Von Lüdinghausen nach Cappenberg

Leichte Feldmarkfahrt fast durchgehend auf asphaltierten schmalen Nebenstraßen. (Autor: Bernhard Pollmann)
83 km
100 m
6.00 h
Aus dem Bahnhof Lüdinghausen tretend, lenken wir geradeaus (Bahnhofstraße, Radweg), bis kurz nach Passieren der ersten Ampel die 100-Schlösser-Route kreuzt und links an der Wasserburg Lüdinghausen vorbei zur Wasserburg Vischering führt. Nach einem ausgiebigen Aufenthalt an diesem ruhigen, angenehmen Ort leitet die Schlösserroute kurz an der Mühlen-Stever entlang, wechselt über die Holzbrücke rechts, folgt der Osten-Stever und führt dann durch Felder und Wiesen. Schon bald grüßt jenseits des Teufelsbachtals der von einer geschweiften Barockhaube bekrönte Backsteinturm von St. Mauritius (1715–19) in Nordkirchen herüber. Am Ende der Feldmarkfahrt (Schwarzer Damm) vereinigt sich die Route an der Münsterstraße mit dem von Ascheberg herüberführenden Strang der 100-Schlösser-Route; wir zweigen rechts auf den Radweg ab, nächste rechts (Ermener Straße) und gleich links (Mühlenstraße) und fahren nach Nordkirchen hinein. Bei der Kirche schwingt die Schlösserroute links und tritt gleich darauf in den Park von Schloss Nordkirchen ein.
Von hier folgen wir der Wabe 176 wie geschildert bei Tour 7 in gegenläufiger Richtung nach Capelle, wenden uns dort rechts Richtung Westerwinkel und erreichen den prachtvollen Schlosspark Westerwinkel nach schöner Waldfahrt. Im Schlosspark verzweigt sich an einem Rastplatz mit Blick auf das Schloss die 100-Schlösser-Route: Während die Wabe 177 ostwärts nach Herbern führt, folgen wir der Wabe 188 Richtung Werne südwärts durch den Wald. Immer diese Richtung haltend, leitet die Schlösserroute südwärts in die Wälder und Feldfluren über dem Hornebachtal, vereinigt sich kurz vor Werne mit der Römerroute, und in gemeinsamer Routenführung geht es in die historische Altstadt von Werne hinein. Die Kleinstadt Werne rechts der Lippe an der Kreuzung uralter Handelswege wird bereits im Jahr 834 erstmals urkundlich erwähnt, zählt zu den ältesten Siedlungen Westfalens und liegt heute im Übergangsbereich von Münsterland und Ruhrgebiet. Sehenswert in der historischen Altstadt sind die Fachwerkensembles am rings umbauten, baumbestandenen Kirchplatz mit alten Speicherhäusern und den sog. Wärmehäuschen: Diese kleinen Häuser wurden im 15./16. Jh. im Auftrag von Bauern errichtet und mietfrei an Arme vergeben, mit der Auflage, sie gut beheizt den Bauern zum sonntäglichen Kirchgang und bei Geschäftsreisen zur Verfügung zu stellen. Die gotische Kirche Sankt Christophorus zählt zu den Urpfarreien des Münsterlands. Sehenswert am Marktplatz ist das gotische Rathaus, ein zweigeschossiges Giebelhaus mit offener Bogenhalle auf der Südseite. Das Karl-Pollender-Stadtmuseum ist im Alten Amtshaus (1691) am Kirchhof untergebracht. Ganzjährig geöffnet hat das Natursolebad Werne.
In gemeinsamer Routenführung verlassen 100-Schlösser-Route und Römerroute die Stadt und führen durch Feldfluren und Wälder hinüber zu Schloss Cappenberg auf der Cappenberger Höhe. Schloss Cappenberg war als Prämonstratenserkloster eines der bedeutendsten und einflussreichsten Klöster Westfalens, das jetzige Schloss wurde als Propstei des Klosters 1708 als barocke Dreiflügelanlage erbaut, im Mittelflügel präsentieren der Kreis Unna und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz überregional beachtete Wechselausstellungen. Umgeben ist Schloss Cappenberg von ausgedehnten Wäldern, der Wildpark Schloss Cappenberg ist ein englischer Landschaftspark mit altem Baumbestand und zahlreichen Fischteichen. In karolingischer Zeit befand sich auf der Cappenberger Höhe über der Lippeniederung der Sitz der Grafen von Cappenberg. Der letzte Graf, der später heilig gesprochene Gottfried von Cappenberg, übergab im Jahr 1122 Burg und Besitz dem Gründer des noch jungen Prämonstratenserordens, Norbert von Xanten, als Sühne für seine Beteiligung an der Eroberung Münsters 1121, wo er den Brand des Doms mitverschuldet hatte. Gottfried verpflichtete auch seinen Bruder Otto, seine Gemahlin und seine Schwestern, dem Prämonstratenserorden beizutreten. Es entstand als erste Gründung dieses Ordens in Deutschland rechts des Rheins ein Doppelkloster, von dem zahlreiche weitere Klostergründungen ausgingen. Während das Frauenkloster im 14. Jh. aufgehoben wurde, bestand das Männerkloster bis 1802; 1806 ging es an Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein über, der hier 1831 starb. Im Steinarchiv lagert der schriftliche Nachlass des preußischen Reformers zusammen mit einem Großteil der mittelalterlichen Urkunden des Stifts.
Die Cappenberger Klosterkirche wurde 1122–49 als dreischiffige Pfeilerbasilika errichtet und 1387 gotisch eingewölbt; zu den bedeutenden Ausstattungsstücken zählen das spätromanische Cappenberger Kruzifix (um 1255) und das Stifterdenkmal für Gottfried und Otto von Cappenberg (um 1320). Im Kirchenschatz befindet sich ein Kopfreliquiar mit dem Porträt Kaiser Friedrichs I. Barbarossa (nach 1155). Von Schloss Cappenberg führen 100-Schlösser- und Römerroute auf der Freiherr-vom-Stein-Straße in den Ort Cappenberg, durch Wiesen, Felder und Gehölze in das Dorf Bork und weiter zur Kreuzung des Dortmund-Ems-Kanals mit der Lippe: Der Kanal wird auf einer Brücke über den Fluss geführt. Wenig später wird ein weiterer Kanal, die Alte Fahrt, überquert, und nach Queren der B 235 sehen wir links Haus Rauschenburg, ursprünglich errichtet im Jahr 1317 zum Schutz einer Lippebrücke. Bald darauf trennen sich Römerroute und 100-Schlösser-Route: Während erstere weiter lippeabwärts nach Haltern führt, verlässt die 100-Schlösser-Route die Lippeniederung und führt in die Stadt Olfen. Nach Überqueren der Stever nördlich der Stadt setzt sich die Feldmarkfahrt fort, wir überqueren erneut den Dortmund-Ems-Kanal, wenden uns hinter der Eisenbahnlinie links und erreichen gleich darauf den Ausgangsort Lüdinghausen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour83 km
Höhenunterschied100 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBahnhof Lüdinghausen.
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterAuf diesem Rundkurs der 100-Schlösser-Route erwarten uns einige der bedeutendsten Schloss- und Parkanlagen des Münsterlands: Lüdinghausen, Vischering, Nordkirchen, Westerwinkel und Cappenberg. Hinzu kommt die sehenswerte historische Altstadt von Werne.
Beste Jahreszeit
KartentippRadwanderkarte 1:50000 Radelpark Münsterland, Blatt Kreis Coesfeld.
MarkierungenA 1 Ruhrgebiet – Münster Ausfahrt Ascheberg und über die B 58 nach Lüdinghausen. Bahnlinie Coesfeld – Dülmen – Lünen – Ruhrgebiet.
VerkehrsanbindungA 1 Ruhrgebiet – Münster Ausfahrt Ascheberg und über die B 58 nach Lüdinghausen. Bahnlinie Coesfeld – Dülmen – Lünen – Ruhrgebiet.
GastronomieLüdinghausen, Nordkirchen, Capelle, Werne, Cappenberg, Bork, Olfen.
Tipps
Variante: Kurz vor Nordkirchen zweigt der 100-Schlösser-Routen-Strang Richtung Ascheberg ab, im Schlosspark Westerwinkel zweigt der 100-Schlösser-Routen-Strang Richtung Herbern/Drensteinfurt ab (siehe Tour 7).
Informationen
Von Werne bis kurz vor Olfen haben die 100-Schlösser-Route und die Römerroute identische Routenführung. Die landschaftlich, historisch und von der Schönheit der alten Dörfer her äußerst reizvolle Römerroute führt von Wesel lippeaufwärts in jenes Gebiet, wo im Herbst des Jahres 9 die Elitetruppen des Imperium Romanum eine vernichtende Niederlage durch die Germanen kassierten. Markiert ist die Route lippeaufwärts mit einem grünen, lippeabwärts mit einem roten Römerhelm.
Tourismusbüro
Verkehrsverein Lüdinghausen, Münsterstraße 37, 59348 Lüdinghausen, Tel. 02591/78008, Fax 02591/78010, Internet www.luedinghausen.de. Verkehrsverein Nordkirchen, Bohlenstraße 2, 59394 Nordkirchen, Tel. 02596/917137, Fax 02596/917139, Internet www.nordkirchen.de. Verkehrsverein Werne, Markt 19, 59368 Werne, Tel. 02389/534080, Fax 02389/537099.
Tags: 
Mehr zum Thema