupacken verlangt. Anschließend folgen gestufte Felsen, über die man – vom Drahtseil geleitet – das oberste Horizontalband der Wand gewinnt. Man verfolgt es nach links und steigt dann kurz an zu einer Verzweigung: Rechts geht’s durch eine gutmütige Rinne (»Variante facile«) zum Ausstieg, geradeaus zum finalen Pfeiler. Der fordert nochmals vollen Einsatz (nach immerhin etwa 1100 Höhenmetern!), vor allem in der kurzen, sehr ausgesetzten und tritt-armen Querung; dann ist der kleine Gipfel vor der großen Civetta gewonnen.
Abstieg.
Der rot-weiß markierte Weg (Hinweis »Vazzoler«) läuft über den mit Latschen bewachsenen, nur wenig steilen Ost-rücken des Monte Pelsa schräg abwärts zu den weiten Blumenwiesen der Pian di Pelsa, wo er sich gabelt (Tafeln): Links geht’s unter dem Torre Venezia sanft bergan in die Sella di Pelsa (1954 m) und zur nächsten Gabelung. Hier nimmt man den links abgehenden Weg (»Cencenighe«), der, zuletzt recht steil ansteigt in die Forcella di Col Mandro (2032 m). An der Scharte setzt ein steiler, von Fels-wänden flankierter Graben an, durch den man etwa 150 Meter weit absteigt. Dann leitet die Spur links auf ein Band (Drahtseil) und mit herrlichem Tiefblick auf Álleghe und seinen See (Quelle) flach hinaus zum Biwak Col Mandro (1844 m), einem prächtigen Rastplatz mit Aussichtsplattform. Unterhalb der winzigen Hütte taucht der Weg endgültig ein in den Wald. Mit der Markierung 567 steigt man weiter ab bis zu einem großen, un-bewohnten Haus (1150 m). Gleich unterhalb der Halbruine geht links eine Spur ab (Hinweis an Baum »Bastiani«). Sie quert einen bewaldeten Graben und mündet nur wenig oberhalb des Weilers in den Klettersteig-zustieg. Auf ihm zurück zum Ausgangspunkt.
Variante »Direttissima«.
Nur knapp unterhalb der Palazza Alta (2255 m) muss man sich entscheiden: rechts hinunter zum Pian di Pelsa oder geradeaus. Eine dünne Spur führt am Kamm entlang nördlich in eine wenig ausgeprägte Gratsenke (I Sec, 2200 m). Hier startet die »Direttissima«: Ordentlich markiert, aber extrem steil läuft sie durch Felsrinnen und Latschengestrüpp bergab. Steinschlag-gefahr durch Nachsteigende! Immer wieder sind kürzere (durchwegs ungesicherte!) Kletterstellen zu meistern, wobei der geschlauchte Ferratist mehr als einmal in seiner Not an einer knorrigen Wurzel Halt suchen wird. Über dem Valle Morbiac (ca. 1450 m) stößt man wieder auf den Anstiegsweg. Kein echtes Vergnügen!

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour16 km
Höhenunterschied1480 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBastiani (971 m), kleiner Weiler oberhalb von Cencenighe (774 m); asphaltierte Zufahrt, nur sehr beschränkte Parkmöglichkeit
Endpunktwie Ausgangspunkt
TourencharakterDass die Civetta (3220 m), dieses Schaustück der südöstlichen Dolomiten, nicht nur Flügel (civetta = Käutzchen) und eine fantastische Nordwestwand, sondern auch einen dicken Unterbau hat, dürfte nicht allen Bergsteigern geläufig sein. Wer sich dem Massiv von Nordosten nähert, vielleicht die »Via ferrata Alleghesi« ansteuert (siehe Tour 43), merkt davon kaum etwas. Lediglich auf der Westseite treten die Riffkalke deutlich zutage, brechen sie steil zum Cordévole ab. Der Hauptgipfel des Massivs überragt den Unterbau allerdings noch um gut einen Kilometer; die schönste Aussicht auf den stolzen Dreitausender bietet das Rifugio Tissi (2250 m) am Col Rean. Von der Palazza Alta (Monte Pelsa), auf deren Gipfel die Ferrata ausläuft, genießt man dafür eine fantastische Schau auf die beiden Südkämme des Bergstocks mit den legendären Kletterzacken des Torre Venezia (2337 m) und des Torre Trieste (2458 m). Genau östlich erhebt sich die Moiazza (2878 m), und da wartet – das wissen Klettersteigler natürlich – die schönste und schwierigste Ferrata der Dolomiten (siehe Tour 45).
Beste Jahreszeit
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 015 »Marmolada – Pelmo – Civetta«
MarkierungenOrdentlich bezeichnete Wege
GastronomieBivacco Col Mandro (1844 m), Notunterkunft, stets offen
Tipps
Erläuterung zum Schwierigkeits-Grad: Von K1 - steht für: "Leicht" bis K6 - steht für: "Extrem schwierig"
Informationen
Schwierigkeit: K 4–5 (schwierig-sehr schwierig)