Von Dülmen zur Wasserburg Vischering

Leichte Streckenfahrt in Feldfluren und Wäldern. (Autor: Bernhard Pollmann)
82 km
100 m
6.00 h
Von Dülmen folgen wir der 100-Schlösser-Route wie bei Tour 3 zum Wasserschloss Senden und durch das Venner Moor zur Schlösserrouten-Verzweigung hinter der Johanneskirche in Venne. Hier lenken wir geradeaus und folgen den Radroutenpfeilen gleich darauf rechts in die Wälder der Davert hinein. Die wald- und moorreiche Senke der Davert zwischen Amelsbüren, Rinkerode, Ascheberg und Senden-Ottmarsbocholt ist ein auch zu Beginn des 3. Jahrtausends siedlungsarmes Gebiet. Nach altem Volksglauben bevölkert eine Vielzahl von Geistern die Davert und versetzt furchtsame Wanderer in Angst und Schrecken. Einer der ältesten Bäume ist die als Naturdenkmal ausgewiesene Teufelseiche, die gegenüber der Zufahrt zum Hof Schulze-Pellengahr steht (im Rahmen eines kurzen Abstechers von der 100-Schlösser-Route aus erreichbar). Zu den sagenumwobenen Spukgestalten, die in der Davert umgehen, zählen der Rentmeister Schenkewald, die Jungfer Leni, die Spinnleonore und die Wilddiebin von Venne. Letztere war ein Mädchen, das in den wildreichen Wäldern der Davert ein Reh fand, es mit nach Hause nahm und aufziehen wollte; der Förster bezichtigte das Mädchen der Wilddieberei, band es auf dem Rücken des Rehs fest und jagte das Reh in die Wälder. Seither zeigt sich, wie erzählt wird, in der Dämmerung ein gespenstisches Reh mit der auf dem Rücken festgebundenen »Wilddiebin von Venne«.
In vergangenen Jahrhunderten diente sie als Jagd-, Forst- und Hudewald und wurde nach dem Volksglauben von Spukgestalten und Geistern aller Art bevölkert. Sie ist heute ein bedeutendes Naherholungsgebiet. Beim Austritt aus dem Wald erreichen wir erneut eine Radroutenverzweigung: Links führt die Schlösserroute weiter Richtung Davensberg/Ascheberg, überquert die Autobahn und zweigt an einem Parkplatz rechts ab, überquert ein zweites Mal die durch die Davert verlegte Trasse der Autobahn und erreicht den Ort Davensberg . Im Mittelalter wurden Burg und Freiheit Davensberg in die waldreiche Niederung hineingerodet, und obwohl sich die flache Senke der Davert geologisch-geografisch über ein viel größeres Gebiet erstreckt, bezeichnet man als »Davert« im Wesentlichen nur das Gebiet innerhalb der ehemaligen Jagdgrenzen des Hauses Davensberg. Die Schlösserroute verlässt Davensberg auf der Byinkstraße und führt an den Herrenhäusern Haus Byink und Haus Romberg vorbei nach Ascheberg. Ascheberg im Süden der waldreichen Davert ist eine der Urpfarreien des Münsterlands, die erste Kirche wurde wahrscheinlich bereits in ludgerianischer Zeit um 800 gegründet. Die jetzige Kirche Sankt Lambertus ist eine weiträumige spätgotische Hallenkirche; der Backsteinchor wurde 1737 nach Entwürfen von Conrad Schlaun errichtet, der neugotische Westturm 1909. In schöner Feldflurfahrt folgt die Schlösserroute der Wabe 148 von Ascheberg Richtung Nordkirchen und mündet zuletzt auf die radweglose, viel befahrene Münsterstraße, auf der es glücklicherweise in rascher Fahrt abwärts geht. Unten am Waldrand verzweigt sich die Schlösserroute: Geradeaus erreicht man in einem lohnenden Abstecher Ort und Schloss Nordkirchen (siehe Tour 7), während der Lüdinghausen-Strang der Schlösserroute (Wabe 175) rechts durch die Felder führt. Der Abstecher zum Schloss Nordkirchen ist auch deshalb empfehlenswert, weil das »westfälische Versailles« in völligem Kontrast steht zu Vischering: Die mittelalterliche Wasserburg Vischering und das spätbarocke Wasserschloss Nordkirchen wurden beide im Auftrag münsterischer Bischöfe errichtet, sind Anlagen völlig unterschiedlicher Epochen und Geisteshaltungen und beide in ihrer Art derart eindrucksvoll, dass der an sich schöne Weg in der Erinnerung fast verblasst angesichts der Großartigkeit dieser Bauten. Nach der Feldflurfahrt erreicht die Schlösserroute Lüdinghausen, berührt jedoch nicht die außerordentlich sehenswerte Altstadt (geradeaus, kein Umweg, Verbindung zur Burg Vischering ausgeschildert): Im Zentrum erhebt sich die spätgotische katholische Pfarrkirche St. Felizitas (1507–58), deren Ursprung bis in die Zeiten des heiligen Liudger zurückreichen soll. Damals, so berichtet die Legende, hatte der Ort noch keinen Namen, doch als 809 Liudgers Leichnam von Münster nach Werden gebracht wurde, fingen auf einmal die Turmglocken von selbst an zu »lüden«. Von da an hieß das Dorf »Lüding-husen«. Ohne Berührung mit dem Altstadtkern führt die Schlösserroute direkt zur Wasserburg Vischering im Norden der Stadt. Wir betreten die Burg über die Zugbrücke. Die von einem mehrfachen Wall- und Grabensystem umgebene Ringmantelburg Vischering stammt im Kern aus dem 13. Jh. und ist eine der bedeutendsten und ältesten Wasserburgen Westfalens, heute Sitz des Münsterland-Museums und Kulturzentrum des Kreises Coesfeld. Bischof Gerhard von Münster ließ die Burg kurz vor 1271 an der Stever als Bollwerk gegen die Herren von Lüdinghausen errichten. Trotz Umbauten im 16. Jh. (Einbau der Fenster) ist der Wehrcharakter der Gründungsanlage erkennbar: kreisrunde Hauptburg mit ursprünglich fensterloser, zwei Stockwerke hoher Ringmauer, davor die trapezförmige Vorburg. Von Burg Vischering leitet die Schlösserroute westwärts, überquert den Dortmund-Ems-Kanal, wendet sich vor der Eisenbahnlinie rechts, folgt nun lange Zeit immer in etwa dem Gleiskörper und zweigt an der ersten Dülmen-Radroutenverzweigung (Schilder: Wabe 168) links nach Haus Visbeck ab, einer ehemaligen Wasseranlage auf zwei Inseln mit Wall und Außengraben; erhalten ist ein Teil der Vorburg. In schöner Wald- und Wiesenfahrt geht es im Norden der Borkenberge weiter westwärts bis zu einer Radroutenverzweigung vor einer Eisenbahnunterführung. Während die Schlösserroute hier links Richtung Haltern abzweigt (Wabe 172), unterqueren wir die Eisenbahnlinie und treffen sofort auf eine weitere Verzweigung: Rechts durch den Mühlenweg geht es nach Dülmen zurück. Eng verbunden ist die Stadt Dülmen mit der Augustinerin Anna Katharina Emmerick, die den Reigen der stigmatisierten Nonnen des 19. Jahrhunderts eröffnete. Jeden Freitag aus fünf Wundmalen blutend, offenbarte sie ihre in Ekstasen gewonnenen Kenntnisse über das Leiden Christi und das Leben Mariens. Der romantische Dichter Clemens Brentano (»Des Knaben Wunderhorn«), der 1817 von der Dichterin Luise Hensel (»Müde bin ich, geh' zur Ruh'«) dem Katholizismus zugeführt worden war, lebte von 1818 bis zu ihrem Tod 1824 in der Nähe von Anna Katharina, die er als Heilige verehrte, und veröffentlichte ihre Visionen unter dem Titel »Das bittere Leiden unsers Herrn Jesu Christ« (1833). Das Grabmal der Anna Katharina Emmerick befindet sich in der katholischen Pfarrkirche Heilig Kreuz (1939, von Dominikus Böhm).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour82 km
Höhenunterschied100 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBahnhof Dülmen.
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDurch die Wälder der Davert führt diese Rundtour zum Burgturm in Davensberg und nach Ascheberg und berührt mit Wasserschloss Senden und Wasserburg Vischering zwei der berühmtesten Schlösser des Münsterlands.
Beste Jahreszeit
KartentippRadwanderkarte 1:50000 Radelpark Münsterland, Blatt Kreis Coesfeld.
MarkierungenSchloss, Richtungspfeile und namentliche Ausschilderung.
VerkehrsanbindungA 43 Münster – Ruhrgebiet Ausfahrt Dülmen. Bahnlinie Münster – Dülmen – Haltern – Recklinghausen.
GastronomieDülmen, Senden, Venner Moor, Davensberg, Ascheberg, Lüdinghausen, Dülmen.
Tipps
Variante: Wer über Schloss Nordkirchen fährt, hat dort auch Anschluss an den zum Schloss Westerwinkel (Tour 7) führenden Strang der 100-Schlösser-Route. Im Park von Schloss Westerwinkel verzweigt sich die 100-Schlösser-Route erneut: Ein Strang führt nach Drensteinfurt (Tour 7), der andere nach Cappenberg (Tour 6).
Tourismusbüro
Verkehrsbüro Stadt Dülmen, Markt 1–3, 48249 Dülmen, Tel. 02594/12345, Fax 02594/12346, Internet www.duelmen.de. Verkehrsbüro Senden, Münsterstraße 30, 48308 Senden, Tel. 02597/699114, Tel. 02597/699222, Internet www.senden-westf.de. Verkehrsverein Ascheberg, Katharinenplatz 1, 59387 Ascheberg, Tel. 02593/6324, Fax 02593/7525, Internet www.verkehrsverein-ascheberg.de. Verkehrsverein Lüdinghausen, Münsterstraße 37, 59348 Lüdinghausen, Tel. 02591/78008, Fax 02591/78010, Internet www.luedinghausen.de.
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