Von Seeon durchs Trauntal

Schöne Rundtour, fast ausschließlich auf Nebenstraßen und Radwegen, Straßen oft nicht geteert, relativ wenig Schatten. Wer z. B. mit Kindern unterwegs ist, kann die Tour in Rabenden abkürzen. (Autor: Lisa und Wilfried Bahnmüller)
39 km
100 m
3.00 h
Der große Parkplatz vor dem Kloster Seeon ist unser heutiger Startpunkt. Wir fahren zum Kloster, an seiner Nordseite vorbei und über den Steg nach Bräuhausen mit seiner kleinen Kirche St. Maria. Von hier aus führt uns der »Mozart-Radweg« nach Obing. Bei der Kirche wenden wir uns nach links und radeln am Nordende des Sees entlang. Der Ortsname »Weinberg« erinnert daran, dass an diesen Südhängen während der Warmperiode des Mittelalters durchaus erfolgreich Wein angebaut wurde. Wir erreichen die Autostraße, fahren auf ihr knapp 400 m nach rechts und biegen dann nach links zum Einödhof Thalham ab. Der Weg führt am Hof vorbei in nördlicher Richtung nach Großbergham und von hier links über die Berghamer Straße ins Zentrum von Obing. Im Ort überqueren wir die Bundesstraße B 304, fahren an Kirche und Maibaum vorbei und nehmen am Ortsende rechts den »Skulpturenweg«, der uns nach Pfaffing bringt. Am Strandbad vorbei geht es nach Jepolding und von dort zur Bundesstraße B 304. Auf dem Radweg neben der Autostraße erreichen wir Rabenden und werfen einen Blick in das von außen unscheinbare Kirchlein St. Jakob. In seinem Inneren wartet es jedoch mit dem wohl schönsten gotischen Altar des gesamten südostbayerischen Gebietes auf. Ein bis jetzt unbekannter Meister, man nennt ihn wegen diesem Hauptwerk den »Meister von Rabenden«, hat ihn um 1510 geschaffen. Kloster Baumburg: Auf der Hauptstraße erreichen wir Altenmarkt, bewundern die Alzfälle links unter der Straßenbrücke und biegen rechts in die Hauptstraße ein. Nach etwa 500 m bringt uns rechts die Baumburger Straße zum alten Augustinerchorherrenstift Baumburg mit seiner mächtigen Barockkirche. Versäumen Sie nicht, auf den Deckenfresken der Kirche die reizenden kleinen Putten zu suchen, die zwischen den Heiligen ihr kindliches Unwesen treiben. Spazieren Sie auch um die Kirche herum. Der Blick auf das Trauntal ist großartig, nach Süden erkennen Sie das Hochschloss Stein, unser nächstes Ziel. Grausame Raubritter und Felsenlabyrinthe: Von Baumburg aus geht es zurück nach Altenmarkt. Wir überqueren die Hauptstraße und fahren am Bahnhof vorbei zuerst durch die Steiner Straße und dann kurz an der Bundesstraße B 304 entlang nach Stein. Hier sollten Sie auf keinen Fall einen Besuch in der Höhlenburg versäumen. Die Geschichten um den Raubritter Heinz von Stein in den dunklen, mystisch beleuchteten Räumen klingen schaurig schön. Den Burgenbesuch können Sie noch mit einer Brauereibesichtigung ausweiten. Zu den Römern: Dann radeln wir weiter auf dem Radweg parallel zur Bundesstraße nach St. Georgen. Der Radweg führt schräg aufwärts zur Kirche und dann wieder zurück ins Trauntal zur Abzweigung nach Irsing. Wer sich diesen Anstieg sparen möchte, überquert die Autostraße etwa dort, wo die Steigung beginnt. Auf einem schmalen Weg erreichen wir die Talsiedlung von St. Georgen und durch sie die Straße nach Irsing. Sie überquert die Traun, steigt dann auf das Hochufer, führt am Ort Irsing vorbei und schließlich nach Haßmoning. Im Ort, etwas nach links versetzt, beginnt die Straße, die uns über flache Moränenhügel nach Truchtlaching wieder zur Alz bringt. In Truchtlaching an der Kirche folgen wir nicht der Straße zur Alz, sondern biegen schräg links in die Westenstraße ein. Sie führt uns aus dem Ort über Wiesen. Nach einem kurzen Rechts-links-Schwenk erreichen wir zwei Stadel, dort geht es links den Hügel aufwärts. Wegweiser »Archäolog. Rundweg Bedaium« führen uns zu einer großen keltischen Viereckschanze. Wir radeln auf dem Weg, der an der Schanze vorbeiführt, weiter und erreichen wieder Truchtlaching. Am Ortsanfang fahren wir die Hochöder Straße leicht bergab aus dem Ort, dann über Wiesen zu einer Querstraße am Waldrand. Dort geht es für etwa 250 m nach links und dann rechts weiter nach Stöffling. Am Ortseingang steht die Rekonstruktion eines keltischen Gehöftes und gibt uns eine Vorstellung davon, wie unsere Urahnen vor zwei Jahrtausenden gelebt haben. In Stöffling biegen wir rechts ab und folgen dem Wegweiser nach Seebruck, das wir nahe der Alzbrücke erreichen. Wir überqueren die Alz und fahren geradeaus weiter an der Kirche vorbei zum Römermuseum Bedaium. So hieß Seebruck zu Zeiten der Römer.In Seebruck stand eines der Kastelle an der Römerstraße, die nördlich des Chiemsees entlangführte. So ein Kastell hatte ähnliche Aufgaben wie heute die Rasthäuser entlang der Autobahnen. Hier konnten Reisende sich und ihre Pferde versorgen, übernachten oder Fuhrwerke und Kutschen reparieren lassen. Das Museum gibt einen Einblick in das Leben zu römischer Zeit und zeigt zahlreiche Fundstücke von Ausgrabungen aus der Umgebung.Vom Museum geht es zur Hauptstraße zurück und auf ihr Richtung Norden. Dort, wo die Hauptstraße scharf links abbiegt, fahren wir auf der Pullacher Straße geradeaus weiter nach Ischl. Wir biegen rechts in die Querstraße ab und dann, nach etwas mehr als 1 km bei der nächsten großen Querstraße links, und kommen nach Seeon. Über Bräuhausen (Wegweiser) erreichen wir wieder unseren Ausgangspunkt.

Motto: Wandern am Wasser

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour39 km
Höhenunterschied100 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktKloster Seeon, Parkplatz
EndpunktKloster Seeon
TourencharakterWir radeln durch eine uralte Kulturlandschaft nördlich des Chiemsees. Sie sollten für diese Tour sehr viel mehr Zeit mitbringen, als unsere reinen Fahrzeiten vorgeben, denn bei kaum einer anderen Tour gibt es so viele Möglichkeiten für interessante Besichtigungen.
Hinweise
TIPP: BURG STEIN AN DER TRAUN. Führungen durch Burg Stein an der Traun finden von April bis Ende September täglich außer montags um 14 Uhr statt, in der Zeit vom 1. August bis zum 15. September auch um 16 Uhr. Die genauen Zeiten erfahren Sie unter: www.traunreut.deDIE BENEDIKTINERABTEI SEEONDie Aribonen waren eines der alten Adelsgeschlechter in Bayern, die im 10. Jh. vor allem durch die Ostkolonisation zu Macht und Ansehen gekommen waren. In dieser Zeit war es unter dem Hochadel Sitte, ein Hauskloster zu gründen. Neben den religiösen Vorteilen – für die Stifter wurde ewig gebetet – machte ein Kloster das gestiftete Land sehr viel wertvoller, denn die Mönche sorgten dafür, dass es gerodet und bestellt wurde. Dem Zuge der Zeit wollte auch Pfalzgraf Aribo I. nicht nachstehen, und so stiftete er 994 Kloster Seeon auf einer Insel im Seeoner See. Sein Hochgrab, das um 1400 von Hans Heider gestaltet wurde, steht zum ewigen Andenken immer noch in der Klosterkirche. Ein Kuriosum hat die Mönche davor bewahrt, in der Barockzeit die Kirche zu modernisieren oder gar neu zu bauen: Sie hatten durch die Misswirtschaft eines Abtes Konkurs gemacht! Dafür war das Kloster bis zur Säkularisation ein Zentrum der Gelehrsamkeit und der Kultur. Nicht umsonst waren hier die Komponisten Haydn und Mozart mehr als einmal zu Gast.Nach der Säkularisation ging das Kloster durch verschiedene Hände. Heute ist es Kultur- und Bildungszentrum des Bezirks Oberbayern und kann im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Der Kreuzgang und selbstverständlich auch die Kirche sind während des Tages frei zugänglich.
KartentippBayerisches Landesvermessungsamt, Chiemsee und Umgebung, 1:50 000
VerkehrsanbindungVon München über Wasserburg nach Obing, dort rechts ab zum Kloster Seeon.
GastronomieUnterwegs viele Möglichkeiten. Besonders gut haben wir das Bräustüberl im Kloster Baumburg mit seinem unfiltrierten Bier in Erinnerung.
Tipps
BADEMÖGLICHKEITEN: An allen ausgewiesenen Badestellen des Seeoner und Obinger Sees und am Chiemsee

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