Von Weilheim nach Wessobrunn

Überwiegend auf land- und forstwirtschaftlich genutzten Straßen oder Radwegen, die zur Hälfte geschottert sind. Längere Steigung vor Wessobrunn, dann ebene Rückfahrt durch das Ammermoor. (Autor: Lisa und Wilfried Bahnmüller)
34 km
150 m
2.00 h
Zum Paterzeller Eibenwald: Vom großen Parkplatz der Weilheimer Oberlandhalle radeln wir zur nahe gelegenen Ammerbrücke. Wir bleiben auf der westlichen Seite und fahren flussaufwärts. Die Ammer begleitet uns bis zur Bahnlinie, der wir nach rechts folgen. Die Unterführung und alle weiteren Abzweigungen ignorieren wir und bleiben immer geradeaus, anfangs bergauf, bis wir nach insgesamt 5 km Kugelsbühl erreichen. Hier biegen wir rechts ab und gleiten gemächlich bergab durch den Oderdinger Wald. Bald haben wir freie Sicht auf den Hohenpeißenberg mit seiner Wallfahrtskirche und den Sendemasten. Vor dem in der Talsohle liegenden Segelflugplatz führt uns rechts ein Radwegschild über den Pferdehof Moosmühle zum Naturschutzgebiet Eibenwald bei Paterzell. Um die geheimnisvollen Bäume zu bewundern, halten wir uns rechts, dem Radwegschild »Wessobrunn« folgend auf den Eibenpfad. Der Rundweg durch den Wald beginnt gleich auf der linken Seite.Im naturnahen Mischwald stehen viele, zum Teil sehr alte Eiben in einer Dichte, wie sie nirgendwo sonst in Deutschland zu finden ist. Die knorrigen, bizarren Bäume sind wahre Überlebenskünstler. Es ist unsere älteste heimische Baumart. Auch wenn die schlanken Stämme es nicht vermuten lassen: Eiben können bis zu 1000 Jahre alt werden. Im Mittelalter fielen die meisten Eibenwälder dem Kahlschlag zum Opfer. Das Holz war ein begehrtes Material für die Herstellung von Pfeil und Bogen. Aufgrund seiner Langlebigkeit, seiner giftigen Nadeln und Beeren ranken sich jede Menge Sagen und Mythen um den Baum. Am besten schieben wir unsere Räder über den wurzeligen und von schmalen Bächen durchzogenen Pfad. Der Weg mündet wieder auf die Forststraße, der wir weiter nach links folgen. So erreichen wir über Zellsee etwas nach rechts die Bundesstraße.Auffahrt zum Kloster Hier folgen wir weiter den Schildern nach Wessobrunn. Jetzt steht der Härtetest bevor: Die Straße steigt für 3 km zum Glück nicht zu steil, aber dafür stetig bergan. Während kurzer Verschnaufpausen dürfen wir uns umdrehen und die Aussicht genießen, die uns einen Vorgeschmack bietet auf das, was uns am Kloster, dem höchsten Punkt der Tour, erwartet. Von oben haben wir den schönsten und weitesten Blick nach Osten. Hinter dem Ammermoor erheben sich die Moränenhügel, die eine natürliche Grenze zwischen dem Ammer- und dem Starnberger See bilden. Nach der Klosterbesichtigung beginnt die Rückfahrt. Dafür radeln wir an der Kirche vorbei und mit herrlicher Sicht über das Ammermoor und die Alpen flott auf dem König-Ludwig-Weg bergab. Noch im Schwung, dürfen wir die Abzweigung links auf den geschotterten Weg (Radwegschild) nicht übersehen. Immer weiter abwärts geht es mühelos durch den Stiller Wald, stets links haltend Richtung Raisting. Erdfunkstation und Ammerufer: Ab dem Biergarten Stillern ist der Weg wieder geteert. Neben uns plätschert nun das Bächlein Rott dahin, an dessen Ufer silbrig glänzende Weiden wachsen. In Raisting radeln wir bis zur Hauptstraße an der Kirche, wo wir rechts einbiegen. Am Ende der Straße folgen wir nicht der Vorfahrtsstraße, sondern halten uns geradeaus in den Mitterweg. Auf den freien Feldern stehen die riesigen Satellitenschüsseln der Erdfunkstationen. Nicht einmal 1700 Einwohner besitzt die kleine Gemeinde Raisting und doch ist sie aufgrund der großen Erdfunkstation der Deutschen Telekom weit über den Landkreis hinaus bekannt. Insgesamt 18 große Antennenschüsseln mit einem Durchmesser von 7–32 m sind in der Ammerfilze verteilt. Sie empfangen Funksignale von verschiedenen Kommunikationssatelliten. Früher gab es hier ein Informationszentrum, das leider wegrationalisiert wurde. Besichtigungen sind nur nach Voranmeldung unter Tel. 0881/26 91 bei Herrn Knauth möglich. Das auf dem freien Feld liegende Wallfahrtskirchlein St. Johann wurde erstmals 1428 erwähnt. Der ursprünglich gotische Bau wurde im Jahre 1725 erweitert, der Hochaltar zeigt Johannes den Täufer.Kurz vor dem Wallfahrtskirchlein St. Johann biegen wir rechts ab und radeln gleich darauf links auf den größeren Radweg. Er wird zu einem schmalen Pfad, dann wieder breiter, und wir bleiben zunächst geradeaus, bis uns die Radwegschilder »Weilheim« links bis direkt zur Ammer führen. Hier geht es auf dem Ammerdammweg den letzten Kilometer zurück zum Ausgangspunkt.

Motto: Wandern am Wasser

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour34 km
Höhenunterschied150 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWeilheim, Parkplatz an der Oberlandhalle
EndpunktWeilheim
TourencharakterMitten durch das Herzstück des Pfaffenwinkels verläuft der heutige Radausflug. Dabei ist das kulturell und historisch bedeutende Kloster Wessobrunn eines der Ziele unserer Tour. Kombiniert mit dem naturgeschützten Eibenwald, diversen Einkehrstopps und einer geruhsamen Fahrt entlang der Ammer eine runde Sache.
Hinweise
DAS TASSILO-KLOSTER. Das Kloster Wessobrunn ist einen längeren Besichtigungsstopp wert. Wer Zeit hat, sollte sich unbedingt einer Klosterführung anschließen. Diese finden vor allem am Wochenende um 15 Uhr, sonntags auch um 16 Uhr statt. Bereits ein Rundgang über das Gelände führt uns auf geschichtsträchtigen Boden. Das Kloster wurde der Legende nach vom letzten Agilolfinger Tassilo III. 753 gegründet. Der Herzog soll während einer Jagd im nahe gelegenen Wald eine Nacht verbracht haben. Dabei träumte er auf wundersame Weise von sprudelnden Quellen, die von jubilierenden Engeln und Heiligen umringt waren. Natürlich ließ er am nächsten Tag gleich danach suchen und wurde fündig. Er verstand dies alles wohl als göttliche Fügung und gelobte, ein Kloster bei den Quellen zu errichten. So wurde das Kloster im 8. Jh. errichtet, wobei von den ursprünglichen Bauteilen durch die wechselvolle Geschichte heute nicht viel übrig ist. Die Quellen, heute barock gefasst, liegen hinter der Pfarrkirche. Auffallend ist der »Graue Herzog«, der frei stehende romanische Campanile, der ursprünglich zur Klosterkirche gehörte. Diese wurde in den wirren Zeiten der Säkularisation dem Erdboden gleichgemacht. Heute steht nur noch die barocke Pfarrkirche St. Johannes. Das spätromanische Kruzifix an der Nordwand ist ein herrliches Beispiel frühester Schnitzkunst. Es ist der klägliche Rest der einstmals an Kunstschätzen reichen Klosterkirche. In den Klosterräumen überrascht vor allem der Fürstentrakt. Über und über sind die Säle mit reichem farbigen Stuck von Johann Schmutzer verziert worden. Wessobrunn brachte eine eigene Stuckatorenschule hervor, die im Zeitalter des Barocken in vielen bayerischen Kirchen aufsehenerregende Werke schuf.Besucher interessieren sich auch für die 1000-jährige Tassilolinde, ein weithin bekanntes Naturdenkmal, das unterhalb der Klosteranlage steht und unter deren Blätterdach Tassilo die denkwürdige Nacht verbracht haben soll, die zur Klostergründung führte. Eine nette, gern erzählte Geschichte, die sich beim schnellen Nachrechnen der historischen Daten wohl nicht beweisen lässt. Real ist ein anderes Zeitzeugnis der Geschichte: Das »Wessobrunner Gebet«, ein um 814 geschaffenes christliches Sprachdokument, wurde hier gefunden. Die Abschrift davon finden wir unter den »neuen« Linden auf dem Lindenplatz vor dem Gasthof zur Post in einen großen Stein gehauen.
KartentippKompass Karte Nr. 180 Starnberger/Ammersee, 1:50 000
VerkehrsanbindungVon München über Starnberg auf der B 2 nach Weilheim, vor dem Ortszentrum rechts über die Ammer zum Startplatz. Weilheim liegt an der Bahnlinie München–Garmisch.
GastronomieWessobrunn: Gasthof zur Post, Traditionsgasthaus gegenüber dem Kloster. Stillern kurz vor Raisting: wunderschöner Biergarten »Grenzbach«. Raisting: Gasthaus zur Post in der Ortsmitte
Tipps
BADEMÖGLICHKEITEN: Badeweiher bei Raisting

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