Von Neubeuern nach Kufstein

Wunderschöne, aber aufgrund ihrer Länge anstrengende Radtour, überwiegend auf geschotterten, autofreien Radwegen. Keine Höhenmeter, Abkürzung mit der Innfähre möglich. Am besten den ganzen Tag einplanen. (Autor: Lisa und Wilfried Bahnmüller)
An der modernen Stahlbrücke, die sich über den Inn spannt, beginnt die heutige Tour. Wir radeln am westlichen Ufer in die Werkstraße hinein. Nach dem Steinwerk halten wir uns nun stur geradeaus flussaufwärts. Wir queren die Autostraße nach Nußdorf und schieben am besten an einer der Treppen die Räder hinauf zur Dammkrone, denn dort haben wir die weitaus schönere Sicht auf den Fluss und die umliegenden Berge. Nach ca. 9 km weitet sich der Fluss und ist jetzt von kleinen Inseln und Schilfzonen durchsetzt, am anderen Ufer erhebt sich der Heuberg. Hier lohnt sich nun der erste Abstecher zum Gletscherschliff, für den wir einfach der Beschilderung unter der Autobahn hindurch folgen. Der Gletscherschliff wurde erst in den 60er-Jahren beim Bau der Inntalautobahn entdeckt und freigelegt. Deshalb ist das Geotop auch noch so gut wie neu und kaum verwittert. Hinweistafeln erklären die Entstehung des Gletscherschliffs während der letzten Eiszeit. Weiter radeln wir auf dem Inndamm zunächst noch ruhig dahin, dann stört uns aber die nahe Autobahn ein wenig. Deshalb verlassen wir nach insgesamt ca. 13,4 km (E.ON-Energiestation) das Ufer und biegen rechts in die Unterführung. Auf der anderen Seite folgen wir der kleinen Straße zunächst wieder ein Stück zurück nach Norden, am Klärwerk und einem Badeweiher vorbei und biegen dann vor den Gleisen links in die Straße ein. Dabei sollten wir aber noch einen Blick auf die wunderschöne Husarenlinde mit dem eingewachsenen Kreuz werfen; die Legende zu dem stattlich gewachsenen Baum steht auf einer kleinen Tafel daneben. Jetzt ist es nicht mehr weit, unter den Schienen hindurch, und schon sind wir in Niederaudorf mit seinen schönen alten Bauernhäusern und der Dorfkirche. An der Kirche halten wir uns links und biegen danach erneut links in die Dorfstraße ein. Wir passieren den großen Gasthof und fahren an der Tankstelle für 100 m rechts und dann links in den Klosterweg, am Mauthäusl vorbei nach Reisach.Kloster Reisach ist das letzte der vielen bayerischen Klöster entlang des Inns. Majestätisch ragen auf der gegenüberliegenden Uferseite die nahen Tiroler Berge mit dem Zahmen und dem Wilden Kaiser in die Höhe. Das Kloster gehört dem Karmeliterorden. Die Altäre der Klosterkirche stammen von Johann Baptist Straub, dem Lehrer von Ignaz Günther. Besonders beeindruckend ist die Darstellung am Seitenaltar mit der legendären Himmelfahrt des Propheten Elias.Am Kloster vorbei, passieren wir das mittlerweile private Schloss Urfahrn, folgen der Straße und biegen am Hansebauer links in die Straße. Jetzt orientieren wir uns wieder stur am Inntalradweg-Schild. An der Innschifffahrt-Anlegestelle von Oberaudorf treffen wir erneut auf den Fluss. Nun ist es nicht mehr weit, und wir sind in Kiefersfelden, dem bayerischen Grenzort. Dort müssen wir an den Tennisplätzen auf einem schmalen Pfadweg die einfließende Mündungszone des Flusses Kiefer umrunden. Kurz danach überquert die Autobahn den Fluss. Hier müssen wir uns nun entscheiden, ob wir mithilfe der Innfähre ans andere Ufer übersetzen und direkt mit der Rückfahrt beginnen oder ob wir – was viel schöner ist – die letzten knapp 5 km bis Kufstein mit dem Rad bewältigen.Das Wahrzeichen Kufsteins, die Festung mit dem mächtigen Kaiserturm, begrüßt uns schon von Weitem über den Fluss. In Kufstein wechseln wir an andere Ufer und radeln nun auf der östlichen Innseite zurück. Nach knapp 10 km verlassen wir kurz hinter der Staustufe Oberaudorf/Ebbs das Flussufer. Wir folgen der Radwegbeschilderung, zunächst entlang eines kleinen Baches, dann die Autostraße kreuzend, über Felder und durch Zollhaus bis nach Mühlgraben, einem Ortsteil von Erl/Ebbs. laues Wunder: Bevor wir gleich am Ortsanfang links auf den Radweg einbiegen, können wir noch 200 m geradeaus zum Gasthaus zur Blauen Quelle radeln. Hinter dem Wirtshaus liegt das namengebende Naturdenkmal. Umrahmt von Bäumen sprudelt glasklares mineralhaltiges Wasser (700 l/sec) in allen erdenklichen Grünfärbungen aus dem kleinen Teichbecken. Die Temperatur beträgt konstant 7 °C, und wenn man genau hinschaut, sieht man das Quellwasser an die Oberfläche drängen.Auf dem Radweg kommen wir schon wieder bald an das Innufer. Zum letzten Mal können wir einen Blick auf das moderne Passionsspielhaus von Erl werfen, bevor es nun fast schnurgeradeaus für 15 km gen Norden geht. Vereinzelte Sanddornbüsche wachsen am kargen Innuferrand. Ohne es zu merken, passieren wir die bayerisch-tirolerische Grenze. Nur der nachmittägliche Gegendwind macht uns jetzt ein bisschen zu schaffen. Wem die Puste ausgeht, der weicht besser auf den unteren Dammweg aus. Nach der Nußdorfer Straße, der Staustufe und dem Badesee sind wir endlich wieder in Neubeuern. Für einen Abstecher in den Ort verlassen wir hier den Radweg, ansonsten sind wir kurz darauf wieder an unserem Ausgangspunkt, der Innbrücke.

Motto: Wandern am Wasser

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour45 km
Höhenunterschied140 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktNeubeuern, Innbrücke (dort einige Parkplätze)
EndpunktNeubeuern
Tourencharakter50 Jahre ist es her, dass Karl Ganzers Kufsteinlied ein volkstümlicher Hit wurde. Das Ziel und der Höhepunkt unserer heutigen Radtour ist die »Stadt am grünen Inn« bzw. »die Perle Tirols«. Wobei der Inn heutzutage nicht mehr überall grün vor sich hinplätschert, sondern aufgrund der vielen Staustufen träge und stark reguliert dahinfließt. Trotzdem finden wir noch naturbelassene Zonen, mit kleinen Inseln im Fluss, die heute Rückzugsgebiet für seltene Vögel sind. Überdies liegen zwei weitere Naturdenkmäler am Wegrand.
Hinweise
PERLE TIROLS ODER TOR DES SÜDENS? »Der Schlüssel zum Tor des Südens« wurde die eindrucksvolle Burg von Kufstein einst genannt. Mit Recht, denn hatte man die gewaltige Grenzfestung erst einmal passiert, so stand einem auf der Reise nach Italien nichts mehr im Wege. Kein Wunder, dass ein strategisch so wichtiger Grenzpunkt militärisch so gut ausgebaut wurde. Der Ausbau wurde vor allem von Kaiser Maximilian I. vorangetrieben, das Geld dafür stammte aus den nahen Silber- und Kupferbergwerken bei Hall. In den letzten Jahren seiner Regierungszeit entstand der mächtige Kaiserturm mit 66 m Umfang. Erst von innen bekommt man ein Gefühl für die enorme Wucht der Mauern. Beim Blick durch die Schießscharten nach draußen hat man den Eindruck, durch einen Tunnel zu sehen. Aber auf der Festung gibt es noch viel mehr zu entdecken: die große Heldenorgel (Vorführung täglich um 12 Uhr, im Sommer zusätzlich um 18 Uhr), das Kufsteiner Heimatmuseum, den Kräutergarten, die Festungswirtschaft und den schönen Blick von der Wallachenbastion auf die Stadt. Hat man sich von der Burg aus einen Überblick verschafft, so kann man bequem durch das historische Stadtzentrum spazieren oder noch in der berühmten, auch ein wenig kitschigen Gaststätte Auracher Löchl einkehren. Hier soll übrigens damals das Kufsteinlied entstanden sein.TIPP: ABKÜRZUNG PER SCHIFFDie Tour lässt sich zwischen Kufstein und Oberaudorf mithilfe der Innschifffahrt abkürzen. In den Monaten Juli/August fährt das Schiff täglich, sonst nur am Wochenende. Abfahrtszeit ab Kufstein ca. 14.30 Uhr. Genaue Zeiten unter: www.tirol-schifffahrt.at
KartentippBayerisches Landesvermessungsamt, Blatt Allgäu, 1:50 000
VerkehrsanbindungVon München auf der A 8 Richtung Salzburg, Ausfahrt Rosenheim, und über Raubling nach Neubeuern.
GastronomieKufstein: viele Möglichkeiten, bekannt, aber touristisch ist das Auracher Löchl. Ebbs: nettes Gasthaus zur Blauen Quelle
Tipps
BADEMÖGLICHKEITEN: Am Ende der Tour der warme Neubeurer Badesee

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