VIA FERRATA DELLE TRINCEE

Auf den Spuren des Krieges (Autor: Eugen E. Hüsler und Manfred Kostner)
Ein historischer Pfad.
Die Überschreitung von der Porta Vescovo (2478 m) zum Rifugio Padon gliedert sich in zwei ganz unterschiedliche Abschnitte: in eine recht kurze, aber knackige Ferrata und in einen längeren Grat- bzw. Höhenweg, der den alten Stellungen und Kriegspfaden folgt – interessant, aber ungleich weniger schwierig. Wichtiger als ein kräftiger Bizeps sind dabei eine gute Lampe und der Helm, da die ausgeräumten, teilweise stockfinsteren Tunnels nicht besonders hoch sind. Die österreichischen Truppen hielten den Westabschnitt des Padonkamms mit dem Bech da Mesdì besetzt, während sich die Alpini weiter östlich, rund um die Mesolina (2642 m) verschanzt hatten. Versorgt wurden die Kaiserjäger über eine Seilbahn von Arabba aus; ihre Bergstation befand sich auf der Porta Vescovo.
Die Front im Eis.
Die Front verlief auch quer über die Marmolada, und selbst in diesem extrem hochalpinen Gelände wurden Stellungen ausgebaut, wurde gekämpft. Die Österreicher errichteten am Sass da le Doudes im Innern des Marmoladagletschers eine regelrechte »Eisstadt«, Unterkunft für immerhin etwa 240 Mann, mit Verbindungsstollen zur Front-linie unterhalb des Serautakamms und unter-irdischem Zugang vom Gletscherrand her. Sie war nicht nur vor feindlichem Beschuss bestens geschützt, sondern auch vor Lawinen.
Zustieg.
Von der Staumauer des Fedaiasees (2053 m) führt ein ordentlicher Weg durch das Val de Fedaia hinauf zur Porta Vescovo (2478 m) mit der Bergstation der von Arabba (1601 m) ausgehenden Großkabinen-Seilbahn. Hier hält man sich rechts und folgt dem Höhenweg zum Rifugio Padon, bis eine Schrift am Fels links hinauf zur Ferrata weist. Im Zickzack über einen steinigen Hang zum Einstieg (2570 m).
Via ferrata delle Trincee (erster Abschnitt).
Der Einstieg setzt gleich den Tarif: 30 Meter am Drahtseil, zuerst nahezu senkrecht und weitgehend trittlos (ein Stift). Hier muss man kräftig zupacken; wer die richtige Technik beherrscht (auf Reibung gehen!), tut sich leichter. Die Drahtseile münden auf ein grasiges Band, dem man nach links folgt. Zwei Eisentritte entschärfen den nächsten, kurzen Steilaufschwung, dann laufen die Drahtseile – erst nach links, dann rechts ansteigend – über eine riesige glatte Platte. In Kammnähe folgt nach kurzem Zwischenabstieg eine glatte Verschneidung, ehe man über leichtere Felsen den schroffen Grat gewinnt. Ihm folgt die Route in anregendem Auf und Ab über Scharten, kleine Aufschwünge und schmale Bänder; Highlight ist die kurze, zwischen zwei Felszacken verankerte Hängebrücke. Im Bereich des Ostgipfels entdeckt man zahlreiche Überreste der ehemaligen k. u. k. Stellungen; hier war während des Krieges ein großer Scheinwerfer installiert, der bis hinüber zum Col di Lana strahlte. Der steile, mit Drahtseilen und einigen Eisenbügeln gesicherte Abstieg läuft nach einer abdrängenden Querung in einer markanten Gratsenke aus.
Zwischenabstieg.
Über die Serpentinen eines alten, noch recht gut erhaltenen Kriegspfades steigt man ab zu dem Hangweg, der die Porta Vescovo mit dem Passo Padon verbindet. Auf ihm zurück zur Seilbahnstation und hinunter zum Fedaiasee.
Via ferrata delle Trincee (zweiter Abschnitt).
Die Fortsetzung der Via ferrata folgt größtenteils alten Kriegssteigen und ist – trotz einiger gesicherter Abschnitte – mehr historischer Lehrpfad als Via ferrata. Sie schlängelt sich um die bizarren Türme der Crepes de Padon herum, verschwindet dabei zweimal im Bauch des Berges. Aus der erwähnten Gratsenke (Ende des ersten Teilstücks) führt die Route zunächst ansteigend in die Nordflanke eines namenlosen Gratturms, dann gut gesichert über Felsstufen hinab zu einer größeren Anlage von ehe-maligen Kriegsunterkünften. (Hier ist ein Zwischenabstieg nach Süden, auf den Hangweg, möglich.) Am sichernden Drahtseil steigt man über einen Felshang weiter ab in die Nordflanke des Kamms; an einer Mini-scharte wechselt der Weg wieder auf die sonnige Südseite. Nur wenig weiter leiten die Sicherungen in eine Rinne und aus ihr über steile Felsen schräg aufwärts zum Kamm. Am Drahtseil steigt man links des Grats kurz ab zu einem Stolleneingang. Der etwa 50 Meter lange Tunnel hat einen Zwischenausstieg; er mündet am Ostfuß des namenlosen Turms. Die Fortsetzung des Höhenwegs verläuft wieder auf der Sonnseite des Kamms; er führt unter den Felsen sanft bergab, bis die Drahtseile über eine steile Wand luftig hinaufziehen zum Eingang des etwa 300 Meter langen Tunnels. Das finstere Loch steigt zunächst an (Treppe), führt an einigen Felsenfenstern vorbei und mündet schließlich wenig oberhalb des Biwaks Bontadini (2552 m). Über Grashänge steigt man ab zum Rifugio Passo Padon (2369 m).
Abstieg/Rückweg.
Ein schöner Höhenweg, rot-weiß markiert, führt über die süd-seitigen Wiesen unter dem Padonkamm mit freier Sicht auf die Marmolada (und einer etwas anhänglichen Gegensteigung) zurück zur Porta Vescovo (2478 m).Wer am Fedaiasee gestartet ist, spart sich den Umweg und steigt auf einer unmarkierten Schotterpiste über die Pré de Padon und durch einen Graben direkt ab zur Staumauer.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour12 km
Höhenunterschied740 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktDie Porta Vescovo (2478 m) erreicht man von Arabba im Hochsommer mit der Seilbahn. Betriebszeiten Anfang Juli bis Mitte September, erste Fahrt 8.30 Uhr, letzte 17 Uhr. Zum Fedaiasee (2053 m) kommt man von Canazei auf guter Straße; Parkplatz an der Staumauer.
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterDer Name des Klettersteigs ist Programm in diesem Fall; die Tour hält aber noch weit mehr bereit als nur einen Abstecher in die Schützengräben (»trincee«) des Gebirgskrieges 1915–17. Die Kammüberschreitung zwischen Sellamassiv und Marmoladaeis ist auch ein interessanter Ausflug in die Erdgeschichte. Denn hier bewegt man sich für einmal nicht auf Kalkfels oder Dolomit, ist der Untergrund nicht bleich, sondern dunkel, gelegentlich fast schwarz. Es handelt sich um vulkanisches Gestein, jenem rötlichen Porphyr verwandt, dem man rund um Bozen begegnet, so genanntes Andesitoid (Augitpophyrit).So ragt der Padonkamm (Bech da Mesdì, 2727 m) als versplitterter, dunkler Grat vor dem gleißenden Weiß des Marmoladagletschers in den blauen Himmel. Was für ein Kontrast! Und der Klettersteigler erlebt ihn auf seine Weise: blockig-rauer, aber trittarmer Fels mit »eingebackenen« Kieseln statt griffiger Dolomit.
Beste Jahreszeit
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 07 »Alta Badia – Arabba – Marmolada«
MarkierungenInsgesamt eher dürftig bezeichnet, etwas mehr Orientierungshilfen würden nicht schaden. Auch die Markierungen könnten eine Auffrischung durchaus vertragen.
GastronomieRifugio Luigi Gorza an der Porta Vescovo, bewirtschaftet während der Betriebszeiten der Bahn (keine Übernachtung). Rifugio Passo Padon (2369 m), Sommersaison, Tel. 0437/722002
Informationen
Schwierigkeit: K 4–5 (schwierig-sehr schwierig); K 2 (mittel)
Tourismusbüro
Alta Badia Tourismus, I-39033 Corvara,Col-Alt-Str. 36, Tel. +39/0471/836176,Fax 836540, corsara@altabadia.org, www.altabadia.org

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