Schwentine - Von Plön nach Preetz

Die Schwentine entspringt am Bungsberg, dem mit 168 m höchsten Berg Schleswig-Holsteins und fließt durch die Holsteinische Schweiz. Die Paddeltour durch diese hügelige, von der letzten Eiszeit geprägte, Grundmoränenlandschaft gilt als eine der schönsten Kanurouten im Norden der Republik (Autor: Michael Hennemann)
Der Wegverlauf.
Bevor wir unsere Kajaks in Plön zu Wasser lassen, schlendern wir durch die Altstadt. Historische Fachwerkbauten säumen die schmalen Gassen, hier Twieten genannt. Über uns thront das Plöner Schloss, das sämtliche Reiseführer zu den schönsten Schlossanlagen in Schleswig-Holstein zählen. Es wurde von den Plöner Herzögen während des Dreißigjährigen Krieges als Backsteinschloss an der Stelle der alten, nutzlos gewordenen Burg errichtet. Vorbilder des Spätrenaissancebaus waren italienische, aber auch dänischen Schlösser, wie z.B. das Königsschloss Frederiksborg. Die langen Flure des Mittelflügels sind nach Süden ausgerichtet, die Zimmer liegen zur schattigen Nordseite. Die Raumaufteilung folgte dem Leben am Hofe. Im Erdgeschoss waren Verwaltung, Küche und Speisesaal für das Gesinde untergebracht. Im ersten Stock der Flügelbauten wohnten die Prinzen und Prinzessinnen, darüber der Herzog im östlichen und die Herzogin im westlichen Teil. Ihre Dienerschaft lebte ganz oben im Dachgeschoss.
In der wechselvollen Geschichte wurde das Schloss unterschiedlich genutzt. In der Mitte des 19. Jahrhundert diente es den dänischen Königen als Sommerresidenz, um die Jahrhundertwende wurde es zur preußischen Militärschule, an der die Söhne des letzten deutschen Kaisers ebenso wie die Kadetten des Offizierskorps gedrillt wurden. Die Nazis funktionierten das Schloss zur nationalpolitischen Erziehungsanstalt um, nach dem Krieg und dem Abzug der britischen Besatzungsmacht wurde das Schloss bis 2001 zum Internat. 2002 verkaufte die Landesregierung das Anwesen an den »Brillenkönig« Günther Fielmann, der die Anlage grundlegend sanierte. Seit 2005 werden hier jährlich rund 6000 angehende Augenoptiker ausgebildet und die Öffentlichkeit kann zahlreiche der Räumlichkeiten besichtigen, darunter die rekonstruierte Kapelle, den Rittersaal und die herzoglichen Gemächer.
Es gibt drei mögliche Startpunkte für diese Tour, je nachdem ob und wo Sie ein Boot gemietet haben. Paddler mit eigenem Boot starten vom Parkplatz am rechten Straßenrand der B470 nach dem Ortszentrum direkt am Ufer des Kleinen Plöner Sees. Kunden der Segelschule fahren ein paar Meter weiter zu deren Bootsausgabe und Steg. Wer beim Kanucenter Boote gemietet hat, folgt den Wegweisern zum Campinglatz Spitzenort. Wer sich für die letzte Variante entscheidet, braucht nach dem Start die Spritzdecken gar nicht erst zu schließen, denn nach wenigen Metern müssen die Boote unter der Straßenbrücke vom Großen in den Kleinen Plöner See umgesetzt werden. Eine Gleislore soll hier die Portage erleichtern, allerdings ist sie so schwer, dass sich die Mühe nur für den Transport von sehr schwer beladenen Canadiern lohnt, und meistens ist es einfacher die Boote etwa 15 m zu tragen.
Auf dem Kleinen Plöner See halten wir uns am linken Ufer. Vorbei an der kleinen, runden Erhebung des Koppelsberg, von der uns ein schwarzer Kirchturm grüßt, paddeln wir in Richtung Nordwesten. Bald ist Gut Wittmold erreicht und wir kehren dem Kleinen Plöner See den Rücken. Die Schwentine fließt nun streckenweise mal als enger, mal als etwas breiterer Fluss oder schmaler See gemächlich und ohne viel Strömung dahin. Besonders schön ist es immer dann, wenn sich nach einer Engstelle der Ausblick auf den nächsten See öffnet.
Den herrlichen Ausblick auf die Schwentine genießt das Herrenhaus am Gut Wahlstorf schon seit fast 400 Jahren. Ein paar hundert Meter vor dem Gut lädt am rechten Ufer ein idyllischer Rastplatz bei Fischer Helmut Bock zu einer Rast ein. Etwa 150 landeinwärts an der Straße Richtung Gutshof finden wir das Gasthaus Alte Schule.
Nachdem wir uns unter die über den Fluss hängenden Fischreusen gebückt haben, erreichen wir den Lanker See. Das Westufer ist Naturschutzgebiet und darf nicht befahren werden. Der Campingplatz am Lanker See befindet sich im äußersten Nordostzipfel des Sees. Am nordwestlichen Ende, wo der See zu Ende und in die Schwentine über geht, beenden wir an der Badestelle in Preetz, gegenüber der Insel Probstenwerder im Lanker See, unsere Tagestour. Ein paar Paddelschläge weiter wäre das Bootshaus des Preetzer Turn- und Sportvereins erreicht.
Ein Schusterjunge im Wahrzeichen von Preetz erinnert uns an das einst wichtigste Handwerk der Stadt – Mitte des 19. Jahrhunderts gab es rund 160 Meisterbetriebe. Und nach einem kurzen Spaziergang durch das liebevoll restaurierte Kloster mit der mächtigen Feldsteinkirche machen wir uns per Zug nach Plön auf, um das Auto nachzuholen. Dort erwartet uns mit dem denkmalgeschützten Bahnhof das letzte touristische Highlight des Tages. Er wurde 1866 eingeweiht, der hölzerne Vorbau gehörte ursprünglich zur kaiserlichen Haltestelle.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour15 km
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktParkplatz am kleinen Plöner See oder Campingplatz in Plön-Spitzenort
EndpunktAn der Badestelle am Nordufer des Lanker Sees oder etwas weiter am Vereinsgelände des Kanuvereins in Preetz
TourencharakterDie Tour beginnt am Plöner See, dem größten See des nördlichsten Bundeslandes, und führt dann über die Schwentine, die sich in diesem Abschnitt als Kette langer, schmaler Rinnenseen durch eine von der letzten Eiszeit geprägte, hügelige Grundmoränenlandschaft schlängelt.
Befahrbarkeit.
Ganzjährig
Befahrungsregeln.
Keine Einschränkungen, abgesehen von Naturschutzgebieten an der westlichen Uferseite des Lanker Sees, die nicht befahren werden dürfen. Hindernisse.
Bei Start am Campingplatz eine kurze Portage zwischen Großen und Kleinem Plöner See (ausgestattet mit Rollenbahn) gleich zu Tourbeginn.
Beste Jahreszeit
VerkehrsanbindungB76 nach Plön, dann auf der B470 Richtung Ascheberg Transfer - Es besteht eine gute und regelmäßige Zugverbindung von Preetz nach Plön.
GastronomieGasthof Alte Schule in Wahlstorf
Tipps
Das Circus-Museum. Ein ganz besonderes Museum residiert in einem ehemaligen Bürgerhaus in der Mühlenstraße 14 in Preetz. 1974 aus einer privaten Sammlung hervorgegangen, bietet das erste Circus-Museum Deutschlands einen Einblick in die Welt der Artisten und die Geschichte des Zirkus. Auf zwei Etagen werden in zweiundzwanzig Abteilungen Bilder, Plakate, Kostüme, Requisiten und Zirkus- Modelle ausgestellt. Die aktuellen Öffnungszeiten erfahren Sie unter www.circus-museum.de
Verleih
Segelschule Plön, Ascheberger Str. 70, Tel. - 04522/ 4111, www.kanuvermietungploen.de; Kanucenter Plön, Ascheberger Str. 76, 24306 Plön, Tel.: 04522/4143, www.kanucenter-ploen.de
Informationen
Niedersächsisches Bauernhaus. Als langer Arm unterhalb des Plöner Schlosses streckt sich die Prinzeninsel weit in den Großen Plöner See. Sie ist über eine Holzbrücke mit dem Festland verbunden und war früher für die Söhne des Kaisers reserviert, die hier ungestört ihre Freizeit verbrachten. Heute ist sie natürlich für die Allgemeinheit zugänglich und bietet sich für Spaziergänge an. Am Ende der Insel liegt die beliebte Ausflugsgaststätte Niedersächsisches Bauernhaus, die in rustikaler, idyllischer Atmosphäre frisch zubereitete Holsteiner Küche und Fischspezialitäten serviert.
Unterkunft
Camping Spitzenort, Ascheberger Str. 76, 24306 Plön, Tel. - 04522/2769, www.spitzenort.de; Jugendherberge Plön, Ascheberger Str. 67, 24306 Plön, Tel.: 04522/2576; Campingplatz Lanker See, Gläserkoppel 3, 24211 Preetz, Tel.: 04342/81513, www.campingplatz-lanker-see.de
Tourismusbüro
Tourist Info Plön, Am Lübscher Tor 1, 24306 Plön, Tel.: 04522/50950, www.touristinfo-ploen.de; Tourist-Information Preetz und Umgebung, Garnkorb 2, 24211 Preetz, Tel.: 04342/ 2207, www.touristinfo-preetz.de

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