Kanuwanderung in der Lüneburger Heide

Kanufahren auf der Örtze - Von Müden nach Eversen

Herrliche Tagestour durch die Lüneburger Heide, bei der an den Ufern die urigen, traditionsreichen Dörfer Müden, Hermannsburg und Oldendorf zu entdecken sind. Für Freizeitkanuten, Familien und Naturliebhaber. (Autor: Michael Hennemann)

Befahrbarkeit der Örtze

Zeitliche Einschränkung siehe Befahrungsregeln. Durch die Pegelregelung (relativ aktueller Pegel unter www.fluss- erlebnis.de) war der Wasserstand hinter der Mühle in Müden in den Sommern der vergangenen Jahre oft zu niedrig; dann ist ein Start erst in Hermannsburg möglich. Den stärksten Andrang erfährt die Örtze im August und September – wer diesen »Kanumassentourismus« meidet, wird mit einem besonders naturnahen Erlebnis belohnt.

Befahrungsregeln

Durch die große Beliebtheit und den starken Andrang war die Örtze zeitweise von einer Totalsperrung bedroht, die aber durch den Deutschen Kanuverband abgewendet werden konnte. Jetzt ist eine Befahrung von Müden bis zur Mündung mit folgenden Einschränkungen gestattet: Eine Befahrung ist ausschließlich mit Paddelbooten von max. 6 m Länge und 1 m Breite jeweils vom 16.5.–14.10. in der Zeit von 9–18 Uhr erlaubt, soweit der Pegel an der jeweiligen Einsatzstelle »grün« anzeigt. Der Ein- und Ausstieg ist nur an den gekennzeichneten Bootsanlege- stellen erlaubt. Es besteht eine Bootskennzeichnungspflicht wie auf Binnenwasserstraßen (Bootsname, Vereinsname, Ort). DKV-Mitglieder dürfen die Örtze auch vom 15.10.–15.5. befahren, natürlich unter Beachtung obiger Regeln (DKV-Ausweis mitzuführen).

Hindernisse

Abgesehen von der stellenweise recht flotten Strömung keine besonderen Schwierigkeiten.

Wegverlauf der Kanuwanderung in der Lüneburger Heide

Den Mittelpunkt des malerischen Heidedorfs Müden bildet die St.-Laurentius-Kirche mit dem für Heidekirchen typischen frei stehenden, hölzernen Glockenturm. Drumherum führen kopfsteingepflasterte Straßen vorbei an alten reetgedeckten Höfen, in denen heute so manches Café oder Restaurant untergebracht ist, umgeben von Steinmauern und uralten Eichen. Wer vor oder nach der Paddeltour noch etwas Zeit hat, kann dem Wildpark (geöffnet täglich 9–18 Uhr) von Müden einen Besuch abstatten. Eingebettet in das Tal der Örtze bietet er auf einer Fläche von ca. 10 ha die Möglichkeit, bei einem Spaziergang heimische Wildarten wie Rot-, Damm-, Sika-, Schwarz- und Muffelwild zu beobachten. Auch auf dem Fluss-Wald-Erlebnispfad, der im Tal der Örtze an mehreren interaktiven Stationen Phänomene, Tiere und Pflanzen aus den Lebenswelten Wald und Wasser erklärt, kann man mehr über die einzigartige Natur der Region lernen.

Unsere Tagestour auf der Örtze beginnt hinter der historischen Wassermühle. Im Jahre 1438 wurde eine erste Korn- und Sägemühle an der Örtze erwähnt. Mit einigen Umbauten verrichtete die Sägemühle bis 1959 und die Kornmühle bis 1965 ihren Dienst. Danach stand das Gebäude leer und verfiel nahezu vollständig. Von 1989–97 wurde die Mühle saniert und restauriert und beherbergt heute Touristeninformation, Gemeindebücherei sowie ein Trauzimmer und mehrere Tagungs- und Ausstellungsräume. Die Mühle dient aber nicht nur als Gebäude, sondern auch als Energieerzeuger. Die von der Örtze angetriebene Turbine versorgt die Mühle mit Strom, dessen Überschuss ins Netz eingespeist wird.

Sofort nach dem Start hüllt uns ein schöner Wald ein, und die flotte Strömung trägt uns an diversen Holzbrücken vorbei. Aus der Ferne ist das Brummen der Hubschrauberrotoren vom Truppenübungsplatz Soltau-Bergen bei Bad Fallingbostel zu hören. An der ersten richtigen Straßenbrücke ist der erste Anleger von Hermannsburg erreicht. Hier informiert uns eine Tafel über die kurze Geschichte der Flößerei auf der Örtze, die zu Beginn des 17. Jh. an Bedeutung gewann; die Örtze war damals von Müden bis zur Mündung in die Aller schiffbar. Hochkonjunktur herrschte um 1874, als die Werften in Bremen und Bremerhafen Holz für den Schiffbau benötigten und das Holz von Bremen aus bis nach England, Frankreich und Spanien verschifft wurde. Die starke Versandung im Unterlauf und die ersten Kleinbahnen besiegelten bis 1912 das Ende der Flößerei auf der Örtze.

Bis der Kirchturm von Hermannsburg am rechten Ufer auftaucht und wir den Anleger in der Dorfmitte erreichen, sind noch einige Paddelschläge zu tätigen. Dafür werden wir mit einem reichhaltigen Gastronomieangebot vom einfachen Imbiss über eine Eisdiele bis zum Restaurant in kurzer Entfernung zum Steg belohnt. Hermannsburg, das auf eine über 1000-jährige Geschichte zurückblickt, hat aber nicht nur kulinarisch einiges zu bieten – auch die Norddeutsche Korbimkerei und das Heimatmuseum mit Lehmbackofen sind einen Besuch wert.

Nächstes Wahrzeichen am rechten Ufer ist die Scharnebecksmühle von 1646; ein Schild an der Holzbrücke weist auf die heute hier untergebrachte Pension hin. Nachdem wir den Campingplatz in Oldendorf am linken Ufer hinter uns gelassen haben, nähern wir uns Oldendorf. Der offizielle Anleger befindet sich nicht an der ersten Holzbrücke, sondern einige Meter flussabwärts hinter der Straßenbrücke. Am gegenüberliegenden Ufer bietet der Gutshof einen Biergarten, ein Restaurant und ein Hotel. Nach Oldendorf wird es wieder einsamer auf der Örtze. Große Doldenblütler entlang den Ufern verströmen einen süßen Duft, und dichte Schwaden von weiß blühendem, flutendem Hahnenfuß kitzeln den Bootsrumpf. Nur die aufdringlichen Bremsen nerven.

Oft wird der Flusslauf durch weit wuchernde Weiden manchmal bis auf wenige Meter eingeengt. Etwa 1 Std. nach Oldendorf kündigen ein paar neu angelegte Holzbrücken das Ende der Tour an, und zwischen der Straßen- und der Eisenbahnbrücke in Eversen steuern wir die Bootsanlegestelle am linken Ufer an.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour19 km
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktAnlegestelle an der Wassermühle in Müden (Parkplatz ein paar hundert Meter weiter am Heidesee).
EndpunktAnlegestelle in Eversen (Parkmöglichkeiten schräg gegenüber im Beutzer Weg).
TourencharakterDie Örtze entspringt in der südlichen Heide nördlich von Munster und mündet nach 54 km bei Winsen in die Aller. Sie windet sich durch menschenleere Landschaften des Naturparks Südheide, und Hermann Löns soll sie einst als »der Heide echtester Fluss« bezeichnet haben. Das sehen viele Paddler und Kanuverleiher noch heute so.
Beste Jahreszeit
VerkehrsanbindungA7 bis Ausfahrt 44 (Soltau-Ost), weiter auf der B71 über Munster nach Müden, dort der Ausschilderung Richtung Touristeninformation folgen. Transfer: Spärliche Busverbindung von Eversen nach Müden mit den Linien 12 oder 13 (Fahrplanauskunft unter Tel. 05141/ 487080 oder www.cebus-celle.de).
GastronomieHermannsburg - mehrere Gaststätten und Eiscafés nahe dem Anleger. Oldendorf: Biergarten und Restaurant.
Tipps
Kulturlandschaft Lüneburger Heide. Die Lüneburger Heide ist keine Naturlandschaft, sondern erst durch den Menschen entstanden. Die Heide- flächen waren ursprünglich von dichten, buchenreichen Mischwäldern bedeckt. Sie wurden im Mittelalter großflächig abgeholzt, weil das Holz für die Saline in Lüneburg, für den Schiff- und Hausbau sowie in Glashütten benötigt wurde. Zusätzlich wurde der Wald bis zum Beginn des Industriezeitalters als Viehweide genutzt; die Tiere verhinderten durch ihren Verbiss und den Tritt das Nachwachsen junger Bäume, sodass der Wald erst überalterte und sich schließlich lichtete. Da man das Laub zusätzlich als Streu und Dünger aus dem Wald herausholte, wurden dem Wald viele Nährstoffe entzogen – die anspruchslose Besenheide, allgemein als Heidekraut bekannt, dehnte sich aus und bildete die weiten, im Spätsommer violett leuchtenden Heideflächen, die heute zahlreiche Touristen anziehen.
Verleih
Fassberg/Müden - Bootsvermietung Markiewicz, Pappelallee 46, Tel. 05055/ 5114, www.bootsvermietung-markiewicz.de; Bootsverleih W. von der Ohe, Eschenweg 2, Tel. 05055/8888, www.bootsverleih-oertze.de; Heide-Touristik-Service, Am Gehäge 13a, Tel. 05053/987178, www.heidetouristikservice.de. Hermannsburg: Boot & Fahrradvermietung Örtzepark, Lotharstr. 7, Tel. 05052 /3702, www.bootsvermietung-oertzepark.de; Boots- u. Fahrradverleih Reinhard Könemann, Lindenweg 11, Tel. 0172/6317440, www.bootsvermietung-oertze.de.
Unterkunft
Müden - Natur-Camping Sonnenberg, Tel. 05053/987174 (ca. 3 km von der Einsatzstelle). Oldendorf: Campingplatz »Am Örtzetal«, Tel. 05052/3072. Hermannsburg: Pension »Scharnebecks Mühle«, Tel. 05052/3378, www.scharnebecks-muehle.de; Gutshof »Im Oertzetal«, Tel. 05052/9790, www.gutshof- im-oertzetal.de.
Tourismusbüro
Tourismusverband Lüneburger Heide e.V., Barckhau-senstr. 35, 21335 Lüneburg, Tel. 04131/73730, www.lueneburger-heide.de; Touristinformation Müden, Unterlüßer Str. 5, 29328 Faßberg/OT Müden, Tel. 05053/989222, www.mueden-oertze.de; Touristinformation Hermannsburg, Harmsstr. 3a, 29320 Hermannsburg, Tel. 05052/8055, www.touristinfo-hermannsburg.de.

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