Mit dem Kanu auf der Rur

Spannende Tagestour auf einem landschaftlich äußerst reizvollen Kleinfluss. Die Rur fließt von Heimbach bis Zerkall vorbei an zum Teil steil aufragenden Buntsandsteinfelsen und hohen, bewaldeten Hängen. Auch sportlich hat sie einiges zu bieten. Diverse Kurven und eine ordentliche Strömung lassen keine Langeweile aufkommen, dürfen aber nicht unterschätzt werden - Ungeübte Fahrer sollten sich nur in Begleitung erfahrener Paddler auf den Weg machen. (Autor: Michael Hennemann)

Kanuwanderung auf der Rur

Um Verwechslungen mit der Namenspatronin des Ruhrgebietes zu vermeiden, bedient man sich in Paddlerkreisen oft des Ausdrucks »Rur ohne h«. Trotz des phonetischen Gleichklangs sind die beiden Flüsse sehr unterschiedlich; Industrieanlagen sind entlang der Rur nur spärlich zu finden, und wenn, dann handelt es sich dabei meist um Wasserkraftwerke. Eines davon ist das historischen Wasserkraftwerk am Staubecken in Heimbach, zu dem wir am Tag vor unserer Paddeltour auf dem Landweg einen Abstecher machen. Es erwartet uns ein seltenes Industriedenkmal im Jugendstil, das mit seiner leuchtend weißen Fassade und den geschwungenen Dächern nicht auf den ersten Blick als Kraftwerk zu identifizieren ist. Dabei war das nach zweijähriger Bauzeit 1905 eröffnete Wasserkraftwerk seinerzeit mit zwölf Megawatt das größte in Europa.

Durch die Verkürzung der ungefähr 28 Kilometer langen, gewundenen Flussläufe von Rur und Urft erreicht man an dieser Stelle ein für Mittelgebirge außergewöhnlich großes Gefälle von 110 Metern. Heute werden hier pro Jahr rund 25 Millionen Kilowattstunden elektrische Energie produziert, genug immerhin, um rund 7800 Haushalte zu versorgen. Gerne hätten wir auch den Innenraum mit seinen »filigranen Lampen« und zwei der alten Turbinen gesehen, von denen unser Reiseführer zu berichten weiß, doch leider ist eine Besichtigung des Kraftwerks nur im Rahmen einer Führung möglich, für die wir zu spät dran sind.

Start in Heimabch

Früh dran sind wir dagegen am nächsten Morgen, als wir an der Holzbrücke in Heimbach unter dem Blick der Burg Hengenbach, einer der ältesten Burgruinen der Eifel, unsere Kajaks vom Autodach heben. Da in Heimbach nur ein gebührenpflichtiger Parkplatz zu finden ist, setzen wir das Auto vor dem Start um. Mit der Rurtalbahn kehren wir von Zerkall nach Heimbach zurück. Als wir die paar Schritte zur Einsatzstelle zurückgelegt haben, herrscht dort reger Betrieb. Wie uns die DKV-Mitarbeiterin vor Ort mitteilt, hat das Elektrizitätswerk leider vergessen, die Stauklappen rechtzeitig zu öffnen und es wird einige Stunden dauern, bis der Wasserstand für eine Befahrung ausreicht.

Nach einer ausgedehnter Latte-Macchiato-Pause in einem der Cafés am gegenüberliegenden Ufer steht dem Start unserer Tagestour aber nichts mehr entgegen. Sofort nach dem Ablegen erfasst uns die flotte Strömung und befördert uns unter der Straßenbrücke hindurch, vorbei am Freibad und den beiden Campingplätzen in Heimbach und anschließend durch eine schöne Waldlandschaft. Doch Vorsicht ist angebracht und die Augen sollten immer ein paar Meter voraus gerichtet sein. Äste und Steine im Flussbett und die zum Teil sehr engen Kurven der Rur mit ausgeprägten Prallhängen, an denen der Stromzug auf das Ufer drückt, erfordern das ein oder andere beherzte Manöver und einen sicheren Steuerschlag.

Enspurt nach Zerkall

Hinter der Straßenbrücke in Hausen folgt eine besonders schöne S-Kurve und hoch am rechten Ufer recken sich die ersten imposanten Buntsandsteinfelsen gen Himmel, bevor die Straßenbrücke und Anlegestelle in Blens und ein weiterer Campingplatz vorbeirauschen. An der nächsten Straßenbrücke ist Abenden erreicht, wo sowohl links als auch rechts die Anleger von Biergärten und Restaurants um die Gunst der Paddler buhlen. An der Straßenbrücke in Brück erheben sich Buntsandsteinfelsen und die Burg Nideggen über dem rechten Ufer, links wartet ein Restaurant.

Fast zu schnell ist die Eisenbahnbrücke der Rurtalbahn in Zerkall erreicht, unter der am linken Ufer die Aussatzstelle liegt. Wer noch Kondition hat und weiterpaddeln möchte, kann bis zur Staumauer des Stausees von Obermaubach paddeln. Die Strecke verlängert sich so um knapp sechs Kilometer, die letzten drei Kilometer weisen praktisch kaum noch Strömung auf.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktTreppe hinter der Holzbrücke in Heimbach.
EndpunktTreppe unter der Eisenbahnbrücke in Zerkall.
TourencharakterDie Rur zählt zu Recht zu den schönsten Flüssen in Westdeutschland. Mit durchgehend flotter Strömung und zum Teil ausgeprägten Prallhängen trägt sie den Paddler durch ein landschaftlich reizvolles Tal. Neben einer urwüchsigen Waldlandschaft beeindrucken vor allem die steil aufragenden Buntsandsteinfelsen.

Befahrbarkeit: Die beschriebene Tour führt durch das Naturschutzgebiet Ruraue, eine Befahrung ist nur vom 15.07.–28.02. bei ausreichendem Wasserstand gestattet.
Befahrungsregeln: Das Befahren der Rur im Zeitraum vom 15.07.–28.02. ist erlaubt, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind: vorherige Anmeldung der Fahrt, Befestigung einer Kennzeichnungskarte gut sichtbar am Boot und ein ausreichender Wasserablass am Staubecken Heimbach (Pegel Nr. 26) von mindestens 7 m3/Sek. Die Anmeldung der Fahrt erledigt man beim Kanuverband Nordrhein-Westfalen (Tel. 0203/7381653, Freitag ab 12 Uhr bis Sonntag Tel. 0160/99538360). Vom 01.11.–28.02. ist die Befahrung kostenlos, im übrigen Zeitraum ist eine Gebühr von 6 Euro für ein Boot mit 1–2 Personen zu entrichten (DKV-Mitglieder erhalten 50% Rabatt).
Bei der Anmeldung erfahren Sie auch die genaue Tageszeit, zu der Sie Ihre Tour unternehmen dürfen, da sie je nach Wasserstand etwas schwankt (in der Regel von 9–18 Uhr). Zur angegebenen Zeit ist an der Einsatzstelle in Heimbach ein DKVMitarbeiter vor Ort, der die Gebühr kassiert und die Kennzeichnungskarten ausgibt. Die Fahrt sollte zügig und nur mit kurzen Zwischenstopps unternommen werden. Rastmöglichkeiten gibt es nur an den Anlegestellen in Blens, Abenden und Zerkall.
Hindernisse: Keine Zwangsportage schmälert den Paddelgenuss dieser Tour. Die durchgehend gute Strömung, weit in den Fluss ragende Äste und der ein oder andere aus dem Wasser ragende Stein erfordern aber aufmerksames Paddeln.
Beste Jahreszeit
VerkehrsanbindungA1 Ausfahrt 108 Erftstadt, weiter auf der B265 bis Zülpich; alternativ A4 bis Ausfahrt 7 Düren und auf der B56 nach Zülpich. Von Zülpich auf der B265 nach Vlatten und am Ortsende rechts ab nach Heimbach. In der scharfen Rechtskurve im Ort nach links über die Steinbogenbrücke über die Rur auf den Großparkplatz und dort nach rechts dem Wegweiser Kanuablegestelle bis zur Holzbrücke folgen.
GastronomieRestaurants und Biergärten in Heimbach, Abenden und Brück.
Tipps
Wasser-Info-Zentrum Eifel. Das Wasser-Info-Zentrum in Heimbach beleuchtet den bekannten Ausspruch »Wasser ist Leben« und stellt das Element in all seinen Facetten dar. Informiert wird über Trinkwasserproduktion, Abwasserreinigung, Stromgewinnung, Flora und Fauna und die Bedeutung von Wasser in der Medizin und Freizeit. Aktuelle Öffnungszeiten und weitere Infos unter www.wasser-info-zentrum-eifel.de Nationalpark Eifel Seit dem 1. Januar 2004 hat das Land NRW seinen ersten Nationalpark. Rund um den Rursee, zwischen Nideggen, Hürtgenwald und der deutsch-belgischen Grenze soll sich die Landschaft, vom Korsett der Wirtschaftlichkeit befreit, natürlich entwickeln können. Im Mittelpunkt stehen vor allem Buchenwälder, die von atlantischem Klima mit großen Niederschlagsmengen und milden Wintern sowie nährstoffarmen, sauren Böden geprägt sind. Die ehemaligen Wirtschaftswälder, in denen heute noch oft standortfremde Fichten wachsen, sollen in den kommenden Jahren in Naturwald umgewandelt werden. Zum typischen Landschaftsbild gehören Bäche, die tiefe, steile Kerbtäler in das Mittelgebirge genagt und so bewaldete, kühle Schluchten herausgearbeitet haben. Dort, wo die Bäche aus den Schluchten hervortreten, winden sie sich durch ein breites Tal mit idyllischen Wiesen. Der junge Nationalpark ist noch im Aufbau und verändert sich ständig. Aktuelle Infos zu Führungen, Veranstaltungen und weiteren Angeboten finden Sie unter www.nationalpark-eifel.de
Verleih
Kanuschule Wolfgang Petry, Tel. 02443/ 6746, www.kanu-petry.de
Informationen
Transfer - Schnell und problemlos mit der Rurtalbahn (Fahrplan unter www.rurtalbahn.de). Da in Heimbach nur kostenpflichtige Parkplätze zur Verfügung stehen, empfiehlt es sich, das Auto vor Tourbeginn nach Zerkall umzusetzen. Der Parkplatz in Zerkall befindet sich etwa 200 m ortseinwärts hinter der Anlegestelle auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Unterkunft
Entlang der Rur von Heimbach bis Zerkall diverse Zeltplätze, u.a. in Heimbach - Privatcamping Gut Wittscheid (Tel. 02446/237) und Heimbacher Campingplatz (Tel. 02446/437, www.heimbacher-campingplatz.de).
Tourismusbüro
Verkehrsverein Heimbach, Seerandweg 3, 52396 Heimbach, Tel. 02446/80818, www.heimbach-eifel.de; Rureifel Tourimus-Zentrale, Karl-H.-Krischer-Platz, 52396 Heimbach, Tel. 02446/805790, www.rureifel-tourismus.de
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