Von Haltern durch die Hohe Mark

Kuppige Fahrt in Wäldern und Feldfluren. (Autor: Bernhard Pollmann)
85 km
200 m
6.00 h
Vom Bahnhof Haltern radeln wir geradeaus (Holtwicker Straße) und folgen an der Weseler Straße (B 58) den Schildern von 100-Schlösser- und Römerroute links zum Westfälischen Römermuseum (Weseler Straße 100). Es dokumentiert die Römerzeit in Westfalen, darunter die reichen Funde aus der Zeit, als die Römer in Haltern bis 9 n.Chr. ein Kastell hatten, sowie vom südwestlich vorgelagerten Annaberg, unserem nächsten Etappenziel.
Am Römermuseum wechseln die Radrouten an der Verzweigung halb links in die Dorstener Straße und führen zur barocken Wallfahrtskapelle auf dem aussichtsreichen Annaberg. Die Kapelle enthält ein Gnadenbild der Anna Selbdritt aus dem 15. Jh. (selbdritt = zu dritt; Anna = die Großmutter); der Annaberg ist ein bedeutender Wallfahrtsort.
Nach Unterqueren der Autobahn gibt bis zum Dorf Freiheit wieder die Dorstener Straße die Route vor, dann zweigt die 100-Schlösser-Route rechts hinauf ab (Am Galgenberg), und der Aufstieg auf die bewaldete Hohe Mark beginnt. Ein hübscher Platz zum Verschnaufen sind die Sitzbänke vor der Sankt-Annen-Kapelle beim Hof Tannenberg, wenig später mündet die 100-Schlösser-Route auf die alleeartig von Bäumen gesäumte Kreisstraße (Granatstraße) und folgt ihr teilweise ohne Radweg weiter aufwärts. Empfehlenswert ist der kurze (1 Minute) Abstecher zum ausgeschilderten Naturdenkmal Hexenbuchen. Die Hexenbuchen in der Nähe des Waldbeerenbergs (Fernmeldeturm), der höchsten Erhebung der Hohen Mark, sind Süntelbuchen, die in einem Kreis von etwa 50 m Durchmesser stehen, etwa 300 Jahre alt sind, Stammstärken von bis zu 300 cm erreichen und eindrucksvolle Bizarrformen aufweisen: schlangenwüchsig, drehwüchsig, waagrecht wachsend, kamelhöckrig, luftwurzelig, mit zum Teil dem Boden anliegenden Stämmen und Ästen.
Nach Passieren der Passhöhe beim Waldbeerenberg beginnt an der Straßenverzweigung beim Parkplatz Hohemarkenbusch die rasante (gefährlich, da Radweg fehlt) Abfahrt zur Gaststätte Hubertushof, der am Fuß des Maibergs zu gepflegter Rast lädt in unmittelbarer Nähe des Naturwildparks Granat: In dem rund 600000 m2 großen, bergigen, waldreichen Gelände laufen mit Ausnahme der Wildschweine alle Tiere frei herum. Der Wildbestand liegt bei etwa 400 Tieren: Mufflon, Murmeltiere, Rothirsche, Sikahirsche und viele andere. Hinzu kommen Pfaue, Strauße und Kängurus.
Am Hubertushof zweigt die 100-Schlösser-Route autofrei in das schöne Waldgebiet Hülsterholt ab (Wabe 170) und erreicht eine 100-Schlösser-Routen-Verzweigung an einer Wegekreuzung mit Sitzbank: Während es geradeaus weiter nach Maria-Veen und Groß Reken geht (unser Rückweg) zweigen wir links Richtung Klein Reken ab (Wabe 171) und passieren das Naturschutzgebiet Hülsterholter Wacholderheide. Dieses Naturschutzgebiet führt vor Augen, wie früher weite Teile des westlichen Münsterlands aussahen: Nach der Rodung des Walds entwickelten sich auf den nährstoffarmen Sandböden Zwergstrauchheiden, in denen lediglich die stachligen Wacholder vom Verbiss durch die Schafe verschont blieben. Die Wacholder erreichen heute eine Höhe von bis zu vier Metern. Wenig später erreichen wir bald nach Queren der Halterner Straße das Dorf Klein Reken. Im Ortseingangsbereich zweigt die 100-Schlösser-Route links ab und folgt dem Tal des Midlicher Mühlenbachs durch Felder zur Midlicher Mühle, die als Freizeitheim für Jugendgruppen genutzt wird. Hier wechseln wir rechts auf den Radweg neben der Lippramsdorfer Straße und zweigen hinter der Eisenbahnlinie links in den Wald zu Schloss Lembeck ab. Das barocke Wasserschloss wurde 1692 errichtet, Vor- und Hauptburg liegen in einem großflächigen Hausteich, umgeben von Parkanlagen und Wäldern. Schloss Lembeck fungiert heute als Hotel und Heimatmuseum und bildet den Rahmen für Konzerte und standesamtliche Hochzeiten. Nach Verlassen des Walds überquert die 100-Schlösser-Route die Autobahn, führt durch das Vorortdorf Kalde Becke bei Rhade, zweigt hinter der Bahnlinie rechts ab, vereinigt sich wenig später mit dem von Schloss Raesfeld herüberführenden 100-Schlösser-Routen-Strang (Tour 27), tangiert das Dorf Marbeck und Haus Engelrading und erreicht nach schöner Feldmarkfahrt Heiden. Den Namen dieses schmucken Kirchdorfs führt die Legende darauf zurück, dass nirgendwo anders im Münsterland der Einführung des neuen Glaubens ein derartiger Widerstand entgegengesetzt wurde. Alle Bekehrungsversuche Liudgers blieben vergebens, bis dem heiligen Mann bei Marbeck ein Engel riet, es noch einmal zu versuchen. An der Stelle, wo der Engel den Rat gab, steht das Haus Engelrading. Liudger befolgte den Rat, und siehe da, die verstockten Heiden ließen sich taufen. Zur Strafe aber verdonnerte Liudger sie, ihr Dorf »Heiden« nennen zu müssen. Auf der Marienstraße verlässt die 100-Schlösser-Route den Ort und führt – ein sehr schönes Wegstück – in flottem Auf und Ab dem Wald zu. Dort verliert die Marienstraße ihren Namen und den Asphaltbelag, und der etwas sandige Düwelsteensweg leitet weiter zum Rastplatz an den Düwelsteenen. Die Düwelsteene (Teufelssteine) sind eine aus Findlingen errichtete Megalithanlage, die als Steinkammergrab der Trichterbecherkultur gedeutet wird (2200–1800 v.Chr.). Die nordost-südwest-ausgerichtete Anlage ist 21 m lang und knapp 2 m breit. Die Düwelsteene sind Bestandteil des Wappens der Gemeinde Heiden. An Wochenenden sind die Düwelsteene, an denen Tische und Bänke und eine Schutzhütte zur Rast laden, ein rege frequentiertes Ausflugsziel. Der Autoverkehr ist verboten, doch lassen sich viele Auflügler mit der Pferdekutsche zu den Steinen fahren, um zu picknicken. Von den Düwelsteenen führt die 100-Schlösser-Route weiter durch die Wälder, ehe sich nach erneutem Überqueren der Autobahn die Wehrkirche (13. Jh.) und die Turmwindmühle (erbaut 1780–1807, Heimatmuseum) von Groß Reken als nächste Ziele zeigen. Von der Windmühle geht es weiter in den Ort Maria-Veen, wo Trappisten im Jahr 1887 die erste katholische Arbeiterkolonie Westfalens für obdachlose Männer errichteten. Vor dem Kloster zweigt die 100-Schlösser-Route rechts ab (Radweg) und an einer Bushaltestelle erneut rechts und tritt nach schöner Wald- und Wiesenfahrt wieder in die Wälder der Hohen Mark ein. Kurz nach Eintritt in den Wald erreichen wir die Verzweigung, an der wir auf der Hinfahrt zur Hülstenholter Wacholderheide abgezweigt sind; hier fahren wir gerade und zurück zum Hubertushof.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour85 km
Höhenunterschied200 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBahnhof Haltern.
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDiese abwechslungsreiche Fahrt durch die Wälder des Naturparks Hohe Mark und durch die Rekener Kuppenlandschaft führt zum Naturwildpark Granat, zu Schloss Lemberg, den Düwelsteenen und zur Turmwindmühle von Groß Reken.
Beste Jahreszeit
KartentippRadwanderkarte 1:50000 Radelpark Münsterland Blatt Kreis Borken.
MarkierungenSchloss, Richtungspfeile und namentliche Ausschilderung.
VerkehrsanbindungA 43 Münster – Ruhrgebiet Ausfahrt Haltern. Bahnlinie Münster – Dülmen – Haltern – Recklinghausen.
GastronomieHaltern, Hubertushof, Klein Reken, Schloss Lembeck, Heiden, Groß Reken, Hubertushof.
Tipps
Variante: Für Familien mit Kindern ist der Anstieg von Haltern zum Waldbeerenberg zu anstregend und verkehrsnah, es ist daher zu empfehlen, den Hubertushof beim Naturwildpark Granat als Ausgangspunkt zu wählen. Dadurch verkürzt sich die Fahrt von 82 auf nur noch 54 km.
Informationen
Naturpark Hohe Mark: Das bewaldete Hügelgebiet der Hohen Mark über der Lippeniederung bei Haltern ist Mittelpunkt und Namensgeber des gleichnamigen Naturparks, der 1963 am Übergang von Münsterland, Ruhrgebiet und Niederrhein eingerichtet wurde. Er ist Erholungsgebiet für rund 6 Mio. Menschen und unfasst 1040 km2 des überwiegend bäuerlich geprägten Tieflands zwischen Dülmen, Bocholt, Wesel, Dorsten und Recklinghausen. Höchste Erhebung der kleinteiligen Hohen Mark mit ihren zahlreichen Trockentälern ist der Waldbeerenberg mit 146 m, das flachwellige Relief setzt sich nordöstlich der Hohen Mark im Rekener Kuppenland fort, wo der Melchenberg noch einmal eine Höhe von 133 m erreicht.
Tourismusbüro
Tourist Information Haltern, Altes Rathaus, Markt 1, 45721 Haltern, Tel. 02364/933366, Fax 02364/933364, Internet www.haltern.de. Verkehrsamt Heiden, Rathausplatz 1, 46359 Heiden, Tel. 02867/977213, Fax 02867/977244, Internet www.heiden.de. Verkehrsamt Reken, Kirchstraße 14, 48734 Reken, Tel. 02864/944035, Fax 02864/944299, Internet www.reken.de.
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