Von Eglofs nach Oberstaufen

Auf schmalen Flurwegen geht es in einem stetigen Auf und Ab durch das grüne Westallgäu. Unterwegs passieren wir alte Mühlen, Obstplantagen und Viehweiden und genießen dabei herrliche Panoramablicke auf die Alpen. Die letzten fünf Kilometer rollen wir nach Oberstaufen hinunter. (Autor: Thorsten Brönner)

Von Eglofs nach Schönau

Vom Dorfplatz in Eglofs den steilen Weg zurück zur B 12 nehmen. Erstwellige, später flache Fahrt durch das stille Argental bis Zwirkenberg. Hier nach Süden schwenken und sanft ansteigend über Unter- und Oberschmitten bis Röthenbach fahren. In mehreren Spitzkehren auf der zeitweise verkehrsreichen St 2001 nach Schönau radeln.

Bevor wir starten, sollten wir uns ein wenig in Eglofs mit seinem harmonischen Dorfplatz umschauen, der von herrschaftlichen Gasthäusern, dem liebevoll bemalten Rathaus und der Barockkirche St. Martin eingerahmt wird. Als Erstes fällt der Blick auf den neugotischen Brunnen, der inmitten des zentralen Dorfplatzes die Szene ausschmückt. Direkt an der perfekten Historienkulisse befindet sich das im Herbst 2002 eröffnete Musikmuseum. Neben verschiedenen Musikinstrumenten beherbergt es eine Sammlung von Fossilien, Mineralien und Steinen. Ein dritter Schwerpunkt der Sammlung ist der Geschichte des Ortes gewidmet (geöffnet So 10–12 und 13:30–16Uhr, Tel. 07566/15 13).

Oberhalb der 1.500-Seelen-Gemeinde hat man einen weiten Panoramablick über das Dorf und das Alpenvorland hinweg bis zu dem Zackenband der Alpen. Um zur Fahrradroute zurückzukehren, fahren wir vorsichtig den steilen Asphaltweg zur B 12 zurück. In Eglofstal folgen wir der Bundesstraße auf dem Fahrradweg für knapp 400 Meter nach Osten und schwenken dann rechts in die Straße Richtung Steinegaden ab. Nach weiteren 100 Metern biegen wir links in den ruhigen Weg Richtung Eyb-Malleichen ein. Hinter einem Einsiedlerhof erklimmt der Bodensee-Königssee-Radweg mehrere, teils steile Buckel und taucht dabei in den schattigen Wald ein.

Wir halten uns stets auf der linken Seite der plätschernden Oberen Argen, passieren den Campingplatz am Ferienhof Maurus und folgen der Ausschilderung zur einsam gelegenen Badwirtschaft Malleichen. Ihren Beinamen erhielt die Ausflugsgaststätte durch ein ihr bis zum Jahre 1930 angeschlossenes Mineralbad. Dem Wasser, das aus einer nahe gelegenen Quelle stammte, wurde unter anderem die Stärkung der Manneskraft nachgesagt. Während sich die Leute solch ein warmes Wunderbad im Holzzuber gönnten, servierte ihnen der Wirt ein Bier. Leider gibt es das Bad nichtmehr, aber in dem verlockenden Biergarten können sich durstige Radler noch heute verwöhnen lassen. Nachdem wir das Meckatzer Löwenbräu getestet haben, erfreuen wir uns anschließend an dem ebenen Teilstück durch das malerische Argental, das zu beiden Seiten von dem großen Osterwald eingefasst ist.

Ohne es zu merken, sind wir wieder nach Bayern gelangt und erreichen die stärker befahrene St 2378, die wir sogleich an der nächsten Kreuzung in Zwirkenberg nach rechts verlassen. 100 Meter weiter steuern wir erneut rechts und folgen der sanft ansteigenden Nebenstraße nach Unter- und Oberschmitten. Nach 2,5 Kilometern mündet das Sträßchen in die Lindauer Straße (St 2001) ein, der wir auf dem Radweg bei leichter Steigung nach Röthenbach folgen. Hinter der im Jahre 1249 erbauten Pfarrkirche St. Martin windet sich die stärker befahrene Staatsstraße in zwei Spitzkehren einen steilen Hügel hinauf. Oben angelangt, nimmt uns wieder ein Radweg auf und führt uns ins 1,3 Kilometer entfernte Schönau.

Von Schönau nach Oberstaufen

Schönau in Südrichtung verlassen und den langen, steilen Anstieg über Heimhofen nach Rutzhofen hochklettern. Links abfahren und gemütlich nach Stiefenhofen hineinrollen. Wieder nach Süden und einen steilen Hügel überwinden. Der leicht abfallenden Nebenstraße über Ranzenried und Genhofen bis ins Ortszentrumvon Oberstaufen folgen.

Auf der Heimhofer Straße, die vor dem Gasthof Adler nach Süden abgeht, kehren wir Schönau den Rücken zu. So schön die ansprechende Weidelandschaft auch ist, richtig Freude will nicht aufkommen, denn vor uns zwingt ein beachtlicher Hügelzug das Asphaltband abermals in die Höhe. Nachdem wir eine Eisenbahnbrücke unterfahren sowie die Siedlung Heimhofen durchquert haben, ist am Ortseingang Rutzhofen auf 840 Meter Höhe der Scheitelpunkt erreicht und es stehen weitere 125 Höhenmeter mehr auf unserem Tacho.

Direkt an der Radroute liegt die Sennerei Rutzhofen, wo Sie sich im Rahmen einer Führung in die Geheimnisse des Käsens einweihen lassen können. Geführte Rundgänge gibt es jeweils freitags um 10:30 Uhr oder auf telefonische Anfrage unter Tel. 08384-580. 2008 wurde die an der Westallgäuer Käsestraße gelegene Sennereigenossenschaft zum besten deutschen Käseproduzenten gekürt. An der Verkaufstheke können Sie sich mit frischen Molkereiprodukten für die nächsten, kräftezehrenden Kilometer verpflegen.

Gut versorgt halten wir uns nun strikt an die Hauptstraße und rollen über Mittelhofen nach Stiefenhofen hinein. In der Ortsmitte bei der Kirche weisen Schilder nach rechts in Richtung Oberstaufen. Nach wenigen Metern zweigt hinter dem Landgasthof Rössle unser Weg nach Genhofen ab. Bei den letzten Häusern finden wir uns in einer kurzen, knackigen Steigung wieder. Nach 300 Metern lohnt ein kurzer Stopp zum Verschnaufen und um ausgiebig die Aussicht auf die nahe Nagelfluhkette auszukosten. Höchste Erhebung der 24 Kilometer langen Berggruppe ist der Hochgrat mit 1.832 Meter. Für dasmarkante Aussehen dieser Berge sorgt der sogenannte »Nagelfluh« – ein witterungsbeständiges Gestein, dessen Entstehung in der Tertiärzeit vor 30 Millionen Jahren begann.

Zu dieser Zeit lagen die Allgäuer Alpen weiter südlich und in der Gegend breitete sich ein großes, dicht bewaldetes Tiefland aus. Während der andauernden Alpenauffaltung wurden hier Grundwasser, Schlamm, Sand und Geröll auf natürliche Weise miteinander vermischt und verfestigt. Wegen seines Aussehens und seiner sehr festen Beschaffenheit wird das Sedimentgestein im Allgäuer Volksmund auch »Herrgottsbeton« genannt. Im Januar 2008 wurde der grenzüberschreitende Naturpark Nagelfluhkette gegründet. Der Park umfasst eine Fläche von 401 Quadratkilometer und erstreckt sich über sechs bayerische und acht Vorarlberger Gemeinden.

Auf der Reststrecke bis Oberstaufen überwiegen nun die Gefällstrecken. Unser nettes Landsträßchen führt durch die Bauernsiedlung Ranzenried und weiter nach Süden bis Genhofen, wo wir erst links und danach rechts abbiegen müssen. In Oberstaufen (Bhf.) halten wir uns an die Radroutenbeschilderung. Das heißt: 600 Meter nach dem Ortsanfang links in die Straße »In Pfalzen« einfahren und ihrem Zickzackkurs folgen, um schließlich auf die Isnyer Straße zu gelangen. Auf ihr erreicht man das Ortszentrum.

Weiter zur 3. Etappe: Von Oberstaufen nach Immenstadt im Allgäu


GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour21 km
Höhenunterschied320 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
StartortEglofs
EndpunktOberstaufen
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte Lindau-Oberstaufen (1:50 000), www.geodaten.bayern.de; Radwanderkarte Bodensee-Königssee-Radweg (1:50 000), www.publicpress.de
MarkierungenBlauer Schriftzug »Bodensee-Königssee-Radweg« auf weißem Grund; durchgehend gleiche Markierung bis zum Königssee
VerkehrsanbindungAuto: Über die A 96 München–Lindau (Ausfahrt 7/Kißleg) oder die B12 (Lindau-Kempten)
Bahn: 
Der Ort verfügt über keinen Bahnanschluss
GastronomieStiefenhofen: Landgasthof Rössle
Oberstaufen: Hotel Adler; Pizzeria Ristorante Bassano; Hotel Bayerischer Hof
Tipps
Freizeittipp: In Eglofs können Sie bei einer Ballonfahrt die Naturschönheiten des Alpenvorlands aus spektakulärer Höhe erleben. Lassen Sie sich vom Wind treiben und genießen Sie den Panoramablick auf das Allgäu, den Bodensee und die Alpen. Die Flüge finden bei gutem Wetter frühmorgens und gegen 17 Uhr statt.
Voranmeldungen und Informationen unter: Ballonsportclub Voralpenland e.V. Argenbühl/Eglofs, Strickers Höhe 24, Tel. 07566-941753, www.bsc-voralpenland.de
Tourismusbüro
Oberstaufen Tourismus Marketing, Tel. 08386/930 00, E-Mail: info@oberstaufen.de, www.oberstaufen.de
Tags: 
Mehr zum Thema