Von Oranienburg nach Zehdenick

Die familienfreundliche Radtour führt uns heute durch ruhige Waldgebiete und orientiert sich dabei an drei Wasserkanälen. Unterwegs genießen wir die bestens ausgebauten Radwege Brandenburgs.
36 km
30 m
4.00 h
Von Oranienburg nach Liebenwalde.
In Oranienburg zum Lehnitzsee fahren und dem Radweg bis Friedrichsthal folgen. Dann die Grabowseebrücke überqueren und längs des Oder-Havel-Kanals bis zum Dorf Bernöwe und weiter zur L 21 Berliner Straße radeln. Dort links auf der Landstraße bis Liebenwalde steuern.
In Oranienburg (Bhf.) starten wir an der K 6504 Lehnitzstraße und radeln an der Ampel rechts in die Andre-Pican-Straße. Als Nächstes unterschreiten wir die Schienen der S-Bahntrasse und passieren die T.U.R.M. Erlebniscity. In der großen Anlage können Sie sich zwischen 9–22 Uhr im Erlebnisbad erholen, in einer Saunalandschaft relaxen oder bei verschiedenen Hallensportarten austoben. In mehreren Restaurants wird hier für das leibliche Wohl gesorgt. Dann erreichen wir eine Kreuzung, an der sich die Radroute nach rechts in die Heidelberger Straße fortsetzt. Hier besteht die Möglichkeit zum ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen zu fahren.
Abstecher zur Gedenkstätte Sachsenhausen.
Wir folgen dem Straßenverlauf der Andre-Pican-Straße geradeaus, überqueren die Bernauer Straße und erreichen die Straße Der Einheit, der wir in die gleiche Richtung folgen. Nach 2Kilometern zweigt rechts die Straße Der Nationen ab, die uns zum ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen führt.
Von 1936 bis 1945 wurden hier mehr als 200 000 Menschen inhaftiert. Zehntausende wurden ermordet oder starben an Hunger, Zwangsarbeit, Krankheiten und Misshandlungen. Das KZ wurde bis 1950 als sowjetisches Speziallager weitergeführt. 1961 wurde die Mahn- und Gedenkstätte eingeweiht. Seit 1993 kann sich der Besucher durch ein neu gestaltetes Museumskonzept die Geschichte dieses Ortes begreiflich machen.
Öffnungszeiten der Gedenkstätte: 15. März–14. Okt. täglich 8:30– 18 Uhr, Mo sind die Museen, das Archiv und die Bibliothek geschlossen (die Open-Air-Dokumentationen sowie das Besucherinformationszentrum sind geöffnet); Straße der Nationen 22, Tel. 03301/20 00, www.gedenkstaette-sachsenhausen.de.
Zurück am Radfernweg Berlin–Kopenhagen fahren wir in die Heidelberger Straße ein, der wir gute 400 Meter folgen, um dann rechts auf die Wörthstraße zu fahren.
Im Nu ist der Lehnitzsee erreicht, dessen Ufer wir links auf der Fahrradstraße folgen. Nach der Grünanlage biegen wir rechts auf die Mainzer Straße, von der wir geradewegs in ein Wäldchen hineinsteuern. Hier geht es über eine kleine Brücke und weiter zum Waldhaus am Lehnitzsee, das mit einem Biergarten lockt.
Wir reisen weiter, mühen uns eine kurze Rampe hinauf und stehen an der B 273. Hier an der Lehnitzschleuse zeigen die Radschilder geradeaus und schicken uns in eine 3,2 Kilometer lange Passage längs des Oder-Havel-Kanals, bei der wir eine Eisenbahnbrücke unterqueren. Dann erreichen wir eine Straßenbrücke, welche uns zum rechten Ufer auf eine ausgewiesene Fahrradstraße führt. Hier treffen wir auf den verfallenen Gebäudekomplex der Heilstätten Grabowsee, wo wir die Abzweigung nach links auf den geteerten Asphaltweg nehmen. Nach vier ruhigen Waldkilometern wird Bernöwe erreicht. Hier folgen wir der gleichnamigen Straße geradewegs in das Dorf hinein und nutzen dort die Wittenberger Straße, welche wieder als spezielle Fahrradstraße ausgewiesen ist.
Die nächsten sieben Kilometer radeln wir durch den rund 750 Quadratkilometer großen Naturpark Barnim . Das Großschutzgebiet wird landschaftlich geprägt durch große Wälder, zahlreiche Seen, fruchtbare Offenlandschaften und Moore. Am Ende des Waldstücks treffen wir auf den Bernöwer Weg, der sogleich von der L 21 Berliner Chaussee aufgenommen wird. Jetzt überqueren wir die Straße und benutzen den links nach Liebenwalde laufenden Begleitradweg. Dieser setzt zunächst über den Oder-Havel-Kanal, läuft längs einer der stillgelegten Bahntrassen und punktet mit einer netten Baumallee, welche zu beiden Seiten schöne Blicke über offene Wiesen und Felder gewährt. Bei unserer Fahrt durch Liebenwalde geleitet uns die L 21, die nun Berliner Straße heißt, weiterhin geradeaus, überquert dabei den Kanal Langer Trödel. Wir erreichen so eine große Wegkreuzung, in die wir nach links auf die Ernst-Thälmann- Straße einfahren.
Von Liebenwalde nach Zehdenick.
Nach mehreren Schwenks den Ort in Richtung Bischofswerder verlassen. An der Schleusenanlage über dem Vosskanal und sich dessen Lauf bis ans Etappenziel Zehdenick anschließen.
Die Ernst-Thälmann-Straße wird zu beiden Seiten von nahtlos aneinanderstehenden Häusern eingefasst, die einen schönen Rahmen für den Marktplatz, das Rathaus (1879) und die klassizistische Pfarrkirche von 1835 bilden. Hier in Liebenwalde lohnt ein Besuch des ansehnlichen Heimatmuseums , das im ehemaligen Stadtgefängnis untergebracht ist. Zu sehen gibt es zahlreiche Exponate der Orts-, Kirchen- und Vereinsgeschichte. Weitere Schwerpunkte sind die Binnenschifffahrt und die Heidekrautbahn (Öffnungszeiten: Mo–So 10–16 Uhr, Nov.–Mai Mo/Sa geschlossen).
Nachdem wir unseren Wissensdurst gestillt haben, radeln wir über den Marktplatz in Richtung Kirche und biegen dort rechts in die Breite Straße. Wenn diese sich nach links biegt, ist die Rudolf-Breitscheid- Straße erreicht, die uns zum Stadtrand geleitet. Dort folgen wir dem Bischofswerder Weg geradeaus und orientieren uns dabei an der Beschilderung nach Bischofswerder. So steuern wir durch den Weiler Heidchen und überqueren den Vosskanal an der Schleusenanlage Bischofswerder. Ab da geht es über 11 Kilometer direkt an der Wasserstraße entlang – perfekt, um einfach einmal die Seele baumeln zu lassen. Weit und breit keine störenden Autos, kein Lärm, der Blick schweift über eine offene Felder- und Wiesenlandschaft, die von langen Baumreihen durchzogen ist.
Der Vosskanal ist Teil der Oberen Havel-Wasserstraße. Dieses knapp 100 Kilometer lange Wasserstraßennetz nutzt die natürlichen Gewässer der Region wie Seen und Flüsse. Ab dem 17. Jahrhundert wurden diese durch künstliche Kanäle verbunden und schiffbar gemacht. Große Bedeutung erlangte die Transportstrecke, als in Berlin im 19. Jahrhundert ein wahrer Bauboom einsetzte. So konnte ein Großteil der benötigten Ziegel von den nahen Tongruben bei Zehdenick schnell angeliefert werden. Heute geht es beschaulicher zu und so ist der Wasserweg ein Paradies für Freizeitkapitäne und Langstrecken-Paddler.
Dann kündigen Wohnhäuser den Etappenort Zehdenick (Bhf.) an. Hier biegt unsere Radstrecke nach links, überschreitet eine Brücke aus Ziegelsteinen und folgt der Straße Freiache, bis rechts die Parkstraße abgeht. Diese löst sich nach 200 Metern auf und wir steuern in die Clara-Zetkin-Straße, welche uns rechts zum ehemaligen Zisterzienserinnen Kloster (A) bringt. Gegründet wurde das Stift 1249 und zählt damit zu einem der ältesten Nonnenklöster in Brandenburg. In den Jahrhunderten war es gezeichnet durch Plünderungen, Reformation, Kriege, Pest, Brände und Wiederaufbau. Heute ist es eine kirchliche Stiftung, die von der evangelischen Kirche beaufsichtigt wird. Die Räume werden zum größten Teil als Wohnraum für kirchliche Mitarbeiter genutzt. Sehenswert sind die Ruinen des Ostbaus aus dem 13. Jahrhundert, der Kreuzgangflügel sowie die Klostergalerie (Öffnungszeiten: Außenanlage jederzeit zugänglich, Kreuzgang täglich von 10–17 Uhr, Galerie Mi–So 13–18 Uhr).
Nachdem wir uns in der alten Anlage umgesehen haben, setzen wir unseren Weg rechter Hand fort und folgen der verlängerten Klosterstraße bis zum Ufer der Havel. Dort angelangt schwenken wir nach links, rollen am Sportplatz vorüber und erreichen wenig später das Wahrzeichen von Zehdenick, die Hastbrücke (B). Seit Ende des 13. Jahrhunderts sichert die Stadt einen Übergang über die Havel, dem im 19. Jahrhundert eine hölzerne einflügelige Zugbrücke folgte. 1991 wurde die Brücke durch eine zweiflügelige Stahlkonstruktion ersetzt. Wir gehen dem Fluss rechter Hand zur Schleusenanlage (C) nach, die seit 1813 besteht. Hier befindet sich auch der Stadthafen (D) und ein paar Hundert Meter entfernt die idyllische Havelinsel. Sie gilt als älteste besiedelte Stelle in Zehdenick und beherbergt das Havelschloss (E). Heute genießen Gäste des Restaurant- und Hotelbetriebs den Blick auf den beschaulichen Fluss.
Der Weg führt uns zurück in Richtung Tourist Information, die in der Elisabethmühle (F), einer ehemaligen Getreidemühle, untergebracht ist. Neben der Mühle liegt das Schiffermuseum Carola (G) vor Anker. Die interessante Ausstellung lädt ein, die Geschichte der Flussschifffahrt mit vielen Schiffsmodellen, historischen Bauzeichnungen und Werkzeugen kennenzulernen (Öffnungszeiten: April– Okt. Di–So 10–17 Uhr, Tel. 03307/28 77). Am Markt befindet sich das zweigeschossige Rathaus (H). Auf dem 2006 neu gestalteten Kirchplatz beenden wir unsere Stadtbesichtigung mit einem Blick in die evangelische Kirche (I) aus dem 13. Jahrhundert, aus deren Zeit jedoch nur noch das Unterteil des Breitturms steht.

Etappe auf einen Blick.
km 0 Oranienburg, längs des Lehnitz Sees, dann dem Oder-Havel-Kanal folgen, km 11 Bernöwe, stille Waldfahrt später entlang der L21 nach Liebenwalde, km 21 Liebenwalde, gemütliches Teilstück am Vosskanal, km 30 Krewelin, weiter am Wasser nach Norden folgen, km 36 Zehdenick, am Ortseingang erwartet uns das alte Zisterzienserinnenkloster.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour36 km
Höhenunterschied30 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
StartortOranienburg
AusgangspunktOranienburg
EndpunktZehdenick
TourencharakterAuf der dritten Etappe erwarten uns prächtige Naturpassagen entlang beschaulicher Wasserkanäle. Während wir zu Beginn der Etappe noch durch den waldreichen Naturpark Barnim radeln, erfreuen wir uns später an offenen Landstrichen.
Hinweise
Bademöglichkeiten entlang der Strecke.
KartentippTopografische Freizeitkarte 1:50 000, Naturpark Barnim, ISBN 978-3-7490-4092- 6, www.geobasis-bb.de
VerkehrsanbindungOranienburg ist per Bahn über Berlin gut zu erreichen. Mit dem Auto fahren Sie auf der A 10 bis zum Kreuz Oranienburg.
GastronomieLiebenwalde: Sacher’s-Restaurant & Café, Rudolf-Breitscheidstr. 4, Tel. 033054/ 207 84. Zehdenick: Havelschloss, Schleusenstr. 13, Tel. 03307/31 03 58 59; Haus Vaterland, Berliner Str. 31, Tel. 03307/ 22 19.
Verleih
In Oranienburg – Fahrrad-Center-Hebestreit, Bötzower Platz 7, Tel. 03301/58 28 85; Klaas Mario, Bernauer Str. 10, Tel. 03301/70 38 30.
Unterkunft
Liebenwalde: Best Western Hotel Liebenwalde, Bischofswerder Weg 12, Tel. 033054/870, www.hotelliebenwalde.bestwestern.de. Zehdenick: Pension am Stadtpark, Grünstreifen 19, Tel. 03307/30 16 20, www.pension-stadtpark.de; Hotel Klement, Berliner Str. 29, Tel. 03307/31 00 81.
Tourismusbüro
Fremdenverkehrsverein Zehdenick e.V., Schleusenstr. 22, Tel. 03307/28 77, www.fremdenverkehrsbuerozehdenick.de

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