Von Groß Neuendorf nach Schwedt

Praktisch durchgehend auf guten Wegen auto- und steigungsfrei durch einzigartige Natur am Flussdeich entlang. (Autor: Michael Hennemann)
62 km
200 m
4.00 h
Von Groß Neuendorf nach Schwedt: Von Groß Neuendorf immer auf dem Deich entlang in nordwestliche Richtung. Erste Station ist der Biergarten am Gasthof Zollbrücke. Wenig später wird die ehemalige Bahnbrücke Bienewerder passiert und immer weiter geht es auf dem durchgehend asphaltierten Dammweg nach Neuglietzen/Hohenwutzen. Hier links in die Neuglietzener Straße einbiegen vorbei am Gasthaus Fuchsbau. Hinter dem Gasthaus An der Oder rechts auf die Oderstraße, die am Ende wieder auf den Deich führt. Auf diesem weiter nach Hohensaaten. Abstecher zum Schiffshebewerk Niederfinow (einfache Strecke ca. 20 km): Von Hohensaaten auf dem Oder-Havel-Radweg (Markierung: blaues Schiff auf weißem Grund) über Oderberg und Liepe nach Westen bis Niederfinow. Auf dem gleichen Weg nach Hohensaaten zurück. Achtung: In Hohensaaten nicht geradeaus auf dem Spurplattenweg weiterfahren (Sackgasse), sondern nach links über die 1. Schleusenbrücke. Gleich darauf, noch vor der 2. Brücke, nach rechts, d.h. zwischen den beiden Schleusen weiter. Der Radweg kehrt nun der Oder den Rücken und folgt der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße. Im folgenden Streckenverlauf waren während der Recherche im August 2010 zwei Deichabschnitte gesperrt, die eine Umleitung erforderlich machten. Auch in den kommenden Jahren ist in diesem Bereich weiterhin mit wechselnden Streckensperrungen und Umleitungen zu rechnen, die vor Ort aber gut ausgeschildert sind. Zunächst geht es auf einer recht schmalen Insel zwischen Oder und Wasserstraße und anschließend für ein kurzes Stück mit der Oder zur rechten Seite weiter. Dann macht der Radweg einen Schlenker nach links in Richtung Lunow. Achtung: Nicht über die Brücke in den Ort, sondern am Rastplatz davor rechts (auf dem rechten Ufer der Wasserstraße bleiben). Auch hinter Stolzenhagen auf dem rechten Ufer bleiben. Schon von Weitem zu sehen ist der Stolper Turm, der sich am gegenüberliegenden Ufer auf dem Oderhang erhebt (Abstecher: über die Brücke und wieder zurück). Weiter auf dem Oder-Neiße-Radweg auf dem Dammweg am rechten Ufer der Wasserstraßeentlang. Der nächste Abstecher ans linke Ufer und wieder zurück lohnt sich in Criewen. Danach am rechten Ufer der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße bis nach Schwedt. Über die hölzerne Schöpfwerkbrücke ans linke Ufer wechseln. Dort zunächst nach rechts auf der Baumeisterallee durch ein Neubaugebiet. Vorbei am Vereinsgelände des Seesportclubs zum Bollwerk, der Uferpromenade der Stadt. Von der Stadtbrücke nach links sind es wenige hundert Meter bis ins Stadtzentrum. Wie schon auf den letzten Etappen folgen wir von Groß Neuendorf (1) dem Oderdeich in nordwestliche Richtung. Vorbei am Gasthaus Zollbrücke und der ehemaligen Bahnbrücke in Bienenwerder radeln wir über Altglietzen und Hohenwutzen nach Hohensaaten. Hier bietet sich ein Abstecher an, der vor allem das Herz von Technikfreaks höher schlagen lässt: Das Schiffshebewerk Niederfinow (Hebewerkstr. 52, Tel. 033362/713 77; Mitte Feb.–Ende März und Nov./Dez. täglich 9–16 Uhr, Ende März–Ende Oktober täglich 9–18 Uhr) ist Deutschlands ältestes noch im Betrieb befindliches Schiffshebewerk. Dieses beeindruckende technische Denkmal überwindet im Zuge des Oder-Havel-Kanals einen Höhenunterschied von 36 Metern. Ursprünglich wurde dieser Höhenunterschied bei Niederfinow mit einer Treppe von vier Schleusen überwunden, die aber bald an ihre Kapazitätsgrenze kamen, sodass zwischen 1927 und 1934 das Schiffshebewerk errichtet und am 21. März 1934 eingeweiht wurde. Schon die 14 000 Tonnen schwere Konstruktion aus Stahlpfeilern und Nieten an sich ist beeindruckend. Gekrönt wird der Ausflug nach Niederfinow von der Besuchergalerie des Schiffshebewerks, wo man die spektakuläre Fahrt der Schiffe in diesem überdimensionalen »Schiffsfahrstuhl« hautnah erleben kann und zugleich einen fantastischen Ausblick über das Eberswalder Urstromtal hat. Weil der Schiffsverkehr auf dem Oder-Havel-Kanal in den vergangenen Jahrzehnten beständig zugenommen hat, wurde bereits 1997 ein neues Hebewerk in unmittelbarer Nachbarschaft des bereits bestehenden beschlossen. Am 16. Mai 2008 vergab das Wasserstraßen-Neubauamt Berlin den Bauauftrag für den Neubau. Im März 2009 wurde der Grundstein für das Schiffshebewerk Niederfinow Nord gelegt, dass rund 130 m lang, 45 m breit und 60 m hoch werden wird. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich 2014 abgeschlossen. Nachdem in Hohensaaten die Schleusenbrücke überquert ist, folgt die Route der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße, die früher ein Teil des ehemaligen Großschifffahrtsweges von Berlin nach Stettin war. Nächstes Etappenziel ist Stolpe (2) am gegenüberliegenden Ufer der Wasserstraße. Schon von Weitem ist der auf einem Steilhang etwa 50 Meter über dem Dorf thronende mittelalterlichen Bergfried zu sehen, der mit einem Durchmesser von 17,80 Metern, einer Höhe von 18 Metern und fünf bis sechs Meter dicken Wänden zu den mächtigsten Bergfrieden in Deutschland zählt. Unterhalb des Turmhügels reicht er sogar in eine Tiefe von zehn Metern. Der Hügel wurde schon von den Slawen besiedelt, im 12. Jh. errichteten sich dann die Dänen hier einen Wohnturm, der heute im Volksmund nur »Grützpott« genannt wird. Der Legende nach verschanzten sich hier Raubritter, die sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigten. Nachdem ihnen das Pech ausgegangen war, schütten Sie sogar ihr fertig gekochtes Essen, nämlich heißen Grützbrei, auf die Belagerer hinab. Ein Abstecher über die Brücke nach Stolpe lohnt sich vor allem für den fantastischen Ausblick vom Hügel aus auf das breite Odertal. Die Hauptroute des Oder-Neiße-Radwegs aber bleibt dem rechten Ufer der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße treu, ein nächster Abstecher ans linke Ufer lohnt sich in Criewen (3). Sehenswert in dem alten slawischen Fischerdorf sind die Dorfkirche aus dem 13. Jh. und das Schloss mit Landschaftspark und Kräutergarten. Otto von Arnim, der damalige Besitzer des Rittergutes, ließ um 1822 anstelle des alten Dorfes einen Landschaftspark anlegen und beauftragte den preußischen Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné mit der Planung und Gestaltung. Lenné schuf mit geschwungenen Wegen, Teichen und Brücken eine schöne Parkanlage im Stile eines englischen Landschaftsparks. Inmitten der weiten Parklandschaft, in der einheimische Bäume ebenso zu finden sind wie exotische und seltene Gehölze wie Sumpfzypressen und Platanen, liegt das barocke Schloss. In einem ehemaligen Schafstall des Schlosses untergebracht ist das Nationalparkhaus (Park 2, Tel. 03332/267 72 44; April–Okt. täglich 9–18 Uhr, Nov.–März 13–17 Uhr) mit einem großen Oder-Aquarium und einer ständigen Ausstellung zur Geschichte der Region, der hiesigen Flora und Fauna und den Aufgaben des Nationalparks. Weiter an der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße entlang, zuletzt linksseitig, wird schließlich Schwedt (Bhf.) (4) erreicht.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour62 km
Höhenunterschied200 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktGroß Neuendorf
EndpunktSchwedt
TourencharakterBis Hohensaaten folgt die Route dem Oderdamm weiter durch die weite Landschaft der über 250 Jahre alten Kulturlandschaft des Oderbruchs. Danach geht es weiter entlang der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße durch die einzigartige Auenlandschaft des Nationalparks Unteres Odertal.
Beste Jahreszeit
MarkierungenRadwegweiser mit Oder-Neiße-Logo.
VerkehrsanbindungBahnverbindung Kein Bhf. in Groß Neuendorf; nächster Bhf.: Letschin (ca. 8 km) an der Strecke Berlin-Lichtenberg–Frankfurt/Oder, von der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH (www.odeg.info) betrieben. Anreise mit dem Auto A 10 Berliner Ring, weiter auf A 11 Berlin–Pomellen, Ausfahrt 12 (Finowfurt); B 167 bis Wriezen; über Altlewin und Neubarnim nach Groß Neuendorf. Rückfahrt Per Bahn wenig praktikabel: Regionalzüge von Schwedt über Angermünde und Eberswalde nach Letschin; Fahrtdauer mindestens 3 Std.
GastronomieNeulietzegöricker Loose: Gasthof Zollbrücke direkt am Oderdeich. Hohenwutzen: Gaststätte Fuchsbau, Gasthof an der Oder und »Zur Fährbuhne«. Gasthöfe in Neuglietzen, Hohensaaten, Stolpe, Criewen und Zützen. Stolzenhagen: Imbiss am Caravanplatz. Reichhaltiges Angebot in Schwedt.
Verleih
Schwedt: Fahrradhaus Schwedt, Vierradener Str. 31, Tel. 03332/230 97; Radlertreff Zech im Nordcenter, Berliner Str. 137, Tel. 03332/52 31 15. Groß Neuendorf: Fahrradpool-Fahrradmietstation Herr Butz (siehe Tour 7). Schwedt: Fahrrad- und Touristik-Center Bodo Butzke, Kietz 11, Tel. 03332/83 95 00.
Informationen
Nationalpark Unteres Odertal: Zwischen Hohensaaten im Süden und einer Linie oberhalb von Gartz erstreckt sich der 1990 gegründete Nationalpark Unteres Odertal. Er schützt eine der letzten naturnahen Flussauenlandschaften Mitteleuropas und ist ein bedeutendes Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet seltener Vogelarten wie Schwarzstorch oder Singschwan. Im Winter und Frühjahr werden die Polder überflutet und die Oder wächst auf eine natürliche Breite von drei bis fünf Kilometern an. Nur noch einzelne Bäume oder Baumgruppen ragen dann aus der Wasserfläche heraus.Nudl-Wochen in der UckermarkJährlich im Oktober finden in der Uckermark die Nudl-Wochen statt. Das fehlende »e« ist dabei kein Schreibfehler und bei der Veranstaltung steht auch nicht, wie der Uneingeweihte zunächst vermuten mag, Pasta im Vordergrund. Bei den uckermärkischen Nudl-Wochen dreht sich nämlich alles um die Kartoffel. In der gesamten Region finden zahlreiche Feste statt und es werden kulinarische Erdapfel-Spezialitäten in allen Variationen angeboten. Warum die Kartoffel in der Uckermark »Nudl« genannt wird, lässt sich heute nicht mehr eindeutig nachvollziehen. Eine mögliche Erklärung sieht den Ursprung des Wortes in den Hugenotten, die um 1690 in die Uckermark kamen und vor allem um Prenzlau, Angermünde, Chorin und Vierraden siedelten und bei denen die Kartoffel »Nouelle«, also »Knolle«, hieß. Eine andere Theorie besagt, dass Pastor Pierre Theremin aus Großziethen die Bezeichnung »erfand«, als er 1716 erstmals Kartoffeln aß und ihnen aufgrund ihres Aussehens den lateinischen Namen »Nodulus« (»Knöllchen«) gab, woraus in der Uckermark im Laufe der Zeit eben »Nudl« wurde.
Unterkunft
Hohenwutzen: Hotel-Restaurant-Café »Zur Fährbuhne«, Fährweg 17, Tel. 033368/50 50 (DZ ab 70 €). Criewen: Gasthof »Zur Linde«, Bernd-von-Arnim-Str. 21, Tel. 03332/52 14 98 (DZ 50 €). Schwedt: Turm-Hotel, Heinersdorfer Damm 1–3, Tel. 03332/44 30, www.turmhotel-schwedt.de (DZ ab 80 €); Altstadtquartier Schwedt, Fabrikstr. 2, Tel. 03332/83 57 90 (DZ ab 35 €); Sportverein Rotation, Regattastr. 3, Tel. 03332/25 13 30 (schöne Zeltwiese am Oderufer direkt am Radweg).
Tourismusbüro
Tourist-Information Unteres Odertal, Vierradener Str. 36, 16303 Schwedt/Oder, Tel. 03332/255 90, www.unteres-odertal.de

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