Leine - Von Letter nach Neustadt am Rübenberge

Hindernisfreie und problemlose Tagestour mit flotter Strömung im Westen der Landeshauptstadt Hannover. (Autor: Michael Hennemann)
Der Wegverlauf.
Herrenhausen, heute ein westlicher Stadtteil Hannovers, war einst die Sommerresidenz der hannoverschen Herrscher. Im 17. Jh. errichteten die Herzöge von Calenberg ein repräsentatives Schloss, das im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde. Erhalten geblieben sind die Parkanlangen, besser bekannt als Herrenhäuser Gärten, die sich in drei unterschiedliche Parks gliedern. Ein Landschaftspark im englischen Stil ist der Georgengarten, der von der Herrenhäuser Allee durchzogen wird, einst der Zufahrtsweg zum Schloss. Westlich schließt sich der imposante Große Garten an. Zwischen 1666 und 1714 errichtet, gilt er mit seinen Wasserspielen, dem Gartentheater und einem Irrgarten als herausragendes Zeugnis der deutschen Gartenbaukunst im Frühbarock. Die ehemalige Orangerie und das Galeriegebäude sind dort die einzigen nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg erhaltenen Gebäude des ehemaligen Schlosses Herrenhausen. Nördlich des Großen Gartens liegt der Berggarten, ursprünglich als Küchengarten angelegt und heute botanischer Garten mit Orchideen und Kakteenhäusern.
Westlich von Hannover-Herrenhausen lassen wir unsere Boote an der Straßenbrücke zwischen Letter und Stöcken die hohe Uferkante hinabrutschen, und sofort trägt uns die flotte Strömung unter der Straßenbrücke hindurch. In breiten Bögen, mit denen selbst Paddelanfänger keine Probleme haben, schlängelt sich die 20–30 m breite Leine durch eine erstaunlich grüne Landschaft. Üppige Weiden spiegeln sich in der Wasseroberfläche, und man bemerkt die nahe Großstadt kaum. Unter den folgenden beiden Brücken lässt uns ein Rauschen aufmerksam werden; aber dort fließt das Wasser nur etwas schneller, und wirkliche Stromschnellen finden wir hier nicht.
Hinter der Straßenbrücke zwischen Havelse im Norden und Seelze im Süden wird am Kreuz Leine–Mittellandkanal der Kanal in einem großen Trog über die Leine geführt. Anschließend wendet sich die Leine nach Nordwesten und beeindruckt uns im Scheitelpunkt mit einem Steilufer, das rechts von uns jäh aufragt.
Auf dem sich anschließenden bewaldeten Hügel versteckt sich der von der Leine aus nicht einsehbare Campingplatz »Blauer See«.
Bald kündigt lautes Verkehrsbrummen die Autobahnbrücke der A2 an, und 3 km weiter überspannt die Straßenbrücke bei Schloss Ricklingen das Leinetal. Rechts ragt erneut ein hohes, sandiges Steilufer auf, von dem man wohl einen schönen Blick über die Flussschleifen der Leine haben muss. Hier, wie über weite Passagen der gesamten Tour, sind die Anlege- und Rastmöglichkeiten allerdings wegen der Ufersteilheit sehr begrenzt. Am Ende einer langen Kehre tauchen rechts die ersten Häuser von Bordenau auf; aber erst einmal schlägt die Leine zwei große Haken und entfernt sich wieder vom Ort, um dann auf die Straßenbrücke zwischen Poggenhagen und Bordenau zu treffen. Die Strömung nimmt allmählich ab und kommt schließlich ganz zum Erliegen; dafür werden die Ufer flacher und eignen sich besser zum Rasten.
Es ist nun nicht mehr weit bis zum Tourenendpunkt Neustadt am Rübenberge. Vor uns rauscht die Leine über das Neustädter Wehr, und wir biegen links in den Schleusenkanal ein. Zu unserer Linken erhebt sich das gut erhaltene mittelalterliche Schloss Landestrost, das das Torfmuseum Neustadt (Tel. 05032/8990, geöffnet Di, Sa, So 14–17 Uhr, Mi, Do, Fr 10–12 Uhr) beherbergt. Die Ausstellungen informieren über Kultivierung und Ausbeutung der Moore, die Nutzung des Rohstoffs Torf und die Renaturierung von Moorflächen. Ebenfalls im Schloss ansässig ist die Sektkellerei Dupres, die einzige Niedersachsens, bei der man im Rahmen einer Gruppenführung (ab zehn Personen, Tel. 05032/3302) mehr über die Herstellung des Neustädter Sekts erfahren kann.
Vor der ersten Straßenbrücke finden wir rechts einen Anleger, an dem wir nahe dem schönen Zentrum von Neustadt die Tour beenden können. Der Anleger wird von einem privaten Kanuverleiher unterhalten, kann aber auch von Individualpaddlern genutzt werden. Da er in einem Naturschutzgebiet liegt, dürfen die Autos nicht an der Aussatzstelle geparkt werden. Direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite findet sich der Parkplatz »Zwischen den Brücken« (Parkzeit allerdings von Mo–Fr auf 2,5 Std. begrenzt).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour34 km
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktStraßenbrücke Letter–Stöcken in Hannover-Herren- hausen.
EndpunktNeustadt/Rübenberge, Anleger gegenüber von Schloss Landestrost.
TourencharakterRaus aus der Stadt und hinein ins Abenteuer - Direkt an Hannovers Stadtrand schlängelt sich die Leine mit guter Strömung in großen, sanften Windungen durch eine idyllische Endmoränenlandschaft.
Befahrbarkeit.
Ganzjährig, selbst nach langen Trockenperioden.
Befahrungsregeln.
Keine Einschränkungen.
Beste Jahreszeit
VerkehrsanbindungA2 bis Ausfahrt 42 (Herrenhausen), weiter Richtung Zentrum/Stöcken/Letter bis zur Brücke über die Leine. Direkt hinter der Brücke führt ein kleiner Weg nach links zu einer großen Wiese und der unbefestigten Einstiegsstelle. Transfer: Von Neustadt/Rübenberge problemlos mit der S2 in knapp 20 Min. nach Letter, von dort ca. 20 Min. Fußweg bis zur Einsatzstelle an der Brücke Letter–Stöcken.
GastronomieKeine Einkehrmöglichkeiten. Die Rastmöglichkeiten entlang der Leine sind ebenfalls begrenzt, da die Ufer oft recht hoch und/oder steil sind.
Tipps
Steinhuder Meer. Von Neustadt am Rübenberge lohnt sich ein Besuch des Steinhuder Meers. Der größte Binnensee Niedersachsens bildete sich gegen Ende der letzten Eiszeit vor etwa 14000 Jahren in einem großen Becken. Mit einer Fläche von 30 km² ist er größer als die Nordseeinsel Norderney und ein beliebtes Erholungsgebiet und Wassersportrevier. In den Natur- und Landschaftsschutzgebieten in der Umgebung des Sees befinden sich ausgedehnte Torfmoore und Feuchtwiesen, die Brut-, Überwinterungs- und Durchzugsgebiete für viele Watt- und Wasservogelarten bieten.
Verleih
Neustadt/Rübenberge - Wasserwander-Service Bibow, Hagener Str. 34, Tel. 05034/4042, www.paddel- tour.de.
Unterkunft
Keine Übernachtungsmöglichkeiten direkt am Leineufer. Garbsen - Campingplatz »Blauer See«, Am Blauen See 119, Tel. 05137/89960, www.camping-blauer-see.de (der Platz ist Luftlinie zwar nur wenige Meter von der Leine entfernt, ein Ein-/Aussetzen aber sehr umständlich, da die Ufer hier sehr hoch und steil sind. Der kürzeste Weg vom Camping- gelände zur Leine führt durch die »Hundepforte«, den Schlüssel erhält man an der Rezeption).
Tourismusbüro
Tourismusverband Hannover Region, Prinzenstr. 12, 30159 Hannover, Tel. 0511/ 3661981, www.tourismus- region-hannover.de.