Von Melk nach Maria Taferl, Artstetten und Leiben

Nach der gemütlichen Einrollphase am Donauufer erfolgt von Marbach der anspruchsvolle Abschnitt durch das weitläufige Hügelland; vor allem der erste Anstieg zur Kirche Maria Taferl ist steil und anstrengend. Zum Ausgleich wird man mit überragenden Ausblicken auf das Donautal belohnt. (Autor: Bernhard Irlinger Michael Reimer WolfgangTaschner)
43 km
680 m
4.00 h
Vom Bahnhof in Melk rollt man die Bahnhofstraße in das nahe Zentrum, wo uns die Kremser Straße über den Kirchplatz links an den Stadtrand führt. Dort folgt man dem Donauradweg geradeaus über die Hubbrücke zum kleinen Fährhafen: dann geht es am rechten Donauufer bis zum Kraftwerk Melk. Auf der rund 500 Meter breiten Schleuse wechselt man das Donauufer und erreicht in gemütlicher Fahrt über Klein-Pöchlarn und Krummnußbaum den Ort Marbach.
Steiler Anstieg zur Kirche Maria Taferl Der 3,5 Kilometer lange Anstieg zur Wallfahrtskirche Maria Taferl beginnt direkt an der Marbacher Uferpromenade. Nach wenigen Hundert Metern passiert man in steiler Hanglage ein Schwimmbad, das jedoch erst ab 13 Uhr öffnet und am Beginn des schweißtreibenden Anstiegs nicht wirklich verlockend ist. Die wenig befahrene Straße windet sich relativ steil nach oben, eine funktionierende Mehrgangschaltung ist unabdingbar. Zuletzt quert man, das Ziel bereits vor Augen, an Obstbäumen vorbei eine Wiese und erreicht den Ort Maria Taferl mit der gleichnamigen Kirche.
Im Vergleich zu den Pilgern im 18. Jahrhundert, die ihre Wallfahrt nur unter großer Mühsal durchführen konnten, bewältigt der gut konditionierte Radler den Anstieg nach Maria Taferl trotz zweistelliger Steigungsprozente ohne Probleme. Wundersame Heilungen hatten den Pilgerstrom seinerzeit in Bewegung gesetzt, zur Blütezeit im Jahr 1760 fanden im Schnitt fast zwei Prozessionen täglich statt. Ein Spiegelbild der Herkunft der Wallfahrer, die teils sogar aus England kamen, liefert die Auswahl an Präsenten in der Schatzkammer. Auch heute strömen bis zu 300000 Pilger pro Jahr zu Maria Taferl, deren Innenräume bis zur 350-Jahr-Feier im Jahr 2010 frisch renoviert werden.
Weiterfahrt zum Schloss Artstetten Einen deutlich kürzeren Weg als die Pilger hatte seinerzeit der später ermordete Erzherzog Franz Ferdinand vom benachbarten Schloss Artstetten; der Thronfolger suchte Maria Taferl mit seiner Familie regelmäßig auf. Zwischen dem Wallfahrtsort und dem Schloss liegen nur sieben Kilometer. Nach der rasanten Abfahrt über Oberthalham nach Unterthalham folgt ein kurzer Gegenanstieg. Vor einer weiteren Abfahrt – Artstetten ist mit seinem Schloss bereits zum Greifen nah – führt nach links ein Teerweg in den Ort. Dort hält man sich abermals links und steuert am Schloss-Gasthof vorbei zuletzt sehr steil zum Schloss empor.
Das Schloss, dessen Mittelbau von sieben Rundtürmen flankiert ist, ist heute in Privatbesitz, die meisten Räume und der Garten sind somit nicht zugänglich. Das im Jahr 1982 gegründete Ferdinand-Museum gibt aber einen lohnenden Einblick in die erzherzögliche Lebens- und Wohnkultur mit ihren verschwenderischen Begleiterscheinungen. Und von der Terrasse des Schloss-Cafés, das mit Wechselausstellungen auch als Kunstforum dient, blickt man in die gepflegten Grünanlagen. Das Café öffnet nachmittags um 14 Uhr, an Wochenenden um 10 Uhr; das Museum selbst ist täglich zwischen 9 und 17.30 Uhr zugänglich (Eintritt, Tel. 07413/80060, www.schloss-artstetten.at).
Über Schloss Leiben zurück in das Donautal Nach der Schlossbesichtigung fährt man zunächst in Richtung Klein-Pöchlarn ab, hält sich dann aber an der Straßengabelung links nach Unterbierbaum. Die kleine Straße führt durch eine Waldpassage und steigt abermals an.
Nach Querung eines Bachtals geht es nach Losau hinauf und geradewegs in den Ort Leiben. Die mächtige Coronakirche am oberen Ortsrand müssen wir nicht erklimmen, dafür rollt man genussvoll durch den Ortskern zum Schloss Leiben hinab. Etwas unterhalb stößt man auf die mäßig befahrene Landstraße nach Weitenegg im Donautal; die drei Kilometer Strecke sind dank des durchgehend leichten Gefälles nur Formsache.
In Weitenegg stößt man wieder auf den Donauradweg. Im Freizeitzentrum Leiben am Fuß der Ruine Weitenegg kann man übrigens mit dem Tretboot auf Tour gehen und im Donaualtarm baden; auch der Altarm bei Luberegg eignet sich für ein erfrischendes Bad. Weiter östlich lohnt, vom Radweg abweichend, ein Abstecher in den alten Ortskern von Emmersdorf. Wenig später überquert man die Donaubrücke und fährt nach Melk zurück.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour43 km
Höhenunterschied680 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBahnhof in Melk.
EndpunktBahnhof in Melk.
TourencharakterWer tagelang am Flussufer der Donau entlanggeradelt ist, freut sich über einen Abstecher in das umliegende Hügelland. Abgesehen von den grandiosen Ausblicken über das sich öffnende Donautal trifft man in Maria Taferl, Artstetten und Leiben auch auf ein bedeutsames Stück niederösterreichischer Kulturgeschichte. Für dieses Erlebnis nimmt man die Schweißtropfen bei den Steigungen gerne in Kauf.
Hinweise
Es sind 480 Höhenmeter zu bewältigen.
KartentippBikeline-Radkarte Waldviertel Wachau, 1:75000.
VerkehrsanbindungAnfahrt: Nach Melk mit dem Auto auf der A 1 Linz–Wien. Auch der Zug fährt sowohl von Linz als auch Wien direkt nach Melk. Fahrzeiten: Melk – Marbach 1 Std. 15 Min.– Maria Taferl 45 Min. – Artstetten 30 Min. – Schloss Leiben 45 Min. – Melk 45 Min.
GastronomieIn Melk, Klein-Pöchlarn, Krummnußbaum, Marbach, Maria Taferl, Artstetten, Leiben und Emmersdorf.
Tipps
Zwei Museen im Schloss Leiben - Das mittelalterliche Schloss Leiben liegt genau zwischen dem rauen Waldviertel und der klimatisch bevorzugten Wachau im Donautal. Aufsehen erregen im Schloss die Kassettendecken eines unbekannten Künstlers, die Szenen aus Ovids Metamorphosen, also griechische Mythologie, darstellen. Der große Kassettendeckensaal kann übrigens für Veranstaltungen gemietet werden. In den historischen Gewölbesälen sind das Landtechnik- und das Traktor-Veteranen-Museum mit technischen »Wunderwerken«, darunter einfache Windmühlen und Dampfpflüge, untergebracht. Leider sind die Museen jedoch nur an Wochenenden zwischen 10 und 17 Uhr zugänglich. Außerhalb der Öffnungszeiten lohnt ein Blick in den imposanten Innenhof. Mehr Infos unter Tel. 02752/70043 oder www.schloss-leiben.at Schmackhafte Küche - In der Emmersdorfer Ortsmitte bietet das Hotel-Restaurant »Zum Schwarzen Bären« eine exzellente Küche. Für die Zubereitung der bodenständigen und kreativen Kost werden nur Zutaten aus der Region verwendet, der gegrillte Rostbraten etwa stammt sogar vom heimischen Biorind. Zur Kaffeezeit sind köstliche Desserts wie der Topfenmarillenstrudel zu empfehlen (Tel. 02752/71249).
Unterkunft
Melk: Hotel zur Post, Linzer Str. 1, Tel. 02752/52345, www.post-melk.at; Emmersdorf: Hotel-Restaurant Zum Schwarzen Bären, Tel. 02752/71249, www.hotelpritz.at
Tourismusbüro
Tourismusbüro der Stadt Melk, Babenber-gerstr. 1, A-3390 Melk, Tel. 02752/52307410, Fax 52307490, E-Mail: touristinfo@stadt-melk.de, www.niederoesterreich.at/melk

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Michael Reimer, Wolfgang Taschner

Der Donau-Radweg

Der Donau-Radweg besticht mit reizvoller Landschaft, viel Kultur nicht nur in Wien oder Budapest und so viel Komfort, dass auch Kinder ihn gut bewältigen können.

Jetzt bestellen
Tags: 
Mehr zum Thema