Wakenitz - Von Rothenhusen nach Lübeck

Die Niederung der Wakenitz, ein Nebenfluss der Trave, wird gerne als »Amazonas des Nordens« bezeichnet und bietet eine schöne Tagestour in einer grünen, idyllischen Auenlandschaft. Durch die Nähe zu Lübeck wird die Region gerne und viel als Ausflugsziel genutzt. (Autor: Michael Hennemann)
Der Wegvelauf.
In Rothenhusen schauen uns viele der Ausflügler und Spaziergänger bei den Startvorbereitungen unserer Paddeltour über die Schulter und vom kleinen Hafen der Wakenitz-Schifffahrt schallt unverständliches Lautsprechergebrabbel zu uns herüber. Da die Tour auf der Wakenitz nur kurz ist, entschließen wir uns zunächst zu einem kleinen Abstecher auf den Ratzeburger See. Wir freuen uns über die zahlreichen Segelboote, die über die Wasseroberfläche flitzen. Da uns der Weg bis an den Südzipfel, wo sich der Ratzeburger Dom über den See erhebt, aber zu weit ist, kehren wir um und dem See den Rücken.
Von der Wakenitz werden wir mit herrlichem Erlen- und Buchenwald entlang der Ufer empfangen und sehen rote und weiße Farbtupfer der blühenden Seerosen, so weit das Auge blickt. Kanufahrer müssen die Schönheit der Wakenitz mit niemandem teilen, denn weder eine Straße noch ein Radweg begleitet die Ufer. Selbst die Brücke der neugebauten A20 trübt den idyllischen Eindruck nur wenig und stört viel weniger, als man zuerst befürchtet.
Die Fischer an der Waknitz nannten ihre Siedlungen Horste und aus den ehemaligen Fischerhäusern sind heute beliebte Ausflugslokale geworden. Knapp 6 km nach dem Start bietet das Restaurant Absalonshorst, in dem vor allem Fisch- und Wildgerichte auf der Speisekarte stehen, die erste von zwei Einkehrmöglichkeiten. Wer hier eine Rast einlegen möchte, sollte nicht am Anleger der Fahrgastschiffe festmachen, sondern dahinter in den Stichkanal einfahren. Auch die zweite Pausenmöglichkeit lässt nicht lange auf sich warten. Zwei Kilometer hinter Absalonshorst liegt, ebenfalls am Ende eines Seitenarms, das Hotel Müggenbusch.
Auch auf unserem weiteren Weg begeistert die Wakenitz mit schöner Natur. Weiden neigen ihre Köpfe in den Fluss, Haubentaucher verschwinden mit einem possierlichen Kopfsprung vor unseren Bootsspitzen und mit etwas Glück kann man Eisvögel beobachten. Wir passieren die Eisenbahnbrücke und je näher wir Lübeck kommen, desto breiter und seeartiger wird die Wakenitz, die hier seit Jahrhunderten aufgestaut wird. Östlich der Insel Spieringshorst liegt ein Vogelschutzgebiet, das nicht befahren werden darf. Wir halten uns daher links. Nach einer fast rechtwinkligen Kurve und der Wakenitzbrücke tauchen vor uns die ersten der insgesamt sieben Kirchtürme von Lübeck auf. An den Ufern reichen die Grundstücke imposanter Villen bis ans Wasser. Der Tret-, Motor- und Leihbootverkehr nimmt nun deutlich zu und an der Moltkebrücke lassen wir die Fahrgastschifffahrt hinter uns zurück. Bald nach dem Freibad Falkenwiese ist das Bootshaus des Kanuvereins in Lübeck erreicht und wir beenden unsere Tour an der Falkenstraße in Lübeck.
Die Lübecker Kaufleute wussten im Mittelalter ihre Handelsprivilegien zu nutzen. Um den florierenden Handel im Ostseeraum zu schützen, schlossen sich Mitte des 14. Jahrhunderts die wichtigsten Städte zur Hanse zusammen. Lübeck, nach Kiel die zweitgrößte Stadt des Landes, schmückt sich daher gerne mit dem Titel »Königin der Hanse« und lockt mit einer geschichtsträchtigen, städtebaulich interessanten Altstadt, zahlreichen Museen und ist auf jeden Fall eine Entdeckung wert. Wer möchte und ausreichend Zeit hat, kann von der Wakenitz über die Straße in die Trave umsetzen und so die Sehenswürdigkeiten der Hansestadt vom Wasser aus erleben (siehe Infokasten).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour15 km
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
Ausgangspunktam Jugend- und Wassersportheim in Rothenhusen
EndpunktLübeck-Falkenstraße am Bootshaus des Kanuvereins VKL in Lübeck
TourencharakterDie Wakenitz entführt den Paddler südöstlich von Lübeck in eine naturnahe Flusslandschaft, die sich stellenweise seenartig erweitert. An den Ufern sind Erlen- und Laubwälder, sumpfige Wiesen und eine vielfältige Blumenpracht sowie Vogelwelt zu bewundern.
Befahrbarkeit.
Ganzjährig. Am schönsten ist eine Paddeltour im Juni, wenn die Seerosen blühen.
Befahrungsregeln.
Das Paddeln ist von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang erlaubt. Es besteht ein ganzjähriges Uferbetretungsverbot, das Aussteigen ist nur an den gekennzeichneten Stegen gestattet.
Beste Jahreszeit
VerkehrsanbindungA1 bis zum Kreuz-Lübeck, dann auf der A20 bis zur Abfahrt 3 Groß Grönau, weiter auf der B207 Richtung Ratzeb urg, nach gut 1 km links ab nach Rothenhusen Transfer - Bus Linie 8810 Lübeck–Hamburg-Bergedorf (Tel.: 0431/6660, www.autokraft.de), schöner und einfacher mit der Wakenitz-Schifffahrt ab der Moltkebrücke in Lübeck (Quandt, Tel.: 0451/793885, www.wakenitz-schiffahrt-quandt.de oder Maiworm, Tel.: 0451/35455, www.maiworm-schiffahrt.de)
GastronomieFährhaus Rothenhusen, Restaurant Absalonshorst und Hotel Müggenbusch
Tipps
Stadtrundfahrt auf eigenem Kiel. Lübecks Altstadt zieht sich über einen Hügel, der von einem Gewässergürtel umzogen wird, und bietet so die einzigartige Möglichkeit, die Sehenswürdigkeiten bei einer Rundfahrt im eigenen Boot zu erleben. Hinter dem Wahrzeichen der Stadt, dem Holstentor, stehen direkt an der Trave sechs schmale vom 16. bis 18. Jahrhundert erbaute Giebelhäuser, die historischen Salzspeicher. Hoch über dem Marktplatz und dem Rathaus mit seinen Arkadengängen erhebt sich die Marienkirche. Das 40 m hohe Mittelschiff macht sie zum höchsten Backsteingewölbe Europas. Der Lübecker Dom mit seinen zwei vier- eckigen Türmen rundet die markante Silhouette Lübecks ab. Als das bedeutendste Zeugnis der Backsteingotik wurde 1987 fast die komplette Altstadt Lübecks in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Eine Rundfahrt über Stadt- und Kanaltrave entlang der Sehenswürdigkeiten der Altstadt dauert etwa 2–3 Stunden. Sie kann als eigenständige Tour oder als Fortsetzung der Tour auf der Wakenitz (kurze Portage von der Ausstiegstelle über die Falkenstraße in die Kanaltrave) unternommen werden.
Verleih
Kanu-Center Lothar Krebs, Tel. - 04501/412, www.kanu-center.de
Informationen
Lübecker Marzipan. Mindestens ebenso weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus bekannt wie das Holstentor ist das Lübecker Marzipan. Die Süßigkeit aus Mandeln und Zucker stammt aber nicht aus dem Norden, sondern ursprünglich aus dem Orient. Mit der arabischen Herrschaft kam die Spezialität der Kalifen nach Spanien und Portugal und gelangte vom Umschlagplatz Venedig auf dem Seeweg nach Lübeck. Da Zucker zunächst ein teurer Rohstoff war, war Marzipan nur dem Adel vorbehalten. Dies änderte sich mit der Entdeckung Amerikas und der Anlage von Zuckerrohrplantagen. Für breite Massen der Bevölkerung erschwinglich wurde Marzipan aber erst, als man im 19. Jahrhundert begann, Zucker aus Rüben zu gewinnen. Das Geheimnis des althergebrachten, strenggehüteten Rezeptes für Niederegger Marzipan liegt im Verhältnis von Mandeln zu Zucker und einer Rosenwasser ähnlichen Zutat und noch heute wird die Herstellung vom Konditormeister persönlich überwacht. Heute gibt es über 300 Niederegger-Spezialitäten und täglich werden bis zu 30000 kg Marzipan hergestellt, verkauft und in alle Welt versandt.
Unterkunft
Zeltmöglichkeit beim Verein für Kanusport Lübeck, www.vkl-online.de; Hotel Müggenbusch (Tel. - 0451/ 501999, www.mueggenbusch.de) oder Absalonshorst (Tel.: 04509/1040)
Tourismusbüro
Herzogtum Lauenburg Marketing & Service GmbH, Junkernstraße 7, 23909 Ratzeburg, Postfach 1372, 23909 Ratzeburg, 04541/802110, www.hlms.de; Lübeck und Travemünde Tourist-Service GmbH, Holstentorplatz 1, 23552 Lübeck, Hotline (0,12 €/Min.) 01805/ 882233, www.luebeck-tourismus.de

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