Zwischen Höllental und Eibsee

Übergang Höllental- Riffelscharte-Eibsee mit Klettersteigpassagen, steilen und exponierten Wegstellen verbunden, nichts für Ungeübte; beachtliche Höhendifferenzen und langer Anmarsch, also ggf. als zweitägige Tour anzusetzen; Abkürzungsmöglichkeit durch die Zugspitzbahn; grandioser Gebirgsrahmen. Robuste, felstaugliche Montur, vor allem griffiges Schuhwerk unabdingbar. (Autor: Bernd Riffler, Heinrich Bauregger)
Wir sind lange Jahre an stillen Herbsttagen, wenn der Touristenstrom versiegt war und das Laubdach in letzter Farbenpracht glühte, durch den Riffel- und Stangenwald gewandert, fasziniert und staunend durch die Höllentalschlucht gestiegen und bei der Höllentalangerhütte ehrfürchtig und überwältigt vor dem gigantischen Gewände unter der Zugspitze gestanden. Aber weil eben die Wünsche mit den Erlebnissen und Erfahrungen wachsen, sind wir eines Tages in der Höllentalangerhütte geblieben und am nächsten Morgen zur Riffelscharte hinaufgeklettert, jenseits die zweihundert Höhenmeter an Drahtseilen zur endlosen Sandreiße hinabgestiegen, auf Schuttströmen zum Gleis der Zugspitz- Zahnradbahn runtergeschlittert und schließlich im Hochwald zum grün-dunklen Ausflüglerdorado des Eibsees hinabgestiefelt.
a) Unterer Nordsteig (Höhenweg Eibsee–Höllental): Geparkt wird an der Zugspitzbahnstation beim Eibsee (983 m). Der mit »EH« markierte Weg überquert zunächst das Bahngleis, macht dann einen scharfen Linksknick und taucht in den Riffelwald ein. Ein gewaltiger Erdrutsch aus dem Jahr 1969, der mittendrin unseren Weg kreuzt, stimmt für einen Moment etwas nachdenklich und verweist darauf, dass selbst in einer kultivierten Urlaubshochburg die Natur gelegentlich ihrer eigenen Wege geht. Dann aber geht es wieder im stillen und kühlen Stangenwald um die Nord-Ost-Abbrüche der Waxensteine herum und schließlich im lang gezogenen Rechtsbogen zu dem Weg, der von Hammersbach herführt zum Eingang der Höllentalklamm (1045 m). Wer das Naturschauspiel ausschlägt, kann gleich links hinab nach Hammersbach (758 m) wandern und mit der Zugspitzbahn zum Ausgangspunkt beim Eibsee zurückkehren.
Wer hingegen die entsprechende Zeit und Lust für derlei beeindruckende Zusatzerlebnisse mitbringt, wird zumindest den Klamm-Abstecher dranhängen und möglicherweise sogar noch bis zum Talschluss unter der Zugspitze marschieren. Auch bei dieser erweiterten Version endet der Rückweg in Hammersbach und bei der Haltestelle der Zugspitzbahn, wo einmal in der Stunde die Bockerlbahn vorbeikommt.
b) Über die Riffelscharte (2161 m): Wer den anstrengenden Übergang in einem Tag unterbringen möchte, wird die umgekehrte Abfolge wählen, in Hammersbach (758 m) parken, dann mit der Zugspitzbahn am Eibsee vorbei zur 1685 m hoch gelegenen Station Riffelriß fahren, sich damit gute 900 Höhenmeter Anstieg ersparen und nach der Überschreitung der Scharte durchs Höllental zum Startpunkt Hammersbach zurückkehren. Das bedeutet neben der spürbar geringeren Bergaufplage auch einen um eineinhalb Stunden reduzierten Zeitaufwand.
Erlebnisvoller und weniger gerafft ist hingegen die im Vorspann beschriebene und empfohlene 1,5- bis 2-tägige Variante von Hammersbach durchs Höllental. Man wandert also von Hammersbach (758 m) neben dem gleichnamigen Bach in südlicher Richtung taleinwärts und gelangt auf waldschattigen und bequemen, nur gelegentlich steileren Forstwegen zur Eingangshütte der Höllentalklamm (1045 m). Oberhalb der Klamm geht es etwas anstrengender zur Höllentalangerhütte (1387 m) hinauf, in der man übernachtet. Am nächsten Morgen geht’s zunächst noch weiter taleinwärts und bis in den hintersten Winkel des Höllentals. Hier ist eine Wegteilung, bei der die Zugspitzaspiranten links weiterstiefeln, während wir den rechts abbiegenden Steig nehmen, der über drahtseilgesicherte schwierigere Passagen und latschendurchsetzte Osthänge, dann durch Geröll das Riffelkar und die Scharte (2161 m) erreicht (zwischendrin zweigt rechts der Schafsteig zum Waxensteinkamm von unserer Route ab).
Von der Riffelscharte wäre es fast nur noch ein Katzensprung bis zur Südlichen Riffelspitze (2263 m). Aber auch ohne den sind die Ausblicke schon hinreißend genug. Außerdem prickelt bereits das bevorstehende Kraxelmanöver unter den Sohlen. Also gehen wir die paar Schritte um die Nordseite des Riffeltorkopfes herum, wo uns die ersten Drahtseile aufnehmen. Das Gespräch verstummt. Nicht einmal dreißig Minuten dauert indessen die Aufregung. Dann stehen wir am oberen Rand der mächtigen Riffelreiße. Wer im »Abfahren« geübt ist (aber auch nur diese!) stürzt sich mit Begeisterung ins Vergnügen. Unten angekommen überquert man anschließend das Gleis der Zugspitzbahn und steigt zuletzt im Hochwald zum Eibsee ab.
Wer sich hingegen im Steilgeröll noch nicht daheim fühlt und demzufolge die Schuttreiße lieber links umgeht, gelangt zuerst zur bereits erwähnten Station Riffelriß (1685 m) der Zugspitzbahn, dann links hinab zum Verbindungsweg Eibsee – Neustädter Hütte und auf diesem rechts haltend zum Eibsee (983 m). Den Rest zum Hammersbacher Ausgangspunkt zurück besorgt schließlich die Zugspitzbahn.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour8 km
Höhenunterschied1410 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
Ausgangspunkta) Nordsteig bzw. Eibsee-Höhenweg: Eibsee (983 m), Station der Zugspitzbahn; b) Riffelscharte: Hammersbach (758 m) oder Zugspitzbahn, Haltestelle Riffelriß (1685 m).
Endpunkta) Hammersbach (758 m); b) Eibsee (983 m).
TourencharakterZwischen dem von Blassenkamm, Zugspitze und Waxensteinkamm dreiseitig umfassten Höllental und dem Eibsee gibt es zwei Querverbindungen, die sehr unterschiedliche Ansprüche stellen. Den »Unteren Nordsteig«, der als Spazierweg waldumschattet und am Fuß der Waxensteinabstürze vom prominenten Garmischer Gewässer zur wildromantischen Klamm des Hammersbachs hinüberführt. Dann den verwegenen Klettersteig über die Riffelscharte, die als kleine »Schwachstelle« des schroffen Waxensteingemäuers auch auf luftiger Höhe einen Übergang erlaubt, aber die sichere Beherrschung des klettertechnischen Einmaleins voraussetzt.
Beste Jahreszeit
KartentippTopogr. Karte LVG 1:50000, Werdenfelser Land; Kompass Wanderkarte 1:50000, Nr. 5 Wettersteingebirge.
MarkierungenWie überall im Garmischer Gebiet bestens beschilderte Wege.
VerkehrsanbindungAutobahn München – Garmisch, Garmisch, Richtung Griesen, links abbiegend nach Hammersbach bzw. zum Eibsee; Zugspitzbahn Hammersbach – Eibsee; Bahnstation Garmisch-Partenkirchen, Zugspitzbahn zu den Ausgangs- bzw. Endpunkten.
GastronomieKlamm-Eingangshütte, Höllentalangerhütte.
Informationen
Der Eibsee-Rundweg: Wer schon an der Eibseegegend Gefallen findet und auch im Winter dort wandern möchte, sei auf den stimmungsvollen Eibsee- Rundweg hingewiesen, der sich in der kalten Jahreszeit mit dem eisbedeckten See vor der majestätischen Zugspitz-Kulisse besonders eindrucksvoll gestaltet.
Unterkunft
Höllentalangerhütte (1387 m), Anfang Juni–Mitte Okt. bewirtschaftet, Tel. 08821/88 11.
Tourismusbüro
Kurverwaltung Garmisch- Partenkirchen, Richard-Strauss- Platz 1a, 82455 Garmisch-Partenkirchen, Tel. 08821/1800, Fax 180755, E-Mail: tourist-info@garmisch-partenkirchen.de, www.garmisch-partenkirchen.de

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Bernd Riffler, Heinrich Bauregger

Oberbayerische Hausberge

Bernd Riffler und Heinrich Bauregger führen zu den bewährten Lieblingszielen in den Münchner Haus- und Familienbergen, aber auch zu den weniger bekannten Gipfelzielen.

Jetzt bestellen