VIA FERRATA ALFONSO VANDELLI

Teiletappe zur Runde der Superlative. Bitte beachten: Auf dem GPS-Track sind alle drei Klettersteige auf der Runde abgebildet (Via Ferrata Alfonso Vandelli, Sentiero Attrezato Carlo Minazio und Percorso Attrezzato Francesco Berti) (Autor: Eugen E. Hüsler und Manfred Kostner)
19 km
1760 m
10.00 h
Nur für echte Bergsteiger!
Der gesamte »Giro del Sorapiš« gliedert sich in vier Abschnitte von sehr unterschiedlichem Cha-rakter: einen Hüttenzustieg, eine klassische Via Ferrata (»Vandelli«), einen Höhenweg mit Nähmaschinenprofil (»Minazio«) und eine finale Route, die all das einschließt, dazu noch einige heikle Kletterpassagen (I–II) im Abstieg. Insgesamt also ein Unternehmen für komplette Bergsteiger.
Zustieg.
Der gut markierte und ausgebaute Hüttenweg zweigt etwa 200 Meter östlich vom Passo Tre Croci (1805 m) rechts von der viel befahrenen Staatsstraße ab (Tafel). Die Sandpiste führt zunächst über Wiesen sanft bergab, dann im Wald um einen namenlosen Buckel herum und – jetzt als Wanderweg – in den Graben In Po’Tamej. Dahinter steigt der komfortable Pfad kurz bergan gegen den Rücken des Col Cuco und läuft dann flach unter den imposanten Ostwänden der Zimes de Marcuoira (2428 m) hindurch. Hoch über dem tief eingeschnittenen Graben des Ru de Sorapiš wandert man taleinwärts; Eisentreppen helfen über eine felsige Geländestufe, Drahtseile sichern ein schmales Horizontalband. Man genießt freie Sicht auf den Ost-flügel des Sorapišmassivs, an dem die »Ferrata Vandelli« verläuft, und durchs Val d’Ansiei bis in die Karnischen Alpen. Allmählich rückt der Talboden näher; fast flach führt der Weg durch lichten Lärchenwald, zwischen Bergsturztrümmern hindurch, zum Sorapišbach und kurz aufwärts zum Rifugio Vandelli (1928 m).
Via ferrata Vandelli.
Hinter der Hütte weist ein Schild zur »Via ferrata Vandelli«. Die markierte Spur führt – zunächst ansteigend, dann ohne Höhengewinn – südostwärts ins ausgedehnte, lebensfeindlich wirkende Karstgelände des Circo del Sorapiš. Farbtupfer und Steinmännchen weisen den Weg über den blanken, in Jahrtausenden vom Wasser zernagten Fels zum Einstieg (ca. 2110 m). Drahtseile und neun Leitern erleichtern dann den Aufstieg durch Rinnen und steile Felsabsätze auf ein Bandsystem, das – kaum mehr an Höhe gewinnend – die von Schluchten durchzogenen Westabstürze der Sora el Fo (2567 m) quert. Einige kurze Passagen sind sehr exponiert, bieten packende Tiefblicke. Schließlich endet dieser luftige Gang zwischen Tal und Gipfel auf einem Wiesenbuckel (ca. 2370 m) mit herrlich freier Sicht bis zu den Drei Zinnen (Rastplatz). Die sparsam gesetzten Markierungen leiten über einen Grashang abwärts und dann scharf links (aufpassen, nicht geradeaus gehen!) in einen Graben. Man steigt in ihm ab (Spur) und quert anschließend unter Felsabbrüchen nach rechts auf einen Latschenhang. Neue Drahtseile helfen über kurze Felsstufen hinunter zur Mündung des mächtigen Geröllkars Busa de l’Banco und eine schmale Spur führt zwischen Latschen und durch lichten Lärchenwald weiter abwärts zum Bivacco Comici (2020 m).
Abstieg.
Knapp unterhalb der Hütte mündet von links der Zustieg vom Tre-Croci-Pass. Auf ihm zurück zum Ausgangspunkt der einmaligen Dolomitentour.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour19 km
Höhenunterschied1760 m
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktPasso Tre Croci (1805 m), Straßenpass zwischen Cortina d’Ampezzo und Auronzo
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterWer weiß, dass Sorapiš so viel wie »über dem Wasser« bedeutet, dass sich in einem verschatteten Nordkar unter dem Hauptgipfel ein kleiner Gletscher versteckt, dass in San Vito di Cadore, am Südfuß des Massivs, im Frühling die Kirschbäume blühen? Wer schon einmal durch das »Death Valley« der Tonde di Sorapiš gewandert ist oder über die Gratkante über dem Fond de Rusecco hinein- und hinabgeschaut hat in den schauerlich wil-den Karwinkel unter den Südschluchten der Croda Marcora, der kann leicht ermessen, mit was für Highlights ein Höhenweg rund um das ge-waltige Massiv aufwartet. Wobei der Begriff »Weg« sich eigentlich nur auf den Hüttenzustieg bezieht. Der Rest ist Klettersteig oder eine weglose, markierte Route, wobei man sich abwechslungsweise im Geröll, leichten Fels oder zwischen Latschen bewegt, selten im Flachen, viel öfter auf- oder absteigend – und das rund 15 Stunden lang. Da muss eine Übernachtung fast zwingend eingeplant werden – recht komfortabel im bewirtschafteten Rifugio Vandelli, eher spartanisch in der »Red Box« des Bivacco Slataper. Letztere bietet dafür den Luxus einer Mondscheinaussicht auf die fahl-grauen Südabstürze der Ponta del Sorapiš, nebst ein paar Dämmerstunden, die man nicht so leicht vergessen wird. Zudem hat eine Nacht am südlichen Wendepunkt der Reib’n den Vorteil, dass die beachtliche Strecke auf diese Weise zu gleichen Teilen auf zwei Tage verteilt wird. Wer seine Eindrücke gerne fotografisch festhält, wird sich für diese Variante entscheiden, die Tour aber im Gegen-den-Uhrzeigersinn absolvieren (Licht!).
Beste Jahreszeit
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 03 »Cortina d’Ampezzo«
MarkierungenDie Markierungen könnten teilweise eine Auffrischung vertragen, so beim Abstieg zum Bivacco Comici, im Anstieg zum Bivacco Slataper und auf den Bändern des »Berti-Steigs«.
GastronomieRifugio Vandelli (1928 m), 20.6.–20.9., Tel. 0436/39015. Bivacco Comici (2020 m) und Bivacco Slataper (2620 m), beides Notunterkünfte, stets zugänglich
Informationen
Schwierigkeit: K 2–3 (mittel-ziemlich schwierig)
Tourismusbüro
Ufficio Informazioni, Corso Italia, I-32043 Cortina d’Ampezzo, Tel. +39/0436/27 11, cortina@infodolomiti.it, www.dolomiti.org
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