Ems - Von Salzbergen nach Lathen

Einfache Kanuwanderung auf der zwar vielfach begradigten, aber landschaftlich reizvollen Ems. Im Unterlauf ist die Ems stellenweise Teil des Dortmund-Ems-Kanals, und dieser folgt abschnittsweise dem Flussbett der Ems. Wo immer möglich, folgt die Tour aber dem alten Lauf der Ems, und stille Auenlandschaften wechseln sich mit gemütlichen Kleinstädten ab. Bei den Passagen auf dem Dortmund-Ems-Kanal gilt die Binnenschifffahrtsordnung; Kanufahrer sollten sich möglichst in Ufernähe aufhalten. (Autor: Michael Hennemann)
Der Wegverlauf.
Wahrzeichen der gemütlichen niedersächsischen Kleinstadt Salzbergen ist die hoch aufragende neugotische Pfarrkirche St.Cyriakus. Ein paar Schritte entfernt, in der Nähe des Kolping- Bildungshauses, hat der Heimatverein ein emsländisches Heuerhaus von 1729 als Heimathaus wiederaufgebaut. Das Zweiständer-Hallenhaus beheimatet Wohnbereich, Diele und Stallungen in einem einzigen Raum. Mittelpunkt des Hauses ist die offene Feuerstelle. Ein ungewöhnliches Museum ist das Feuerwehrmuseum (Overhuesweg 16–18, Tel. 05976/94393, www.museum.feuerwehr-salzbergen.de, geöffnet März–Oktober, So 10–17 Uhr). Hier hat der noch junge Museumsverein eine umfassende Sammlung von Fahrzeugen, Handdruckspritzen und Feuerwehrgeräten zusammengetragen und präsentiert Feuerwehrgeschichte anhand von Uniformen, Ärmelabzeichen, Atemschutzgeräten, Feuerlöschern und alten Dokumenten.
Nach dem kurzen Stadtrundgang lassen wir die Kanus unter dem großen grünen Bogen der Emsbrücke am Campingplatz, Ruderverein und Kanuverleih zu Wasser und folgen den großen Flussschlingen durch eine stille Auenlandschaft. Kurzzeitig wird die Ruhe von der A30 gestört, doch der Verkehrslärm verklingt schnell, und bald sind nur noch das leise »Plopp« eines Haubentauchers und die über das Wasser plätschernden Schritte einer zum Flug startenden Ente zu hören. An den Ufern bilden Blutweiderich und viele andere Blumen violette, gelbe und weiße Farbtupfer.
Schon zieht der Kirchturm von Listrup vorbei, und wir erreichen einen ersten Pausenanleger. Hinter einer breiten Linkskehre zieht rechts ein weiterer Anleger vorbei, dann taucht voraus rechts die Selbstbedienungsschleuse Listrup auf. Wir steuern die Boote nach rechts, denn links versperrt das Wehr die Weiterfahrt. Die durch Muskelkraft betriebene Schleuse ist ein Relikt aus der Blütezeit der Emsschifffahrt in der Mitte des 19. Jh. 1820 beschlossen Hannover und Preußen gemeinsam den Emsausbau, und es wurden die Schleusen Bentlage, Rheine und Listrup gebaut. Um 1868 waren bis zu 1200 Schiffe auf diesem Emsabschnitt unterwegs; heute verkehren hier nur noch wenige Sport- und Passagierboote.
Eine Hinweistafel erklärt den genauen Arbeitsgang zum Schleusen. Wem das Kurbeln der Schotten und schweren Schleusentore zu anstrengend ist, kann die Schleuse auch am rechten Ufer umtragen. Aus- und Einstieg sind allerdings recht eng, sodass das Umtragen nur für kleine, leichte Boote zu empfehlen ist.
An der Straßenbrücke in Leschede laden zur Linken das »Alte Fährhaus« (der dazugehörige Campingplatz findet sich am linken Ufer hinter der Brücke) und rechts die »Anglerklause« zu einer Rast ein. Eine gute Anlandemöglichkeit bietet der Steg direkt hinter der Brücke am rechten Ufer. Als breiter Strom wälzt sich die Ems nach Norden; das Landschaftsbild wird aber etwas von den mächtigen Türmen des Kernkraftwerks Emsland bei Lingen getrübt, die uns nun eine ganze Weile am Ufer begleiten. Das tut der Region als Naherholungsgebiet aber keinen Abbruch, wie die zahlreichen Ferienhäuser und Motorboote am Ufer deutlich machen. Kurz vor dem Flusskilometer 83 trifft die Ems auf den Dortmund-Ems-Kanal hinter der Schleuse Gleesen. Wir steuern unsere Bootsspitzen unter der Eisenbahn- und Straßenbrücke hindurch; dahinter zweigt nach links der Ems-Vechte-Kanal ab. Bei Hanekenfähr trennen sich Ems und Kanal, und wir halten uns schräg links. Die Ems donnert hier über ein hohes Wehr in die Tiefe, und wir paddeln am Steg am rechten Ufer vorbei bis kurz vor das Wehr, um unterhalb des Hotels auszusteigen und am rechten Ufer für ca. 250 m zu umtragen. Wer möchte, kann im Restaurant am Hotel oder beim Imbiss am Campingplatz eine Rast einlegen.
Schnell verklingt das über das Wehr tosende Wasser, und nur noch das Plätschern der Paddel beim Eintauchen ist zu hören. Zwei Straßenbrücken bzw. 6 km weiter ist am linken Ufer der Campingplatz Emswiesen erreicht.
Hinter der nächsten Kurve warnt ein Schild vor Stromschnellen, von denen bei Hochwasser nichts zu merken ist und die bei gutem Wasserstand problemlos befahren werden können. Danach weist am rechten Ufer ein Schild auf das Bootshaus des Kanuclubs Ems Lingen hin, und nach gut 1 km warten die nächsten Stromschnellen, für die das Gleiche gilt wie für die zuvor erwähnten. Danach begeistert uns die Ems mit zahlreichen Kurven, grünen Wiesen, satten Weiden und urigen Auenwäldern. Im Vorbei- fahren bietet sich die Gelegenheit, die allseits bekannte Stockente etwas genauer zu betrachten, und wir sind erstaunt, wie farbenprächtig die Männchen sind. Bunt schillern deren Federn in der Sonne, grün der Kopf und Hals mit einem weißen Ring und kastanienbraun die Brust und der Bauch. Dass die Weibchen unscheinbar braun sind, hat seinen guten Grund - So sind sie während der Brutzeit auf dem Nest gut getarnt.
Wir passieren den Pausenanleger bei Holthausen und die Straßenbrücke zwischen Dalum und Geeste; dann versperren kurz hintereinander zwei Wehre den Weg. Das Wehr bei Groß Hesepe umtragen wir rechts, das bei Klein Hesepe dagegen links. An beiden Wehren weisen Schilder unmissverständlich auf die Gefahrenstelle hin, und Stege erleichtern das An- und Ablegen. Nach der nächsten weiten Flussschlinge ragt voraus bei Rühle ein Windkraftrad in den Himmel, und rechts davor erhebt sich ein sandiges Steilufer. Die Böschung ist so stark geneigt, dass wir fast befürchten, die Kühe würden Purzelbäume schlagen, um hinab zum Fluss zu gelangen. In der Kurve danach lädt ein Anleger zu einer letzten Rast ein, bevor es nach Meppen geht. Zuerst kommt der Mobilfunkturm ins Blickfeld, und nach der hohen Straßenbrücke ist am rechten Ufer der Schwimmsteg des Campingplatzes erreicht, der nur wenige Gehminuten von der sehenswerten Innenstadt entfernt liegt. Wahrzeichen Meppens ist das Historische Rathaus, dessen Untergeschoss aus mächtigen Findlingen aus dem Jahr 1408 gemauert ist. Knapp 200 Jahre später, um 1605, wurde der Bau um zwei weitere Stockwerke erhöht. Damit das zweite Geschoss eine größere Grundfläche erhalten konnte, ragt es über das Untergeschoss hinaus und wird durch vier Säulen gestützt, die durch Rundbögen miteinander verbunden sind. Die Kogge an der Turmspitze erinnert daran, dass Meppen einst zur Hanse gehörte.
Hinter dem Rathaus beeindruckt die in der Nachmittagssonne leuchtende Fassade der Gymnasialkirche, die im Innern ein Juwel des Spätbarocks und des Frührokoko ist und mit ihrer feingliedrigen Stuckdecke und der farbenprächtigen Ausschmückung in Norddeutschland einmalig ist.
Kurz hinter der Straßenbrücke nach dem Campingplatz erreichen wir den Dortmund-Ems-Kanal, der uns für ca. 5 km nach Norden mitnimmt. Der Kanal ist zwar recht gerade, aber nicht zu stark befahren. Ein paar größere Frachter lassen uns in ihren Wellen schaukeln, und ein paar Freizeitkapitäne winken uns aus ihren Sportbooten zu; dann spannt schon die Brücke der B402 einen großen Bogen über den Kanal, und wir biegen ein paar Paddelschläge weiter nach links in den alten Flusslauf der Ems ein. Dort macht zunächst einmal ein Wehr eine kurze Portage erforderlich. Es gibt davor zwar einen Steg zum Aussetzen, aber dass man hinter dem Wehr wieder einsetzen muss, haben die Verantwortlichen scheinbar übersehen, denn im Unterwasser gibt es keinen Steg, und die Böschung ist recht steil und steinig. Wir lassen unsere Boote daher direkt hinter dem Wehr auf einem schmalen Grasstreifen hinab ins Wasser, wo das Einsteigen allerdings aufgrund der starken Wellen vom Wehr etwas kniffelig wird.
Wieder im Boot erwartet uns eine geruhsame und praktisch motorbootfreie Fahrt auf der Ems. Eine Straßenbrücke und ein Pausenanleger sind die weiteren Stationen, dann erhebt sich vor uns der Kühlturm des stillgelegten Gaskraftwerks Meppen-Hüntel mit seiner überdimensionalen aufgemalten Weltkarte und wir gelangen zurück auf den Dortmund-Ems-Kanal.
Bald begrüßt uns das Stadtpanorama von Haren, und hinter der strahlend blauen Brücke leuchtet die weiße Fassade der Pfarrkirche Sankt Martinus, im Volksmund besser bekannt als »Emsland-Dom«, mit einer mächtigen, 58 m hohen Kuppel. Das heutige Wahrzeichen der Stadt wurde von 1908–11 erbaut und integriert den Westturm der ehemaligen neuromanischen Kirche aus den Jahren 1853/54. Die Bewohner scheinen ein Faible für Wortspiele zu haben und bezeichnen ihre Heimatstadt daher als »Seestadt im Binnenland«; heute liegen im Hafen etwa 50 Binnen- und über 200 Seeschiffe. Die Schifffahrt spielt seit Jahrhunderten neben der Landwirtschaft eine bedeutende Rolle, wie das Schifffahrtsmuseum (Tel. 05932/5843, Mobil 0170/6710646, geöffnet Mai–Oktober, So 14.30–17.30 Uhr, Di–Sa 14.30–17 Uhr, Mi zusätzlich 10–12 Uhr) am Haren-Rütenbrock-Kanal beweist. Im Schleusenwärterhaus sowie in den Laderäumen mehrerer Traditionsschiffe im Museumshafen informieren Ausstellungen über Nautik, Emsschifffahrt, Schiffbau und Harener Geschichte.
Vorbei an der Terrasse des Restaurants »Zur Ems« setzen wir die Paddeltour auf dem Dortmund-Ems-Kanal fort. Noch einmal, auf Höhe von Kanalkilometer 184,5, biegen wir auf eine Schleife der ursprünglichen Ems ab. Am Abzweig eines Altarms legen wir an, um von dem neu errichteten Aussichtsturm das Panorama über das Emstal zu bewundern.
Wieder im Boot brauchen wir die Spritzdecke nicht zu schließen, denn das nächste und letzte Wehr der Tour zwingt uns zu einem weiteren Landgang. Wir setzen am Steg am rechten Ufer aus und schieben den Bootswagen, bedrängt von zahlreichen neugierigen Pferden, über die Koppel (neben dem Haupttor gibt es eine kleine Pforte, die natürlich wieder zu schließen ist); am Steg unterhalb des Wehrs setzen wir wieder ein. Kurz hinter dem Wehr erreichen wir erneut den Kanal, und die letzten Kilometer bis Lathen legen wir hindernisfrei zurück. Zunächst passieren wir den Sportboothafen des WSC Lathen (hier auch Camping, Hotel und Restaurant »Lathener Marsch«); dann erreichen wir vor dem großen roten Bogen der St.-Vitus-Brücke den Landgasthof und Campingplatz »Zur Emsbrücke«. Einen richtigen Steg gibt es zwar nicht, aber zahlreiche flache Stellen ermöglichen ein bequemes Aussteigen, und zum krönenden Abschluss der Tour dürfen wir unser Zelt »in der ersten Reihe« direkt am Ufer mit freiem Blick auf die Ems aufbauen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour95 km
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBrücke über die Ems in Salzbergen; dort Campingplatz, Ruderverein und Kanuverleih.
EndpunktCampingplatz an der St.-Vitus-Brücke in Lathen.
TourencharakterDie Ems entspringt in Westfalen und fließt durch Niedersachsen zur Nordsee. Sie ist der längste Fluss, der in Deutschland entspringt, dort ins Meer mündet und von der Quelle bis zur Mündung den Namen beibehält.
Befahrbarkeit.
Ganzjährig.
Befahrungsregeln.
Keine Einschränkungen auf dem beschriebenen Abschnitt der Ems. Hindernisse.
Im beschriebenen Abschnitt einige Wehre; die Portagen sind nicht übermäßig lang, ein Bootswagen ist aber sehr hilfreich. Listrup: Selbst- bedienungsschleuse, kann auch einfach rechts umtragen werden. Hanekenfähr: Wehr, für ca. 250 m rechts umtragen. Bei Lingen: zwei kleine Sohlschwellen, die bei normalem und hohem Wasserstand problemlos befahrbar sind. Groß Hesepe: Wehr, für 200 m rechts umtragen. Klein Hesepe: Wehr, am linken Ufer für ca. 400 m umtragen. Holthausen: Wehr, für ca. 200 m rechts umtragen, kein Steg zum Wiedereinstieg. Hilter: Wehr, für ca. 300 m rechts umtragen.
Beste Jahreszeit
VerkehrsanbindungAutobahn A1 bis Ausfahrt 6 (Salzbergen), weiter Richtung Emsbüren/Salzbergen; noch vor dem Ortszentrum links auf die Emsstraße zur Brücke über die Ems. Transfer: Rückkehr zum Auto unkompliziert: stündlich mit dem Regionalexpress Emden–Münster, Fahrtzeit Lathen–Salzbergen ca. 45 Min.
GastronomieLeschede - Gasthof »Zum alten Fährhaus« und »Anglerklause«. Hanekenfähr: Restaurant und Imbiss am Hotel/Campingplatz. Meppen: Bootshaus »essen & trinken« an der Hasemündung (Mo–Do 17–24 Uhr, Fr/Sa 17–01 Uhr, So 10–23 Uhr; Januar–April Mo Ruhetag). Haren: Restaurant »Zur Ems« (Di–So 12–14 Uhr und 18–21.30 Uhr). Lathen: Restaurant »Lathener Marsch«, Landgasthof »Zur Emsbrücke«.
Tipps
Emsland Moormuseum. Das Moormuseum in Groß-Hesepe (Geestmoor 6, Telefon 05937/709990, www.moormuseum.de) bietet einen Streifzug durch die Geschichte der Moorkultivierung im Emsland. Im Außengelände beeindruckt der Großpflug »Mammut«, der bis 1970 im Einsatz war, und eine Feldbahnfahrt lädt zur Erkundung des großen Areals ein.
Verleih
Salzbergen - Kanuverleih Struckmann, Emsstr. 15, Tel. 05976/697516. Meppen: Campingplatz (Adresse —> Unterkunft).
Unterkunft
Salzbergen - Hotel »Zur Ems«, Emsstr. 12, Tel. 05976/1011; Campingplatz an der Ems, Emsstr. 12a, Tel. 05976/ 1020. Hanekenfähr: Hotel und Campingplatz »Am Wasserfall«, Tel. 0591/8090. Leschede: Campingplatz »Zum Alten Fährhaus«, Emsstr. 56, Tel. 05903/ 207. Lingen: Camping Ems- wiesen, Emsstrand 9, Tel. 0591/ 3008; DKV-Kanustation beim Kanu-Club Ems Lingen e.V., Anmeldung unter www.kanu- lingen.de. Meppen: Campingplatz, An der Bleiche, Tel. 05931/16411. Lathen: Landgasthof und Campingplatz »Emsbrücke«, Latherfähr 6, Tel. 05933/8597; Camping Lathener Marsch, Marschstr. 4, Tel. 05933/934510.
Tourismusbüro
Emsland Touristik GmbH, Ordeniederung 1, 49716 Meppen, Tel. 05931/442266, www.emsland.com.