Von Burgsteinfurt nach Coesfeld

Gut beschilderte, hügelige Wald- und Feldmarkfahrt. (Autor: Bernhard Pollmann)
130 km
200 m
8.00 h
Vom Bahnhof Burgsteinfurt folgen wir den Gleisen an der Radstation vorbei, zweigen vor der Brücke rechts ab und rollen auf dem Radweg neben der Bahnhofstraße in sachter Abfahrt Richtung Burgsteinfurt Mitte, an den Ampeln am Ende kurz links und sofort rechts durch die Fußgängerzone (Steinstraße). Am Marktplatz (hier das Alte Rathaus, jetzt Heimatmuseum) kreuzt die 100-Schlösser-Route, und wer den Bagnopark besichtigen will, folgt ihr in einem kurzen Abstecher rechts und erreicht nach wenigen Minuten das Wasserschloss Steinfurt und den Bagnopark. Das Wasserschloss Steinfurt ist eine eindrucksvolle, ringförmig auf zwei Inseln in der Steinfurter Aa errichtete Anlage, die seit dem 12. Jh. ständig erweitert wurde und Stilelemente aller Epochen vereinigt. Besonders sehenswert sind in der wehrhaften Hauptburg der Torturm, der im 14. Jh. seine Zinnen erhielt, und die romanische Doppelkapelle (12. Jh.), die Wohnbauten des 16.-18. Jh. sowie in der Vorburg das Brunnenhaus. In den ausgedehnten Hochwäldern südöstlich des Schlosses ließen die Grafen ab 1765 einen streng geometrisierenden französischen Garten anlegen, der wenig später in einen englischer Garten umgewandelt wurde. Von den ursprünglich 49 Sehenswürdigkeiten in diesem Bagnopark – exotische Lusthäuser, Tempelchen, eine Kapelle, zahlreiche Wasserspiele, Grotten, künstliche Ruinen und ein Bagno genanntes Badehaus, das der Anlage den Namen gab – ist das meiste verschwunden; erhalten ist außer dem inselreichen Bagno-See der 1774 vollendete Konzertsaal mit Muschelgrotte.
Vom Bagno-Park kehren wir auf der 100-Schlösser-Route zurück zum Alten Rathaus, folgen hier den Routenschildern geradeaus durch die Wasserstraße Richtung Wettringen, verlassen wenig später die Stadt und lenken durch die weiten Feldfluren des Hollicher Felds. Dort führt an der Radroutenverzweigung die Wabe 34 weiter nach Emsdetten links der Ems mit einer der frühesten neugotischen Kirchen (1845–48) Westfalens. Im Zentrum befindet sich die Museumsinsel Hof Deitmar mit Wannenmachermuseum und Backhaus. Kurz nach Verlassen der Stadt überquert die 100-Schlösser-Route erstmals die Ems, leitet durch Felder weiter in Richtung des Kamms des Teutoburger Walds und zweigt dann scharf rechts in den idyllischen Flecken Saerbeck ab, wo es Hochprozentiges im Kornbrennereimuseum gibt.
Nun gibt die von Auen begleitete Ems, die mehrfach überquert wird, unter anderem in dem Kirchweiler Hembergen (Einkehr), die Route zum Sachsenhof Pentrup vor. Dieses museale Anwesen umfasst neben der Rekonstruktion einer 1200 Jahre alten frühmittelalterlichen Hofanlage einen Garten mit Anbauversuchen aus sächsisch-germanischer Zeit, wobei der Schwerpunkt beim Flachsanbau liegt. An Aktionstagen wird getöpfert, gesponnen, gefärbt, gewebt und Eisen gewonnen. Nach Durchfahren des mit prachtvollen Birken-/Eichenwäldern bestandenen, leicht bergigen Dünengebiets der Wentruper Berge am Rand der Emsaue erreichen wir die alte Emsstadt Greven mit der im Zentrum in erhöhter Lage errichteten Martinskirche (romanischer Westturm), einer der Urpfarreien des Münsterlands. Erst 1950 erhielt Greven, das bis dahin »größte Dorf des Münstertals« die Stadtrechte. Von der Westumgehung aus (B 219) überqueren wir erneut die Ems und lenken durch Feldfluren in die Dorfschaft Westerode und an Gut Althaus vorbei in das Dorf Nordwalde , das sich auf dem Grund zweier münsterischen Amtshöfe, des Pröpstingshofs und des Bispinghofs (beide privat), entwickelte. Nach Durchfahren dieses größeren Dorfs beginnt der im Vergleich zum bisherigen Verlauf der Tour »steile« Anstieg auf die Altenberger Höhen und in den Höhenort Altenberge mit dem im Kern gotischen Dom, dessen mächtiger Turm sich von weitem zeigt. Nach rasanter Abfahrt von den Altenberger Höhen geht es weiter durch die Feldflur, kurz nach Überqueren der Steinfurter Aa durchfahren wir das Kirchdorf Holthausen und erreichen wenig später das Ewaldidorf Laer am Ewaldibach am Fuß der Baumberge, das ebenso wie Altenberge ein schöner Ort für eine längere Rast ist. Der Heidenbaum (eine Linde) ist ein uralter Zeuge der Zeit, als Westfalen »noch tief in der Finsternis des Heidentums begraben lag«, wie die Legende berichtet, und der Schwarze und der Weiße Ewald hier das Christentum predigten und eine Quelle entspringen ließen. An der Windmühle vorbei leitet die 100-Schlösser-Route längs des Ewaldibachs nordwärts hinaus in die Feldflur, und wer zum Ausgangspunkt zurückkehren will, kann dies an der nächsten Radroutenverzweigung tun: Die Waben 33 und 47 führen geradeaus nach Steinfurt, während die 100-Schlösser-Route der Wabe 48 westwärts nach Horstmar, der Stadt der Burgmannshöfe, folgt. Fünf der acht Burgmannshöfe, planmäßig im 14. Jh. an der (ehemaligen) Stadtmauer angelegt, sind erhalten. In der historischen Altstadt stehen die gotische Pfarrkirche St. Gertrudis und das Alte Rathaus (16. Jh.). An St. Gertrudis leitet die Schlösserroute geradeaus, am Ende der Altstadt rechts und sofort links aussichtsreich durch Wiesen und Felder in den Marienwallfahrtsort Eggerode an der jungen Vechte. Die 100-Schlösser-Route verlässt das Dorf südwärts, führt in schöner Feld- und Waldfahrt an Haus Burlo vorbei und erreicht kurz hinter dem Dorf Darfeld das Schloss Darfeld (privat), eine Wasseranlage in Formen der Neorenaissance (nach Brandzerstörung 1899). Zum alten Bestand gehört die Antoinettenburg, ein barockes Gartenhaus (1757) von Conrad Schlaun im Schlosspark. Bei Schloss Darfeld vereinigt sich die 100-Schlösser-Route mit dem Westfalenradweg R1. In gemeinsamer Routenführung geht es durch Wald und Feldfluren nach Südwesten, wo sich die Routen vorübergehend wieder trennen: Während der R1 direkt nach Schloss Varlar weiterführt, zweigt die 100-Schlösser-Route rechts in das Dorf Osterwick ab und erreicht wenig später Holtwick mit dem berühmten Holtwicker Ei; dieser sagenumwobene Felsen ist mit einem Gewicht von ca. 20 t der größte im Münsterland erhaltene Findling. Nächstes Etappenziel ist Schloss Varlar (privat, ehemaliges Prämonstratenserkloster, das nach der Säkularisation zu einer großzügigen klassizistischen Residenz ausgebaut wurde), wo sich die 100-Schlösser-Route wieder vorübergehend mit dem Westfalenradweg R1 vereinigt, ihn bei einem ehemaligen Jagdschlösschen bald wieder verlässt und nach abschließender Bergfahrt den Zielort Coesfeld erreicht.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour130 km
Höhenunterschied200 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBahnhof Burgsteinfurt.
EndpunktBahnhof Coesfeld.
TourencharakterVon der ehemaligen Residenzstadt der Fürsten von Bentheim-Steinfurt mit dem eindrucksvollen Wasserschloss und dem Bagnopark führt diese Streckentour der 100-Schlösser-Route nach Emsdetten und Greven an der Ems, über die nördlichen Ausläufer der Baumberge in den Wallfahrtsort Eggerode und in den Wallfahrtsort Coesfeld an der Berkel.
Beste Jahreszeit
KartentippRadwanderkarte 1:50000 Radelpark Münsterland, Blatt Kreis Steinfurt und Blatt Kreis Coesfeld.
MarkierungenSchloss, Richtungspfeile und namentliche Ausschilderung.
VerkehrsanbindungBahnlinie Münster – Burgsteinfurt – Gronau.
GastronomieIn allen Dörfern und Städten sowie in zahlreichen Landgasthöfen.
Tipps
Variante: Wer einen Rundkurs fahren und nach Burgsteinfurt zurückkehren will, verlässt in Horstmar die 100-Schlösser-Route auf der Wabe 33 (bezeichnet mit dem Logo der Aa-Vechte-Tour) und stößt nach wenigen Kilometern auf den vom Schöppinger Berg herabführenden Strang der 100-Schlösser-Route (Tour 24), die via Leer zurück nach Burgsteinfurt führt. Eine weitere Variante besteht darin, von Coesfeld aus auf der 100-Schlösser-Route über Legden, Ahaus, Vreden, Stadtlohn, Gescher und Velen nach Borken zu fahren. Bei dieser 72 km langen Streckenfahrt hat man in Velen Anschluss an Tour 27.
Informationen
Wallfahrt Eggerode Eggerode ist eine der berühmtesten Wallfahrtsstätten des Münsterlands. Das als wundertätig geltende Bild Unserer lieben Frau vom Himmelreich (gotisch) in der 1843/44 neu erbauten und erweiterten Wallfahrtskapelle vor der im Kern gotischen Pfarrkirche Mariä Geburt ist Ziel einer regen Verehrung, nachweislich seit 1338; es soll viele »Bresthafte und Lahme« geheilt haben. Am Fest Mariä Geburt (erste Septemberwoche) wird das Bild von vier Eggeroder Jungfrauen durchs Dorf getragen. Schön ist auch der alte Marienbrunnen (16./17. Jahrhundert) an der Dorfstraße.
Tourismusbüro
Verkehrsverein Steinfurt, Markt 2, 48565 Steinfurt, Tel. 02551/1383, Fax 02551/7326, Internet www.steinfurt.de.
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