Niers

Angenehme Wandertour auf einem Wiesenfluss mit niedrigen Ufern, mäßiger Strömung, guter Infrastruktur und nur einem Wehr, das kurz umtragen werden muss. (Autor: Michael Hennemann)
Der Wegverlauf.
Eine Reihe von Werbeaufklebern an der Einsatzstelle zeigen, dass zahlreiche Kanuverleiher ihre Dienste an der Niers anbieten. Das Hauptgeschäft aber macht man hier seit 1642 mit den Pilgern. Anziehungspunkt ist das Heiligenbild »Trösterin der Betrübten«.
Der Legende nach hörte der Händler Hendrick Busmann vor 300 Jahren eine Stimme, die ihm befahl, eine Kapelle in Kevelaer zu bauen. Zuerst baute er ein kleines Heiligenhäuschen mit dem erwähnten Bild, 1654 wurde darum herum die Gnadenkapelle errichtet und die Zahl der Pilger wuchs stetig. Heute pilgern jährlich über eine Million Menschen aus ganz Deutschland und den Niederlanden nach Kevelaer. Die Zeiten, in denen eine Wallfahrt mühselig zu Fuß erfolgen musste, sind lange vorbei, seit über 20 Jahren finden jährlich sogar Motorradwallfahrten statt.
Nach dem Ablegen an der Straßenbrücke führt uns die Niers inmitten einer Pappelallee durch Felder und Wiesen. Nach fünf Kilometern steht der erste und einzige Landtransport der Tour an. Vor dem Wehr unter der Brücke in Wissen setzen wir am rechten Ufer aus und umtragen das Hindernis kurz. Kaum sind die Boote wieder im Wasser, passieren wir am linken Ufer Schloss Wissen, ein prachtvolles Beispiel für ein niederrheinisches Herrenhaus.
Seit 500 Jahren ist das Wasserschloss der Stammsitz der Familie von Loë und einer der bedeutendsten Adelssitze am Niederrhein. Heute ist es ein Mix aus Wohnung für die Besitzer, aus Forst- und Gutsbetrieb sowie weiteren Wohnungen, Ateliers und Werkstätten. Der Innenhof kann frei besucht werden, natürlich mit der gebotenen Rücksicht auf die Privatsphäre der Bewohner.
Etwa 500 Meter hinter der ersten Brücke in Weeze liegt am linken Ufer die Anlegestelle. Wie die Unmengen von deponierten Leihbooten unschwer erkennen lassen, nutzen auch diverse Bootsverleiher Weeze als Start- und Endpunkt. Direkt am Steg kann man in Kevins Pub eine Rast einlegen, bis zum Stadtzentrum sind es etwa fünf Minuten Fußweg. Der Weg zur Zeltmöglichkeit führt von der Aussatzstelle über die Straße an der Brücke und dahinter schräg nach links zum Sportzentrum.
Hinter Weeze passieren wir eine weitere Straßen- sowie eine Autobahnbrücke und schon ist Jan an de Fähr, ein traditionelles Ausflugsziel am unteren Niederrhein, erreicht. Romantisch am Ufer der Niers gelegen, kann man hier im Biergarten oder auf der Terrasse des Restaurants sitzen und Radfahrer sowie Fußgänger dabei beobachten, wie sie mit der jahrhundertealten, durch eine Handkurbel angetriebenen Fähre übersetzen.
Nach der folgenden Straßenbrücke ziehen die ersten Häuser von Goch an uns vorbei. An der ersten Straßenbrücke im Ort werden Paddler freundlich durch ein Schild begrüßt, was auf deutschen Flüssen nicht sehr häufig vorkommt. Nach dem Campingplatz am linken Ufer folgen in kurzem Abstand weitere Straßen-, Eisenbahn- und Fußgängerbrücken. An der Flussteilung halten wir uns entsprechend der Ausschilderung links, um dann am Anleger hinter der Holzbrücke unsere Tour zu beenden.
Beim Blick ans gegenüberliegende Ufer sticht vor allem der neue Kirchturm der Maria-Magdalena-Kirche ins Auge. Der alte Turm sorgte am 24. Mai 1993 für Schlagzeilen. Um 2.27 Uhr stürzte der 60 Meter hohe Kirchturm plötzlich und unerwartet ein. Wie sich später herausstellte, hatten im Laufe der Zeit mehrere Brände das Mauerwerk ausgeglüht und so zermürbt. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, aber Goch hatte ein Wahrzeichen verloren. Bei der Planung des Neubaus stritt man heftig darüber, ob man den Turm im klassischen Stil wieder errichten oder die Chance nutzen sollte, um moderne Akzente zu setzen. Ergebnis der Verhandlungen war ein vorsichtiger Kompromiss. Zehn Jahre nach dem Unglück wurde der moderne, neue Kirchturm, der aber den alten Charakter bewahrt, eingeweiht. Zwei Glocken des ehemaligen Geläuts hatten den Turmsturz unbeschadet überstanden, für die neuen Glocken wurden die zersprungenen alten Glocken eingeschmolzen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour19 km
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktTreppe an der Straßenbrücke Richtung Winnekendonk in Kevelaer.
EndpunktAnlegestelle in Goch.
TourencharakterObwohl die Niers fast durchgehend begradigt wurde, stellt sie ein lohnendes Paddelziel dar. Die Ufer sind sehr flach und dort, wo keine Pappelreihe Schatten spendet, kann man den Blick weit über die typisch niederrheinische Park- und Wiesenlandschaft schweifen lassen. Die gute Infrastruktur prädestiniert den Fluss vor allem für Paddler ohne eigenes Boot; aber auch, wer nicht auf einen Verleiher angewiesen ist, wird die Biergärten in direkter Wassernähe zu schätzen wissen.

Befahrbarkeit - Ganzjährig; die Kanuverleiher haben meistens vom 1. Mai bis zum 31. Oktober geöffnet.
Befahrungsregeln: Keine Einschränkungen.
Hindernisse: Das Wehr am Schloss Wissen muss kurz (
Beste Jahreszeit
VerkehrsanbindungA57 bis zur Ausfahrt 3 Goch und weiter Richtung Kevelaer.
GastronomieRestaurants und Biergärten in Weeze; Fährhaus Jan an de Fähr im letzten Drittel der Tour.
Tipps
Regionale Küche am Niederrhein Ob Lebkuchensoufflé, Lamm in Dillsauce oder gebackene Spargelröllchen mit Schinken – die regionale Küche am Niederrhein ist vielfältig und lecker. Kein Wunder, zählt die Region doch zu den großen Gemüse- und Obstanbaugebieten in Deutschland. Besonders berühmt ist der niederrheinische Spargel, aber die Felder und Wiesen der Bauern liefern auch Blattsalate, Kohl, Gurken, Paprika, Tomaten, Erdbeeren und Äpfel frisch auf den Tisch. Und abgerundet wird das Festmahl durch den passenden Nachtisch. Wie wäre es zum Beispiel mit einem abgeschmelzten Zwetschgenknödel mit Zimteis? Eine Übersicht der regionalen Anbieter finden Sie unter - www.niederrhein-tourismus.de
Verleih
An der Niers bieten unzählige Kanuverleiher ihre Dienste an. Eine komplette Übersicht finden Sie unter www.niederrhein-tourismus.de
Informationen
Transfer - Gute Zugverbindung mit dem Niers-Express von Kevelaer nach Goch im 30-Minuten-Takt.
Unterkunft
Es gibt entlang der Niers diverse Übernachtungsmöglichkeiten für jeden Geschmack und Geldbeutel - von der Zeltmöglichkeit über ein Heuhotel bis hin zu Pension oder Hotel. Eine Zeltmöglichkeit besteht am Sportzentrum in Weeze (Ansprechpartner: Peter Drissen, Tel. 02837/2141); Camping in Goch; Heuhotel und Pension bei Kevins Pub, Wasserstraße 50, 47652 Weeze, Tel. 02837/8570; weitere Übernachtungsmöglichkeiten finden Sie unter www.niederrhein-tourismus.de
Tourismusbüro
Touristik-Agentur NiederRhein GmbH, Mühlenstege 11, 47546 Kalkar, Tel. 02824/ 923592, www.touristik-agentur-niederrhein.de; www.niederrhein-tourismus.de; Kultur- und Verkehrsamt der Gemeinde Weeze, Cyriakusplatz 13–14, 47652 Weeze, Tel. 02837/ 910116, www.weeze.de