Elbe - Von Schnackenburg nach Boizenburg

Schöne Wandertour für fortgeschrittene Kanuten mit nur wenig Schiffsverkehr; aufgrund der recht kräftigen Strömung für absolute Kanuanfänger nur in Begleitung erfahrener Paddler zu empfehlen! Die Strömung macht das Paddeln zum Vergnügen und große Tagesetappen möglich. Sportliche Paddler schaffen stromabwärts bis zu 60 km am Tag. (Autor: Michael Hennemann)
Der Wegverlauf.
Als Startpunkt für unsere Wochenendtour auf der Elbe haben wir uns das malerische Städtchen Schnackenburg mit seiner hübschen Kirche aus dem 14 Jh. ausgeguckt. Bei der Zufahrt zum Hafen weckt das Schild »Halt – Hier Grenze!« unsere Aufmerksamkeit und lockt uns ins Grenzlandmuseum Schnacken- burg (Am Markt 4, Tel. 05840/210, www.museum-schnackenburg.de, geöffnet März/April, Di–Fr 10–16 Uhr, Sa/So 13–16 Uhr; Mai–Oktober, Mo–Fr 10–13 Uhr und 14–17 Uhr, Sa 13–17 Uhr, So 10–13 Uhr und 14–17 Uhr, Feiertage 10–17 Uhr). Die Ausstellung im alten Fischerhaus erinnert an die 45 Jahre dauernde Teilung Deutschlands und zeigt neben der zeitgeschichtlichen Dokumentation der innerdeutschen Grenze auch die Auswirkungen auf die an der Grenze lebenden Menschen.
Am Steg des kleinen Sportboothafens dürfen wir unsere Kajaks zu Wasser lassen, und sofort, nachdem wir die Hafenausfahrt hinter uns gelassen haben, schiebt uns die kräftige Strömung zügig an den am Ufer aufgestellten Kilometertafeln vorbei.
Bei Elbkilometer 484 kreuzt die Fähre zwischen Lenzen und Pevestorf unseren Weg und am rechten Ufer weist ein Schild auf den Sportboothafen hin, der eine erste Rastmöglichkeit bietet. Über dem linken Ufer thront die markante Platte des Höhbeck, die zur Elbe hin steil abfällt. Bis zu 76 m hoch türmten die Gletscher der Saaleeiszeit diese Stauchendmoräne auf, die als Geestinsel aus der Landschaft ragt. Unübersehbar sind die auf dem höchsten Punkt aufgestellten hohen Richtfunktürme des Senders Gartow.
Seit 1997 ist die Elbe von der sächsischen Grenze bis zum schleswig-holsteinischen Lauenburg als Biosphärenreservat »Flusslandschaft Elbe« geschützt. Auf den Sandstreifen der flachen Ufer sonnen sich zahlreiche Enten und Gänse. Die Hochsaison für Ornithologen beginnt aber eigentlich erst, wenn der Sommer vorbei ist. Im Herbst wird die Elbtalaue von den krächzenden Rufen der Kraniche erfüllt. Tausende von Zugvögeln, neben den Kranichen vor allem Gänse, nutzen die Elbtalaue als Rastplatz zum Auffüllen ihrer Energiereserven für den weiten Weg in die Winterquartiere im Süden.
Am Ufer ziehen vereinzelte Bauernhöfe, kleine Dörfer und winkende Angler vorbei, und in den Buhnen locken schöne Sandstrände zur Rast. Dahinter leuchten die Reetdächer der niedersächsischen Fachwerkhäuser in der Sonne.
Nach einer weiten Rechtskurve liegt am linken Ufer bei Flusskilometer 492 die Einfahrt zum Hafen Gorleben. Das kleine wendländische Dorf erlangte bundesweite und internationale Bekanntheit, als sich im gesamten Wendland der Widerstand gegen die Pläne zur Einrichtung eines Endlagers für radioaktiven Atommüll erhob.
Nächste Station der Elbe, die sich nun nach Nordwesten wendet, ist bei Elbkilometer 504 Dömitz. Hier verbirgt sich am rechten Ufer die Einfahrt in die Müritz-Elde-Wasserstraße, die über eine Schleuse die Verbindung zur Elde und weiter bis zur Mecklenburgischen Seenplatte oder über den westlich von Parchim abzweigenden Störkanal zum Schweriner See bietet. Die Hauptattraktion des mecklenburgischen Städtchens ist die gut erhaltene Burg, die von 1559–65 am rechten Elbufer zu einer bedeutenden Festung ausgebaut wurde. Sie ist eine der wenigen sehr gut erhaltenen Flachlandfestungen des 16. Jh. in Norddeutschland. In der Form eines Fünfecks angelegt und mit Bastionen und Kasemattengewölben versehen, zeigt sie die eindrucksvolle Wehrarchitektur der Renaissance. Seit 1953 beherbergen die Mauern der Festung das Heimatmuseum (Tel. 038758/22401, geöffnet November–April Di–So 10–16.30 Uhr, Mai–Ok- tober Di–Fr 9–17 Uhr, Wochenende und Feiertage 10–18 Uhr).
Voraus überspannt der große blaue Bogen der Straßenbrücke bei Dömitz die Elbe, die nun wieder einsam und verlassen in weiten Kurven ihren Weg sucht. Bei Elbkilometer 514 flattern die Sonnenschirme am Restaurant »Elbterrassen« hinter dem Anleger der Fahrgastschifffahrt, und bald haben wir das mittelalterliche Fachwerkstädtchen Hitzacker an der Einmündung der Jeetzel in die Elbe erreicht. Sehenswert sind die Stadtinsel mit hübschen Fachwerkhäusern und das 1589 erbaute Zollhaus. Einen kurzen Spaziergang entfernt von der Altstadt liegt über der Stadt das Plateau des Weinbergs, der trotz seiner nur 99 Reben alljährlich im Oktober die Weinlese feiert. Von hier bietet sich eine fantastische Aussicht auf Hitzacker und die weiten Mäanderbögen der Elbe.
Etwa 13 km nachdem wir die kleine Personenfähre bei Hitzacker passiert haben, liegt am linken Ufer in Klein Kühren hinter einer großen Bucht mit schönem Sandstrand der paddlerfreundliche Campingplatz mit einer großen Wiese direkt an der Elbe.
An der Fähre über die Elbe zwischen Darchau auf dem östlichen und Neu Darchau auf dem westlichen Ufer markiert der Grenzturm ein besonders dunkles und trauriges Kapitel der deutschen Teilung. Als die Elbe mit dem Einmarsch der sowjetischen Truppen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zum Grenzfluss wurde, wurde das Amt Neuhaus am Ostufer der Elbe vom Landkreis Lüneburg abgeschnitten. Das Gebiet gehörte von 1945–90 zur DDR, und die Elbregion wurde vom Westen und dem Elbevorland abgeschottet und viele Bürger wurden zwangsumgesiedelt. Das ganze Gebiet von der Elbe bis Neuhaus erklärte man zum Sperrgebiet mit meterhohen Zäunen, und die Bewohner durften nur mit einem Passierschein dorthin fahren. Nach der Wiedervereinigung gehörte das Amt Neuhaus zunächst zu Mecklenburg-Vorpommern und seit 1993 wieder zu Niedersachsen. Am 1.10.1993 fasste man die Gemeinden Neuhaus, Sumte, Kaarßen, Haar, Stapel und Tripkau zu einer Einheits- gemeinde zusammen, und obwohl die Gemeinde damit kein Amt mehr ist, blieb der Name Amt Neuhaus als Gemeindename bestehen. Durch den geplanten Bau einer neuen Elbbrücke zwischen Darchau und Neu Darchau im Landkreis Lüchow-Dannenberg soll die Gemeinde besser an die Kreisstadt Lüneburg angebunden werden.
An der Fähre in Bleckede legen wir an, um dem Besucherzentrum des Biosphärenreservats Niedersächsische Elbtalaue im Elbschloss Bleckede (www.elbschloss-bleckede.de) einen Besuch abzustatten und in den abwechslungsreichen Ausstellungen einen faszinierenden Überblick über die Landschaft entlang der Elbe zu bekommen. Hier erfahren wir, dass sich das Biosphärenreservat zwischen den Städten Lauenburg und Schnackenburg auf einer Fläche von rund 57000 ha auf die beiden Landkreise Lüneburg und Lüchow-Dannenberg verteilt.
Nach der Besichtigung nehmen wir die letzten Kilometer der Kanutour in Angriff und erreichen vor Flusskilometer 560, markiert durch einen kleinen Leuchtturm, die Einfahrt zum Hafen von Boizenburg am Ende eines etwa 2 km langen Stichkanals. Hinter der Werft gibt es am linken Ufer zahlreiche Anleger der Ausflugsschiffe; am gegenüberliegenden Ufer finden wir den Anleger des Bootsportvereins und dürfen auf Nachfrage hier unsere Tour beenden und die Boote aus dem Wasser nehmen. Das mecklenburgische Kleinstädtchen Boizenburg wird von einer ringförmigen mittelalterlichen Wallanlage umgeben, die auf der gesamten Länge von Gräben und alten Linden gesäumt wird. Neben den zahlreichen Fachwerkhäusern beeindrucken am Markt vor allem das Rathaus von 1712 mit Laubengang, hölzernen Stützen und einem abgewalmten Dach und die dreischiffige St.-Marien-Kirche. Der Ausblick vom Kirchturm über Stadt und Elbtalaue bietet den wahrlich krönenden Abschluss der Kanutour auf der Elbe.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour85 km
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktHafen in Schnackenburg.
EndpunktBootsverein in Boizenburg.
TourencharakterIm »Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe« darf sich die Elbe fast ungehindert in einem wenig verbauten und nicht begradigten Flussbett durch die Landschaft winden und ist mit Auwaldresten, Bibern und Seeadlern ein Paradies für Naturliebhaber.
Befahrbarkeit.
Ganzjährig.
Befahrungsregeln.
Keine Einschränkungen. Da die Elbe Bundeswasserstraße ist, gelten die Verkehrsregeln für Binnenschifffahrtsstraßen, und es besteht auch für Kanus eine Kennzeichnungspflicht.
Beste Jahreszeit
VerkehrsanbindungA250, dann weiter auf der B4 bis Lüneburg. Anschließend B216 bis Dannenberg (Elbe) und weiter über Gorleben und Gartow nach Schnackenburg. Transfer: Leider keine praktikable Verbindung mit Bus und Bahn zwischen Boizenburg und Schnackenburg.
GastronomieBreites gastronomisches Angebot in Schnackenburg, Dömitz, Hitzacker und Boizenburg. Unterwegs Einkehrmöglichkeiten in den Sportboothäfen Lenzen und Gorleben sowie im Restaurant »Elbterassen« (Di Ruhetag) vor Hitzacker und an den Fähranlegern in Neu-Darchau und Bleckede.
Tipps
Biber an der Elbe. Bereits um 1819 galt der Elbe-Biber in der niedersächsischen Elbtalaue als ausgestorben, denn er wurde im Mittelalter gnadenlos gejagt. Zum einen, weil er als ungeliebter Nahrungskonkurrent galt, da man glaubte, er fresse Fisch, und zum anderen war er eine geschätzte Jagdbeute. Den Mönchen bot der Biberbraten, der wegen seines schuppigen Schwanzes weder als Fisch noch als Fleisch angesehen wurde, die Möglichkeit das Fleischverbot während der Fastenzeit zu umgehen; zudem war der dichte Biberpelz als Kälteschutz sehr beliebt. Heute erholt sich das rein vegetarisch lebende Nagetier durch den strengen Schutz an der Mittleren Elbe bei Dessau wieder und breitet sich entlang der Elbe und ihren Nebenflüssen aus. Inzwischen werden im Biosphären- reservat Niedersächsische Elbtalaue über 300 Tiere gezählt.
Verleih
Kanustation Gartow, Stefan Reinsch, Quarnstedt 7, 29471 Gartow, Tel. 05846/ 980366, www.kanustation-gartow.de.
Unterkunft
Gartow - Campingpark Gartow (in der Nähe des Startpunkts, aber nicht an der Elbe), Am Helk 3, Tel. 05846/ 8250. Klein Kühren: Campingplatz »Elbufer«, Elbuferstr. 141, Tel. 05853/256. Bleckede/Radegast: Campingplatz »Hein«, Am Deich 9, Tel. 05857/555.
Tourismusbüro
Erlebnisregion Elbtalaue-Wendland Tourismus Service-Center im Wendlandhof Rundling, Lübeln 2, 29482 Küsten, Tel. 05841/96290.