VIA FERRATA CESCO TOMASELLI

Sehr anspruchsvolle, landschaftlich großartige Route, nur mit Drahtseilsicherungen. Schlüsselstelle gleich am Beginn der Route, auch Abstieg auf etwa 140 Höhenmetern noch gesichert und anspruchsvoll (K 4). An denWochenenden bei Schönwetter stets viel Betrieb, weshalb es auch schon mal zu Staus kommen kann. Dadurch erhöhtes Risiko von Steinschlag durch Voraussteigende! (Autor: Eugen E. Hüsler und Manfred Kostner)
Im Steilfels.
Inzwischen sind Klettersteig und Klettersteigler (E. E. H.) etwas in die Jahre gekommen; der Ferrata sieht man das kaum an. Sie ist bis heute ein Hit unter den vielen gesicherten Routen der Dolomiten, zählt auch immer noch zu den anspruchsvollsten: steil, abschnitts-weise sehr luftig und nur mit Drahtseilen gesichert. Die sind an den Fels eines Fast-Dreitausenders geheftet, was ein prickelndes Hochgefühl mit reichlich Luft unter den Schuhsohlen garantiert: Klettern im Dolomitfels, inmitten all dieser steinernen Pracht.
Leicht macht es der steile Zahn, die südliche der drei Zimes de Fanes (Fanisspitzen, 2989 m), den mit Klettersteigset ausgerüsteten Gipfelanwärtern allerdings nicht. Die Schlüsselstelle gleich zum Auftakt, noch in Sichtweite des Chiesa-Biwaks und interessiert guckender Zuschauer, trennt gleich die Spreu vom Weizen, gestattet kein Zaudern, und ein zweifelnder Blick in die Tiefe hilft da nur wenig. Auch höher im Fels wird wiederholt kräftiges Zupacken verlangt (besser noch ist eine gute Klettertechnik), auch beim Abstieg, der einen in eine winzige Scharte entlässt, leicht geschafft vielleicht, aber garantiert zufrieden. Eindeutig ein Klassiker, die »Tomaselli«!
Zustieg.
Vom Falzáregopass (2105 m) führt ein markierter Weg, teilweise über Skipisten, hinauf in die Forcella Travenanzes (2507 m). Schneller, nämlich absteigend, kommt man von der Bergstation der Lagazuoi-Seilbahn (2752 m) in das Joch. Nun auf deutlicher Geröllspur in nördlicher Richtung flach zu einer winzigen Scharte und anschließend kurz bergan in die Gran Forcela (2652 m).
Via ferrata Tomaselli.
Nur wenig oberhalb der schönen Aussichtsterrasse greift man zum Drahtseil. Es leitet kurz aufwärts, dann nach links in die – längst legendäre – Querung unter den Resten alter Holzleitern eines spektakulär angelegten ehemaligen Kriegssteigs. Manch eine/r würde sich hier auch ein paar künstliche Tritte wünschen, doch neben dem fest verankerten Drahtseil hilft nur die richtige Technik über diese Schlüsselstelle: nicht am Fels kleben, sondern stemmen, auf Reibung gehen! Nach dieser Nervenprobe ist Aus-dauerkraft gefragt: etwa 60 Meter sehr steil, teilweise auch senkrecht aufwärts zu einem Schuttband. Hier besteht ein (nicht bezeichneter) Notausstieg; eine Spur führt rechts in eine Steilrinne, durch die man bis zum Felsfuß absteigen (abfahren) kann. Die »Tomaselli« dagegen wendet sich nach links; mit Drahtseilsicherung steigt man diagonal an gegen das »Cengia Veronesi«. Nun nicht der Geröllstraße folgen, sondern gesichert über gestufte Felsen aufwärts und rechts über ein bequemes Band zu einer Aussichtskanzel mit packendem Blick zur Tofana di Rozes. An dem Eck startet der finale Anstieg; in dem steilen, zweimal kurz senkrechten bis leicht über-hängenden, aber griffigen Fels arbeitet man sich nach oben. Eine 20-Meter-Verschneidung verlangt nochmals vollen Einsatz; sie mündet auf den Gipfelgrat. Hier stellt sich dem Ferratisten als letztes Hindernis ein plattiger Aufschwung entgegen. Anschließend spaziert man hinüber zum Gipfel.
Knapp 200 Klettermeter am Drahtseil bietet auch der Abstieg in die Selletta Fanis (2840 m). Er verläuft, durchgehend gesichert, über die Nordostwand der Südlichen Fanisspitze und weist drei kurze, senkrechte Passagen auf, bei denen man ordentlich zupacken muss. Ein Felsband führt schließlich zum Ausstieg.
Abstieg.
Aus der engen Scharte rutscht man südseitig durch ein steiles Couloir ab bis zum Felsfuß. Pfadspuren leiten nach rechts mit kurzem Gegenanstieg zurück in die Gran Forcela. Auf dem Hinweg zurück zum Falzáregopass.

Herbststeige

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied940 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktPasso Falzárego (2105 m) oder Kleiner Lagazuoi (2752 m). Die Lagazuoi-Seilbahn ist von Anfang Juni bis Anfang November in Betrieb, erste Bergfahrt 9 Uhr, letzte Talfahrt 17 Uhr.
Endpunktwie Ausgangspunkt
TourencharakterMit der »Ferrata Tomaselli« hat es seine besondere Bewandtnis, denn mit ihr verbindet mich mehr als nur die Freude über einen schönen Klettersteig. Sie öffnete mir den ersten (zaghaften) Blick in eine neue Welt, jene der Eisenwege. Lange ist’s her, das Datum allerdings leicht zu merken. Denn just an jenem Julitag 1969, als der US-Amerikaner Neil Armstrong seinen Fuß auf den staubigen Boden des Mondes setzte und das mit den Worten »That’s one small step for a man, one giant leap for mankind« kommentierte, stolperte ich über das damals brandneue Drahtseil an der Südlichen Fanisspitze. Ganz zufällig, denn von Vie ferrate hatten die beiden Schweizer, zum Klettern in den Ampezzaner Dolomiten, keine Ahnung. Es sollte – was ich damals noch nicht ahnen konnte – eine doch recht folgenschwere Begegnung sein: »Ein großer Schritt für mich, aber ein winzig kleiner ...«
Beste Jahreszeit
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 03 »Cortina d’Ampezzo«
MarkierungenZustieg ordentlich markiert, dann immer den Drahtseilen nach
GastronomieRifugio Lagazuoi (2752 m)
Tipps
Erläuterung zum Schwierigkeits-Grad: Von K1 - steht für: "Leicht" bis K6 - steht für: "Extrem schwierig"
Informationen
Schwierigkeit: K 5 (sehr schwierig)
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