Von Oberstaufen nach Immenstadt im Allgäu

Auf der dritten Etappe rollen wir durch den weiten Talboden der Konstanzer Ache bergab in Richtung Immenstadt und erfreuen uns an dem prächtigen Bergpanorama. Unumstrittenes Highlight der Etappe ist der Große Alpsee, der kurz vor dem heutigen Ziel zu einem Bad einlädt. (Autor: Thorsten Brönner)
18 km
120 m
1.00 h

Entdeckungstour durch Oberstaufen

Oberstaufen in Richtung Kalzhofen verlassen. Dort in die rasante Abfahrt und über Wengen zur Eisenbahnunterführung. Jetzt scharf links abbiegen und Knechtenhofen, Salmas und Lamprechts in Richtung Wiedemannsdorf durchfahren.

In Oberstaufen (Bhf.), das im Jahre 868 erstmals erwähnt wurde, lohnt es sich, zu einer kleinen Entdeckungstour aufzubrechen. In der Marktgemeinde gibt es zahlreiche historische Bauwerke zu bestaunen. Wir starten am Bahnhof und gelangen rechts in den Färberweg, wo wir das Färberhaus erreichen. Bereits 1540 ist belegt, dass in Oberstaufen das Handwerk der Färber ansässig war. Durch den im Allgäu weit verbreiteten Flachsanbau fanden viele Menschen in der Textilverarbeitung ihr Auskommen.

Ein Stück weiter passieren wir das Erlebnisbad Aquaria und gelangen zur schmucken Lourdes-Kapelle. Wenn wir auf der Schlossstraße nach Osten gehen, kommen wir zum Kirchplatz mit seinen alten Bürgerhäusern, Gasthöfen sowie dem Marktbrunnen, der an die Markterhebung durch Kaiser Friedrich III. im Jahre 1453 erinnert. In der zwischen 1859 und 1863 erbauten Pfarrkirche Sankt Peter und Paul überrascht der bemerkenswerte Zelebrationsaltar. Dahinter sehen Sie eine monumentale Kreuzigungsgruppe mit ihren bis zu 5,20 Meter hohen Figuren, die Heinrich Iselin zugeschrieben werden und zu den größten Skulpturen der Spätgotik zählen.

Als Nächstes folgen wir der Kalzhofer Straße über die Bahngleise, gelangen so in den Jugetweg, wo das Museum »Beim Strumpfar« den Abschluss unserer Runde durch Oberstaufen bildet. Das dunkelbraune, liebevoll restaurierte Bauernhaus aus dem Jahre 1788 beherbergt heute das Heimatmuseum und stellt die Tätigkeit der Strumpfwirker mit verschiedenen Arbeitsgeräten, wie Wollhaspel, Spinnrad, Zwirnmühle oder Strumpfwirkerstuhl, informativ vor. Eine originalgetreue Schnapsbrennerei, Küferei und eine Käserei runden die lehrreiche Besichtigung ab (geöffnet Mi/Fr 15–17 Uhr, So 10–12 Uhr).

Tourstart in Oberstaufen

Der Tourstart erfolgt an der Isnyer Straße, von der wir in die Bürgermeister-Hertlein-Straße einfahren. Ab der nächsten Kreuzung benutzen wir den Radweg entlang der Kalzofer Straße (links) bis zum gleichnamigen Ort. Dort wählen wir die Rechtsabzweigung in die Klosterstraße. Der parallel verlaufende Radweg neigt sich stark und wir berauschen uns auf der rasanten Abfahrt hinunter nach Wengen. Hier heißt es nun aufpassen: Nach dem Ortsende wird die Eisenbahnbrücke unterfahren und noch vor der B 308 geht es scharf links in den verkehrsarmen Nebenweg, der geradewegs durch das Tal der Konstanzer Ache nach Osten verläuft. Auch wenn es auf unserem Sträßchen friedlich zugeht, dringt auf den anstehenden vier Kilometern immer wieder ein lästiges Verkehrsrauschen von der nahen Bundesstraße zu uns herüber.

Die nächste Station entlang der Strecke ist das lang gestreckte Dorf Knechtenhofen. Zu sehen gibt es eine Kapelle am Wegesrand und daneben stoßen wir auf das Bauernhausmuseum. Bereits von außen beeindruckt das »s’Huimatle« mit seiner braun gebrannten Holzfassade und 80 Zentimeter langen Legschindeln aus Alaska-Zedern. Das 1979 vom Heimatverein hergerichtete bäuerliche Anwesen erzählt heute vom einst beschwerlichen Leben der Bauern auf dem Land. Im Einzelnen zeigt das Museum authentisch eingerichtete Räume wie Küche, Stube, Schlafzimmer und Käsekeller. Im Obergeschoss gibt es einen Webstuhl und ferner Gerätschaften für den Flachsanbau zu sehen (geöffnet Mai–Okt. So 10–12 Uhr und Mi 14–16 Uhr). Nach unserem Ausflug in die Geschichte setzen wir die Fahrt entlang der Bahntrasse nach Osten fort und durchqueren dabei die Weiler Salmas und Lamprechts und erreichen schließlich Wiedemannsdorf.

Von Wiedemannsdorf nach Immenstadt

Ab Wiedemannsdorf auf der schmalen Fahrstraße den Bahngleisen weiter nach Osten folgen und dabei Trieblings passieren. Am Ende des Großen Alpsees nach Bühl am Alpsee und auf dem straßenbegleitenden Radweg bis nach Immenstadt hinein.

Am östlichen Ortsende von Wiedemannsdorf überqueren wir auf der Salzstraße die Eisenbahnstrecke, biegen links in den Moosweg und queren auf ihm nach 600 Metern erneut die Schienen. Die Bundesstraße entfernt sich vom Bodensee-Königssee-Radweg und wir genießen die stille Fahrt durch den weiten Talboden. Ein guter Weg, moderate Steigungen, unverstellte Blicke auf die nahen dunkelgrünen Waldberge, hier und da Kuhglockengeläute – wieder ein Teilstück, das zum Bummeln verleitet. Als wäre das noch nicht genug, so wird dieser Naturgenuss vom rechter Hand auftauchenden Großen Alpsee noch übertroffen.

Das Voralpengewässer ist 3,27 Kilometer lang und rund einen Kilometer breit und liegt in West-Ost-Ausrichtung eingeklemmt in einem engen Taleinschnitt. Im Norden wachsen die Hänge eines flachen Hügelzugs direkt aus dem Wasser empor und im Süden prägt das 1.490 Meter hohe Immenstädter Horn das Landschaftsbild. Das Wassersportmekka des Landkreises Oberallgäu ist bei Badegästen, Seglern und Surfern gleichermaßen beliebt. Über den Bahnübergang am Ortsausgang von Trieblings gelangen Radler, die sich in die kalten Fluten stürzen wollen, direkt an das Wasser.

Der verlockende Pfad, der von hier aus direkt am Ufer des Alpsees nach Osten führt, ist leider Wanderern vorbehalten. Wir bleiben nördlich des Schienenstrangs und halten uns an die Radbeschilderung. So folgen wir bei welliger Topografie dem wieder breiter werdenden Asphaltweg. Die nächste Bademöglichkeit ergibt sich kurz vor Bühl am Alpsee, wo ein schmaler Weg unter der Eisenbahnstrecke hindurch zur Seepromenade führt. Wahlweise kann man auch im Freibad am Kleinen Alpsee schwimmen. Zuvor müssen wir aber noch auf dem Trieblingser Weg bleiben. Wenn dieser endet, folgen wir dem Routenverlauf nach links, radeln die 200 Meter lange Straße »In der Hub« entlang und unterqueren die St 2006, der wir auf dem parallel verlaufenden Radweg folgen. Nach 600 Metern geht rechts ein Weg zum Freibad ab.

Wir bleiben auf dem Radweg und erreichen das Etappenziel Immenstadt (Bhf.). Nach der Brücke über die Konstanzer Ache, die die beiden Seen entwässert, gelangen wir an einen Kreisverkehr. Hier benutzen Sie die zweite Abfahrt Montfortstraße. Um ins Zentrum zu gelangen, verlassen wir die B 308, die einen Linksknick vollzieht, und folgen geradeaus der Hofgartenstraße. Diese mündet in die Alleestraße, von dort geht es rechts ab. Schließlich folgen wir der Straße, bis diese in einer Linkskurve in die Bahnhofstraße übergeht und uns geradewegs zum Marienplatz führt.

Weiter zur 4. Etappe: Von Immenstadt im Allgäu nach Nesselwang


GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour18 km
Höhenunterschied120 m
Dauer1.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktOberstaufen
EndpunktImmenstadt im Allgäu
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte, Lindau-Oberstaufen (1:50 000), www.geodaten.bayern.de; Radwanderkarte Bodensee-Königssee- Radweg (1:50 000), www.publicpress.de
MarkierungenBlauer Schriftzug »Bodensee-Königssee-Radweg« auf weißem Grund; durchgehend gleiche Markierung bis zum Königssee
VerkehrsanbindungAuto: bis Kempten auf der A 7 und anschließend über die B 19 und die B 308 nach Oberstaufen
Bahn: Bahnreisende erreichen Oberstaufen über München oder Lindau 
GastronomieWiedemannsdorf: Webstüble
Immenstadt: Hofgarten Restaurant, Pizzeria Gargano, Gasthof Engel
Tipps
Historischer Rundgang durch Immenstadt
Die erste urkundliche Nennung der Siedlung »Imendorf« erfolgte 1275. Strategisch günstig an der Salzstraße von Hall in Tirol zum Bodensee gelegen, blühte der unter Kaiser Karl IV. zur Stadt erhobene Marktflecken schnell auf. Das »Städtle«, wie Immenstadt von den Einheimischen liebevoll genannt wird, gehörte zeitweise zu Österreich und weist eine umfangreiche Bausubstanz aus dem Mittelalter auf. Unsere Runde beginnen wir am Marienplatz, an dem sich das 1550 errichtete Stadtschloss befindet. In diesem dreigeschossigen Rechtecksbau zieren ansprechende Stuckarbeiten den Rittersaal, der heute die Stadtbücherei beherbergt. In dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude befindet sich auch die Gästeinformation. Davor imponiert die Mariensäule, die von Hugo Graf zu Königsegg-Rothenfels im Anschluss an eine verheerende Pestepidemie gestiftet wurde, welche Immenstadt in den Jahren 1628 bis 1635 heimsuchte. Die achteckige Brunnenanlage unterhalb des Sockels wurde 1988 installiert. Die bronzenen Figuren stellen lokale Gewerbezweige, landwirtschaftliche Themen und verschiedene Handwerke dar. Der dahinter aufragende, barocke Zwiebelturm gehört zur Pfarrkirche St. Nikolaus. Die Kirche, die nach mehreren Bränden wiedererrichtet wurde, zählt zu den größten Sakralbauten des oberen Allgäus. Sie trägt die Handschrift verschiedener Allgäuer Künstler, die das beeindruckende Kuppelfresko, den Hochaltar sowie die beiden »Pestheiligen«, St. Sebastian und St. Rochus, schufen. Ebenfalls sehenswert ist die Gräfische Hofmühle, ein paar Gassen nördlich an der Achen gelegen. Die »müli ze Ymmenstatt«wurde 1451 erstmals erwähnt. Über fünf Jahrhunderte verrichtete der Zweckbau seinen Dienst als Sägemühle, später als Papiermühle und letztendlich nach einem Umbau als Achsenschmiede. Die Mühlen, die lange im Besitz der Grafen zu Königsegg-Rothenfels waren, welche die Wasserrechte innehatten, wirtschafteten sehr ertragreich. Heute beheimatet das Baudenkmal das Museum Hofmühle. Auf über 1.000 Quadratmetern wird eine umfangreiche Sammlung vorgestellt, die für Kinder genauso interessant ist wie für Erwachsene. Ausstellungen zu den Themen Ritterburgen, Wasser, Handelsort Immenstadt, mechanische Bindfadenfabrik oder »Die Berge« machen das Mühlenmuseum zu einem Pflichtstopp für wissbegierige Radler. Auch in der neuen Abteilung »Immenstadt im Industriezeitalter« gibt es viel zu sehen und zu erkunden (geöffnet Mi–So 14–17 Uhr). 
Verleih
Oberstaufen: Oli’s Ski- und Bikeshop, Rainwaldstr. 1, Tel. 08386-961064, www.olis-bikeshop.de; Hofmann, Lamprechts 6, Tel. 08325-780, www.hofmann-im-web.de
Unterkunft
Bühl: Hotel Rothenfels, Missener Str. 60,
Tel. 08323-91 90, Landhaus Mosmang, Rieder Steige 5, Tel. 08323-89 38
Immenstadt: Hotel Drei König, Marienplatz 11,
Tel. 08323-86 28, Gasthof Engel, Salzstr. 4,
Tel. 08323-78 81
Tourismusbüro
Gäste-Information Immenstadt, Marienplatz 12, Tel. 08323-914176, E-Mail: info@immenstadt.de, www.immenstadt.de
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