Von Königsbronn durch das Brenztal

Die in einem großen Quelltopf bei Königsbronn entspringende Brenz entwickelt sich rasch zu einem Fluss, an dem schon früh Gewerbe- und Industriebetriebe entstanden, vor allem in Heidenheim. Aber es gibt auch ruhige Talabschnitte, insbesondere das unter Naturschutz stehende Eselsburger Tal bei Herbrechtingen. (Autor: Ute und Peter Freier)
40 km
60 m
3.00 h
Von der Bahn-Haltestelle Königsbronn fahren wir auf den westlichen Talhang zu, an dessen Fuß die Brenz in einem Quelltopf entspringt, der neben dem Blautopf in Blaubeuren mit seinem hellgrün oder auch tiefblau schimmernden Wasser als schönster Quelltopf der Schwäbischen Alb gilt.

Unmittelbar am Fuß des Talhangs führt ein Sträßchen zum beliebten Ausflugsziel Itzelberger See, einem einst von den Mönchen des Klosters Königsbronn angelegten See, und durch den kleinen Ort Itzelberg. Zwischen der jungen Brenz und der Bahnlinie fahren wir an Aufhausen vorbei nach Schnaitheim und entlang der Bahnlinie durch den Ort.

Wenig später führt der Weg an einem schon zu Heidenheim gehörenden Industrie- und Gewerbegebiet vorbei zum Stadtzentrum von Heidenheim an der Brenz. Wo einst ein römisches Kastell stand, entwickelte sich die Stadt unterhalb des Renaissance-Schlosses Hellenstein seit Anfang des 19. Jahrhunderts zum größten Gewerbe- und Industrie-Standort auf der Ostalb. Im Schloss befinden sich mehrere Museen, u.a. ein Kutschenmuseum, und in einem Park beim Schloss wurden außer einem Streichelzoo mehrere Gehege angelegt, in denen Rot- und Damwild, Mufflons, Steinböcke und Wildschweine leben. Ein weiterer Besuchermagnet ist das Freizeitbad Aquarena mit mehreren Becken, u.a. einem Warmwasser-Außenbecken, und Restaurants.

Anhand der Radmarkierungen passieren wir das lebhafte Zentrum von Heidenheim und gelangen durch ein ausgedehntes Industriegebiet nach Mergelstetten, wo die Tour wieder ruhiger wird.

Ehemaliges Kloster Anhausen und Eselsburger Tal

Mitten auf der Talsohle passieren wir das am Talrand liegende Bolheim und folgen in einer zu Herbrechtingen gehörenden Siedlung einem Sträßchen nach rechts zum ehemaligen Kloster Anhausen. Die Klosterkirche ist verschwunden, doch Klostermauer, Wirtschaftsgebäude, Konventbau und Prälatur sind noch zu erkennen, obwohl die Gebäude heute anderweitig genutzt werden.

Nach links wenden wir uns in denjenigen Abschnitt des Brenztals, der als Eselsburger Tal bezeichnet wird: ein enges Tal mit einzelnen Felsformationen. Aufgrund der Felsbildungen und der Vielfalt an Pflanzen steht dieser Abschnitt des Brenztals unter Naturschutz. Die heute sichtbaren Felsen waren Schwammriffe aus widerstandsfähigem Massenkalk und wurden vor Millionen von Jahren aus dem umgebenden Gestein durch die Ur-Brenz, einen mächtigen Fluss, frei gespült.

Vorbei an der Bindsteinmühle und vorbei an der an der Talkante sitzenden Burgruine Falkenstein, fahren wir auf den Weiler Eselsburg zu, verlassen den nach rechts abschwenkenden Hohenlohe-Ostalb-Weg und erreichen den alten Ortsteil von Eselsburg, der aus nur wenigen Bauernhöfen besteht und unterhalb eines massigen Felsklotzes mit den wenigen Überresten einer Burg liegt; die moderne Wohnsiedlung zieht sich rechter Hand am Hang hoch.

Talabwärts führt ein an Wochenenden auch von Inlineskatern gern benutztes Sträßchen an mehreren bei Kletterern beliebten Felsklötzen vorbei, an Rastmöglichkeiten und einem mit Seerosen bedeckten Teich, einem einstigen Eisweiher. Die markantesten Felsformationen sind zwei nebeneinander aufragende Felssäulen, die Steinernen Jungfern.

Von Herbrechtingen nach Sontheim an der Brenz

Am Ortsbeginn von Herbrechtingen wenden wir uns nach links über die Brenz, folgen am Ende eines Grüngürtels einer Querstraße nach rechts und erreichen nach zweimaliger Überquerung des Flusses die Kleinstadt Giengen an der Brenz, den Entstehungsort der berühmten Steiff-Tiere. Zwischen Brenz und Bahnlinie radeln wir weiter und durch das größere Dorf Hermaringen, fahren wenig später durch Bergenweiler und erreichen am Ortsbeginn von Sontheim an der Brenz die Haltestelle der Bahn, mit der wir nach Königsbronn zurückkehren.

Abstecher: Für kulturhistorisch Interessierte empfiehlt sich von Sontheim ein kurzer Abstecher in die Ortschaft Brenz an der Brenz (hin und zurück 2 km), steht doch mitten im Ort die spätromanische St.-Gallus-Kirche mit einer dreitürmigen Westfassade und einem Rundbogenfries an der Außenmauer: 175 Skulpturen, von denen noch etwa 130 im originalen Zustand erhalten sind, reihen sich aneinander. Dargestellt sind Dämonen, Fabelwesen, Tierkreiszeichen, Pflanzen, Menschen und Jagdszenen. Im Kircheninneren schmücken Blatt- sowie Tierornamente die Säulenkapitelle, und in der südlichen Vorhalle befindet sich ein prächtig geschmücktes Säulenportal.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour40 km
Höhenunterschied60 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktKönigsbronn.
EndpunktSontheim an der Brenz.
TourencharakterAbwechslungsreiche Streckentour talabwärts; asphaltierte Rad- und Wirtschaftswege, immer wieder zumeist ruhige Straßen, einzelne Abschnitte auf befestigten Wirtschaftswegen. Da fast alle Etappenorte an der Bahnlinie Ulm–Aalen liegen, kann die Tour nach Belieben verkürzt werden.
Hinweise
Bademöglichkeiten: Hallenschwimmbad mit Liegewiese in Herbrechtingen; Freibad in Giengen a. d. Brenz.
KartentippRadwanderkarte des Landesvermessungsamts Baden-Württemberg, Blatt 56 (Ostalb), 1 - 100000.
MarkierungenBis Eselsburg Hohenlohe-Ostalb-Weg, anschließend Radwegweiser
VerkehrsanbindungPKW - A7 Kreuz Ulm/Elchingen – Würzburg, Ausfahrt 116 (Heidenheim); B466 nach Heidenheim und B19 in Richtung Aalen; Parkplatz in Königsbronn bei der Bahn-Haltestelle.
Bahn: Königsbronn ist Station an der Linie Ulm–Aalen.
Rückfahrt: Von Sontheim an der Brenz per Bahn zurück nach Königsbronn.
GastronomieIn allen Orten an der Strecke, u.a. in Königsbronn die Brauereiwirtschaft Weißes Rössle mit Biergarten, in Eselsburg die Gaststätte Talschenke mit Biergarten.
Tipps
Knopf im Ohr: Wer sich für die Plüschtiere mit dem »Knopf im Ohr« begeistert, sollte in Giengen an der Brenz das Steiff-Erlebnismuseum mit seiner Vielfalt an Plüschtieren besuchen. Das Museum am Margarete-Steiff-Platz ist täglich geöffnet, April–Okt. 9.30–19 Uhr, Nov. – März 10 – 18 Uhr.
Die Sage von den steinernen Jungfern: Der Sage nach schwor ein Ritterfräulein von Eselsburg, nie mehr mit einem Mann zu reden, nachdem sie von dem Mann, den sie liebte, verlassen worden war. Auch ihre Zofen und Mägde wurden unter Strafandrohung verpflichtet, sich an diesen Schwur zu halten. Als zwei Mägde aber eines Abends von der Burg zur Brenz abstiegen, um Wasser zu holen, sahen sie einen schönen Jüngling, waren einem Stelldichein nicht abgeneigt und begannen mit ihm zu scherzen. Als ihre Herrin dies erfuhr, mussten sie für diese Verfehlung schwer büßen: Sie wurden prompt in Steinsäulen verwandelt.
Königsbronn: Bereits im 14. Jahrhundert wurde in der Nähe gefundenes Bohnerz – dicht an der Erdoberfläche zu findendes Eisenerz in Form bohnenähnlicher Knollen – in einem Hüttenwerk verarbeitet, das von den Mönchen eines Zisterzienserklosters betrieben wurde. Von diesem Kloster ist nur noch die Oberamtei erhalten im Torbogengebäude, durch das man den Klosterhof betritt. In dem barock ausgestalteten Gebäude ist heute das Torbogenmuseum untergebracht, das u.a. über die Geschichte der hiesigen Eisenerzverhüttung informiert, den Beginn der württembergischen Eisenindustrie; geöffnet April – Oktober So und Feiertag 11–17 Uhr. Neben dem Brenztopf steht das Rokoko-Rathaus, einst das Wohnhaus eines Pächters des Hüttenwerks.
Tourismusbüro
Tourist-Information, Hauptstr. 34, 89522 Heidenheim, Tel. 07321/3274910, www.heidenheim.de

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