Von Hinterstein auf die Alpe Laufbichl

Zu Besuch bei der Sennerin Durchgängig asphaltierte Tour auf einer für den Autoverkehr gesperrten Mautstraße mit einigen kürzeren steilen Anstiegen inmitten einer herrlichen Bergwelt. (Autor: Michael Reimer, Wolfgang Taschner)
Eintauchen in die Bergwelt: Wir radeln vom Parkplatz gleich taleinwärts und bleiben damit auf der Anhöhe, anders als der Pendelbus, der etwas weiter unterhalb im Tal fährt. Nach etwa 2 km kommen dann beide Wege zusammen. Von der Anhöhe haben wir bereits einen ersten schönen Blick auf die Gipfel der Allgäuer Hochalpen. In Fahrtrichtung rechts sehen wir Breitenberg (1893 m), Gemsböllenkopf (2002 m), Kleiner Daumen (2191 m) und die Mittagsspitze (1722 m). Auf der linken Seite stehen Stuibenkopf (1830 m), Bscheißer (2000 m), Ponten (2046 m), Zirleseck (1872 m), Geißhorn (2247 m) und Rauhhorn (2241 m). Beim Erreichen der Mautstraße geht es gleich etwas bergauf, an heißen Tagen spenden die Bäume des einsetzenden Waldes angenehmen Schatten. Vorbei am Gasthaus Konstanzer Jäger und dem Elektrizitätswerk zieht sich die Straße bis zur so genannten Aussichtskanzel hinauf. Dort blickt man tief hinunter in die Schlucht, auf deren Boden die Ostrach rauscht. Im weiteren Verlauf steigt die Straße kaum noch an, nach etwa 3 km ist das Giebelhaus erreicht. Die Gaststätte ist auch Endstation des Pendelbusses. Von hier verteilen sich die Wanderer in das Bärgundele-Tal und das Obertal. Das Giebelhaus wurde 1929 fertig gestellt, die Chronik vermerkt, dass die Arbeiter pro Tag zwei Maß Bier von einer Brauerei gestiftet bekamen.Hinauf zur Alpe: Vom Giebelhaus bis zum Engeratsgundhof steigt die Asphaltstraße auf etwa ein Kilometer Länge nochmals an, notfalls ist Schieben angesagt. Danach ist das idyllisch gelegene Obertal erreicht. Auf fast ebener Strecke radeln wir durch die Viehweiden zur Alpe Laufbichl hinter, die auf Grund ihrer Größe und schönen Lage mitunter auch Königsalpe genannt wird. Beate Fink, die Sennerin und Chefin, verbringt bereits zum 14. Mal in Folge den Sommer auf der Alpe. Mit der Milch von 55 Kühen produziert sie innerhalb von vier Monaten rund 1000 Käselaibe, von denen einer zwischen vier und fünf Kilogramm wiegt. Hinzu kommen der etwas frischere Hirtenkäse sowie Bergbutter. Wer möchte, kann auch ein Glas Milch oder Buttermilch trinken.Wie Käse entsteht: Wer sich für das Käsemachen interessiert, muss früh aufstehen. Denn die Kühe werden bereits kurz nach der Morgendämmerung gemolken. Die Milch kommt in einen großen Kessel, der von unten beheizt ist. Zunächst werden bei etwa 30 Grad ausgewählte Kulturen und Lab zugesetzt, um die Art des Käses zu bestimmen, der letztendlich entstehen soll. Nach 30 Minuten ist die Milch eingedickt, die überflüssige Molke wird abgeschöpft und an die Schweine verfüttert. Dies erklärt, warum diese Tiere auf fast jeder Alpe zu finden sind. Die Sennerin zerschneidet die eingedickte Milch mit der Käseharfe in lauter kleine Bruchstücke, die dann auf 50 Grad erwärmt und dabei umgerührt werden. Anschließend hebt sie den angehenden Käse mit einem Tuch aus dem Kessel, legt ihn in eine Form und presst ihn zusammen. Nachdem er am nächsten Tag in einem Salzbad gewaschen wurde, kommt er in den kühlen Reifekeller. Er liegt dort die meiste Zeit im Regal, zwischendurch muss er aber mehrmals abgewaschen und gewendet werden.Auf der Sonnenterrasse der Alpe Laufbichl ist der schönste Platz, um den Käse zu genießen, zumal man eine prächtige Bergkulisse gratis dazubekommt. So fällt es schwer, diesen Ort wieder zu verlassen. Vor der Rückfahrt ins Tal sollte man den Weg hinter dem Haus herum nehmen, weil dieser ganz nah an einem rauschenden Wasserfall vorbeiführt. Rasante Talfahrt: Die Strecke zurück nach Hinterstein erfolgt auf demselben Weg, den wir gekommen sind. Vor der ersten Abfahrt sollte man unbedingt nochmals die Funktion der Bremsen überprüfen. Danach beginnt eine herrliche Abfahrt zunächst zum Giebelhaus und dann weiter talwärts bis zum Wanderparkplatz. Dort angekommen werden die meisten feststellen, dass die Zeit im Nu vergangen ist. Die Mühen des Anstiegs sind dann längst vergessen.

Dauer:

2 Hinterstein – Giebelhaus 1 Std. – Alpe Laufbichl 0,5 Std. – Hinterstein 0,5 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied360 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWanderparkplatz Hinterstein.
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterMountainbiker finden in den Allgäuer Hochalpen steile Anstiege nach Belieben. Doch es gibt auch für normale Radler die Möglichkeit, sich auf überwiegend flachem Terrain den Bergen zu nähern. Der Allgäuer Bergkäse ist weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt. Wegen seines unverwechselbaren würzigen und herzhaften Geschmacks nimmt man ihn auch gerne als Brotzeit mit auf eine Wanderung oder einen Radausflug. Auf dieser Radtour kann man die Verpflegung getrost zu Hause lassen, denn sie führt direkt zu einer Sennerei, bei der frisch gereifter Käse serviert wird. Hinterstein, der Ausgangsort dieser Tour, liegt im Ostrach-Tal südlich von Bad Hindelang. Das idyllische Dorf mit seinen original Allgäuer Bauernhäusern ist Ausgangspunkt vieler Wanderungen in den Alpen und entsprechend gut besucht. Dementsprechend schnell füllt sich auch der Besucherparkplatz am Wochenende. Wer jedoch zeitig anreist, findet immer einen Platz.
Hinweise
Dauer: 2 Hinterstein – Giebelhaus 1 Std. – Alpe Laufbichl 0,5 Std. – Hinterstein 0,5 Std.
KartentippKompass Wanderkarte Nr. 04, Tannheimer Tal, 1:50000
VerkehrsanbindungMit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Bad Hindelang bzw. Hinterstein leider nur mit dem Bus aus Sonthofen zu erreichen. Mit dem Auto fährt man über Sonthofen, Wertach oder Pfronten nach Bad Hindelang und weiter auf der Landstraße (7 km) nach Hinterstein. Am Ortsende ist ein großer gebührenpflichtiger Wanderparkplatz.
GastronomieGiebelhaus Tel. 08324/8146, das ganze Jahr über tgl. geöffnet und Alpe Laufbichl, Anfang Juni bis Ende September tgl. bis 18 Uhr geöffnet.
Tipps
Die Prinzegumpe: Mitten in Hinterstein liegt ein kleiner Teich, im Allgäuer Dialekt »Gumpe« genannt. Der Name »Prinzegumpe« kommt daher, dass hier der Prinzregent Luitpold von Bayern bereits gebadet hat. Das Bad wurde von den Einheimischen in ihrer Freizeit ausgebaut, deshalb kommen sie im Sommer auch gerne hierher. Anschließend treffen sich die meisten in der nahe gelegenen Gaststätte zum Essen, Trinken und Reden.Käse von der Alpe LaufbichlWer keine Möglichkeit hat, ein größeres Stück Käse auf dem Fahrrad mitzunehmen, kann sich auch im Hindelanger Käsemarkt, Marktstraße 5, Tel. 08324/952838 damit eindecken. Mo.–Fr. 9–12.30 und 15–18 Uhr, Sa. 8.30–12 Uhr, Di. nachmittags geschlossen. Hier gibt es dieselben Produkte wie auf der Alpe zu kaufen.
Tourismusbüro
Gästeinformation, Am Bauernmarkt 1, 87541 Bad Hindelang, Tel. 08324/8920, Fax 08324/8055, www.bad-hindelang.info
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