Von Besigheim durch vier Täler

Eine bequeme und abwechslungsreiche Radtour durch Weinanbaugebiete. Aber auch kulturhistorisch Interessierte kommen nicht zu kurz - Besigheim und Marbach am Neckar mit dem Schiller-Nationalmuseum sind malerische Fachwerkstädtchen, Steinheim beherbergt ein Urmensch-Museum, Lauffen am Neckar bietet ein Friedrich-Hölderlin-Museum und die Regiswindiskirche mit einem Beinhaus. (Autor: Ute und Peter Freier)
78 km
280 m
5.00 h

An Neckar und Murr nach Steinheim an der Murr

Vom Parkplatz am Freibad Besigheim radeln wir flussaufwärts am Neckarufer, überqueren unterhalb der Hessigheimer Weinberge und Felsengärten, einem bei Kletterern beliebten Gelände, den Fluss und radeln nach einem kurzen Anstieg durch Hessigheim wieder zum Neckar hinunter. Unmittelbar vor der Neckarbrücke wenden wir uns nach links und gelangen über Mundelsheim nach Pleidelsheim, wo wir der Straße über den Neckar folgen.

Am Ortsbeginn von Großingersheim biegen wir links ab und erreichen auf Höhe von Freiberg-Geisingen wieder das Flussufer. Hier ist der »alte« Neckar in trockenen Sommern so wasserarm, dass man zwischen den Felsplatten des Flussbetts baden kann. Wenig später überqueren wir bei Beihingen sowohl den »alten« als auch den kanalisierten Neckar und wenden uns sofort nach rechts. Zwischen unzähligen Obstgärten am Fuß von Weinbergen erreichen wir Benningen, überqueren den Fluss und wenden uns an der ersten Straßenkreuzung nach links.

Gegen Ortsende überqueren wir auf einem Steg erneut den Neckar, halten uns unterhalb von Marbach a. N. auf der verkehrsreichen Talstraße links und biegen nach 500 Metern an der Mündung des Flüsschens Murr in den Neckar rechts ab. Breite Wirtschaftswege im flachen Murrtal führen bequem in das Städtchen Steinheim an der Murr.

Abstecher nach Marbach am Neckar

Am Neckarsteg geradeaus in der ansteigenden Schillerstraße zum kleinen Cottaplatz. Nach rechts führt die Niklastorstraße vollends hinauf in die malerische Altstadt. Im Haus Niklastorstraße 31 wurde im Jahr 1759 Friedrich Schiller geboren. In der Altstadt ist die alte Bausubstanz noch weitgehend erhalten: Stadtmauer, öffentliche Gebäude, prächtige Fachwerkhäuser und bescheidene Fachwerkhäuschen. Das Schiller-Nationalmuseum steht außerhalb der Altstadt in Aussichtslage an der Kante des Neckartals.

Urmensch-Museum in Steinheim an der Murr

Auf einer Bogenbrücke überqueren wir die Murr und erreichen, vorbei an einem Urmensch-Museum, den kleinen Marktplatz mit einem Arkaden-Fachwerk-Rathaus und einem mit Wappen geschmückten Brunnen. Wer sich für die Evolution des Menschen interessiert, besucht das höchst interessante Urmensch-Museum. Grund für die Einrichtung des Museums war die Entdeckung der Überreste eines Urmenschen, des Homo steinheimensis, in einer Steinheimer Kiesgrube. Eine weitere Abteilung beherbergt Funde und Nachbildungen ausgestorbener Tierarten, die während der Eiszeiten in Mitteleuropa lebten.

Die Weinregion Bottwartal

In Steinheim folgen wir nach links der Ortsdurchfahrt 300 Meter weit zu einer Straßenkreuzung, an der wir rechts abbiegen in eine Wohnstraße, die in einen Fuß- und Radweg auf der Trasse einer Bahnlinie übergeht. Anfangs noch im Schatten von Bäumen gelangen wir entlang des Flüsschens Bottwar nach Kleinbottwar und nach Großbottwar, einen historischen Weinort. Entstanden ist das Städtchen als Siedlung zu der bei Oberstenfeld sitzenden Burg Lichtenberg. Verwinkelte Sträßchen führen zum Marktplatz mit Marktbrunnen, Fachwerk-Rathaus im Stil der Renaissance (1556) und stattlichen Fachwerkhäusern wie dem Haus Nr. 2, der einstigen Poststation; etwas erhöht die Martinskirche mit frühgotischem Turm.

Durch ein Industrie- und Gewerbegebiet, anschließend in geringer Entfernung zur Talstraße gelangen wir nach Oberstenfeld, wenig später zu einem außerhalb des Orts angelegten Freibad und in den Weinort Beilstein mit der imposanten Burgruine Hohenbeilstein.

Die Altstadt von Beilstein

Beilstein liegt reizvoll am Fuß der Weinberge des Burgbergs. Trotz der Zerstörung durch französische Truppen im 17. Jahrhundert sind noch einige Fachwerkhäuser erhalten. Mit der Burg Hohenbeilstein war die Stadt durch sogenannte Schenkelmauern verbunden. In der von einer Ringmauer und einem aus dem Fels gehauenen Graben umgebenen Burgruine erhebt sich ein fünfeckiger Bergfried, der sogenannte Langhans, im einstigen Palas ist eine Burggaststätte untergebracht, und im Burghof finden die Vorführungen einer Falknerei statt.

Von der einfachsten Route durch Beilstein auf der Hauptstraße ist an Sonntagen wegen des Ausflugsverkehrs abzuraten. Stattdessen biegen wir am Ortsbeginn an derjenigen Straßenkreuzung, an der man nach rechts zur Burg hochfährt, links ab und folgen der ersten rechts abzweigenden Seitenstraße. Auf den Asphalt gemalte Pfeile geben die Fahrtrichtung an und leiten uns zur Straße Beilstein–Ilsfeld.

Das Schozachtal und der Neckar bis Lauffen

Über eine niedere Erhebung hinweg und mit Blick auf Ilsfeld gelangen wir in das zunächst breite, flache Schozachtal und nach Ilsfeld. Am Ortsende beginnt ein sehr schöner Streckenabschnitt durch das Schozachtal: Auf der schmalen Sohle des windungsreichen, zunächst bewaldeten Tals verläuft der Weg auf der Trasse einer ehemaligen Schmalspur-Bahnlinie, führt am ehemaligen Bahnhof Schozach vorbei und durch den Weinort Talheim nach Horkheim und an den Neckar. Im Neckartal folgen wir nach links der Radmarkierung des Zabergäu-Wegs, überqueren wenig später an einer Schleuse den Neckarkanal, gleich darauf beim Weinort Klingenberg den »alten« Neckar und folgen nach links dem Neckar-Radweg.

Der Weg entfernt sich vom Fluss, führt durch Nordheim und in leichtem Auf und Ab zwischen Weinfeldern nach Lauffen am Neckar. Die Kleinstadt besteht aus dem »Städtle«, das sich mit den Resten der mittelalterlichen Stadtbefestigung am östlichen Talhang hochzieht, und aus dem »Dorf« westlich des Flusses, dem heutigen Ortszentrum mit der Regiswindiskirche. Die außergewöhnliche Länge der Brücke ist durch eine Neckarinsel bedingt, auf der im Mittelalter eine Burg errichtet wurde, in der sich heute die Stadtverwaltung befindet.

Über Kirchheim am Neckar nach Besigheim

Kurz nach dem Ortsende von Lauffen fahren wir bequem am Neckar entlang – linker Hand Weinberge am felsigen Steilufer, in Fahrtrichtung das Kernkraftwerk Neckarwestheim – und gelangen nach einer Flussschleife mit Weinbergen nach Kirchheim am Neckar. Durch ein Tor der einstigen Stadtbefestigung erreichen wir das kleine Zentrum des im Mittelalter freien Reichsdorfs, das unmittelbar dem Kaiser unterstellt und befestigt war wie eine freie Reichsstadt; geringe Teile der Stadtmauer sind noch erhalten. Entlang einer Bahnlinie, an einem Kraftwerk vorbei, durch Walheim und nach links über eine Enz-Straßenbrücke – hier mündet die Enz in den Neckar – erreichen wir Besigheim und kehren nach links zum Ausgangspunkt am Freibad zurück.

Abstecher in die Altstadt: Besigheim Nach rechts auf dem Enztal-Radweg gut einen Kilometer weit um den Bergsporn herum, auf dem die sehenswerte Altstadt sitzt, und an einer Enzbrücke nach links der Hauptstraße auf den Bergsporn folgen.

Kürzere Tour-Varianten 

  • Von Besigheim über Marbach, Steinheim a. d. Murr und Beilstein bis in das Schozachtal siehe obige Tourbeschreibung. Kurz vor dem ehemaligen Bahnhof Schozach links abbiegen und auf der Straße ansteigen zum Gasthof Landturm; hier links abbiegen und auf der Straße nach Lauffen am Neckar; Fortsetzung der Tour siehe obige Tourbeschreibung (Länge: 66 km/4–4,5 Std.).
  • Streckentour: Von Steinheim a. d. Murr über Klein- und Großbottwar sowie Oberstenfeld nach Beilstein und zurück (hin und zurück 21 km/1,5 Std.).
  • Von Horkheim (bei Heilbronn) im Schozachtal aufwärts nach Ilsfeld und auf gleichem Weg zurück (hin und zurück 22 km/1,5 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour78 km
Höhenunterschied280 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBesigheim.
EndpunktBesigheim.
TourencharakterRundtour durch Weinanbaugebiete; mehrere leichte Anstiege und ein steilerer Anstieg bei Hessigheim; im Bottwar- und Schozachtal streckenweise auf ehemaliger Bahntrasse; vorwiegend asphaltierte Wege, kurzzeitig befestigte Wege und ruhige Straßen.
Hinweise
Bademöglichkeiten: Freibäder in Besigheim, Mundelsheim, zwischen Oberstenfeld und Beilstein, in Ilsfeld, Nordheim, bei Lauffen a. N., in Kirchheim a. N.
KartentippRadwanderkarte des Landesvermessungsamts Baden-Württemberg, Blatt 55 (Stuttgart und Umgebung), 1 - 100000.
MarkierungenNeckar-Radweg, Schwäbische-Weinstraße-Radweg, Alb-Neckar-Weg, Zabergäu-Weg.
VerkehrsanbindungPKW - A81 Dreieck Leonberg–Kreuz Weinsberg, Ausfahrt 13 (Mundelsheim); in Besigheim nach Überqueren der Neckarbrücke nach links der B27 folgen und kurz vor einem Tunnel links abbiegen in die Straße Auf dem Kies; kurz darauf erneut nach links zu Parkplatz am Freibad. Bahn: Besigheim ist Station an der Linie Stuttgart – Heilbronn.
Rückfahrt: von Nordheim per Bahn nach Besigheim (63 km/4 Std.)
GastronomieIn allen Orten an der Strecke; zudem bei Marbach a. N. ein Biergarten an der Anlegestelle der Neckar-Personenschiffe; ein Garten-Kiosk im ehemaligen Bahnhof Schozach (Mi.-Fr. ab 15, Sa. ab 12, So. ab 9.30 Uhr).
Tipps
Sehenswertes an der Strecke: In Marbach a. N. das Geburtshaus Friedrich Schillers, täglich 9–17 Uhr, und das Schiller-Nationalmuseum, Di–So 10–18, Mi 10–20 Uhr. Urmensch-Museum in Steinheim a. d. Murr, täglich außer Mo 10–12 und 14–16 Uhr. In Beilstein Abstecher steil bergauf zu Greifenwarte in Burg Hohenbeilstein, 1. April–Anfang Nov. Di–Fr 9–12 und 13.30–17 Uhr, Sa und So 9–17 Uhr, Mo geschlossen; im November und März nur bei schönem Wetter Sa 13.30–16, So 10.30–16 Uhr. In Lauffen a. N. Hölderlin-Museum im Klosterhof, Sa 14–17 und So. 10–17 Uhr. In Benningen am Rathaus (nahe der S-Bahn-Station) kurzer Abschnitt einer ausgegrabenen römischen Straße, jederzeit zugänglich.
Die Regiswindiskirche: Die Regiswindiskirche, die Regiswindiskapelle und ein Beinhaus mit dem Regiswindis-Sarkophag stammen aus dem 13. Jahrhundert. Der Legende nach wurde die Grafentochter Regiswindis in zartem Kindesalter auf Geheiß des Grafen von ihrer Amme im Neckar ertränkt und Tage später mit ausgebreiteten Armen wie der Gekreuzigte und mit rosigen Wangen aus dem Neckar geborgen. Ihr Grab wurde zu einem Pilgerziel von Schwerkranken, Lauffen wurde zum Wallfahrtsort.
Tourismusbüro
Tourist-Information, Marktplatz 12, 74354 Besigheim, Tel. 07143/80780, www.besigheim.de

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