Von Füssen nach Halblech

Auf dieser Etappe erreichen wir mit den weltberühmten Königsschlössern zwei kulturelle Höhepunkte des Bodensee-Königssee-Radwegs. Während das Schloss Hohenschwangau direkt an der Route liegt, ist das Märchenschloss Neuschwanstein nur über eine längere Steigung zu erreichen. Der Weg nach Trauchgau führt anschließend leicht bergab. (Autor: Thorsten Brönner)
15 km
90 m
1.00 h

Von Füssen nach Schwangau

Von Füssen über den Lech und in einem leichten Anstieg hinauf nach Hohenschwangau. Dort scharf links und der Ausschilderung folgend auf dem ruhigen, leicht abfallenden Nebensträßchen bis Schwangau.

Wir starten bei der Tourist-Information in Füssen (Bhf.) , die sich an der Sebastianstraße befindet. Wenn wir auf dem Radweg der Bundesstraße nach Osten folgen, treffen wir am Stadtrand auf den Lech, von dem man noch einmal einen schönen Blick auf das Hohe Schloss und das unterhalb liegende Barockkloster St. Mang genießt. Große Schilder künden bereits die beiden Königsschlösser an und so geht es auf dem Fahrradweg geradeaus und leicht steigend in den Wald hinein. Nach einem kurzen Wegstück ist Alterschrofen erreicht. Wir bleiben auf unserem Weg, der dem Waldrand folgt.

Im Nu sind wir an der Verkaufsstelle der Schlosstickets angekommen. Rummel hin oder her – eine Schlossbesichtigung gehört für Radler auf dem Bodensee-Königssee-Radweg einfach dazu. Als Erstes möchten wir uns Schloss Hohenschwangau zuwenden, das sich zu Fuß in wenigen Minuten erreichen lässt. Von 1833–1837 ließ der damalige bayerische Kronprinz Maximilian II. die Ruine der mittelalterlichen Burg Schwanstein zu der heute hoch aufragenden Schlossanlage umbauen. Im Laufe der Jahre zog sich die Königsfamilie, die eigentlich in München residierte, mehr und mehr an den geliebten Alpenrand zurück.

Die Besichtigung der einzelnen Räumlichkeiten, allen voran der Helden- oder Rittersaal, ist nur im Rahmen einer Führung möglich. Der Gang durch die prunkvollen Gemächer, wie das »Orientzimmer«, das »Hohenstaufenzimmer« oder das »Berchtazimmer« – alle ausgeschmückt mit breiten Wandgemälden –, lässt die Geschichte lebendig werden. Vor allem jene Wandbilder, die deutsche Märchen, Heldensagen und Mythen beschreiben, prägten damals den späteren König Ludwig II., der hier aufwuchs. Der Bauherr des 1869–1886 errichteten, aber nie fertig gestellten Schloss Neuschwanstein ist hier allgegenwärtig. Ob als Musical, Spielkartenfigur, Fingerhut oder auf Postern und Postkarten verewigt – der »Kini« blickt uns überall verträumt entgegen.

Abstecher zum Schloss Neuschwanstein

Um zu dem weltberühmten Märchenschloss zu gelangen, wird uns einiger Schweiß abverlangt. Über 200 Höhenmeter trennen uns vom Schloss der Schlösser, das wir über einen Serpentinenweg erreichen, der sich durch den schattigen Wald emporwindet. Schloss Neuschwanstein ist mit über 1,2 Millionen Besuchern im Jahr eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Deutschlands. Während wir uns in das Völkergemisch der Wartenden einreihen, bleibt genug Zeit, um die Landschaft in unmittelbarer Nähe des Schlosses zu bewundern.

Der Monarch hat den Platz seiner Residenz gut gewählt: Unter uns, an einer Felswand, peitscht der Pöllatfall durch die gleichnamige Schlucht, zur Linken liegen der malerische Alpsee sowie der Schwansee in verwunschene Bergtäler eingebettet und im Norden grüßt Füssen das Alpenvorland mit dem großen Forggensee. Bereits aus der Nähe imponiert der Prachtbau mit seiner schneeweißen Fassade, den wehrhaften Türmen und spitzen Zinnen. Die wenigen Innenräume, die während der 35-minütigen Führung zu besichtigen sind, wurden mit einem prunkvollen Inventar ausgestattet und beziehen sich mehr noch als auf Schloss Hohenschwangau auf die Sagenwelten des Mittelalters. So erkennen wir auf den Bilderzyklen den Schwanenritter Lohengrin und dessen Vater, den Helden Parzival, wieder – Letzter wird auch in der berühmten Tafelrunde des Königs Artus erwähnt.

Das Herzstück Neuschwansteins ist der mit Säulen geschmückte und byzantinisch anmutende farbenfrohe Thronsaal. Weitere Höhepunkte sind der Sängersaal, eine Grotte mitsamt einem Wasserfall und die historische Küche im Erdgeschoss. Der »Kini« hatte bereits Pläne für ein weiteres, noch pompöseres Schloss namens »Falkenstein« in der Schublade. Dazu kam es aber nie, denn der König kam am 13. Juni 1886 am Würmsee (heute Starnberger See) auf mysteriöse Weise ums Leben. Daraufhin nahm sein Onkel Luitpold als Prinzregent von Bayern die Amtsgeschäfte in die Hand. König wurde er nie, denn offiziell hatte dieses Amt Ludwigs Bruder Otto I. inne, der aber aufgrund einer Geisteskrankheit regierungsunfähig war. Mit König Ludwig III. von Bayern ging 1918 schließlich die 738 Jahre währende Herrschaft des Hauses Wittelsbach unter.

Wir wenden uns nun wieder den Bilderbuchlandschaften des Allgäus zu. Direkt unterhalb von Schloss Hohenschwangau befindet sich der 1,9 Kilometer lange Alpsee, in dem schon Ludwig II. seine Runden drehte. Wem das Bergwasser zu kalt ist, der kann sich am südlichen Ufer ein Ruder- oder Tretboot mieten. Der mit dem Fahrrad gut zu erreichende, zwei Kilometer nordwestlich gelegene Schwansee beeindruckt mit spektakulären Bergansichten und einer himmlischen Ruhe. Er liegt im Landschaftsschutzgebiet »Alpsee, Schwansee und Faulenbacher Tal« und verfügt über kleine Badebuchten, grüne Wiesen und eine sommerliche Wassertemperatur von bis zu 23 °C.

Vom Ortsteil Hohenschwangau aus setzen wir unsere Fahrt auf der Schwangauer Straße nach Norden fort, bis wir in Schwangau auf die B 17 treffen.

Von Schwangau nach Halblech

In Schwangau die B 17 überqueren und auf einer kleinen Parallelstraße nach Osten. Auf flachem Terrain entlang des Bannwaldsees und des Großen Filzes nach Bayerniederhofen radeln. Von hier geradewegs nach Halblech.

In Schwangau überqueren wir die B 17 und biegen in den nächsten Weg nach rechts ein. Nun folgen Sie dem Radsymbol »Romantische Straße« und fahren immer geradeaus nach Osten, bis Sie einen Bachlauf erreichen, wo es zunächst rechts und dann, nach dem Überschreiten des zweiten Wassergrabens, links in Richtung Halblech abgeht. Die liebliche, offene Wiesenlandschaft, die uns gerade noch schöne Ausblicke auf das Voralpenland, Schloss Neuschwanstein und die nahen Berge vermittelt hat, wird durch das Naturschutzgebiet Bannwaldsee abgelöst. Die 560 Hektar umfassende Schutzzone um das 2,28 Quadratkilometer große Stillgewässer ist mit ihren Sumpfwiesen und Schilfgürteln ein ideales Rückzugs- und Brutgebiet für seltene Vogelarten.

Am südlichen Seeufer finden Sie nach dem Campingplatz eine Badestelle mit flachem Strand, Liege- und Spielwiesen und einem Kinderspielplatz. Im folgenden Routenverlauf radeln wir direkt an den hellgrünen Schilfröhrichten entlang, die wir leider kurzzeitig mit der lauten B 17 teilen müssen. Am Seeende schwenkt die Strecke von der Bundesstraßeweg und es geht entlang des Großen Filzes nach Bayerniederhofen. Am südöstlichen Ortsrand folgen wir den Schildern geradeaus nach Trauchgau/Halblech. Zum Abschluss geht es über die Brücke über den Halblech in den Ort hinein.

Weiter zur 7. Etappe: Von Halblech nach Bad Kohlgrub


GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour15 km
Höhenunterschied90 m
Dauer1.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktFüssen
EndpunktHalblech
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte, Lindau-Oberstaufen (1:50 000), www.geodaten.bayern.de; Radwanderkarte Bodensee-Königssee-Radweg (1:50 000), www.publicpress.de
MarkierungenBlauer Schriftzug »Bodensee-Königssee-Radweg« auf weißem Grund; durchgehend gleiche Markierung bis zum Königssee
VerkehrsanbindungAuto: über die A 7
Bahn: Füssen ist perfekt in das deutsche Bahnnetz eingebunden
GastronomieBuching: Landgasthof Schäder
Halblech: Landgasthof Adler; Haus am Wildbach
Trauchgau: Restaurant Gletscherspalte
Tipps
Da beide Schlösser, vor allem Neuschwanstein, die Saison über gut besucht sind, empfiehlt es sich, frühmorgens oder spätabends an einer geführten Tour teilzunehmen, dann ist der Andrang überschaubar. Die Eintrittskarten können nur bei der Ticketverkaufsstelle erworben werden (geöffnet April– Sept. 8–17 Uhr). Die Schlösser selbst gewähren in diesen Monaten von 9–18 Uhr Einlass.
Verleih
Füssen: Radsport Zacherl/Müller, Kemptener Str. 26, Tel. 08362/32 92, www.radsport-zacherl.de; Multicycle, Abt-Hess-Str. 11,Tel. 08362/397 12, www.multicycle.de
Informationen
Das Landschaftsbild des Allgäus mit seinem ausgedehnten saftig grünen Weideland gibt es noch gar nicht so lange. Noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Aussehen des Allgäus vom blühenden Flachs geprägt. Man sprach damals sogar vom »blauen Allgäu«. Für viele Bauernfamilien war die Leinenweberei ein wichtiges Zubrot. Zu dieser Zeit gab es kaum einen Hof, der nicht in seiner eigenen Webstube das Leinen der Flachspflanze zu Textilien verarbeitete. Nach und nachwurde das traditionelle Gewerbe von der sich stark verbreitenden Baumwollproduktion verdrängt. Da kam es gerade recht, dass Sennermeister das nötige Wissen um die Käserei aus demschweizerischen Emmentalmit ins Allgäu brachten. Bis dahin hatten die Bauern der Region mehr schlecht als recht Käse hergestellt, der aufgrund seiner Qualität und Haltbarkeitmeist nur imEigenbedarf Verwendung fand. Die nun aufkommende Viehzucht und der Handel mit den Allgäuer Rindern, dieweit über die Landesgrenzen hinaus gefragt waren, veränderten weite Landstriche des Allgäus.
Tourismusbüro
Gästeinformation Halblech, Dorfstraße 18, Tel. 08368-9122222, E-Mail: info@halblech.de, www.halblech.de
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