Hunte - Von Wildeshausen nach Oldenburg

Die vorgestellte Wochenendtour folgt dem landschaftlich schönsten Abschnitt der Hunte, die sich im Naturpark Wildeshauser Geest ihren Weg mit einer Strömung von 2–3 km/h durch eine eiszeitlich geprägte Hügellandschaft bahnt. Die Route verläuft abwechslungsreich durch Kiefern- und Eichenwälder, Heidelandschaft, Äcker und Wiesen und wird von einigen spritzigen Stromschnellen garniert, die problemlos befahrbar sind. Absolute Kanuneulinge sollten allerdings besser nur in Begleitung erfahrener Paddler starten. (Autor: Michael Hennemann)
Der Wegverlauf.
Am Startpunkt an der Straßenbrücke in Wildeshausen hat die Hunte von der Quelle im Wiehengebirge, einem bis zu 320 m hohen Teil des Weserberglands an der Grenze von Niedersachsen zu Nordrhein-Westfalen, schon 140 km zurückgelegt. Bevor wir uns auf die gut 45 km lange Reise nach Oldenburg begeben, lohnt sich ein Besuch der gemütlichen Kleinstadt. Überragt wird das Zentrum mit den kleinen Geschäften, gemütlichen Restaurants und einladenden Straßencafés von der Alexanderkirche. Die einzige Basilika im Oldenburger Land verdankt ihren Namen dem Märtyrer Alexander, dessen Reliquien 851 von Rom hierher gebracht wurden. Sehenswert im Inneren sind Fresken aus dem 13. Jh. sowie das Triumphkreuz und filigrane Sandsteinarbeiten (14./15. Jh.). Direkt im Zentrum zieht das gotische Rathaus (15. Jh.) mit seinem Treppengiebel die Blicke auf sich. Deutlich jünger, nämlich von 1990, ist das Glockenspiel am Nordgiebel des neuen Stadthauses nebenan. Zu den Klängen der 23 Bronzeglocken erinnern sechs aus Lindenholz geschnitzte Figuren an die Stadtgeschichte.
Während es am frühen Morgen in der Innenstadt recht ruhig zugeht, herrscht an der Einsatzstelle reger Trubel. Mehrere Kanuvermieter rangieren ihre hoch beladenen Bootshänge auf dem Platz, und Kanuguides erläutern ihren Schützlingen die Grundlagen der Paddeltechnik. Nachdem wir unsere Boote vom Autodach abgeladen haben und startklar sind, parken wir den Pkw einige hundert Meter weiter die Straße entlang an der Schule oder beim Katasteramt.
Zurück an der Einsatzstelle fällt uns neben der Treppe hinunter zum Hunteufer ein Schild auf: die erste Station des Wasserwander-Lehrpfads entlang der Hunte. Bis Oldenburg wurden insgesamt elf Stationen mit Informationen zu Natur, Landschaft und Kultur der Hunte eingerichtet. Anschauliche Tafeln stellen die Kleinstlebewesen am Fluss vor, informieren über Hochwasserschutz sowie Energiegewinnung und erklären den Fischschutz am Huntestauwehr am Kraftwerk in Oldenburg. So findet der Paddler entlang der Hunte nicht nur viele gute Rastplätze und Ausstiegsstellen, sondern erfährt quasi nebenbei viel Interessantes über den Lebensraum Fluss und seine Besonderheiten. Erst einmal wollen wir aber nicht rasten, sondern lospaddeln, und auch ohne Schilder am Ufer ist die Hunte äußerst abwechslungsreich. Gleich nach dem Start rauschen unter der Eisenbahnbrücke die ersten Stromschnellen, die wir links sicher befahren können. Wenig später passieren wir die breite Autobahnbrücke der A1; dann wird es ruhig und idyllisch. Tief hat sich die Hunte in die sandigen Hügel eingeschnitten und schiebt uns mit flotter Strömung durch einen dichten Weidentunnel.
Noch heute sind die zahllosen Mäanderbögen der Hunte recht beeindruckend. Ursprünglich jedoch wand sich der Fluss nördlich von Wildeshausen in noch viel engeren Schlingen und Kehren, bevor die Wasserbauer, wie an praktisch alle anderen deutschen Flüssen seit Anfang des 19. Jh., versuchten, den Flusslauf zu begradigen und über 30 Altarme abzuschneiden. So wurde die ursprünglich 57 km lange Fließstrecke zwischen Wildeshausen und Oldenburg auf etwa 42 km verkürzt. Die Folge war eine Zunahme der Fließgeschwindigkeit, und die Hunte grub sich ein immer tieferes Bett. Das unnatürlich schnell fließende Wasser reißt Kies vom Boden mit und zerstört seltenen Lebensraum, und bei Hochwasser werden Sandablagerungen meterhoch ans Ufer gespült und ersticken dort das noch verbliebene Leben.
In den letzten Jahren begann man aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, und ein zweites Mal rücken die Wasserbauingenieure dem Fluss zu Leibe – dieses Mal, um den natürlichen Zustand wiederherzustellen. Während dieser Renaturierungsarbeiten wird die Hunte wieder in die Altarme zurück- verlegt, und für die nächsten Jahre ist die Anbindung weiterer Hunte-Altarme an den Fluss geplant.
Für den Kanuten verlängert sich so zwar die Paddelstrecke, dafür wird er aber mit einem herrlich mäandrierenden Flusslauf und noch vielfältigeren Naturerlebnissen belohnt.
Die Hunte mäandriert durch eine schöne Waldlandschaft, und vielerorts locken schöne Sandufer zu einer Pause, doch sollten wir uns bewusst sein, dass der naturnahe Flusslauf und die einladenden Ufer Refugien und Heimat einer Vielzahl seltener Tiere und Pflanzen sind. Da wir als Paddler hier nur zu Gast sind, nutzen wir nur die angelegten und markierten Rastplätze, die wir entlang der Hunte in kurzen Abständen finden. Eine Tierart die sich an und in den steilen Sandufern heimisch fühlt, ist die Uferschwalbe. Nur mit ihren Krallen buddelt sie sich röhrenartige Höhlen in den Sand, die über einen halben Meter tief sein können. Uferschwalben sind die kleinste heimische Schwalbenart und unterscheiden sich von den bekannteren Rauchschwalben durch ihre deutlich kürzeren Schwanzspieße.
Die nächsten leichten Stromschnellen warten unter der Brücke bei Dötlingen. Hier, wie an anderen Stromschnellen auch, empfiehlt es sich in der Mitte der V-förmigen Stromzunge zu fahren. Zwar sind dort die Wellen am höchsten, dafür fließt an dieser Stelle aber auch das meiste Wasser, sodass wir keine Hindernisse zu erwarten haben.
Vom nächsten Anleger, der einige Flussschlingen weiter am rechten Ufer wartet, lohnt ein kleiner Spaziergang in das nahe Bilderbuchdorf Dötlingen. Rund um die wuchtige mittelalterliche Feldsteinkirche gruppiert sich der Ortskern mit reetgedeckten niedersächsischen Hallenhäusern.
Zurück auf dem Fluss lässt die nächste Stromschnelle nicht lange auf sich warten. An der Brücke bei Oelmühle wählen wir zur Durchfahrt den Bogen ganz links; danach paddeln wir ruhig durch den Wald bis zum Rastplatz Amelhausen, wo uns ein Schild auf den nahe gelegenen Zeltplatz Hunte-Camp hinweist, der für unsere Etappenplanung aber zu früh kommt. Wir paddeln daher weiter in nördliche Richtung, bis uns das Rauschen unter der Brücke bei Ostrittrum aufhorchen lässt. Bevor wir diese Passage bewältigen, können wir vor der Brücke rechts anlegen, um einen Abstecher zum Wild- und Freizeitpark (Familie Riesmeier, Tel. 04487/7166, www.freizeitpark-ostrittrum.de, geöffnet Februar bis Anfang November, täglich 9–18 Uhr) und dem Restaurant-Café »Landhaus Rittrum« (So 10–24 Uhr, Di–Sa 12–24 Uhr) im Ort zu machen.
Nach dem Landgang liegen drei völlig hindernisfreie Kilometer vor uns, bis die Hunte kurz vor Huntlosen über eine hohe Stufe rauscht und einen kräftigen Schwall bildet. Um die Pfähle unter der Wasseroberfläche zu um- schiffen, steuern wir die Boote leicht links von der Mitte durchs tosende Wasser. Ein paar Paddelschläge weiter taucht vor uns die Brücke Huntlosen auf, vor der am linken Ufer der Anleger der Gaststätte »Zur Hunte« liegt. Das gemütliche Gartenlokal lockt mit einer Terrasse hoch über dem Hunteufer, und auf der großen Wiese hinter dem Haus können wir unsere Zelte aufschlagen.
Am nächsten Morgen meistern wir die kleine Stufe unter der Brücke, und bald spiegeln sich vom rechten Ufer die hohen Sandbänke im Wasser. Oben auf dem Ufer wachsen im seit 2002 als Naturschutzgebiet geschützten Barneführerholz knorrige, oft mehrere hundert Jahre alte Eichen und Buchen. Bis zum Anleger in Astrup folgen im nächsten Streckenabschnitt noch drei kleinere, völlig problemlose Stromschnellen. Danach wandelt sich der Charakter der Hunte, die nun nicht mehr durch die Geest, sondern durch die Marsch ihren Weg Richtung Weser sucht. Statt sandigen Steilufern begleitet uns nun ein grüner Deich, und die Ufer sind kultiviert. Hinter dem Bootshaus des TSV Tungeln knickt die Hunte nach Nordosten ab und führt an einem letzten Pausenanleger an der Buschhagenniederung zur Rechten und dem Vereinsgelände der Kanuabteilung des Oldenburger Jachtclubs zur Linken vorbei. Wir paddeln geradeaus auf das Kraftwerksgebäude zu und finden rechts davor eine Rampe, an der wir unsere erlebnisreiche Reise durch die Wildeshauser Geest gut beenden können.
Beim Blick zurück erahnen wir hinter dem Ufer schon den Küstenkanal, mit dem sich die Hunte hinter dem Kraftwerk verbindet. Von hier bis zur Mündung in die Weser ist die Hunte nun Bundeswasserstraße, die in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut und vertieft wurde, um Oldenburg über Hunte und Weser mit der Nordsee und den wichtigen Überseehäfen in Bremerhaven und Bremen zu verbinden. Nach Süden stellen dagegen Küstenkanal und Dortmund-Ems-Kanal den Anschluss ans Ruhrgebiet her.
Wer Zeit und Lust hat, kann die Boote unterhalb des Kraftwerks noch einmal zu Wasser lassen, über den Kanal einen Kurztrip zum Stadthafen von Oldenburg unternehmen und dort die Motor-, Segel- und Ausflugsboote bewundern; eine geeignete Ausstiegstelle zur Beendigung der Tour gibt es im Stadtgebiet von Oldenburg allerdings nicht.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour44 km
Dauer9.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWildeshausen, Straßenbrücke über die Hunte.
EndpunktOldenburg, Kraftwerk.
TourencharakterZwischen Wildeshausen und Astrup erwartet den Paddler einer der schönsten und ökologisch bedeutendsten Abschnitte der Hunte mit steilen Ufern und uriger Landschaft. Kleine, aber gefahrlose Stromschnellen sorgen für Abwechslung, und am Ende der Tour lockt die alte Residenzstadt Oldenburg.
Befahrbarkeit.
Zwischen Astrup und Oldenburg ganzjährig; im Oberlauf besteht ein Befahrungsverbot im Frühjahr (s.u.).
Befahrungsregeln.
Der Abschnitt vom Kraftwerk Wildes- hausen bis zur Straßenbrücke in Astrup ist vom 1.4.–15.6. gesperrt. Darüber hinaus besteht ein ganzjähriges Befahrungs- verbot für Boote mit einer Länge von über 6 m oder einer Breite von über 1 m.
Hindernisse.
Mehrere Stufen/ Stromschnellen unter diversen Brücken, die aber alle befahren werden können.
Beste Jahreszeit
VerkehrsanbindungA1 bis Ausfahrt 60 (Wildeshausen-Nord), weiter auf der B213 Richtung Wildeshausen, noch vor dem Stadtzentrum links in die Heemstraße und bis zur Einsatzstelle an der Brücke über die Hunte. Transfer: Bequem, schnell und im Stundentakt mit dem Bus Linie 270 (»Huntesprinter«) in weniger als 1 Std. von Oldenburg nach Wildeshausen. Mit der Bahn etwas umständlich: Von Oldenburg über Delmenhorst nach Wildeshausen (Fahrtzeit ca. 2 Std.).
GastronomieHuntlosen - Gaststätte »Zur Hunte« (geöffnet Mo, Do, Fr 10–13 und ab 17 Uhr, Mi 10–13 Uhr, Sa/So ab 10 Uhr, Di Ruhetag).
Tipps
Horst-Janssen- Museum. Seit 2000 präsentiert das Horst- Janssen-Museum Oldenburg (Am Stadtmuseum 4–8, 26121 Oldenburg, Tel. 0441/2352891, www.horst-janssen-museum.de, geöffnet Di–So 10–18 Uhr) in der Nähe des Bahnhofs auf rund 600 m2 Zeichnungen, Aquarelle, Holzschnitte, Radierungen und Lithografien von Horst Janssen (1929–1995), der seine Kindheit in Oldenburg verbrachte. Darüber hinaus werden auch seine literarischen Arbeiten und persönliche Gegenstände ausgestellt.
Verleih
Oldenburg - Yeti Sport & Reisen, Donnerschweerstr. 48, Tel. 0441/85685, www.yeti-ol.de; Fips Reisen, Tannenkampstr. 4, Tel. 0441/ 507003, www.kanutouren-ol.de.
Unterkunft
Amelhausen - Hunte-Camp, Tel. 04434/ 918110, www.hunte-camp.de. Huntlosen: große Zeltwiese an der Gaststätte »Zur Hunte«, Tel. 04487/1468. Oldenburg: Zeltmöglichkeit am Bootshaus der Kanuabteilung des Oldenburger Jachtclubs, Ansprechpartner Horst Kreysch, Tel. 0441/62688.
Tourismusbüro
Naturpark Wildeshauser Geest, Delmenhorster Str. 6, 27793 Wildeshausen, Tel. 04431/85351, www.naturparkwildeshausergeest.de (Fluss- wanderkarte und Infos zum Flusslehrpfad unter www.hunte-natur.de); Oldenburg Tourismus und Marketing GmbH, Markt 22, 26122 Oldenburg, Tel. 0441/ 36161340, www.oldenburg-tourist.de.