Treene - Von Langstedt nach Treia

Im Oberlauf bis Treia windet sich die Treene in vielen engen Kurven durch Wiesen, Weiden und einige bewaldete Abschnitte. Der Fluss ist nur wenige Meter breit, und ideal für Anfänger und Familientouren mit Kindern geeignet. (Autor: Michael Hennemann)
Der Wegverlauf.
An der Straßenbrücke von Eggebek nach Langstedt wollen wir am Holzsteg unsere Boote zu Wasser lassen. Der Zugang zum Gelände ist mit einem Bauzaun versperrt, den Schlüssel bekommen wir gegenüber bei Stelkes Gasthaus (1,50 €/Boot).
Bereits kurz nach dem Start passieren wir eine Eisenbahnbrücke und die Treene schlängelt sich als 5–6 m breites Flüsschen durch die Landschaft. Bis nach Treia nimmt die Breite nur unwesentlich zu und jetzt, im Sommer, geht es recht geräuschvoll und lebhaft zu, denn viele der frisch gebackenen Kapitäne versuchen ihre Canadier durch die engen Kurven zu manövrieren.
Entlang der Ufer erinnern uns zum Teil spektakuläre Sandkliffs und Abbruchkanten daran, dass das Treenetal aus einer Schmelzwasserabflussrinne der letzten Eiszeit entstanden ist. Am linken Ufer begleitet uns der Büschauer Forst, ein etwa 310 ha großes Waldgebiet, dessen Bäume bis ans Ufer reichen. Wenn wir Glück haben und der Trubel auf dem Wasser nicht zu groß ist, können wir in diesem naturnahen Abschnitt mit etwas Glück auch zahlreiche seltene Tiere beobachten, darunter Fischreiher, Störche oder sogar Fischotter.
Vor unsere nächste Zwischenstation hat die Jerrisbek von Norden kommend der Treene einen großen Schwemmsandkegel in den Weg gelegt und die Treene so in einem breiten flachen Bachbett zu einem flachen »Sol« aufgestaut hat, was dem Geestdorf am rechten Ufer den Namen Sollerup eingetragen hat.
Die geringe Tiefe der Treene wurde schon früh für eine Wegverbindung von Ost nach West, den Freesenweg, genutzt. Bereits im 18. Jahrhundert wurden erste Versuche unternommen, hier einen Steg zu bauen. Doch da Kompetenz- und Zuständigkeitsgerangel keine Erfindungen der modernen Verwaltung zu sein scheinen, konnten sich schon damals die Orte Sollerup, Hünning und Sollbrück nicht darauf verständigen, wer für die Unterhaltung des Steges verantwortlich war.
Erst als zum Ende des 19. Jahrhunderts eine neu entstandene Meierei in Sollerup permanent mit Milch beliefert werden musste, wurde eine dauerhafte Verbindung geschaffen. Der ursprüngliche Steg, über den die Milchwagen mit Hunden gezogen wurden, wurde 1914 durch eine größere Brücke ersetzt, die auch von Pferdegespannen überquert werden konnte. Vor der heutigen Brücke zwischen Sollerup und Hünning, die 1985 nach altem Vorbild erbaut wurde, liegt am linken Ufer das erste Biwakgelände der Kanuvermietung Petersen. Etwa 400 m hinter der Brücke folgt, ebenfalls am linken Ufer, ein weiteres, vor allem am Wochenende von vielen Gruppen frequentiertes Zeltgelände mit Heuhotel und Gasthaus und abends erhellen hier die oft meterhohen Flammen der unzähligen Lagerfeuer die Dunkelheit der Nacht.
Während die Treene heute ein gerne besuchtes Ziel der Kanutouristen ist, war sie für die Wikinger ein wichtiger Schifffahrtsweg, mit dem man die gefährliche Route ums Skagerrak vermeiden konnte. Von der Nordsee bis nach Hollingstedt war die Treene schiffbar. Dort wurde die Ware auf Fuhrwerke umgeladen und nach Haithabu transportiert. Von dieser Wikingersiedlung, die nahe dem heutigen Schleswig gelegen und zur damaligen Zeit eine der bedeutendsten Siedlungen in Nordeuropa war, wurde alles wieder auf Schiffe geladen und über die Schlei zur Ostsee und von dort weiter nach Skandinavien verschifft. Mit dem Ende der Wikingerära verlor die Treene an Bedeutung. Spätere Kauf- und Seeleute nutzen zunächst die Eider und später den Nordostseekanal.
Gestärkt durch das Wasser der Bollingstedter Au erreicht die Treene zunächst die Straßen- und Eisenbahnbrücke in Sollbrück und bald darauf den Steg und Rastplatz in Espertoft.
Gegenüber liegt der Hof Harenburg, der seinen Namen von einer so genannten Turmhügelburg ableitet, die hier 1415 errichtet, aber schon ein Jahr später wieder zerstört wurde. Solche Burgen wurden häufig vom niederen Adel zur besseren Verteidigung auf einem Hügel im Moor oder anderen Feuchtgebieten errichtet. In Schleswig-Holstein lassen sich noch etwa 450 Orte ausmachen, an denen einst eine solche Burg thronte.
Wiesen und Weiden ziehen an den Ufern vorüber, und schwarz- oder rot-bunte Kühe, vereinzelt auch Pferde, blicken dem Treiben auf dem Wasser gelassen zu und ab und zu springt vor uns ein Fisch aus dem Wasser. Bald passieren wir die Brücke und das Gehöft in Ipland, einige Paddelschläge später sind die ersten Häuser von Treia erreicht. Ein kräftiges Rauschen voraus kündigt uns das Wehr an. Es ist bei normalem Wasserstand von Paddlern mit etwas Erfahrung mittig problemlos zu fahren, kann aber auch leicht am rechten Ufer umtragen werden. Bei Niedrigwasser allerdings versperren zahlreiche Steine den Weg. Hinter dem Wehr beenden wir unsere Tour am Sandstrand vor dem Feuerwehrgerätehaus. Bei Bedarf dürfen wir hier auch unser Zelt aufstellen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour20 km
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
Ausgangspunktan der Straßenbrücke zwischen Eggebek und Langstedt
EndpunktAm Feuerwehrgerätehaus in Treia
TourencharakterBis Treia ist die Treene der einzige ursprüngliche, von Wasserbauingenieuren unangetastete Fluss in Schleswig-Holstein. In vielen Windungen paddeln wir durch eine herrliche Flussaue mit fantastischen Ausblicken in die ebene Landschaft und eine artenreiche Tierwelt. Kurz - Eine der schönsten Kanutouren in Schleswig-Holstein!
Befahrbarkeit.
Prinzipiell kann die vorgestellte Tour das ganze Jahr über gepaddelt werden, es bestehen allerdings Einschränkungen aufgrund des Naturschutzes. Befahrungsregeln.
Um weitere Einschränkungen des Kanusports auf der Treene zu vermeiden, gilt folgende freiwillige Selbstbeschränkung, die der Landessportverband Schleswig-Holstein mit den Gemeinden im Treenetal getroffen hat: – Es besteht ein Befahrungsverbot für den Oberlauf zwischen Augaard und Langstedt vom 15. April bis 15. Juni. – An den Einstiegstellen sind Rot-Grün-Pegel aufgestellt. Zeigt ein Pegel Rot, so müssen die Boote weiter unterhalb am nächsten Pegel Grün eingesetzt werden. – Boote über 5,50 m Länge und 1 m Breite dürfen erst in Treia starten.
Hindernisse.
Ein Wehr am Ende der Tour in Treia. Es kann bei gutem Wasserstand von Kanuten mit Paddelerfahrung problemlos befahren werden, bei Bedarf ist es aber auch leicht zu umtragen.
Beste Jahreszeit
VerkehrsanbindungA7 bis Ausfahrt 4 Tarp, über Tarp weiter nach Eggebek Transfer - Mit öffentlichen Verkehrsmitteln praktisch unmöglich. Wenn Sie ein Boot bei den örtlichen Kanuanbietern ausleihen, wird der Transfer organisiert, ansonsten nur mit zweitem Auto oder Fahrrad möglich
GastronomieGasthöfe in Langstedt, Sollerup, Sollbrück, Espertoft und Treia
Verleih
Petersen-Kanuverleih, Zur Treene 16, 24887 Silberstedt-Hünning, Tel. - 04625/7902; Kanuvermietung Doms, An der B 200 Nr.4, 24992 Jörl, Tel.: 04607/1260, www.kanu-doms.de
Informationen
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Unterkunft
Biwakmöglichkeiten an Stelkes Gasthaus in Langstedt, in Sollerup und Hünning sowie am Feuerwehrhaus in Treia; Landgasthaus und Heuhotel in Sollerup (Tel. - 04625/189593)
Tourismusbüro
Gebietsgemeinschaft Grünes Binnenland e.V. Stapelholmer Weg 13, 24963 Tarp, Tel.: 04638/898404, www.tourismus-nord.de; Naturschutzverein Obere Treenelandschaft e.V., Großsolter Weg 2a, 24988 Oeversee, Tel.: 04630/936096, www.oberetreenelandschaft.de

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