Von Immenstadt im Allgäu nach Nesselwang

Diese Etappe ist mit zwei längeren Anstiegen gespickt. Unterwegs passieren wir den höchsten Punkt des Bodensee-Königssee-Radwegs. Der überwältigende Rundumblick über grüne Hügel und einsame Weiler auf die Allgäuer Alpen macht die Strapazen mehr als wett. (Autor: Thorsten Brönner)

Von Immenstadt nach Petersthal

Auf dem flachen Bodensee-Königssee-Radweg nach Rauhenzell fahren. Anschließend 5 km der Staatsstraße nach Rettenberg hinauf folgen. Talaufwärts entlang der St 2007 nach Kranzegg. Hier weiter bergan nach Engelpolz, Emmereis und Vorderburg. Jetzt in einer längeren Abfahrt hinunter zum Rottachsee. Auf der sehr steilen Fahrstraße hoch nach Petersthal.

Nachdem wir uns gestern in Immenstadt (Bhf.) ausgiebig umgeschaut haben, starten wir heute gleich durch. Vom zentral gelegenen Marienplatz steuern wir durch das Gassengewirr nordwärts und erreichen, nachdem wir die Konstanzer Ache überquert haben, wieder die Hauptroute. Nun geht es rechts, den Radsymbolen folgend durch die Innenstadt. Nach ein paar Hundert Metern erreicht man die B 308. Auf ihr geht es 200 Meter nach Osten, dann rechts und nach der Bahnunterführung erneut rechts. Wenig später zweigt ein Radweg (Ausschilderung Rauhenzell) links ab, der nach einer Weile in einen feinkörnigen Schotterweg übergeht. Vorbei am Hallenbad Auwald-Sportzentrum und einem kleinen Weiher überqueren wir anschließend mit der Iller den ersten großen Alpenfluss der Reise. Der Gebirgsfluss legt von seinem Ursprung bei Oberstdorf bis zu seiner Mündung südwestlich von Ulm in die Donau 147 Kilometer zurück und hat ein Einzugsgebiet von 2.152 Quadratkilometern.

Nach der Brücke radeln Sie geradeaus und dann links hinunter zum Rauhenzeller See, wo es am südlichen Ufer entlanggeht. Am Ortseingang von Rauhenzell erfolgen eine Reihe von Schwenks: Wieder auf gutem Asphalt, radeln wir auf dem Weidachweg, bis rechts die Buchwaldstraße abgeht, die uns zur Rettenberger Straße führt, wo die Fahrradstrecke nach links abknickt. Über eine Brücke quert man die B 19 und gelangt so an die St 2006. Wir unterqueren sie und folgen ihr zwei Kilometer auf dem Fahrradweg bis zum Kreisverkehr. Unterwegs durchfahren wir eine topfebene Moorlandschaft, über der mächtig die Allgäuer Alpen aufragen. Die Gebirgsregion südlich von Oberstdorf, deren Nordflanken noch bis weit ins Jahr hinein Schnee tragen, weist im nahen Tirol mit der Hornbachkette um den Großen Krottenkopf (2.656m) ihre höchsten Erhebungen auf.

Am Kreisverkehr ist es Schluss mit dem Genussradeln – ab jetzt ist wieder klettern angesagt. Der Radweg schlängelt sich nun entlang der Burgberger Straße (St 2007) erst sachte, später steiler werdend den Hügel hinauf, bis der zwei Kilometer entfernte Ortseingang von Rettenberg erreicht ist. In der 4.000 Einwohner zählenden Gemeinde gibt es zwei vorzügliche Anlaufstellen, um seinen Durst zu löschen und dabei noch etwas zu lernen. Sowohl die Engel-Brauerei (Mi 10 Uhr, Anmeldung am Vortag unter Tel. 08327-93 00) als auch die Privatbrauerei Zötler (Di 10:30 Uhr,Mi 18:30 Uhr und Do 14 Uhr, Anmeldung am Vortag unter Tel. 08327-921 28) bieten geführte Besichtigungstouren mit anschließender Verkostung an. Zu viel Gerstensaft sollten Sie aber nicht probieren, denn die Etappe hat es noch in sich.

Ab dem südlichsten Brauereidorf Deutschlands haben wir die Wahl zwischen zwei Routenvarianten. An der T-Kreuzung geht es links den Anstieg hoch. Nach einer kurzen Wegstrecke neigt sich die Straße wieder und trägt uns, unterbrochen von kurzen Gegensteigungen, über Vorderburg und Rieder in die nächste Senke hinab. Auf der rasanten Abfahrt sollten Sie die Radschilder gut im Auge behalten, denn es geht nach Rieder scharf rechts in den nächsten Anstieg Richtung Petersthal! Die mühsam erkämpfte Höhe wird in der folgenden Abfahrt zum Rottachsee wieder aufgebraucht und so schmerzt der Anstieg nach Petersthal doppelt.

Von Petersthal nach Nesselwang

Nach Petersthal weiterklettern bis zum Weiler Haag. Dort in die schnelle Abfahrt hinunter nach Oy. Nun geradeaus weiter nach Guggemoos und Maria Rain. Hier um 180 Grad drehen und der Beschilderung zum nächsten Etappenziel nach Nesselwang folgen.

In Petersthal sollten Sie es nicht versäumen, einen Blick in die Pfarrkirche St. Peter und Paul zu werfen. Es wird vermutet, dass an der Stelle bereits im 10. Jahrhundert ein Gotteshaus stand. Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche nach den Plänen des Baumeisters Franz Karl Fischer umgebaut und erweitert. Wenn man heute durch das erhabene Langhaus schreitet, wird man von der Fülle der Kunstwerke überrascht sein. An der Decke imponieren neben einem reich stuckierten Gewölbe gleich mehrere farbenprächtige Fresken, die uns vom Leben der beiden Apostelfürsten erzählen und dem Rettenberger Maler Franz Anton Weiß zugesprochen werden. Darüber hinaus beeindruckt der Hochaltar mit einer Darstellung des römischen Sankt Peter samt Tieberbrücke und Engelsburg.

Hinter Petersthal schraubt sich die Straße über offenes Grasland empor, bis hinter dem Weiler Haag auf knapp 1.000 Metern der höchste Punkt des Bodensee-Königssee-Radwegs bezwungen ist. Nach der Straßenbiegung tut sich vor uns ein weites Panorama auf. Aus der Vogelperspektive schweift der Blick über das Wertachtal hinüber zum Schwarzenberger Weiher, der in bewaldete Hügelkuppen eingefasst ist. Vorsichtig kurven wir nach Oy (Bhf.) hinunter. Dort rollen wir am Gasthof Rössle vorbei und gelangen auf die Hauptstraße. Kurz vor dem Rathaus verlassen wir diese nach links und kehren auf der Maria-Rainer-Straße dem Ort den Rücken. Anschließend queren wir die Bahngleise, steuern unter der B 309 hindurch und schnaufen den Anstieg nach Guggemoos hoch.

Dort besteht kurz vor dem Ortsausgang die Möglichkeit, nach rechts abzubiegen und somit die Strecke um zwei Kilometer abzukürzen – die Hauptroute macht noch einen Schlenker über Maria Rain. Dort angekommen, bietet sich das am Ortseingang des Luftkurorts gelegene Almcafé Schnakenhöhe wegen seiner spektakulären Lage als letzte Einkehrmöglichkeit des Tages an. Von der Anhöhe aus überblickt man das tief eingeschnittene Wertachtal, den Grüntensee und im Süden kündet bereits der Zwiebelturm von Nesselwang unser Etappenziel an. Um dorthin zu gelangen, ist noch einige Pedalarbeit angesagt. Zunächst folgen wir der Ortsstraße, die eine 180-Grad-Kurve durch Maria Rain vollzieht, und fahren dann über welliges Terrain nach Westen weiter. Wir passieren Rainen und schwenken 700 Meter nach dem Weiler links in den Weg ein, auf dem wir die große Wertachbrücke der B 309 unterqueren. An der nächsten Weggabelung müssen wir den links abknickenden Weg wählen, der uns unter den Bahngleisen hindurch ins Wertachtal bringt.

An der historischen Wertachbrücke haben wir noch einmal Gelegenheit, um kurz Atem zu schöpfen, bevor es über die letzte Kuppe des Tages geht. Es ist historisch erwiesen, dass bereits römische Legionäre an dieser Stelle über den mitunter reißenden Gebirgsfluss marschierten. Im Mittelalter war das Steinbauwerk Teil des weitverzweigten Salzhandel-Wegenetzes, das einst das Voralpenland durchzog. Wie bereits erwähnt, fahren wir nun den steilen Weg nach Gschwend hinauf, an dessen Ende wir auf die lärmende Bundesstraße treffen. Wir wählen den Radweg, der uns nach Nesselwang (Bhf.) trägt. Ab da schicken uns die Routenschilder nach rechts in die Reichenbacher Straße, dann sogleich links in die Römerstraße, die uns durch ein Wohngebiet bringt. Nach der schönen Abfahrt treffen wir wieder auf die große Vorfahrtsstraße, auf der wir rechts ins Ortszentrum des Marktfleckens kommen.

Weiter zur 5. Etappe: Von Nesselwang nach Füssen


GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour34 km
Höhenunterschied660 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktImmenstadt im Allgäu
EndpunktNesselwang
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte, Lindau-Oberstaufen (1:50 000), www.geodaten.bayern.de; Radwanderkarte Bodensee-Königssee-Radweg (1:50 000), www.publicpress.de
MarkierungenBlauer Schriftzug »Bodensee-Königssee-Radweg« auf weißem Grund; durchgehend gleiche Markierung bis zum Königssee
VerkehrsanbindungAuto: über die A 7, dann bis zum Ende der A 980 und weiter über die B 19
Bahn: Immenstadt liegt an der Allgäuroute der Deutschen Bahn
GastronomieOy-Mittelberg: Gaststätte Ratskeller.
Nesselwang: Hotel Alpenrose; Gasthaus Hirsch; Ristorante Pizzeria Il Castello
Verleih
Immenstadt: Zweirad Riescher, Badeweg 3, Tel. 08323-86 60; Radsport Radtraum, Sonthofener Str. 15, Tel. 08323-989555
Unterkunft
Oy-Mittelberg: Landgasthof Rössle, Mittelbergerstr. 2, Tel. 08366-984614 
Nesselwang: Pension Weidach, Fichtenstr. 13, Tel. 08361-591; Brauerei-Gasthof Hotel Post, Hauptstr. 25, Tel. 08361-309 10; Gästehaus Stimpfle, Jupiterstr. 7, Tel. 08361-920 10
Tourismusbüro
Tourist-Information Nesselwang, Hauptstraße 20, Tel. 08361-923040, E-Mail: info@nesselwang.de, www.nesselwang.de
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