VON ROTHENBURG OB DER TAUBER NACH WEIKERSHEIM

Landschaftlich reizvolle Streckentour talabwärts entlang der Tauber auf asphaltierten, überwiegend autofreien Wegen. (Autor: Ute und Peter Freier)
35 km
200 m
3.00 h
Rothenburg ob der Tauber steht stellvertretend für Romantik, weshalb sich Besucher aller Nationen in den mit Kopfstein gepflasterten Straßen, Gassen und auf dem Marktplatz drängen und durch den noch vollständig erhaltenen Wehrgang auf der Stadtmauer schieben. Zwei Mauerringe umgaben im Mittelalter die freie Reichsstadt, die ihre Bedeutung Anfang des 19. Jahrhunderts verlor, da sich so gut wie keine größeren Industrie- bzw. Gewerbebetriebe ansiedelten und sich infolgedessen das Stadtbild kaum veränderte. Wer sich nur einen kurzen Überblick verschaffen möchte, sollte sich die gotische St.-Jakobs-Kirche mit dem Altar von Tilman Riemenschneider, den Marktplatz mit gotischem Rathaus und die Ratstrinkstube mit Meistertrunkuhr, das Klingentor mit der St.-Wolfgangs-Kirche, einer spätgotischen Wehrkirche mit Kasematten, Wehrgang und Zugang zur Stadtmauer, sowie die eindrucksvollen Patrizierhäuser in der Herrengasse ansehen. Wer mehr erfahren möchte, besorgt sich im Tourismusbüro Stadtplan und Faltblatt mit Stadtrundgang oder informiert sich im Reichsstadtmuseum.Hinunter ins Taubertal Am Marktplatz (Fußgängerzone) halten wir uns links und gelangen in der Schmiedgasse und der sich anschließenden Spitalgasse zum Spitaltor, durch das wir die Altstadt verlassen. Nach rechts folgen wir der stark abfallenden Straße in das Taubertal hinunter und überqueren die Tauber auf einer gepflasterten Bogenbrücke. Talabwärts, stets mit Blick auf die beeindruckende Stadtbefestigung von Rothenburg, passieren wir mehrere Mühlen und das turmartige Topplerschlösschen, einen sogenannten Wohnturm (1388), der ursprünglich von Wasser umgeben und nur über eine Zugbrücke zu betreten war. Er diente einst dem mächtigen Bürgermeister von Rothenburg, Heinrich Toppler, als Erholungssitz. An einer weiteren Tauberbrücke folgen wir einem Wirtschaftsweg in das Dörfchen Detwang mit der Kirche St. Peter und Paul.Detwang und ein Riemenschneider-Altar Keimzelle des heutigen Rothenburg ist das um das Jahr 800 im Tal gegründete Dorf Detwang, während auf der Höhe oberhalb des Tals eine Burg erbaut wurde. Die kleine Kirche St. Peter und Paul, Ende des 10. Jahrhunderts geweiht und damit die älteste Kirche Rothenburgs, steht idyllisch in einem ummauerten Friedhof und beherbergt den um 1510 von Tilman Riemenschneider geschaffenen Heilig-Kreuz-Altar. Unweit der Kirche stehen ein aus dem 12. Jahrhundert stammendes Schlösschen sowie die Gebäude eines einstigen Herrenhofs. An Weinbergen entlang nach Creglingen - Im recht engen Tal fahren wir an Steinbach vorbei nach Bettwar, kreuzen hier zweimal die Tauber und erreichen Tauberscheckenbach, wo sich das Tal verbreitert und die ersten Weinberge zu sehen sind. Weiter geht es nach Tauberzell und am Hang leicht bergauf, bevor der Radweg wieder zur Talsohle und nach Archshofen hinunterführt. Der kleine Ort kann ein Schloss (mit Gaststätte) vorweisen, das nach Zerstörungen in barocker Form wiederaufgebaut wurde. Geradeaus durchfahren wir Archshofen, passieren den Weiler Craintal und gelangen nach Creglingen.Die Herrgottskirche Am Rand des alten Stadtkerns stoßen wir auf die Hauptstraße, die nach links zu der außerhalb der Stadt stehenden Herrgottskirche führt (hin und zurück 2,5 km).Erbaut wurde sie an derjenigen Stelle, an der Ende des 14. Jahrhunderts beim Pflügen eine Hostie gefunden wurde. Die Einnahmen der Wallfahrtskirche stiegen im 15. und 16. Jahrhundert durch den Verkauf von Ablassbriefen an – gegen eine quittierte Geldzahlung wurden die Sünden erlassen –, sodass der einfache Steinaltar, Aufbewahrungsort der aufgefundenen Hostie, um 1510 mit einem Altaraufsatz aus der Werkstatt Tilman Riemenschneiders gekrönt wurde. Dieser Altar mit beweglichen Flügeln und reichem Rankenwerk gehört zu den bedeutendsten Werken der altdeutschen Kunst. An der Außenmauer der Kirche ist zwischen Chor und Schiff ein Treppenturm mit Außenkanzel zu sehen, von der aus Bußpredigten gehalten und Ablassbriefe verkauft wurden.Wer sich lieber mit weltlichen Dingen beschäftigt, kann gegenüber der Kirche im Fingerhutmuseum Fingerhüte aus den unterschiedlichsten Materialien und verschiedenen Erdteilen bewundern. Creglingen: Die Stadt, als »kleine Schwester Rothenburgs« bezeichnet, war im Mittelalter ebenfalls mit einer teilweise doppelten Mauer und 15 Türmen befestigt. Der Schlosserturm, der Faulturm und der Lindleinturm sind noch erhalten, doch der größte Teil der Mauer wurde im 19. Jahrhundert abgerissen. In der kleinen Altstadt fallen mehrere Fachwerkhäuser auf, u.a. das Stahl’sche Haus, eines der ältesten Häuser Creglingens, neben der Kirchenstaffel beim einstigen Schloss, das im Jahr 1734 umgebaut wurde und in dem man im Café Schloßbäck einkehren kann.Über Bieberehren nach Röttingen Zur Fortsetzung der Tour folgen wir in Creglingen unmittelbar vor der Taubertalbrücke nach links der Kieselallee. Entlang des Flusses gelangen wir in die Ortschaft Klingen, überqueren die Tauber, steigen kurzzeitig etwas an und erreichen auf dem Talgrund Bieberehren, das sich an der Straße entlangzieht. Am auffälligen Fachwerk-Rathaus mit Glockentürmchen biegen wir links ab und folgen dem Radweg nach Röttingen, das ebenfalls befestigt war mit einer 14-türmigen Stadtmauer; sieben Wehrtürme sind noch erhalten. Sehenswert ist auch der Marktplatz mit dem Rathaus (1750), in dem eine Ausstellung über die Regionalgeschichte informiert.Durch Weinanbaugebiet nach Weikersheim Am Marktplatz in Röttingen halten wir uns links, verlassen den Ort und erreichen wenig später den Weinort Tauberrettersheim, wo eine Steinbrücke mit sechs Bogen und einem Brückenheiligen auffällt; erbaut wurde die Brücke im Jahr 1733 vom bekannten Barock-Baumeister Balthasar Neumann. An Weinbergen vorbei radeln wir bequem weiter nach Weikersheim zum eindrucksvollen Marktplatz, der um 1710 nach einem Brand in dieser Form angelegt wurde: mitten auf dem Platz ein Rokokobrunnen, an der Stirnseite die gotische Kirche St. Georg, gegenüber der Zugang zum Schloss mit Arkadenbauten, an den Seiten hübsche barocke Häuser wie der Kavalierbau, das heutige Rathaus, und der Kornbau mit dem Tauberländer Dorfmuseum, das Möbel, Trachten und Arbeitsgeräte aus dem 18. und 19. Jahrhundert zeigt. Das für Besucher zugängliche Schloss gilt als eines der bedeutendsten Renaissanceschlösser Deutschlands. Durch den Ausbau einer mittelalterlichen Wasserburg entstand ab Ende des 16. Jahrhunderts dieses Schloss, dessen Innenausstattung aus dem 17./18. Jahrhundert fast vollständig erhalten ist. Der Garten wurde nach dem Vorbild von Versailles im barocken Stil angelegt mit Statuen, Blumenrabatten und einer Orangerie.

BADEMÖGLICHKEITEN Weikersheim.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour35 km
Höhenunterschied200 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktRothenburg ob der Tauber.
EndpunktWeikersheim.
TourencharakterDer rund 100 km lange Taubertalweg von Rothenburg ob der Tauber nach Wertheim am Main gehört zu den Klassikern der mehrtägigen Radwanderstrecken in Baden-Württemberg, bietet er doch Radlern guten Service – ausgezeichnete Radmarkierung, Rastplätze und Gasthöfe, die auf Radfahrer eingestellt sind – und intakte Landschaft, vor allem im oberen Abschnitt des Tals. Kulturelle Glanzpunkte sind das mittelalterliche Bilderbuchstädtchen Rothenburg, die Riemenschneider-Altäre in Detwang sowie Creglingen und das ehemalige Residenzstädtchen Weikersheim mit Schloss. Will man sich alle Sehenswürdigkeiten ansehen, lässt sich die Tour problemlos in zwei bequeme Etappen einteilen.
Hinweise
BADEMÖGLICHKEITEN - Weikersheim.
KartentippRadwanderkarte des Landesvermessungsamts Baden-Württemberg, Blatt 57 (Tauber-Hohenlohe), 1 - 100000.
Markierungen»Liebliches Taubertal – der Klassiker«.
VerkehrsanbindungPkw - A81 Kreuz Weinsberg–Würzburg, Ausfahrt 5 (Boxberg); Landstraße nach Bad Mergentheim, B19 in Richtung Würzburg und in Igersheim rechts abbiegen; Parkplatz in Weikersheim an der Stadtmauer. Bahn: Weikersheim ist Station an der Linie Wertheim–Crailsheim; Rothenburg ist Endstation einer von Würzburg und einer von Neustadt an der Aisch herführenden Linie. Transfer: Weikersheim–Rothenburg, Europabus mit Radanhänger auf der Romantischen Straße, 1. April–31. Okt. in Weikersheim (Marktplatz) Abfahrt gegen 11 Uhr (Tel. 069/790300, www.deutsche-touring.de); Radtouristik Skazel, Personen- und Radtransport in Kleinbussen, 15. April–15. Okt. (Tel. 09341/8969397, www.skazel.de).
GastronomieIn Rothenburg, Detwang, Bettwar, Tauberzell, Archshofen, Creglingen, Bieberehren, Röttingen, Tauberrettersheim, Weikersheim.
Tipps
TILMAN RIEMENSCHNEIDER - Drei geschnitzte Altäre des bekannten Bildschnitzers und Bildhauers Tilman Riemenschneider (1460–1531) können auf dieser Radstrecke bewundert werden: in der St.-Jakobs-Kirche in Rothenburg ob der Tauber, in Detwang und in Creglingen. Tilman Riemenschneider, in Osterode in Norddeutschland geboren, zog nach seiner Lehrzeit als Holzschnitzer und Steinbildhauer als Handwerksgeselle durch Süddeutschland und ließ sich im Jahr 1483 in Würzburg nieder. Dort gründete er eine Werkstatt, in der zeitweilig zwölf Gesellen tätig waren. Er war einer der ersten Bildschnitzer, der auf die Vergoldung und Bemalung des Holzes verzichtete.KULINARISCHER JAHRESKALENDER: Mehrere Gaststätten im Taubertal bieten das ganze Jahr über wechselnde regionale Spezialitäten mit dazu passenden Getränken an, im Winter beispielsweise Kochkäs und Apfelmost, im Mai Spargel und Maibowle, im Juli Grünkerngerichte mit Radler-Bier, im September selbst gebackenen Kuchen mit Obst von den Streuobstwiesen.Auskünfte und Adressen der beteiligten Gastronomiebetriebe unter www.liebliches-taubertal.de
Tourismusbüro
Touristikgemeinschaft Liebliches Taubertal, Gartenstr.1, 97941 Tauberbischofsheim, Tel. 09341/82-5806, www.liebliches-taubertal.de

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