Zum grössten Weserhafen

aussichtsreiche, bei südlicher Windrichtung leichte Tour auf überwiegend autofreien Asphalt- und Betonplattenwegen in steigungsfreiem Gelände fast durchgehend in Wiesen. (Autor: Bernhard Pollmann)
32 km
105 m
3.00 h
Braker Weserkaje und Hafen Von der Weserkaje beim Schifffahrtsmuseum von Brake fällt der Blick hinüber zur Weserinsel Harriersand, zu der vom Anleger an der Kaje die Personenfähre »Guntsiet« fährt. Von der Kaje schieben wir durch den kleinen Park zum Durchlass zwischen Schifffahrtsmuseum und Tourist-Information und folgen der Straße rechts, geleitet von den Schildern des Weser-Radwegs. Die geschmackvollen gründerzeitlichen Häuser längs der Straße erinnern an die Glanzzeiten der Hafenstadt im 19. Jh. Schon bald ist die Schleuse am Hafen erreicht. Brake wurde im 17. Jh. von den Oldenburger Grafen als Zollstation gegründet und avancierte dank seiner Lage an der seeschifftiefen Unterweser zu deren bedeutendstem Seehafen. Aufgrund der Versandungstendenzen weseraufwärts löschten Seeschiffe aus aller Welt lieber in Brake ihre Fracht, da ihnen für die Weiterfahrt weseraufwärts nach Bremen »eine Handbreit« Wasser unterm Kiel fehlte. Erst als die findigen Bremer einen eigenen versandungsfreien Hafen gründeten (1827/51), genannt »Bremerhaven«, geriet Brake nach und nach in den Schatten von Bremen. Entsprechend der Wirtschaftsgeschichte hat der Braker Hafen sein Aussehen und seine Funktion im Lauf der Zeit stark verändert. Der ursprüngliche Hafen wurde 1861 durch eine Schleuse von der Weser abgetrennt und damit zum tideunabhängigen Binnenhafen. Im Jahr 1893 entstanden im Zuge einer Weserkorrektur die ersten Pieranlagen am Strom, heute haben sie eine Kailänge von über 2 km.Boit- und Golzwarden Nach Überqueren der Hafenschleuse (hier muss gegebenenfalls gewartet werden) wendet sich der Weser-Radweg zunächst links zu einem gut besuchten Fisch-Imbiss mit Hafenblick (Radwegeschild »16 km bis Nordenham«) und folgt dem Hafenbecken, dann geht es weiter geradeaus. Am Ende zweigt der Weser-Radweg unnötigerweise links ab und die Kilometerzahl erhöht sich laut Beschilderung auf 19 km. Der Vorteil dieser neuen Routenführung: ein Straßenumweg durch die Vororte Boit- und Golzwarden. Diese sind zwar eigentlich geschichtsträchtig, aber vom Rad aus zu sehen sind nur Straßen und Häuser. Nach Queren der Bahnlinie zweigt der Weser-Radweg schräg rechts in die Wiesenstraße ab, durchquert den ruhigen Wohnvorort Boitwarden, mündet am Ende auf die Sinaburger Straße und folgt ihr (Radweg links) nach Golzwarden. Am einzigen beachtenswerten Gebäude, der romanischen Kirche, zweigt der Weser-Radweg rechts ab (Raiffeisenstraße) und verläuft ortsauswärts Richtung »Weserfähre« in die Grünflur. Wo dort schließlich von rechts die Nordstraße einmündet (die Direttissima ab dem Braker Hafen), verlässt der Weser-Radweg endlich die Straße und folgt ab jetzt, eigentlich bis Nordenham, links dem Deich durch das Grünland.Stadland Von der ländlichen Gemeinde Stadland, deren deichseitigem Rand der Weser-Radweg autofrei folgt, zeigen sich weite Wiesen, Gehölze und Baumreihen – eine flotte Fahrt. Das mehrmals angezeigte Melkhus lässt derart lange auf sich warten, dass die Einkehrmöglichkeiten am Ortsrand des Kirchdorfs Rodenkirchen (DB-Bahnhof) höchst willkommen sind, was auch für die schattenspendenden Bäume gilt. Erst eine Zeit lang nach Passieren von Rodenkirchen steht das Melkhus am Weg. Hinter ihm schwingt der Weser-Radweg vor dem Beckumer Sieltief links zur Dedesdorfer Straße und folgt ihr rechts am Kernkraftwerk Unterweser vorbei und über den 2004 zwischen Dedesdorf und Kleinensiel eröffneten Wesertunnel hinweg. Die Tunnelüberquerung bildet eine der wenigen Passagen längs der Unterweser mit deichfreiem Weserblick. Wenn die Dedesdorfer Straße rechts kurvt, wechselt der Weser-Radweg links an einem Rastplatz vorbei an den Ortsrand von Kleinenkirchen (DB-Bahnhof) und folgt dem Deich nach Nordenham.Nordenham Am Abbehauser Sieltief – rechts oben ein Café-Restaurant – erreicht der Weser-Radweg die Bebauung von Nordenham, bleibt jedoch auch hier so gut wie autofrei. Auf der Strandallee geht es an einem riesigen Freizeitzentrum mit Strandbad, Sportanlagen, Gastronomie usw. vorbei. Die Strandallee endet am Bahnhof. Wer auf den Zug nach Bremen wartet (fährt ca. jede Stunde), findet gegenüber vom Bahnhof ein gepflegtes Café mit erlesener Konditorei und Gartenbetrieb. Die Seehafenstadt Nordenham entstand während der industriellen Revolution in der zweiten Hälfte des 19. Jh. Wo es nichts weiter gab als drei Gehöfte, bunte Kühe und blökende Schafe auf weiten Wiesen, initiierte der Kaufmann Wilhelm Müller 1857 den Bau eines Schiffsanlegers (»Ochsenpier«), von dem aus Butjadinger Vieh im Linienverkehr nach London und Hull verfrachtet wurde. Mit dem »Ochsenpier« war der Grundstein für die Entstehung einer Industriestadt gelegt, die 1908 Stadtrecht erhielt und nach einem der drei einstigen Gutshöfe benannt wurde.Weserfähre Blexen Vom Bahnhof Nordenham führt der Weser-Radweg in knapp 8 km durch die industriell geprägten Stadtteile Blexersande, Friedrich-August-Hütte und Einswarden zum Fähranleger in Blexen. Dort trifft der Weser-Radweg auf den Nordseeküsten-Radweg und teilt sich in zwei Stränge: Der Weststrang folgt dem Nordseeküsten-Radweg längs der Deiche von Butjadingen nach Eckwarderhörne (siehe Tour 20), wo im Sommer eine Radelfähre nach Wilhelmshaven (Hbf.) fährt. Wer den Nordstrang des Weser-Radwegs nach Cuxhaven befahren will, setzt in Blexen mit der Fähre in die Seestadt Bremerhaven über. Wer in Bremen gestartet ist und zum Ausgangspunkt zurück will, setzt ebenfalls nach Bremerhaven über: Vom Hauptbahnhof fährt der Zug zurück nach Bremen.Bremerhaven Die Seestadt Bremerhaven an der Mündung der Geeste in die Unterweser ist als Fischerei-, Werften- und bremischer Überseehafen eine Stadt im Umbruch. Zu den schönsten Plätzen von Bremerhaven zählt der historische Hafen mit seinen maritimen Großobjekten im parkähnlichen Gelände an Land und den zehn Schiffen der Museumsflotte im Alten Hafen im Zentrum der Stadt in unmittelbarer Nachbarschaft der Fußgängerzone und des Deutschen Schifffahrtsmuseums. 2005 wurde das Museum Deutsches Auswandererhaus auf der Ostseite des Neuen Hafens (Columbusstraße) eröffnet. Der 1827 gegründete »Bremer Hafen« nahm einen rapiden Aufschwung. 1944 wurde die Stadt durch ein alliiertes Flächenbombardement zerstört, in den folgenden Jahrzehnten leiteten Luftverkehr und Globalisierung einen tief greifenden Strukturwandel ein. In den 1980er-Jahren schloss die Traditionswerft Rickmers, mit dem Niedergang der deutschen Hochseefischerei büßte Bremerhaven seine Stellung als größter Fischereihafen Europas ein; und als 2004 der Kreuzfahrtschiff-Neubau »Pride of America« im Dockvorhafen sank, musste die Lloyd-Werft Insolvenz anmelden – die Schieflage Bremerhavens mit einer Arbeitslosenquote von 20% war unübersehbar. Bremerhaven ist dabei, sich von seiner einseitigen Wirtschaftsausrichtung zu lösen, und setzt verstärkt auf den Ausbau wissenschaftlicher Forschungskapazitäten im maritimen Bereich (Deutsches Schifffahrtsmuseum, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung) und auf die Ausweitung des touristischen Angebots: Das internationale Windjammertreffen »Sail 2005« z.B. war ein voller Erfolg.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour32 km
Höhenunterschied105 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWeserkaje am Schifffahrtsmuseum in Brake. Der DB-Bahnhof liegt etwa 5 Min. entfernt: aus dem Bahnhof tretend links, die erste Straße links durch die Fußgängerunterführung und dahinter geradeaus durch die Fußgängerzone Breite Straße, die direkt auf das Schifffahrtsmuseum zuführt.
EndpunktDB-Bahnhof Nordenham.
TourencharakterIn einer sonnigen Wiesenfahrt geht es entlang den Weserdeichen in die Seehafenstadt Nordenham, in der das große Weserfreibad zum Sprung ins kühle Nass lockt, und weiter nach Blexen, wo die Weserfähre nach Bremerhaven ablegt.
Beste Jahreszeit
KartentippRadwanderkarte Niedersachsen 1: 75000 Blatt 4 Bremerhaven (Landesvermessung + Geobasisinformation Niedersachsen).
VerkehrsanbindungDB-Linie Bremen–Brake–Rodenkirchen–Kleinensiel–Nordenham.
Tourismusbüro
Tourist-Information Brake, Kaje 7, 26919 Brake (Unterweser), Tel. 0 44 01/1 9433, Internet www.brake.de; Bürger- und Touristik-Information Stadland, Am Markt 6, 26935 Stadland-Rodenkirchen, Tel. 0 47 32/921292, Internet www.stadland.de; Nordenham Marketing & Touristik, Marktplatz 7, 26954 Nordenham, Tel. 0 47 31/9 3640, Internet www.nordenham.de; Bremerhaven Touristik, Obere Bürger 17 (Columbus-Center), 27568 Bremerhaven, Tel. 04 71/4 3000, Internet www.bremerhaven.de.
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