Von Leonberg nach Bietigheim-Bissingen

Die Glems entspringt südwestlich von Stuttgart im Glemswald in der Nähe des Bärenschlössles, während der gut markierte Glems-Mühlen-Weg erst am Glemseck bei Leonberg beginnt und zur Mündung der Glems in die Enz bei Unterriexingen führt. Die beschriebene Tour beginnt in Leonberg, führt aber im Enztal weiter nach Bietigheim-Bissingen. (Autor: Ute und Peter Freier)
36 km
150 m
3.00 h
Leonberg gelangte zu Beginn des 14. Jahrhunderts in den Besitz der Grafen von Württemberg und wurde befestigt. In der Altstadt sind nur noch wenige Straßenzüge mit alter Bausubstanz vorhanden. Bemerkenswert sind das aus dem Spätmittelalter stammende Fachwerk-Rathaus mit vorkragenden Geschossen und das Schloss, das der württembergische Herzog Christoph Mitte des 16. Jahrhunderts an der Kante des Glemstals erbauen ließ; unterhalb des Schlosses befindet sich der zu Beginn des 17. Jahrhunderts vom Baumeister Heinrich Schickhardt geplante Pomeranzengarten – eine Pomeranze ist eine bittere Orangenart –, eine kleine, in Baden-Württemberg einzigartige Renaissance-Gartenanlage.

Von Leonberg nach Ditzingen

Vom Bahnhof Leonberg führt uns die Markierung des Glems-Mühlen-Wegs nach links über den Busbahnhof in die Mühlstraße, auf der wir die etwas erhöht gelegene Altstadt passieren. Im engen, streckenweise felsigen Glemstal erreichen wir unterhalb des Dorfes Höfingen einige wenige Gebäude und die Höfinger Sportanlagen, fahren an der Tonmühle vorbei und folgen einem Sträßchen nach Ditzingen und in das Zentrum des Kleinstädtchens.

Zur Stadt wurde Ditzingen im Jahr 1966 erklärt, nachdem die Einwohnerzahlen des Dorfes aufgrund von Industrieansiedlungen und dem Anschluss an das Bahnnetz sowie an die Autobahn ständig gestiegen waren. Angelegt wurde der Ort im Mittelalter beiderseits der Glems, die später die Grenze bildete zwischen den Bistümern Konstanz und Speyer. So entstanden noch im Mittelalter zwangsläufig zwei Kirchen, die Konstanzer Kirche und die Speyerer Kirche, denn die Geistlichkeit einer Kirche konnte nicht gleichzeitig zwei Bischöfen verpflichtet sein. Nur wenige Jahrzehnte später wurde das Ditzinger Schloss erbaut an der Stelle einer Wasserburg; der einstige Wassergraben ist noch deutlich zu erkennen.

Nach Schwieberdingen

Auf Höhe des auffälligen Fachwerk-Rathauses biegen wir links ab in die Bauernstraße, halten uns vor der Schlossmühle rechts und wenden uns in eine Grünanlage, in der Mühlsteine und ein Mühlrad aufgestellt wurden. Am Ende der Grünanlage folgen wir geradeaus der Unteren Glemstalstraße zwischen niederen Talhängen, überqueren die Glems und steigen am Talhang leicht an, ehe wir nach mehreren Links- und Rechtsabbiegungen auf die Talsohle zurückkehren.

Kurz nach der Talmühle halten wir uns auf der Straße Münchingen– Schöckingen rechts über das Flüsschen, biegen aber gleich wieder links ab und gelangen zur Sägmühle, wo der Radweg in die Straße Münchingen–Hemmingen einmündet. Nach links steigen wir auf der Straße in Richtung Hemmingen an und folgen einem rechts abzweigenden Wirtschaftsweg – an der gegenüberliegenden Talkante ist zwischen den Bäumen die Nippenburg zu sehen –, der wieder auf die Talsohle hinunterführt.

Kurz vor Schwieberdingen stehen an einer Wegkreuzung für die Weiterfahrt zwei Möglichkeiten zur Wahl: Will man das Städtchen rasch hinter sich bringen, hält man sich geradeaus entlang der Gleise der Strohgäubahn, kreuzt nach einigen Minuten die verkehrsreiche Vaihinger Straße und biegt nach 50 Metern rechts ab in Richtung Neumühle. Möchte man sich aber einen Eindruck vom Ortszentrum verschaffen, so folgt man dem Weg nach rechts.Sehenswert ist die Stadtkirche Sankt Georg mit einem Langhaus aus dem 13. Jahrhundert, einem spätgotischen Chor von Peter von Koblenz, einer Kreuzigungsgruppe aus dem Jahr 1510 und Grabdenkmälern der Stifterfamilie von Nippenburg.

Von Schwieberdingen in das Enztal

Auf der engen Talsohle radeln wir zwischen streckenweise steil ansteigenden und felsigen Talhängen unmittelbar entlang der mäandrierenden Glems. Kurz vor einem Eisenbahnviadukt gabelt sich der Weg. Der Glems-Mühlen-Weg führt links über das Flüsschen und mündet unterhalb von Markgröningen in eine Straße ein. Auf dieser halten wir uns rechts über die Glems und biegen wieder links ab auf ein schmales Sträßchen in Richtung Talhausen.

Möchte man einen Abstecher in das sehenswerte Markgröningen machen, hält man sich an der Gabelung vor dem Bahnviadukt geradeaus und steigt zur Altstadt an.

Das Talsträßchen führt zwischen steilen Hängen, vorbei an der Spitalmühle und der Unteren Mühle, in den Weiler Talhausen. Am linken Talhang steigen wir zwischen Wiesen und Feldern an und stoßen nach knapp einem Kilometer auf einen Fahrweg, der nach rechts zu der oberhalb von Unterriexingen stehenden Frauenkirche führt, einer früheren Wallfahrtskapelle, die die Herren von Riexingen im 14. Jahrhundert erweiterten und zur Grablege der Familie bestimmten. Bis 1628 fanden hier die sonntäglichen Gottesdienste statt, heute wird sie nur noch bei Beerdigungen genutzt.

Steil geht es hinunter in den Ort, in dem der Glems-Mühlen-Weg endet. Auf der Talsohle wenden wir uns nach rechts, überqueren die Glems und erreichen über eine Enz-Straßenbrücke den Enztal-Radweg.

Nach Bietigheim

Am nördlichen Ufer der Enz folgen wir nach rechts, talabwärts, einer Landstraße, die auf der breiten Talsohle am Fuß von Weinbergen verläuft. Ein rechts abzweigender Wirtschaftsweg führt streckenweise am baumbestandenen Ufer der Enz, streckenweise am Fuß des Talhangs entlang zur kleinen Ortschaft Untermberg. Am Ortsende überqueren wir die Enz, befinden uns schon am Stadtrand von Bissingen und erreichen in der ruhigen Flößerstraße den Rand des alten Ortskerns.

Während die Straße rechts abschwenkt, folgen wir einem Fuß- und Radweg zur mehrstöckigen Rommelmühle und zu einer Enz-Straßenbrücke. Der Fuß- und Radweg unterquert die Brücke und führt durch eine Parkanlage, anschließend zwischen Auwiesen zum Stadtrand von Bietigheim, wo wir kurz vor einer Brücke über die Enz nach rechts der Wobachstraße folgen zum etwas erhöht gelegenen Bahnhof, dem Endpunkt der Tour.Wer zum Abschluss der Tour baden möchte: Über die eben genannte Enzbrücke erreicht man in wenigen Minuten den Badepark Ellental.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour36 km
Höhenunterschied150 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktParkhaus bei S-Bahn-Station Leonberg.
EndpunktS-Bahn-Station Bietigheim.
TourencharakterTalabwärts im engen, streckenweise steilwandigen und felsigen Glemstal, anschließend im breiten Enztal; drei kurze Anstiege; asphaltierte Wirtschafts- und Radwege, kurze Abschnitte auf befestigten Wirtschaftswegen und ruhigen Straßen. 
Hinweise
Bademöglichkeiten: Freibäder in Leonberg und Höfingen; bei Bietigheim-Bissingen der Badepark Ellental links der Enz.
KartentippRadwanderkarte des Landesvermessungsamts Baden-Württemberg, Blatt 55 (Stuttgart und Umgebung), 1 - 100000.
MarkierungenGlems-Mühlen-Radweg und Enztal-Radweg.
VerkehrsanbindungA8 München–Karlsruhe an der Abbiegespur (A81) in Richtung Würzburg die Ausfahrt 50 (Leonberg); in Richtung Leonberg und 2,5 km weit neben der A8 zur B295 und ihr nach rechts in die Stadt folgen; nach 1,5 km an Kreuzung geradeaus und vor Bahnunterführung nach rechts zur S-Bahn-Station Leonberg; kurz vor der Station rechts ein Parkhaus. Bahn - Station an der S-Bahn-Linie5 Stuttgart–Bietigheim.
Rückfahrt: Von Bietigheim-Bissingen per S-Bahn- Linie5 nach Zuffenhausen und umsteigen auf Linie6 nach Leonberg.
GastronomieSportanlage Höfingen - Naturfreundehaus, Vereinsgaststätte; in Ditzingen; 2 km vor Schwieberdingen ein Schützenhaus; Gaststätten in Schwieberdingen, Unterriexingen, Bissingen und Bietigheim.
Tipps
Abstecher nach Markgröninge: Durch das Untere Tor gelangt man in die Altstadt der einst freien Reichsstadt Markgröningen. Um den Marktplatz gruppieren sich Fachwerkhäuser aus dem 15. Jahrhundert, u.a. das mächtige Rathaus, das als hervorragendes Beispiel des einfachen alemannischen Fachwerks gilt, das Haus Nr. 4, das Gasthaus »Krone« und das Gasthaus »Zum treuen Bartel«. Beide Gasthäuser sind eng verbunden mit der mehr als 500 Jahre alten Tradition der Stadt als Treffpunkt der Schäferzunft und dem Schäferlauf, der Zehntausende Menschen anlockt.
Die Flösserei auf der Enz: Zwei Quellflüsse, die Große und die Kleine Enz, vereinigen sich im Nordschwarzwald bei Bad Wildbad/Calmbach zur Enz, die durch Pforzheim, Mühlacker, Vaihingen an der Enz und Bietigheim-Bissingen fließt und bei Besigheim in den Neckar mündet. Jahrhundertelang wurde auf der Enz Holz geflößt: Im Nordschwarzwald geschlagenes Langholz wurde zu Flößen zusammengebunden und auf dem Neckar zum Rhein und nach Holland geflößt. An diese schwere und auf dem unregulierten Fluss bei hohem Wasserstand lebensgefährliche Arbeit aufgrund der Stromschnellen erinnert eine Brunnenskulptur in Bissingen. Als der Bedarf an Langholz nachließ, wurde Brennholz geflößt zur Versorgung der Städte am mittleren und unteren Neckar, aber mit der Schiffbarmachung des Neckar-Unterlaufs bis Heilbronn in der Mitte des 19. Jahrhunderts kam die gesamte Flößerei zum Erliegen.
Badepark Ellental: Für Badefreunde ist der von Mai bis in den Herbst geöffnete Badepark Ellental ein Paradies: Sport-, Wellen-, Warm-, Sprung- und Nichtschwimmerbecken; die Riesenrutsche mit 158 Metern Länge und 14,5 Metern Höhe, Wärmehalle und Eltern-Kind-Bereich; Massagepilz, Massagedüsen und Luftsprudlerbank; Cafeteria und Grillplatz; Einrichtungen für Streetball, Beachvolleyball und Tischtennis; geöffnet Mo–Do ab 9, Fr ab 6, Sa, So und Feiertag ab 8 Uhr.
Tourismusbüro
Stadtmarketing: Bahnhofstraße 57, 71229 Leonberg, Tel. 07152/9901408, www.leonberg.de

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