Von Dülmen nach Münster

Leichte Streckenfahrt in Feldfluren und Wäldern. (Autor: Bernhard Pollmann)
44 km
100 m
4.00 h
Die schon 1316 erwähnte Wildpferdebahn im Merfelder Bruch westlich von Dülmen wurde dank der Fürsorge der Herzöge von Croy in unsere Zeit hinübergerettet und ist heute die einzige Wildbahn dieser Art in Europa. Halbwild, sich selbst überlassen, leben im Merfelder Bruch die letzten Nachkommen der Wildpferde Westfalens, neben dem Senner Pony die einzige urtümliche Ponyrasse in Deutschland. Alljährlich am letzten Sonnabend im Mai werden in der Wildpferdebahn die einjährigen Ponies eingefangen und versteigert – ein Schauspiel, das Tausende von Zuschauern anlockt. Obwohl die 100-Schlösser-Route nach Osten führt, ist anfangs der kurze (5 Min.) Abstecher zum Wildpark der Herzöge von Croy vor den westlichen Toren Dülmens zu empfehlen; er ist einer der größten und schönsten Landschaftsparks im Münsterland. Dazu folgt man der Radelpark-Wabe 168, berührt kurz das Zentrum mit dem Lüdinghauser Tor, einem der wenigen Reste der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung Dülmens (die Altstadt wurde 1945 zerstört), und folgt den Radroutenpfeilen in den Wildpark hinein. Den im Stil englischer Landschaftsgärten angelegten, 250 ha großen Wildpark prägt der Wechsel von Buchen-Eichen-Mischwäldern, Weide- und Wiesengründen, Feuchtbiotopen, Fichten- und Kiefernhainen. In dieser Landschaft bewegen sich Damwild, Schafe und Heidschnucken frei. Vom Kreisel vor dem Bahnhof Dülmen lenken wir wenige Meter Richtung Stadt und treffen an der ersten Straße auf die 100-Schlösser-Route: Hier rechts, durch die Unterführung, gleich darauf links (Ostlandwehr), dann rechts auf den Hülsenweg, der in die Wälder hinausführt und in die Feldmark eintaucht. Kurz vor Buldern, dem ersten Dorf, wechselt die Route rechts über die Bahnlinie und leitet in rascher Feldmarkfahrt via Rödder in das Dorf Hiddingsel und weiter in den Park des Wasserschlosses Senden (15.-19. Jh., privat) am Dortmund-Ems-Kanal. Der frei zugängliche Park mit seinen Gräften und baumbestandenen Ringwällen zählt zu den schönsten Schlossparks des Münsterlands. Nahtlos schließen sich der Bürgerpark mit seinen Teichen und Biotopen sowie die als Naturdenkmal ausgewiesene Lindenallee am Dortmund-Ems-Kanal an. Auf der ersten Kanalbrücke wechselt die Schlösserroute auf die Südseite des Kanals (während die Dortmund-Ems-Kanal-Route diesseits des Kanals weiterführt), zweigt sofort links in die Ottmarsbocholter Straße ab, verlässt sie in der Kurve links und führt durch die Wälder des Venner Moors. Der Name für das überwiegend bewaldete Gebiet östlich von Senden auf der Wasserscheide zwischen Stever und Emmerbach am Rand der Davert erinnert an eines der größten Hochmoorgebiete des Münsterlands. Entwässerungsmaßnahmen, Torfabbau und die Anlage des Dortmund-Ems-Kanals haben die Moorflächen weitgehend zerstört, in Relikten vermittelt jedoch das Naturschutzgebiet Venner Moor noch etwas von seiner Ursprünglichkeit: Hier beginnt das Moor wieder zu wachsen, hier finden sich charakteristische Moorpflanzen wie Krähenbeere, Moosbeere und Wollgras. An der Straße am Ende des Waldgebiets wendet sich die 100-Schlösser-Route rechts nach Venne, wo der Biergarten des Restaurants »Venner Moor« zur Einkehr lädt. Hier wechselt die Schlösserroute bei der Johanneskirche, einer ehemaligen Leprosenkapelle, links (ostwärts) in die Feldmark und erreicht eine Verzweigung: Rechts führt die Wabe 148 weiter nach Davensberg und Ascheberg (siehe Tour 4), während wir derselben Wabe links durch die Feldfluren und Wälder am Rand der Davert Richtung Münster folgen und zum Dortmund-Ems-Kanal zurückgeführt werden. Während das Rheinland im Rhein einen preiswerten Zugang zur See besaß, fehlte dem Ruhrgebiet eine ähnliche Wasserstraße. Diese wurde 1892–99 mit dem Dortmund-Ems-Kanal geschaffen: Der 269 km lange Kanal führt von Dortmund in die Seehafenstadt Emden, wobei er streckenweise die Ems benutzt. 15 Schleusen und das Schiffshebewerk gleichen die Höhenunterschiede aus. War der Dortmund-Ems-Kanal früher ausschließlich von Bedeutung für die Eisen produzierende Wirtschaft des Ruhrgebiets, so erfüllt er heute zugleich Freizeitfunktionen: Hobbykapitäne und Ausflugsschiffe nutzen die Wasserstraße durch das Münsterland, nahezu die gesamte Strecke längs des Kanals ist als Radweg ausgebaut.
Der weitere Verlauf der 100-Schlösser-Route zwischen Dortmund-Ems-Kanal und Aasee ist wegen der Autobahnnähe und des langen Straßenstücks von Mecklenbeck nach Münster (auch Schlösser gibt es hier nicht) kein Sahnestück, weshalb man nicht verkehrt handelt, wenn man längs des Dortmund-Ems-Kanals nach Münster fährt. Dafür finden diejenigen, die auf der 100-Schlösser-Route nach Münster kurbeln, jenseits des Aasees (die 100-Schlösser-Route bleibt auf dem Radweg der Mecklenbecker Straße südlich dieses in der Aa aufgestauten Wassersportsees) ein schönes, parkartiges Gelände zum Verschnaufen. Weithin sichtbar ist die Mühle im Freilichtmuseum Mühlenhof, in dessen Nachbarschaft ein Allwetterzoo und das Westfälische Museum für Naturkunde mit Planetarium eingerichtet wurden. Beim Blick Richtung Innenstadt zeigt sich jenseits (»überwasser«) der Aa der turmlose Helmkoloss der gotischen Überwasserkirche Liebfrauen. Der Turmhelm der 1340–70 errichteten Kirche wurde von den Wiedertäufern abgetragen, ein zweiter 1708 abgeweht; seither zählt der helmlose Turm zu den stadtbildprägenden Elementen von Münster. Vom Aasee leitet die 100-Schlösser-Route weiter zur Promenade, auf der wir darauf achten, dass wir die Verzweigung (Windthorststraße) zum Hauptbahnhof nicht verpassen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour44 km
Höhenunterschied100 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBahnhof Dülmen.
EndpunktHauptbahnhof Münster.
TourencharakterVon der Wildpferdestadt Dülmen führt dieser Strang der 100-Schlösser-Route zum Park des Wasserschlosses Senden am Dortmund-Ems-Kanal und durch die Wälder des Venner Moors am Rand der Davert in die Hauptstadt des Münsterlandes.
Beste Jahreszeit
KartentippRadwanderkarte 1:50000 Radelpark Münsterland, Blatt Kreis Coesfeld.
MarkierungenSchloss, Richtungspfeile und namentliche Ausschilderung.
VerkehrsanbindungA 43 Münster – Ruhrgebiet Ausfahrt Dülmen. Bahnlinie Münster – Dülmen – Haltern – Recklinghausen.
GastronomieDülmen, Rödder, Senden, Venner Moor, Münster.
Tipps
Variante: An der erwähnten Verzweigung bei Venne besteht Anschluss an den nach Lüdinghausen weiterführenden Strang der 100-Schlösser-Route (siehe Tour 4).
Informationen
Dortmund-Ems-Kanal Die als Radstrecke ausgeschilderte Dortmund-Ems-Kanal-Route bildet eine empfehlenswerte autofreie Alternative zur 100-Schlösser-Route auf dem Schlussstück nach Münster, da die 100-Schlösser-Route hier bis zum Aasee wegen der Autobahnnähe und der langen Passage längs der Mecklenbecker Straße weniger attraktiv ist. Dazu zweigt man vor dem Dortmund-Ems-Kanal rechts auf das kanalbegleitende Pättke ab. Im Bereich der nächsten Kanalbrücke hat sich ein wilder, viel besuchter Bade-»Strand« entwickelt, der Ort Amelsbüren wird am Rand tangiert, wenig später passieren wir das Freibad am Rand der Hohen Ward, und wer gleich darauf vor der Eisenbahnbrücke rechts abbiegt, gelangt an den Hiltruper See. Wir folgen dem Fuß- und Radwanderweg längs des Kanals am Hafen vorbei bis weit nach Münster hinein und zweigen schließlich links auf den von Telgte herüberführenden Strang der 100-Schlösser-Route (Westfalenradweg R1) ab (vgl. Tour 15).
Tourismusbüro
Verkehrsbüro Stadt Dülmen, Markt 1–3, 48249 Dülmen, Tel. 02504/12345, Fax 02504/12346, Internet www.duelmen.de. Verkehrsbüro Senden, Münsterstraße 30, 48308 Senden, Tel. 02597/699114, Tel. 02597/699222, Internet www.senden-westf.de. Münster Marketing, Klemensstr. 9, 48143 Münster, Tel. 0251/4922710, Fax 0251/4927743, Internet www.muenster.de
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