ALTA VIA BEPI ZAC

Sehr lange, anstrengende Kammüberschreitung; auf der erstenWeghälfte leicht (K 1–2), hinter der Forcela de Ciadin allmählich zunehmende Schwierigkeiten. Im Überstieg zur Forcella di Laghet knackige Klettersteigpassage (K 3–4). Eine Tour für erfahrene Bergsteiger, die Konditionsprobleme nur vom Hörensagen kennen. Markierte Zwischen- bzw. Notabstiege, teilweise rau, wie auch die Geröllrutsche ins Val da la Tascia. (Autor: Eugen E. Hüsler und Manfred Kostner)
18 km
1320 m
9.00 h
Ein Höhenweg mit Geschichte.
Unmittelbar am Pass startet die »Alta via Bepi Zac«, die, 1981 angelegt, ein recht wechselvolles Schicksal hinter sich hat. Ursprünglich bis zur Cima dell’Uomo führend (wie man an der Gedenktafel ablesen kann), musste die Gipfelferrata nach Unfällen auf behördliche Anordnung wieder abgebaut werden. Nach und nach zerfiel der östliche Abschnitt der großartigen Höhenroute mitsamt einem Direktzustieg vom Passo die San Pellegrino. Vor ein paar Jahren entschloss man sich zur Sanierung der Alta via, die nun nach abenteuerlich-aufregendem Verlauf an der Forcella di Laghet endet, den Dreitausender dabei auslässt. Das macht überhaupt nichts, bietet sie doch eine Überfülle an Eindrücken, Aussicht en masse auf viele berühmte Dolomitengipfel – und mehr als nur einen Blick zurück auf ein düsteres Kapitel der europäischen Geschichte. Im Ersten Weltkrieg verlief die Dolomitenfront quer über den Costabelakamm. So folgt der westliche Abschnitt der »Bepi Zac« weit-gehend alten Frontsteigen, und mehr als einmal verschwindet sie in einem düsteren Stollenloch. Im Ciastel de Costabela (2730 m), einem markanten, von den Italienern zur Festung ausgebauten Felsturm westlich der Forcela de Ciadin, ist sogar ein kleines Museum eingerichtet. Es zeigte 2007 zeitgenössische Fotos – erfreulicherweise keine Glorifizierung des »Grande Guerra«, sondern ein schonungslos erschütterndes Abbild vom Grauen des Krieges. Der (dreisprachige) Hinweis, dass die Ausstellung für Kinder nicht geeignet sei, hatte durchaus seine Berechtigung.
Zustieg.
In weniger als 2 Stunden steigt man von der Hotel- bzw. Wintersportsiedlung am Passo di San Pellegrino (1919 m) mit der rot-weißen Markierung 604 hinauf zum Pas de le Sele (2528 m); Startpunkt ist beim großen Parkplatz an der Talstation des Costabella-Lifts oder direkt auf der Scheitelhöhe.
Alta via Bepi Zac.
Die Überschreitung beginnt mit dem Anstieg zum Picol Laste (2697 m). Die deutliche Spur zieht im Zickzack bergan, Drahtseile erleichtern den Weiterweg in die Gipfelregion. Die Markierungen leiten in einen ausgeräumten Stollen und führen dann am Kamm entlang hinüber gegen den Gran Laste (2716 m). Unter dem Grat entdeckt man eine Mannschaftsunterkunft, gemäß Inschrift noch im Originalzustand von 1915. Kurz danach folgt eine Kletterstelle (Haken); Seile und ein paar Holzstege sichern den Weiterweg, der schließlich zurück zur schmalen Gratschneide leitet. Drahtseile entschärfen diese luftige Passage; dann geht’s hinauf zur Cima de Campagnacia (2737 m), wo wenig unterhalb des Gipfels eine Inschrift im Fels daran erinnert, dass hier im Ersten Weltkrieg auch deutsche Truppen kämpften (»König-Ludwig-Hütte – 1915«).
Jenseits des Gipfels läuft der Weg kurz hinab zum Banch de Campagnacia (ca. 2690 m; markierter Zwischenabstieg). Am Gegenanstieg zur Cima de Costabela (2762 m) folgt eine originelle Wegpassage: eine 8 Meter hohe Holzleiter. Der Weiterweg führt von dem stark befestigten Gipfel steil hinunter in eine weite Geröllmulde. Hier mündet ein markierter Zustieg aus dem Nikolaustal (Val de Sen Nicolò). Im Vorblick hat man den eigenartig geformten Turm des Ciastel de Costabela (Sasso di Costabella, 2730 m), im Krieg die vorderste Stellung der Alpini in diesem Frontabschnitt. Drahtseile und ein Holzsteg leiten hinauf in die Felsfestung; im Krieg war sie über eine kühne Treppenkonstruktion zugänglich, die erst vor kurzem rekonstruiert wurde. Man benützt sie für den Abstieg und stößt so wenig oberhalb der Forcela de Ciadin (2664 m) wieder auf den Originalweg. An der Scharte endet der erste Abschnitt der »Alta via Bepi Zac«; ein markierter Abstieg führt hinunter zum Passo di San Pellegrino.
Die Fortsetzung des Höhenwegs quert, teilweise gesichert, bis unter die Felsen der Ponta de le Valate (2837 m), wendet sich dann in eine steile Geröllrinne. Straff gespannte Drahtseile erleichtern den Aufstieg in eine winzige Scharte an der Ostflanke des Berges; Steigspuren und Markierungen leiten anschließend über seinen geröllbedeckten Nordrücken zum abgeflachten Gipfel. Der Weg verbleibt bis zum Om Gran (2805 m) am Kamm, umgeht dann die Ponta del Ciadin südseitig und führt mit einigem Auf und Ab hinüber in die Forcella dell’Uomo (2840 m). Dabei kommt man unmitttelbar am Fuß des Torre California vorbei, einem rund 60 Meter hohen, unglaublich schlanken Obelisken. Seinen Namen soll der Turm übrigens der Liebe des Erstbesteigers zu einem Mädchen aus den USA verdanken. Aus der Uomoscharte steigt die »Alta via Bepi Zac« im Geröll schräg abwärts. Man kreuzt den Normalweg zum Dreitausender (Tafel; hier Notabstieg möglich), passiert ein recht luftiges Eck (Drahtseil, Holzsteg) und biegt in ein weiteres Schuttkar. Der Höhenweg quert es und führt dann hinauf zu einer steilen Rinne. Drahtseile leiten in einen düsteren Felswinkel (Klemmblock), dem man mit kräftigem Armzug (Haken, kleine Tritte) entsteigt (Schlüsselstelle). Am Drahtseil über den Klemmblock und auf Eisenstiften über eine kleine, aber senkrechte Wand. Die Route steigt noch kurz an bis zu einer winzigen Scharte (ca. 2790 m) und senkt sich dann über Felsen (Drahtseil) und Geröll in die Forcella di Laghet (2765 m; Wegzeiger).
Abstieg.
Er führt nicht nach Süden (wilde Schlucht!), sondern nördlich durch eine steinige Karmulde, dann über einen sehr be-weglichen Geröllhang hinunter in das Val da la Tascia, wo man nach der strapaziösen Gleichgewichtsübung auf einen Weg stößt. Auf ihm wandert man durch den Busc da la Tascia (Steinbockrevier) hinab und hinaus zum Rifugio Fuciade (1982 m), wo eine verdiente Rast fällig ist. Den Abschluss der großen und grandiosen Runde bildet dann der Spaziergang zurück zum Passo di San Pellegrino: keine Steigung, bequeme Unterlage.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour18 km
Höhenunterschied1320 m
Dauer9.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktPasso di San Pellegrino (1919 m), Straßenübergang vom Fassa- ins Cordévoletal, 12 km von Moena, 8 km von Falcade. Alternativer Ausgangspunkt ist die Bergstation des Costabella-Sessellifts (2273 m). Er verkehrt von Anfang Juli bis 10. September von 8.30–12.20 Uhr / 14–17.50 Uhr.
Endpunktwie Ausgangspunkt
TourencharakterSie gehören nicht zu den berühmten Schaustücken der Dolomiten, die Berge über dem San-Pellegrino-Pass, obwohl in dem lang gestreckten Kamm einige fantastische Türme stehen und mit der Cima dell’Uomo (Ponta de l’Om, 3010 m) sogar ein Dreitausender. Der hat einen recht berühmten Erstbesteiger (1879): Gottfried Merzbacher, geboren im bayerischen Baiersdorf bei Erlangen. Er unternahm mehrere Forschungsreisen in asiatische Gebirge, u.a. zum Elbrus und ins Tienschan, wo ein periodisch ausbrechender Gletschersee seinen Namen trägt. Nach einem anderen Bergsteiger ist die große Höhenroute am Costabela-Uomo-Kamm benannt, nach Bepi (Zac) Pellegrin. Er war viele Jahre Wirt auf der Bergvagabundenhütte am Passo delle Selle und initiierte den Bau des Gratwegs, wirkte dabei auch mit. Heute wird das neu errichtete, ein-ladende Haus von seinem Sohn, Floriano Pellegrin, zusammen mit seiner Frau Elisabetta geführt.
Beste Jahreszeit
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 06 »Val di Fassa e Dolomiti Fassane«
MarkierungenDie »Alta via Bepi Zac« ist durchgehend ordentlich bezeichnet, ebenso Zu- und Abstieg. Lediglich im Bereich des Geröllhangs über dem Val da la Tascia fehlen Farbmarkierungen. Hinweisschilder an allen Verzweigungen.
GastronomieRifugio Passo le Selle (2530 m), Anfang Juni bis Anfang Oktober, Tel. 0347/4039331. Rifugio Fuciade (1982 m), Restaurant ganzjährig geöffnet, Übernachtung im Sommer, Tel. 0462/768194
Tipps
Erläuterung zum Schwierigkeits-Grad: Von K1 - steht für: "Leicht" bis K6 - steht für: "Extrem schwierig"
Informationen
Schwierigkeit: K 3 (ziemlich schwierig)

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