Von Schwerte nach Wengern

Zumeist führt RTRW über separate Radwege; erholsame Strecken entlang der Seen; einige wenige kurze Steigungen. (Autor: Matthias Eickhoff)
34 km
200 m
2.00 h
Von Schwerte nach Wengern: Vom Im Reiche des Wassers links auf schmalen RuhrtalRadweg. Sehr schön zwischen Kleingärten und Ruhraue zur Ruhr. Am Kanuverein vorbei (Achtung: Hochwassergefahr). Schließlich vom Ruhrufer kurzer, steiler Anstieg zum Sportplatz in Wandhofen. Hinter Sportplatz rechts und sofort wieder links (Untere Wülle) in Wohnviertel. Am Straßenende links in Violainesstraße. Unter Bahnbrücke hinweg, anschließend kurzer, heftiger Anstieg in den Wald. Auf Waldweg unter A 45 und rechts um Haus Ruhr herum bis zur geteerten Zufahrt. Die Geschichte von Haus Ruhr lässt sich nicht vollständig nachvollziehen. Womöglich hat sich hier um 775 ein Brückenkopf der fränkischen Armee bei der Eroberung der sächsischen Syburg befunden. Fest steht jedenfalls, dass die heutigen Gebäude aus der Zeit des 17.–19. Jh. stammen. Im Hof befindet sich eine rund 300 Jahre alte Kastanie, die als Urkastanie für die Region Schwerte gilt. Haus Ruhr ist heute Sitz der Ruhrakademie, einem privaten Lehrinstitut für Graphik, Design und Kunst. Es gibt Pläne, die Anlage in Zukunft für Gäste zu öffnen.Vom Haupttor rechts in den Wald und auf breitem Forstweg mehrere Biegungen. Am Sportplatz vorbei und rechts in Wasserstraße bis ins Ortszentrum von Westhofen. Am Straßenende rechts und vor Spielplatz sofort links zur evangelischen Dorfkirche. Westhofen war von 775 bis 1806 offiziell ein Reichshof. Die Gründung geht unmittelbar auf die Eroberung der sächsischen Syburg durch den fränkischen König (und späteren Kaiser) Karl den Großen zurück. Gleich zu Beginn des jahrzehntelangen Krieges mit den Sachsen konnte Karl die strategisch wichtige Fliehburg oberhalb des heutigen Hengsteysees einnehmen. Zur Absicherung seiner königlichen Macht gründete Karl u. a. besagte »freie Reichshöfe«, die eine größere Anzahl von Bauernhöfen umfassten und denen ein Schulte vorstand. Nominell wurde der Reichshof Westhofen erst 1806 aufgelöst, rein praktisch war seine Bedeutung schon viel früher verloren gegangen. Zu Westhofen gehörte auch die Syburg, welche den Reichshof sicherte (s. S. 91).An Dorfkirche vorbei. Rechts ab (An der Schützengräfte) und links in Reichshofstraße. Geradeaus am alten Bahnhof vorbei, unter A 1 hinweg und links in Syburger Dorfstraße. Sofort wieder links an Burg Husen vorbei (geradeaus geht es zum Campingplatz, s. Kasten »Tour kompakt«).Mittlerweile befinden wir uns auf Dortmunder Stadtgebiet. Unterhalb des bewaldeten Asenbergs ist dieser Abschnitt besonders idyllisch. Burg Husen wurde schon Mitte des 13. Jh. errichtet und gehörte ebenfalls zum Reichshof Westhofen. Der Wohnturm stammt aus dem 14.–16. Jh. und dient heute als Pfadfinder-Freizeitheim. Im 19. Jh. wurde einige Hundert Meter weiter ein neues klassizistisches Gutshaus errichtet, das wir vom RTRW am Hang sehen können. Haus Husen ist derzeit ein firmeneigenes Weiterbildungszentrum.Geradeaus weiter über Zwischensteigung zum Beginn des Hengsteysees. Links befindet sich unmittelbar hinter der Bahnbrücke die Lennemündung. Die 131 km lange Lenne entspringt am Kahlen Asten (s. Etappe 13, S. 166) und ist der größte Nebenfluss der Ruhr. Unterhalb der schlichten Gaststätte »Zur Lennemündung« mit einer sehr schönen Terrasse befindet sich der Anleger des Ausflugsschiffs »MS Freiherr vom Stein«, das je nach Auslastung auch Räder transportiert (Infos: Tel. 02330/729 81, www.personenschifffahrt-hengsteysee.de). Weiter bis Brücke über den Hengsteysee: Unmittelbar über uns befinden sich die Reste der ehemaligen Hohensyburg . Die beschwerliche Radanfahrt über die sehr steile Straße ist allerdings nur konditionsstarken »Bergziegen« zu empfehlen. Auf dem Berg befand sich bis 775 eine bedeutende sächsische Fliehburg. Nach der Eroberung durch den fränkischen König Karl entstand dort eine Kirche sowie später eine mittelalterliche Burg. Im 19. Jh. erlebte das Gelände dann eine plötzliche Konjunktur. Zunächst kaufte der erste preußische Oberpräsident von Westfalen, Freiherr von Vincke, die Burgruine. Ihm wurde nach seinem Tod auf dem Berg ein Aussichtsturm gewidmet. 1902 wurde dann das pompöse Kaiser-Wilhelm-Denkmal errichtet. Als letzte Ergänzung des Gebäudeensembles kam das moderne Casino Hohensyburg hinzu. Weniger bekannt ist die Bergbaugeschichte des Areals. Sie wird auf dem Syburger Bergbauwanderweg rund um die Hohensyburg dokumentiert. Kulturhistorisch wertvoll ist außerdem die evangelische St.-Peter-Kirche. Schon gegen Ende des 8. Jh. war auf den Ruhrhöhen eine erste Kirche entstanden. Ihre Nachfolgerin gehört zu den bedeutendsten mittelalterlichen Sakralbauten im mittleren Ruhrtal.Seit Anfang 2008 RTRW links über Brücke und Hengsteysee. Der 4,2 km lange Hengsteysee wurde Ende der 1920er-Jahre angelegt und fasst gut 3,3 Mio. m³ Wasser. Der See dient als Wasserspeicher für das im Westen deutlich sichtbare Pumpspeicherkraftwerk Koepchenwerk, das 1930 als erstes seiner Art ferti ggestellt wurde. Auf den Höhen des Ardeygebirges befindet sich ein Speicherbecken, in welches das Ruhrwasser hinaufgepumpt wird. Seit der Inbetriebnahme einer neuen Anlage 1989 erzeugt die Anlage rund 153 MW Strom. Auf der kleinen Landzunge unterhalb der Brücke befindet sich auch ein weiterer Anleger des Ausflugsschiffs.Hinter Brücke rechts über angenehmen Radweg am Südufer und vorbei am Freibad »Strandhaus am Hengsteysee«. Am 1927–29 erbauten Laufwasserkraftwerk Hengstey wechseln wir wieder auf die rechte Ruhrseite (Vorsicht Schienen, bitte absteigen). Zur Rechten liegen die nette Trattoria Zum Schiffswinkel (s. Kasten »Tour kompakt«) sowie ein weiterer Schiffsanleger. Geradeaus über Radweg. Nach 500 m links ab. An den Liegewiesen und dem Laufwasserkraftwerk Stiftsmühle (1930) vorbei zum Freizeitbad Bleichstein. Unter der B 54 hinweg. Unmittelbar hinter der Brücke befinden sich im Sommer die Kanu-Station Herdecke (s. Tipp) und der Schiffsanleger für die »MS Friedrich Harkort«, die über den Harkortsee schippert (Fahrplan: Tel. 02330/80 20 47, www.personenschifffahrt-meyer.de). Am Hotel Zweibrücker Hof (s. Kasten »Tour kompakt«) vorbei bis zur kleinen Holzbrücke. Nach rechts beginnt ein lohnenswerter Abstecher in die Herdecker Altstadt. Abstecher in die Herdecker Altstadt: Hinter Holzbrücke rechts, an der Auffahrt zum Parkhaus vorbei und geradeaus in Kampstraße. Am Eingang zur Altstadt von Herdecke treffen wir sofort auf einige sehr schöne Fachwerkhäuser aus dem 19. Jh. So befanden sich in der Kampstraße 18 und 20 ehedem zwei Brauhäuser. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen ebenfalls stattliche Fachwerkhäuser, so dass die Gasse zu den schönsten von Herdecke zählt. An der zentralen Ampelkreuzung rechts in die Fußgängerzone (Hauptstraße) zur Brunnenskulptur am Treppenaufgang zur evangelischen Stiftskirche St. Marien.Schon die Bezeichnung »Stiftskirche« verweist auf das ehemalige Kanonissenstift, das bereits zwischen 810 und 819 gegründet wurde. Daraus ging im Laufe der Jahrhunderte der Ort Herdecke hervor, der 1355 das Marktrecht erhält. 1739 wird Herdecke schließlich zur Stadt und gehört damit zu den bedeutenderen Orten der Region. Doch die langfristig fehlgeschlagene Schiffbarmachung der Ruhr oberhalb von Witten und der späte Bahnanschluss behindern die weitere Entwicklung im 19. Jh. Dafür hat sich in der Altstadt von Herdecke neben der Kampstraße im Bachviertel rechts unterhalb der Fußgängerzone ein weiteres malerisches Fachwerkviertel erhalten. Das hervorragend erhaltene Haus Bachplatz4 wurde schon 1675 errichtet. Oberhalb der Fußgängerzone dominiert die evangelische Stiftskirche St. Marien das Bild. Ob Teile der Kirche wirklich schon auf das karolingische 9. Jh. zurückgehen, ist umstritten, doch die Datierung des jetzigen Baus auf das 13. Jh. ist sicher belegt (Besichtigungsmöglichkeit Do 10–12 Uhr). Ähnlich wie in Fröndenberg (s. Etappe 5, S. 75) rangen auch in Herdecke Katholiken, Lutheraner und Calvinisten um Einfluss. Das Damenstift wurde erst 1811 aufgelöst.Einen Blick ist auch der ruhige Stiftsplatz hinter der Kirche wert, an dem zahlreiche historische Gebäude stehen. Lebhaft geht es in der Fußgängerzone vor allem an Donnerstagvormittagen zu, wenn Wochenmarkt ist.Rückweg zum RTRW über Hinweg:An Holzbrücke links an Ruhr entlang. Vor Yachthafen rechts und links unter Ruhr-Viadukt hindurch. Der Herdecker Eisenbahnviadukt über die Ruhr gehört zu den fotogensten Zeugen des Industriezeitalters im Ruhrtal. Die 313 m lange Brücke wurde 1877–79 von der Rheinischen Eisenbahn für die Strecke Düsseldorf–Hagen–Dortmund erbaut. Zwölf Bögen überspannen in fast 30 m Höhe die Ruhr in einem weiten Bogen. Die roten Regionalbahnen wirken im Vergleich zu dem imposanten Bauwerk ziemlich klein. Der Zweite Weltkrieg hinterließ große Schäden an dem Viadukt: 1943 wurde durch die Flutwelle nach der Zerstörung der Möhnetalsperre ein Pfeiler weggerissen, 1945 sprengte dann die Wehrmacht das Bauwerk. Doch der Wiederaufbau folgte rasch. Hinter dem Viadukt beginnt der 3,2 km lange Harkortsee, der 1931 kurz nach dem Hengsteysee fertiggestellt wurde. Er fasst 3,1 Mio. m³ Wasser und dient vor allem der Wasserreinigung. Am Kraftwerk Cuno vorbei auf geteerten Promenadenweg entlang des Sees. 3 km bis Rastplatz »Wetterhäuschen« unterhalb der Burgruine Wetter. Weiter zum Schiffsanleger und Naturbad. Markante Wegmarke ist das große Dampfmaschinenschwungrad aus der ehemaligen Stahlfabrik Harkort-Eicken. Hier beginnt der lohnenswerte Abstecher zum Wasserschloss Werdringen auf der gegenüberliegenden Ruhrseite.Abstecher zum Wasserschloss Werdringen: Am Schwungrad rechts, links um das Bad bis zur B 226. Links über Radweg bis Abzweig Westpreußenstraße. Dort links an Bahngelände vorbei und hinter den Gleisen links. Nach 300 m rechts bis Brockhauser Straße. Dort rechts, dann links Zufahrt zum Wasserschloss. Rückweg zum RTRW über Hinweg. Das Wasserschloss Werdringen ist ein verstecktes Juwel im Ruhrtal. Nach der nicht unbedingt reizvollen Anfahrt öffnet sich hinter der Zufahrtsallee ein kleines Idyll: Umgeben von einem Wassergraben liegt hinter der Zugbrücke eine romantische Burganlage, die bereits auf das 13. Jh. zurückgeht. Mitte des 19. Jh. erfolgte dann eine Modernisierung, aber so richtig wussten die diversen Besitzer nichts mit der Anlage anzufangen. Beobachter sprachen gerne vom Dornröschenschloss. Seit 2004 ist es mit der Ruhe vorbei, als die Stadt Hagen das sehr interessante Museum für Ur- und Frühgeschichte eröffnete. Zu sehen sind u. a. 450 Mio. Jahre alte Fossilien sowie regionale Funde von der Steinzeit bis zum Mittelalter. Dabei geht es kinderfreundlich interaktiv zu. Für eine Pause im Burghof ist das einladende Museumscafé genau richtig (Tel. 02331/306 72 66, www.museum-werdringen.de, Di–So 10–17 Uhr). Über RTRW weiter am Seeufer, unter der Bahn-/Straßenbrücke hinweg und schräg links auf Radweg am Obergraben. An Pizzeria »Il Molise« rechts hoch in Schöntaler Straße und am Supermarkt links auf Radweg durch Industriegebiet zurück zur Ruhr. Vorbei an Ruhrpegel Wetter auf Wasserstraße und links auf 2007 erbaute Radbrücke (rechts liegt der Bahnhof Wetter). RTRW nach rechts in die Ruhraue. Es folgt einer der landschaftlich schönsten Abschnitte im mittleren Ruhrtal. Nach 3,5 km links unter Bahn hinweg nach Wengern zur Wittener Straße. An der Fußgängerampel beginnt der schöne Abstecher in den Ortskern von Wengern. Abstecher nach Wengern-Ortsmitte: Links in den Elbscheweg und vor evangelischer Dorfkirche links am Henriette-Davidis-Museum vorbei. Hinter der kleinen Elbschebrücke sofort rechts auf Fuß-/Radweg bis zur Kirchstraße. Rechts bis zur Kirche. Rückweg zum RTRW über Hinweg.In Wengern präsentiert sich das Ruhrtal von seiner dörflichen Seite. Über die Herkunft des Ortsnamens gibt es mehrere Theorien. Reizvoll ist die mögliche Ableitung von »Wingard«, was auf den mittelalterlichen Weinanbau im Ruhrtal verweist. Die Dorfkirche entstand in der Mitte des 13. Jh., auch wenn schon 1085 eine Pfarrkirche urkundlich erwähnt wird. Besonders sehenswert sind das Lesepult mit Pelikanfigur sowie der Taufstein von 1688. Blickfang ist jedoch die wunderbare Holzkassettendecke (Besichtigungsmöglichkeit Mo–Fr 16–18 Uhr, So 11–18 Uhr). Auch die Nachbarhäuser sind historisch sehr wertvoll: Die Gaststätte Leimkasten stammt als ehemalige Dorfschmiede schon von 1541. Ein zweiter Teil wurde 1621 errichtet. Auf der anderen Seite der Kirche steht ein Fachwerkhaus von 1619, und auch das schieferverzierte Hotel Henriette Davidis (s. Kasten »Tour kompakt«) geht schon auf das Jahr 1725 zurück – der stimmungsvolle Gewölbekeller für das Restaurant ist sogar noch älter. Namensgeberin Henriette Davidis (1801–76) ist die berühmteste Tochter Wengerns. Sie wurde durch ihr überaus populäres Kochbuch von 1844 bekannt, das seither in 76 Auflagen erschienen ist! Davidis ist an der Elbsche ein kleines Museum gewidmet. Zu sehen sind u. a. alte Kücheneinrichtungen und eine Puppenküche. Das Haus, das unten aus Stein und oben aus Fachwerk besteht, wurde just im Geburtsjahr von Davidis errichtet (Besichtigungsmöglichkeit So 15–17 Uhr). Hinter dem Parkplatz vor dem Hotel Henriette Davidis steht eine Holzskulptur, welche die Autorin mit ihrem Kochbuch zeigt. Die Skulptur wurde 1985 von zwei polnischen Künstlern erschaffen.Wer die Gegend noch etwas intensiver erkunden möchte, dem sei ein Abstecher ins idyllische Elbschetal empfohlen. Hinter dem Davidis-Hotel geht es links hinunter (Im Schleppkotten) und unter dem imposanten alten Eisenbahnviadukt über den geteerten Radweg 1 km talaufwärts bis zum Landsitz Wengerner Mühle. Das Ruhrgebiet kann auch sehr ländlich sein.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour34 km
Höhenunterschied200 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktSchwerte
TourencharakterDas klassische Ruhrgebiet ist erreicht. Doch das Ruhrtal präsentiert über weite Strecken seine Freizeitseite: Der Hengstey- und Harkortsee sind beliebte Naherholungsgebiete, die Radwege sind gut ausgebaut und in Herdecke und Wengern erwarten die Besucher malerische Fachwerkhäuser.
Beste Jahreszeit
MarkierungenRuhrtalRadweg.
VerkehrsanbindungBahn: Zahlreiche regelmäßige Direktverbindungen, u. a. von Köln, Dortmund, Münster. Auto: Über A 1 bis Abfahrt Schwerte, dann ins Zentrum. Rückfahrt Mit Umstieg regelmäßige Verbindungen von Wetter über Hagen; Mai–Okt. Fr/So RuhrtalBahn ab Wengern-Ost über Hagen.
GastronomieHerdecke: Trattoria Schiffswinkel, Im Schiffswinkel 35, Tel. 02330/21 55 (guter Italiener am Hengsteysee, schöner Biergarten). Wetter-Wengern: Hotel Henriette Davidis (s. Übernachten); Landhaus Robbert: Am Jakob 20, Tel. 02335/97 46 06 (ungarische und deutsche Spezialitäten).
Verleih
Herdecke: Radstation Herdecke, Zweibrücker Hof 2, Tel. 02302/39 90 00.
Informationen
Route der Industriekultur per Rad: Im Ruhrgebiet ist die Route des RuhrtalRadwegs identisch mit einem Teil der Radvariante der Route der Industriekultur, die vom Regionalverband Ruhr eingerichtet wurde. Wo einst die Schlote qualmten, die Förderbänder sich rund um die Uhr drehten und die Feuer der Hüttenwerke nie erloschen, hat der Strukturwandel bemerkenswerte Ergebnisse erzielt. Aus Industrieanlagen wurden Kulturdenkmäler, deren Stellenwert sogar von der UNESCO anerkannt wird. Die Zeche Zollverein in Essen wurde 2001 zum Weltkulturerbe ernannt.Auf rund 700 km Strecke können Radler die Highlights der Industriekultur kreuz und quer im Ruhrpott erkunden. Dabei werden nach Möglichkeit wie im Ruhrtal auch alte Leinpfade und stillgelegte Bahntrassen genutzt. Der »blaue Himmel über der Ruhr« hat Radfahren zum Vergnügen gemacht. 2006 wurde das vorbildlich ausgebaute und beschilderte Streckennetz zu Recht als »Radroute des Jahres in Nord-rhein-Westfalen« ausgezeichnet. 25 Ankerpunkte bilden das Rückgrat der Route der Industriekultur. Allein am RuhrtalRadweg liegen sieben: Die Zeche Nachtigall in Witten, die Henrichshütte Hattingen, das Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen, die Villa Hügel in Essen, das Aquarius Wassermuseum in Mülheim sowie das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt und der Innenhafen in Duisburg. Ein Abstecher führt zudem zum Landschaftspark Duisburg-Nord (s. Etappe 11, S. 145f). Weitere Anschlussmöglichkeiten aus dem Ruhrtal sind vor Ort ausgeschildert.Allein diese Aufzählung zeigt, wie breit gefächert das Industrieerbe des Ruhrgebiets ist. Radwanderer können sich auf eine spannende Entdeckungsreise freuen. Weitere Infos bei: Ruhrgebiet Tourismus GmbH, Tel. 01805/18 16 10, www.route-industriekultur.deFreiherr vom Stein und Friedrich HarkortSchon der Name des Harkortsees weist auf einen der wichtigsten Industriepioniere des Ruhrtals hin: Friedrich Harkort (1793–1880). Bereits 1816 hatte der »Gründer der Märkischen Industrie« einen Kupferhammer betrieben. 1819 kaufte er schließlich die Burg Wetter und richtete dort seine »Mechanischen Werkstätten Harkort & Co. « ein.Harkort konzentrierte sich als einer der Ersten im Ruhrgebiet auf den Maschinenbau. Dazu reiste er auch nach England, um sich dort über die technische Entwicklung zu informieren. Gleichzeitig verschaffte er sich den Zugriff auf Erz- und Kohlenbergwerke, um die Rohstofflieferungen sicherzustellen. Als Ergebnis seiner Anstrengungen ging in Wetter 1826 der erste Puddelofen in Betrieb, um Stahl zu produzieren. Doch bereits 1834 stieg Harkort aus seiner Firma aus und wandte sich dem Eisenbahn- und Schiffsbau zu. 1838 hatte er seine finanziellen Möglichkeiten allerdings überanstrengt und ging bankrott. Danach betätigte sich Harkort bis zu seinem Tod vor allem in der Sozialpolitik. 1784–93 hatte der nicht minder bekannte Freiherr vom Stein als Bergamtsdirektor in Wetter neben der Burg residiert. Als preußischer Minister leitete er später wichtige Reformen ein. Die Burg selbst ist nur noch als Ruine erhalten. Entweder erreicht man sie zu Fuß über die steilen Treppen von der Seepromenade oder mit dem Rad nach einem längeren Aufstieg vom Frei-bad aus.Kanu fahrenIn Schwerte und in Herdecke lassen sich bequem die Pedale gegen Paddel tauschen. Während in Schwerte nur geführte Gruppentouren möglich sind, kann man in Herdecke auch allein auf Erkundungstour gehen. Von der Mitte des Flusses ergeben sich völlig neue reizvolle Eindrücke vom Ruhrtal (Lenne-Ruhr Kanu-Tour, Tel. 02304/616 99, www.lenne-ruhr-kanu-tour.de).
Unterkunft
Dortmund: Camping Hohensyburg, Syburger Dorfstr. 69, Tel. 0231/77 43 74, www.camping-hohensyburg.de (idyllisch gelegen oberhalb des Hengsteysees). Herdecke: Zweibrücker Hof 4, Tel. 02330/60 50, www.zweibrueckerhof.ringhotels.de (radfreundliches 4-Sterne-Hotel an Ruhr, hervorragendes Restaurant). Wetter-Wengern: Hotel Henriette Davidis, Trienendorfer Str. 8, Tel. 02335/74 11, www.davidis.de (einladendes historisches Haus mit exzellentem Restaurant, auch vegetarische Küche); Hotel-Restaurant Elbschetal, Kirchstr. 2–4, Tel. 02335/847 30, www.elbschetal.de (modernes Haus im Ortskern).
Tourismusbüro
Dortmund: Königswall 18 a, 44137 Dortmund, Tel. 0231/18 99 90, info@dortmund-tourismus.de, www.dortmund-tourismus.de. Hagen: Rathausstr. 13, 58095 Hagen, Tel. 02331/207 58 90, www.touristik-hagen.de. Herdecke: Kirchplatz 3, 58313 Herdecke, Tel. 02330/61 10, stadtverwaltung@herdecke.de, www.herdecke.de. Wetter: Kaiserstr. 78, 58300 Wetter, Tel. 02335/84 01 88, kontakt@stadtmarketing-wetter.de, www.stadtmarketing-wetter.de

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