Von Ibbenbüren nach Lengerich

Wald- und aussichtsreiche Feldmarkrundfahrt mit einigen für das Münsterland ungewöhnlich steilen Anstiegen. (Autor: Bernhard Pollmann)
26 km
200 m
2.00 h
Auf der Promenade am Nordufer des Ibbenbürener Aasees folgen wir der Schlössermarkierung in Richtung der Stadt, deren Kirchturm jenseits des Wassersportsees zwischen Bäumen und Häusern hervorspitzt. Wo die Aa den See verlässt, treffen wir beim Heidenturm, dem sagenumwobenen Rest einer versunkenen Burg, auf die Münsterstraße (B 219), queren sie links an der Ampelkreuzung und folgen der Aa auf einer schönen Waldpromenade flussabwärts. Hinter den Sportplätzen zweigt die Schlösserroute links auf die Groner Allee ab, in parkartiger Umgebung zeigt sich das ehemalige Adelsgut Haus Grone, und nach Unterqueren der Autobahn geht es links am Hotel-Restaurant »Nüse« vorbei zurück zur B 219. Dem Radweg neben der Bundesstraße folgen wir aufwärts zur Sommerrodelbahn und lenken kurz nach Überqueren der Passhöhe links hinab zum Waldgasthof Dörenther Klippen beim gleichnamigen Campingplatz. Hier verlassen wir kurz die Schlösserroute und folgen dem »Hermannsweg« und dem »Kletterweg« (ausgeschildert) in wenigen Minuten zum Hockenden Weib.
Die Dörenther Klippen sind das Kletterrevier des Münsterlands, auf das sie eine herausragende Aussicht gewähren. Der berühmteste Felsen ist das Hockende Weib: Diese massige Sandsteinformation erhebt sich als grotesk verformter Turm aus einem Absatz in der Südflanke des Osning, sein Gipfel weist einen kopfartigen Überhang auf, und Fantasiebegabte erkennen in diesem Felsen die zu Stein erstarrte Gestalt einer riesenhaften, kauernden Frau, die das Haupt gesenkt hält und die Arme gegen die Brust presst. Auf den Gipfel des Felsens führen in den Sandstein eingetiefte »Spuren«, die wie Abdrücke nackter Fußsohlen aussehen; wer trittsicher und schwindelfrei ist, gelangt in diesen Spuren zur höchsten Erhebung und genießt einen einzigartigen Blick auf die Parklandschaft des Münsterlands. An sonnigen Wochenenden ist das Gedränge groß, und wer den wundervollen Ausblick in Ruhe genießen will, sollte eher an einem Wochentag vormittags hierher kommen als an einem sonnigen Wochenende.
Zurück am Campingplatz-Waldgasthof wechselt die Schlösserroute auf einen Waldweg, führt dann auf einem Teersträßchen in aussichtsreicher Feld- und Wiesenflur abwärts und erreicht die Verzweigung Am Klee: Während die alte Schlössermarkierung hier links auf den autofreien Kamm parallel zum Osning zeigt, führt die neue Route rechts hinab zur B 219 und folgt ihr auf dem Radweg an den Dörenther Steinkreuzen vorbei nach Dörenthe. Die zwei (von ursprünglich drei) Dörenther Steinkreuze bezeichnen der Überlieferung nach den Ort, an dem sich zwei in Grenzstreitigkeiten verwickelte Junker des Guts Strick in Dörenthe gegenseitig tödlich verwundeten. Ursprünglich sei über der Stelle eine Kapelle errichtet worden, an deren Stelle später drei Steinkreuze traten. In Dörenthe zweigt die Schlösserroute links auf die Brochterbecker Straße ab (kein Radweg) und wechselt in der ersten Rechtskurve wieder hinauf auf die autofreie »alte« Route. Im Wechsel von Wald und aussichtsreichen Wiesen führt der Weg in das Dorf Tecklenburg-Brochterbeck, wo die Schlössermarkierung zwischen Kirche und Mühlteich links weist, mit dem Verlauf der Straße rechts kurvt (in der Kurve ist links die Rückkehrvariante nach Ibbenbüren ausgeschildert) und hinter der nächsten Kirche links auf den Wallenweg abzweigt. Dieser Teerweg führt aussichtsreich durch die Felder, biegt bei einem Gehöft links in den Wald ab und erreicht eine aussichtsreiche Sitzbank am Waldsaum – ein idyllisches Gebiet. Wenig später erreicht die Schlösserroute Tecklenburg, ohne jedoch den historischen Ortskern zu berühren: Diesen kurzen, steilen Abstecher sollte man sich nicht entgehen lassen. Tecklenburg liegt in hervorragender Aussichtslage in einer Osning-Einsattelung und verfügt über eines der schönsten Altstadtbilder Westfalens. Über der Stadt erheben sich die Ruinen einer im Kern mittelalterlichen Höhenburg, die heute als Freilichttheater dient. Terrassenartig erstreckt sich die winklige Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern aus dem 16.-19. Jh. auf dem Bergrücken und in den Hängen. Die unregelmäßigen Straßen sind durch Treppen im Steilhang verbunden, das Zentrum bildet der dreieckige Marktplatz. Besonders malerisch ist das geschlossene Bild der Breuerstraße. Die um 1120 errichtete Tecklenburg war Residenz der gleichnamigen Grafschaft, die unter verschiedenen Dynastien bestand, ehe sie 1707 von der preußischen Krone aufgekauft wurde. Die Preußen ließen die im 16./17. Jh. unter den Grafen von Bentheim-Tecklenburg festungsmäßig ausgebaute Höhenburg verfallen, sodass heute nur noch Ruinen von der einstigen Größe zeugen. An die Hexenbrände, die vor allem nach der Reformation (1525) weithin sichtbar auf dieser Höhenburg flammten, erinnert der 1897 auf dem Burggelände errichtete Aussichtsturm; er ist benannt nach Johann Wier, dem 1588 in Tecklenburg gestorbenen Hofarzt und Bekämpfer des Hexenwahns. Das Torhaus (1657) der Tecklenburg zeigt in der Mitte über dem Eingang das Relief einer Frau vor Muschelhintergrund. Die Kunstwissenschaft interpretiert das Relief als Bild der altitalischen Göttin Minerva, im Volksmund gilt es als Bild der »weißen Jungfer«, die zu mitternächtlicher Stunde auf der Tecklenburg umhergeht. Der obere Bereich der sonnigen Südflanke des Burgbergs ist mit Weinstöcken bepflanzt. Bereits im Mittelalter wurde an dieser Stelle von den Tecklenburger Grafen Wein angebaut. Anknüpfend an diese Tradition, pflanzte die Deutsche Weinkönigin 1987 einhundert Rebstöcke, die sich mittlerweile prächtig entwickelt haben. Von Tecklenburg leitet die Schlösserroute in rasanter Abfahrt an Haus Marck vorbei durch den Südhang des Osningkamms. Die Wasserburg Haus Marck ist ein von Gräften umgebener einstöckiger Fachwerkbau, der im Ursprung aus dem 14. Jh. stammt und im 18. Jh. seine heutige Form erhielt. 1831 wurde hier Friedrich von Bodelschwingh geboren, der Begründer der Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel bei Bielefeld. Haus Marck mit seinen historischen Wohnräumen und dem Rittersaal ist im Rahmen von Führungen zu besichtigen (vgl. S. 134).
Unterhalb von Haus Marck führt die Schlösserroute hinaus in die Feldflur, überquert die Autobahn, passiert das Erholungsgebiet am Sonnenhügelsee (Campingplatz) und erreicht den Zielort Lengerich.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour26 km
Höhenunterschied200 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktPromenade am Nordufer des Aasees in Ibbenbüren (der Haltepunkt Aasee ist Startbahnhof des Teuto-Express). Der weiträumig (auch an der Autobahn) ausgeschilderte Aasee liegt wenige Radminuten vom Bahnhof entfernt.
EndpunktLengerich (Bahnhof).
TourencharakterDiese kurze, abwechslungsreiche und landschaftlich hoch attraktive »Bergetappe« der 100-Schlösser-Route führt zu den aussichtsreichen Dörenther Klippen auf dem Kamm des Teutoburger Walds und in die für ihre Fachwerkidylle berühmte Burg- und Bergstadt Tecklenburg, ehe in Lengerich der nächste Bahnhof erreicht wird.
Beste Jahreszeit
KartentippRadwanderkarte 1:50000 Radelpark Münsterland, Blatt Kreis Steinfurt.
MarkierungenSchloss, Richtungspfeile und namentliche Ausschilderung.
VerkehrsanbindungA 30 Osnabrück – Rheine Ausfahrt Ibbenbüren (Aasee).
GastronomieIbbenbüren, Sommerrodelbahn, Dörenther Klippen, Brochterbeck, Tecklenburg, Sonnenhügelsee, Lengerich.
Tipps
Variante: Wer keine Streckenfahrt unternehmen will, kann von Brochterbeck aus auf einem durchgehend in das Wabensystem des Radelparks aufgenommenen und ausgeschilderten Kurs zum Aasee zurückkehren. Dies ist eine attraktive Strecke, die lediglich bei der erneuten Überquerung des Osningkamms mit einer kurzen Schiebepassage aufwartet (unter schönen alten Buchen). Insgesamt ist diese »kinderleichte« Rundfahrtvariante 22 km lang.
Informationen
An Sommerwochenenden, an Nikolaus und zur Weihnachtszeit verkehrt zwischen dem Aasee-Bahnhof in Ibbenbüren und Bad Laer der Teuto-Express, eine historische Dampfeisenbahn, die auch Fahrräder transportiert. An der Museumseisenbahnstrecke liegen unter anderem Tecklenburg, Lengerich, Lienen und Bad Iburg, sodass sich die Tour bis Lienen verlängern lässt und man mit dem Zug zurückfahren kann.
Tourismusbüro
Tourist Information Ibbenbüren, Alte Münsterstraße 16, 49477 Ibbenbüren, Tel. 05451/931777, Fax 05451/931198, Internet www.ibbenbueren.de. Tecklenburg Touristik GmbH, Markt 7, 49545 Tecklenburg, Tel. 05482/93890, Fax 05482/938919, Internet www.touristik-tecklenburg.de. Verkehrsamt Stadt Lengerich, Rathausplatz 1, 49525 Lengerich, Tel. 05481/82422, Fax 05481/7880, Internet www.lengerich.de.
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