Von Weilheim über Wessobrunn nach Raisting

Auf überwiegend land- und forstwirtschaftlich genutzten Straßen oder Fahrradwegen, die zur Hälfte geschottert sind. Von Weilheim zunächst leicht bergauf bis zum schattigen Naturschutz-gebiet Paterzeller Eibenwald. Dann Auffahrt bis Wessobrunn und über Raisting zurück nach Weilheim. (Autor: Lisa und Wilfried Bahnmüller)
33 km
280 m
2.00 h
Die Radtour - Vom großen Parkplatz der Weilheimer Oberlandhalle radeln wir zur nahe gelegenen Ammerbrücke. Wir bleiben auf der westlichen Seite und radeln flussaufwärts. Die Ammer begleitet uns bis zur Bahnlinie, der wir nach rechts folgen. Die Unterführung und alle weiteren Abzweigungen ignorieren wir und bleiben immer geradeaus, anfangs bergauf, bis wir nach insgesamt 5??km Kugelsbühl erreichen. Hier biegen wir rechts ab und gleiten gemächlich bergab durch den Oderdinger Wald. Bald haben wir freie Sicht auf den Hohenpeißenberg mit seiner Wallfahrtskirche und den Sendemasten. Vor dem in der Talsohle liegenden Segelflugplatz führt uns rechts ein Radwegschild über den Pferdehof Moosmühle zum Naturschutzgebiet Eibenwald bei Paterzell. Um die geheimnisvollen Bäume zu bewundern, halten wir uns rechts und fahren mit dem Radwegschild »Wessobrunn« auf den Eibenpfad (9,3??km). Der Rundweg durch den Wald beginnt gleich auf der linken Seite. Am besten schieben wir unsere Räder durch das wurzelige und von schmalen Bächen durchzogene Gelände. Der Pfad mündet wieder auf der Forststraße, der wir weiter nach links folgen. So erreichen wir über Zellsee und den gleichnamigen Weiler etwas nach rechts die Bundesstraße. Hier folgen wir weiter den Schildern nach Wessobrunn. Jetzt steht der Härtetest bevor. Die Straße steigt für 3??km, zum Glück nicht zu steil, aber dafür stetig bergan. Die Mühe lohnt sich. Während kurzer Verschnaufpausen dürfen wir uns umdrehen und die Aussicht genießen. Ein Vorgeschmack auf das, was uns am Kloster, dem höchsten Punkt der Tour, erwartet. Aber nicht nur die Aussicht ist am Kloster überragend. Wer Zeit hat, sollte sich unbedingt einer Klosterführung anschließen. Diese finden vor allem am Wochenende um 15 Uhr, am Sonntag auch um 16 Uhr statt. Bereits ein Rundgang über das Gelände führt uns auf geschichtsträchtigen Boden. Das Kloster wurde der Legende nach vom letzten Agilolfinger Tassilo??III. 753 gegründet. Der Herzog soll während einer Jagd im nahe gelegenen Wald eine Nacht verbracht haben. Dabei träumte er auf wundersame Weise von sprudelnden Quellen, die von jubilierenden Engeln und Heiligen umringt waren. Natürlich ließ er am nächsten Tag gleich danach suchen und wurde fündig. Er verstand dies alles wohl als göttliche Fügung und gelobte, ein Kloster bei den Quellen zu errichten. So wurde das Kloster im 8.??Jh. errichtet, wobei von den ursprünglichen Bauteilen durch die wechselvolle Geschichte nicht viel übrig blieb. Die Quellen, heute barock gefasst, gibt es noch immer, wir finden sie hinter der Pfarrkirche St.??Johannes am Fuße des Berghanges. Auffallend ist der »Graue Herzog«, der frei stehende romanische Campanile, der ursprünglich zur Klosterkirche gehörte. Diese stand auf dem freien Platz, wurde aber in den wirren Zeiten der Säkularisation dem Erdboden gleichgemacht. Daneben steht die barock Pfarrkirche St.??Johannes. Das spätromanische Kruzifix an der Nordwand ist eine herrliche Skulptur frühester Schnitzkunst, in der sich bereits die normalerweise typische Steifheit des Körpers zu wandeln beginnt. Es ist der klägliche Rest der einstmals an Kunstschätzen reichen Klosterkirche. In den Klosterräumen überrascht vor allem der Fürstentrakt. Über und über sind die Säle mit reichem farbigem Stuck von Johann Schmutzer verziert worden. Wessobrunn brachte eine eigene Stuckatorenschule hervor, die im barocken Zeitalter in vielen bayerischen Kirchen aufsehenerregende Werke schuf. Besucher interessieren sich noch für die 1000-jährige Tassilolinde, ein weit bekanntes Naturdenkmal, das unterhalb der Klosteranlage steht und unter deren Blätterdach Tassilo die Nacht verbracht haben soll. Eine nette, gern erzählte Geschichte, die sich beim schnellen Nachrechnen der historischen Daten wohl nicht bewahrheiten lässt. Real ist ein anderes Zeitzeugnis der Geschichte. Das »Wessobrunner Gebet«, ein um 814 geschaffenes christliches Sprachdokument, wurde hier gefunden. Die Abschrift davon finden wir unter den »neuen« Linden auf dem Lindenplatz vor dem Gasthof zur Post in einem großen Stein. Nach der Klosterbesichtigung geht es nun zur Rückfahrt. Dafür radeln wir an der Kirche vorbei und mit herrlicher Sicht über das Ammermoor und die Alpen geht es flott auf dem König-Ludwig-Weg bergab. Noch im Schwung dürfen wir die Abzweigung links auf den geschotterten Weg (Radwegschild) nicht übersehen. Immer weiter abwärts geht es mühelos durch den Stiller Wald, stets links haltend Richtung Raisting. Ab dem Biergarten Stillern ist der Weg wieder geteert. Neben uns plätschert nun das Bächlein Rott dahin, an dessen Ufer silbrig glänzende Weiden wachsen. In Raisting radeln wir bis zur Kirche an der Hauptstraße, in die wir rechts einbiegen. An deren Ende folgen wir nicht der Vorfahrtsstraße, sondern fahren geradeaus in den Mitterweg. Auf den freien Feldern stehen die riesigen Satellitenschüsseln der Erdfunkstationen. Kurz vor dem Wallfahrtskirchlein St.??Johann biegen wir rechts ab und radeln gleich darauf links auf den größeren Radweg. Er wird zu einem schmalen Pfad, dann wieder breiter und wir bleiben zunächst geradeaus, bis uns die Radwegschilder »Weilheim« links bis direkt zur Ammer führen. Hier geht es auf dem Ammerdammweg den letzten Kilometer zurück zum Ausgangspunkt.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour33 km
Höhenunterschied280 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWeilheim, Parkplatz an der Oberlandhalle.
EndpunktWeilheim, Parkplatz an der Oberlandhalle.
TourencharakterIm Herzen des Pfaffenwinkels verläuft der heutige Radausflug. Dabei ist das kulturell und historisch bedeutende Kloster Wessobrunn ein Ziel der Tour. Kombiniert mit Biergärten und modernen Kommunikationsmitteln eine runde Sache.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Nr.??180, Starnberger See – Ammersee, 1 - 50??000
VerkehrsanbindungAuto - Von München über Starnberg auf der B??2 nach Weilheim, vor dem Ortszentrum rechts über die Ammer zum Parkplatz. Bahn: Von München nach Weilheim/Garmisch, Haltestelle Weilheim.
GastronomieWessobrunn - Gasthof zur Post, Traditionsgasthaus gegenüber dem Kloster. Direkt an der Strecke bei Stillern kurz vor Raisting: wunderschöner Biergarten »Grenzbach«. Raisting: Gasthaus zur Post in der Ortsmitte.
Tipps
Im naturnahen Paterzeller Eibenwald stehen viele, zum Teil sehr alte Eiben. Es ist die älteste heimische Baumart. Die knorrigen, bizarren Bäume sind wahre Überlebenskünstler, auch wenn die schlanken Stämme es nicht vermuten lassen. Eiben können bis zu 1000 Jahre alt werden. Einen Badeweiher finden wir am südlichen Dorfende von Raisting in der Nähe der Erdfunkstellen

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