Barßeler Tief - Rundtour auf Leda und Jümme

Diese kurzweilige Rundtour führt auf Leda und Jümme durchs südliche Ostfriesland mit flacher Landschaft unter weitem Himmel. Zum größten Feind des Paddlers können die mit 4–5 km/h zeitweilig recht starke Tidenströmung und der oft recht stark blasende Wind werden. Um unterwegs keine bösen Überraschungen zu erleben, lohnt sich daher vor dem Start ein Blick in den Tidenkalender bzw. die Absprache mit einer der Paddel- und Pedalstationen. (Autor: Michael Hennemann)
Der Wegverlauf.
An der Mündung der Leda in die Ems liegt die alte Handels- und Hafenstadt Leer, die sich selbst als »Tor Ostfrieslands« bezeichnet. Bereits im 8. Jh. befand sich an der Stelle der heutigen Stadt eine christliche Kirche, und während der Reformation wurde die Stadt im 16. Jh. zu einem Zufluchtsort niederländischer Handwerker und Kaufleute, die in der Heimat aufgrund ihres mennonitischen Glaubens verfolgt wurden und Leer zu einem bedeutenden Zentrum der Leinenweberei machten. Im Stadtbild zeigen viele rote Backsteinbauten den Einfluss des niederländischen Frühbarocks, und die Hafensilhouette wird bestimmt von dem im deutsch-niederländischen Renaissancestil erbauten Rathaus. Ergänzt wird die malerische Kulisse durch die Stadtwaage, in der heute ein Restaurant untergebracht ist, und den Museumshafen mit sehenswerten alten Traditionsschiffen. Nur wenige Schritte entfernt bietet das Heimatmuseum (Neue Straße 12–16, Tel. 0491/2019, geöffnet Di–Sa 11–17 Uhr, So 11–14 Uhr, Winterpause im Januar und Februar) in einem alten Patrizierhaus in insgesamt 15 Wohnräumen und -küchen einen Einblick in die ostfriesische Lebensart und zeigt, wie die Menschen in der Region arbeiteten, wohnten und sich kleideten.
Knapp 3 km östlich des Stadtzentrums liegt in Leer-Loga inmitten eines weitläufigen Schlossparks die Evenburg, ein im 19. Jh. im neugotischen Stil umgebautes Wasserschloss. Am Steg der ca. 500 m entfernten Paddel- und Pedalstation am Leda-Ufer lassen wir unsere Boote zu Wasser. Wenn wir den Tidenkalender beachtet haben und mit auflaufender Tide starten, trägt uns eine recht flotte Strömung nach links in östliche Richtung. Vorbei an den Jachten und Motorbooten am Steg des WSC Rhauderfehn erreichen wir den Pausenanleger Wiltshausen, den wir gerne nutzen, um bei einer Rast im gemütlichen Biergarten des Gasthofs »Pünte« zuzusehen, wie die beiden Fährmänner mit großem Körpereinsatz die nur 5 m lange Fähre an einem Seil über den Strom ziehen. Den größten Teil der Passagiere stellen Radfahrer, aber auch Pkws werden transportiert. Schon im 16. Jh. berichteten die Chronisten von einem Fährhaus an der Leda bei Wilthausen. Der Flussübergang war Teil eines alten Heerwegs zwischen Münster und Emden. Später wurde die Fähre dann an die Mündung der Leda verlegt, und als 1974 die Fähre den Ansprüchen des modernen Verkehrs mit seinen Brücken weichen sollte, regte sich der Widerstand der Leeraner Bürger. Es wurde ein Püntenverein gegründet, der bis heute den Betrieb der Fähre aufrechterhält. Jedes Jahr am 1. Mai wird mit einem großen Fest die Püntensaison eröffnet und die Fähre feierlich zu Wasser gelassen. Bis zum Saisonende am 30. September ziehen die beiden Fährmänner etwa 25000 Personen über die Jümme.
Vorbei an der Fähre steuern wir die Bootsspitzen unserer Kanus auf die Jümme und paddeln in weiten Schlingen in östliche Richtung. Auf dem Deich blöken ein paar Schafe, die Kühe kauen stoisch das Gras, und am Horizont kreisen ein paar Windräder. Vorbei an mehreren Schöpfwerken erreichen wir den Pausenanleger Nortmoor; im Altarm gegenüber haben mehrere Angler unter ihren Schirmen Platz genommen und hoffen auf einen reichen Fang.
Ein paar Flusswindungen weiter und einige Schöpfwerke später sind am linken Ufer die Motorjachten am langen Steg des WSC Jümme vertäut, und vor uns erhebt sich die hohe Straßenbrücke der B72. Noch vor der kleineren Straßenbrücke davor halten wir uns rechts.
In nordöstliche Richtung zweigt hier der Nordgeorgsfehnkanal ab, der die Jümme mit dem Ems-Jade-Kanal verbindet. Wir paddeln zunächst unter der B72 und dann unter der hübschen weißen Fehnklappbrücke in Stickhausen durch. Rechts davor und links dahinter bieten sich zwei Gaststätten zu einer Rast an; ein paar Paddelschläge weiter liegt am linken Ufer der Steg der Paddel- und Pedalstation, noch ein Stückchen weiter am rechten Ufer der Steg am Campingplatz Jümmesee.
Detern war ein mittelalterlicher Marktflecken, und die Burg Stickhausen (geöffnet Mai–September, Di–Sa 10–11 und 14–16 Uhr, So 14–18 Uhr sowie nach Anmeldung unter Tel. 04957/707) entstand im 15. Jh. am wichtigen Handelsweg entlang von Leda und Jümme. Im Unterschied zu anderen ostfriesischen Burgen war sie nicht Sitz friesischer Häuptlinge, sondern wichtig für hanseatische Handelsverbindungen. Im Wehrturm ist heute das Heimatmuseum untergebracht.
Von Detern aus geht es auf der Jümme zunächst weiter nach Süden, dann nach Osten. Hinter der folgenden Straßenbrücke zweigt nach links das Aper Tief ab, und die Jümme beschreibt anschließend einen Knick nach Süden. Am Ende erreichen wir eine Kreuzung. Linker Hand lädt der Pausenanleger Scharrel zu einer Rast ein, und das Barßeler Tief führt nach Barßel (ca. 1 Std.). Wir wenden uns nach rechts und paddeln über das Dreyschloot. Hinter der malerischen weißen Fehnbrücke ist die Leda erreicht, die uns jetzt nach Westen führt.
Unter zwei Straßenbrücken hindurch und vorbei an einem weiteren Pausenanleger trifft von links der Hauptfehnkanal auf die Leda; wenige Meter kanalaufwärts ragt ein Pausenanleger ins Wasser. In zahlreichen Schleifen windet sich die Leda nach Nordwesten, vereinzelt stehen Gehöfte am Ufer. Nachdem wir das 14-km-Schild am rechten Ufer hinter uns gelassen haben, erhebt sich in einiger Entfernung der Kirchturm von Amdorf knapp über das Ufer, und wir erreichen die Amdorfer Brücke. Mit einer Durchfahrtsbreite von nur 1,82 m bei einer Länge von immerhin 85 m ist sie als schmalste Straßenbrücke Deutschlands in der Karte vermerkt.
Kurze Zeit später passieren wir die Jümme-Mündung mit der »Pünte« und paddeln anschließend die bereits bekannten 2 km zurück zum Anleger der Paddel- und Pedalstation in Leer-Loga.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour41 km
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktPaddel- und Pedalstation Leer-Loga.
EndpunktPaddel- und Pedalstation Leer-Loga.
TourencharakterEine Kanutour durchs südliche Ostfriesland ist geprägt von Ruhe, Weite und einem kräftig blasenden Seewind. Über weite Strecken sind Kühe und Schafe auf dem Deich die einzigen Begleiter auf dieser einsamen Rundtour. Eine besondere Attraktion im Zweistromland zwischen Leda und Jümme ist die handgezogene Fähre »Pünte« an der Jümme-Mündung.
Befahrbarkeit.
Ganzjährig.
Befahrungsregeln.
Keine Einschränkungen für Paddler.
Beste Jahreszeit
VerkehrsanbindungA28 bis Ausfahrt 2 (Leer-Ost); weiter auf der B436 Richtung Leer-Ost/Leer-Hafen; in Leer-Loga links ab und über Daalerstraße und Am Schlosspark zur Fährstraße am Leda-Ufer. Transfer: Entfällt, da Rundtour.
GastronomieJümme-Mündung - Gasthof mit Biergarten »Pünte« (Mo Ruhetag, Mai–September, 11–22 Uhr). Detern/Stickhausen: Gasthöfe »Zur Jümme- brücke« und »Alte Zollstation«; Gaststätte und Grill-Imbiss am Campingplatz.
Verleih
Leer-Loga - Paddel- und Pedalstation, Fährstr. 6, Tel. 0491/91969630, Mobil 0160/5839941. Detern/ Stickhausen: Paddel- und Pedalstation, Alte Heerstr. 6, Tel. 04957/711.
Informationen
Der Stadtökologische Leer-Pfad. Die Einwohner von Leer sind keine »Leerer«, sondern »Leeraner«, und auch sonst ist hier einiges anders, als man denkt. Während man sich an »beschilderte« Wälder mit zahlreichen Texttafeln zu Fauna und Flora des Walds gewöhnt hat, gibt es in der Stadt Leer ein Bürgerprojekt, das seit 1994 kontinuierlich an einem etwas anderen Lehrpfad arbeitet, der Ideen zu einer ökologischen Stadtentwicklung vermittelt. Der sogenannte »innere Ring« ist ca. 3 km lang und führt als Fußweg durch die historische Altstadt und entlang der Hafenpromenade. Der »äußere Ring« ist als ca. 30 km langer Rad-Rundweg durch die ostfriesische Landschaft konzipiert.
Unterkunft
Detern/Stickhausen - Paddel- und Pedalstation (Übernachtung in Trekkinghütte, Indianerzelt oder im eigenen Zelt, Wohnmobilstellplatz); Campingplatz »Jümmesee«, Zum See, 26847 Detern, Tel. 04957/1808.
Tourismusbüro
Touristik GmbH Süd- liches Ostfriesland, Friesenstr. 34/36, 26789 Leer, Tel. 0491/ 91969630, www.paddel- und-pedal.de; Ostfriesland Tourismus GmbH, Leda- str. 10, 26789 Leer, Tel. 0491/ 91969660, www.ostfries- land.de.