Zur Insel Reichenau und nach Stein am Rhein

Die bequeme Rundtour führt von Radolfzell am Seeufer entlangt auf die Insel Reichenau. Mit der Fähre setzen wir zum Schweizer Ufer über, wo es auf dem Bodensee-Radweg bis nach Stein am Rhein und über die Halbinsel Höri zurück nach Radolfzell geht. (Autor: Ute und Peter Freier)
65 km
140 m
5.00 h

Von Radolfzell zur Insel Reichenau

Vom Parkplatz wenden wir uns auf dem Bodensee-Radweg nach rechts und passieren den Yachthafen samt Schiffsanlegestelle von Radolfzell. Die Halbinsel Mettnau lassen wir rechts liegen und gelangen über Markelfingen nach Allensbach. Ein Naturschutzgebiet zwingt uns dazu, das Ufer zu verlassen und entlang der B33 bis zur Abzweigung der Dammstraße zu fahren. Nach rechts erreichen wir die flache Insel Reichenau, die wir entgegen dem Uhrzeigersinn umfahren.

Weltkulturerbe Insel Reichenau

Die Insel wurde aufgenommen in die Liste der UNESCO-Weltkulturgüter aufgrund dreier romanischer Kirchen. Bei den Kirchen informieren Ausstellungen über die einzelnen Klöster und Kirchen; das »Goldene Zeitalter der Insel« wird im Museum im »Alten Rathaus« dargestellt (Pirminstraße; kurzer Abstecher vom Münster zur Insel-Hauptstraße). Auf dem fruchtbaren Boden und in dem milden Klima legten die Mönche Gärten an, und heute ist die gesamte Insel ein riesiges »Gemüsebeet«.

Drei romanische Kirchen

Die erste Kirche, die wir passieren, ist die Kirche St.Georg, die Ende des 9. Jahrhunderts erbaut wurde und im Zustand des Frühmittelalters erhalten blieb. Die Wandmalereien sind die einzigen aus der Zeit vor dem Jahr 1000 nördlich der Alpen. Entlang des Ufers fahren wir auf der ruhigen Seestraße weiter, vorbei an Bauernhäusern, Gärtnereien und blühenden Gärten, nach Mittelzell mit dem Münster St.Maria und Markus und dem Klostergarten, in dem jene Heil- und Nutzpflanzen wachsen, die der Abt Walahfried Strabo um 840 im »Hortulus«, einer Abhandlung über den Gartenbau, beschrieb.

Mittelzell ist die Keimzelle des Reichenauer Klosterlebens: Hier gründete der Wanderbischof Pirmin im Jahr 724 auf der noch unbesiedelten Insel ein Kloster, die spätere Benediktinerabtei. Die ältesten Teile des Münsters, der ehemaligen Klosterkirche, stammen aus dem 9. Jahrhundert, das Langhaus entstand im 12. Jahrhundert. Die Schatzkammer in der Kirche kann besichtigt werden. Der Neue Konvent wurde erst Anfang des 17. Jahrhunderts erbaut als Dreiflügelanlage mit Innenhof.

Vom Yachthafen Mittelzell geht es weiter nach Niederzell mit der im 12. Jahrhundert erbauten Kirche St.Peter und Paul. Aus dem Mittelalter erhalten sind Wandmalereien in der Apsis, die sonstige Ausstattung wurde im Rokoko erneuert. Von der Nordwestspitze der Insel fahren wir in Richtung Süden, passieren einen Campingplatz mit Badeplatz und gelangen zur Schiffslände am Südufer. 

Hinüber zum Schweizer Ufer

Mit einem Schiff der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein oder mit der Solarfähre setzen wir nach Mannenbach über. Wer vor der Weiterfahrt einkehren möchte, kann dies auf den Terrassen des östlich der Schiffsanlegestelle gelegenen Seehotels Schiff tun.

In Mannenbach wenden wir uns nach rechts, durchfahren Berlingen und erreichen Steckborn. Hier kann man sich entscheiden, ob man die Tour abkürzt und mit der Solarfähre Helio oder mit einem Schiff der Linie Schaffhausen–Konstanz übersetzt nach Gaienhofen. Wer weiterradelt, fährt zunächst links von Straße und Bahnlinie, ab Glarisegg aber wieder in Ufernähe über Mammern und Eschenz nach Stein am Rhein.

Stein am Rhein

Hier geht der Bodensee in den Rhein über. Wir überqueren den Fluss und befinden uns schon in der Altstadt, in der das Stadtbild des 15./16. Jahrhunderts eindrucksvoll erhalten ist: zwei Stadttore und Wehrtürme, enge Straßen und Gassen, spitzgiebelige Fachwerkhäuser, Erker und bemalte Hausfassaden. Die ersten Fassadenmalereien wurden um 1520 am Haus Weißer Adler angebracht und sind die frühesten Renaissance-Fassadenmalereien in der Schweiz. Die Bürgerhäuser zeugen vom einstigen Wohlstand, als Stein am Rhein aufgrund seiner Lage an der Kreuzung einer Wasserstraße mit einer wichtigen Fernstraße eine blühende Handelsstadt war.

Über die Schweizer Grenze und entlang der Halbinsel Höri

Wir verlassen Stein am Rhein und passieren die Grenze. Der Radweg bleibt in Ufernähe, führt an Badeplätzen vorbei und durch Kattenhorn hinauf zur Uferstraße, der wir nach Wangen folgen. Auch hier eine Schiffslände, Badestelle und Bootsverleih sowie das Museum Fischerhaus, das älteste Gebäude am Ort, das steinzeitliche Funde zeigt aus der Wangener Pfahlbaubucht, wo die Erforschung der Bodensee-Pfahlbauten ihren Anfang nahm.

Parallel zur Uferstraße und mit Blick auf den See fahren wir durch Hemmenhofen und Gaienhofen, gepflegte Ferienorte mit Bade- und Einkehrmöglichkeiten. Am Ortsende von Gaienhofen knickt der Radweg rechts ab und führt in Ufernähe nach Hornstaad an der Spitze der Höri-Halbinsel. Hier bietet sich eine Pause an auf der Terrasse des See-Restaurants Schlössli mit weitem Blick über den See.

Durch Naturschutzgebiete zurück nach Radolfzell

Von Hornstaad wenden wir uns zunächst landeinwärts, verlassen aber den Ort Horn nach rechts und radeln abseits des Straßenverkehrs durch ein ausgedehntes Naturschutzgebiet, bis wir in Iznang wieder auf Ortsstraßen stoßen. Vorbei an der Uferanlage und durch ein weiteres Naturschutzgebiet erreichen wir Moos, durchfahren das Aachried und gelangen am Stadtrand von Radolfzell an unseren Parkplatz.

Varianten

Durch die Benutzung von Schiffen und Solarfähren kann die Rundtour verkürzt werden. Es bieten sich folgende Varianten an:

a.) von Allensbach per Fähre direkt nach Mittelzell auf der Insel Reichenau (52 km)
b.) von Niederzell per Fähre zurück nach Radolfzell (20 km)
c.) von Steckborn per Solarfähre oder Schiff nach Gaienhofen (38 km)
Auskunft zu den Fahrplänen

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour65 km
Höhenunterschied140 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktRadolfzell
EndpunktRadolfzell
TourencharakterKleine Hafenorte, Badeplätze, gepflegte Lokale und der Blick auf die blaue Fläche des Bodensees machen diese Tour zu einem Genuss. Doch auch die Kultur kommt nicht zu kurz. Auf der Gemüse-Insel Reichenau können gleich drei romanische Kirchen besichtigt werden, und in Stein am Rhein beeindruckt das historische Stadtbild mit Wehrtürmen, engen Gassen und bemalten Häuserfassaden.
Hinweise
Bademöglichkeiten: Bei allen Orten
KartentippRadwanderkarte des Landesvermessungsamts Baden-Württemberg, Blatt 52/Bodensee (1:100 000)
MarkierungenBodensee-Radweg (blauer Punkt mit Pfeil)
VerkehrsanbindungAuto: Von der A81 Kreuz Hegau auf der B33 in Richtung Konstanz, Ausfahrt Radolfzell; an Kreisverkehr geradeaus, nach 600 m an Gabelung rechts in Richtung Böhringen/Singen; nach 1 km an Ampelkreuzung links abbiegen in Richtung Moos/Gaienhofen zu Parkplatz bei Freibad am Stadtrand.
Bahn: Radolfzell ist Station an der Bodensee-Gürtelbahn
GastronomieIn allen Orten
Tipps

Einkaufen und Einkehren auf der Reichenau: Verschiedene Salate, Kohlarten, Spinat – täglich wird das Gemüse hier geerntet und kommt frisch zum Verkauf. Wer sich seinen Picknickkorb z.B. mit knackigen Tomaten oder Gurken füllen möchte, findet an der Radstrecke in den Hofläden von Naturland Bio Gemüse (Seestr. 61) oder Gemüse Böhler (Riedstr. 10 in Niederzell) genügend Auswahl. Ergänzen lässt sich das Picknick durch frisch geräucherte Fischfilets oder Fischbrötchen aus Riebels Fischhandlung (Seestr. 13) und einen Wein von der Reichenau, der im Winzerkeller am Münster verkauft wird. 
Wer sich bedienen lassen und trotzdem in den Genuss von Reichenauer Gemüse, Fisch und Wein kommen möchte, kehrt ein, z.B. im Hotel Kreuz mit Blick auf die Kirche St.Georg in Oberzell, in Georg’s Fischerhütte, wo selbst gefischte und geräucherte Fische auf den Teller kommen (Fischergasse 5 in Niederzell), am Campingplatz Sandseele direkt am Wasser oder, etwas vornehmer, im Strandhotel Löchnerhaus unweit der Schiffslände.
Feste und Prozessionen:
 Am dritten Sonntag und Montag im Juli wird in Radolfzell das Hausherrenfest gefeiert zu Ehren des »Hausherren«, des Stadtgründers Radolf, der im 9. Jahrhundert Reliquien von Märtyrern stiftete. Die Reliquien sowie die Büste des hl. Zeno werden durch die festlich geschmückte Stadt getragen; abends defilieren an der Seepromenade bengalisch beleuchtete Segelboote. Am darauffolgenden Montag wallfahren die Einwohner von Moos bei der Mooser Wasserprozession mit geschmückten Booten über den See zur Erinnerung an die Fürbitte der Radolfzeller »Hausherren« während einer Viehseuche. Auf der Insel Reichenau wird eine Woche nach Pfingstmontag das Heilig-Blut-Fest gefeiert, das zurückgeht auf das Jahr 925, als der Abtei ein byzantinisches Abtskreuz geschenkt wurde, das nach der Überlieferung einige Tropfen des Blutes Christi enthalten soll. An der Prozession nehmen die historische Bürgerwehr und Trachtenträgerinnen mit ihren prächtigen schwarzen Radhauben teil.

Informationen

Personalausweis oder Pass für den Grenzübertritt mitnehmen!

Fahrplan-Infos Schiffsverbindungen:
Allensbach–Reichenau www.allensbach.de
Reichenau–Radolfzell www.bodenseeschifffahrt.de
Reichenau–Mannenbach www.urh.ch; Solarfähre www.solarfaehre-reichenau.de
Steckborn–Gaienhofen www.solarfaehre.de
Tourismusbüro
Radolfzell: Tourist-Information, Bahnhofsplatz 2, 78315 Radolfzell, Tel. 07732/81-500, www.radolfzell.de
Insel Reichenau:Tourist-Information, Pirminstraße 145, 78479 Insel Reichenau, Tel. 07534/92070, www.reichenau-tourismus.de

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