Radtour im bayerischen Alpenvorland

Von Bernau am Chiemsee nach Traunstein

Auch der Chiemgau begeistert uns mit seinen schönen Bergpanoramen. Berühmt ist der malerische Landstrich auch für seine prächtigen Trachten, sein Brauchtum und das gefeierte Chiemgauer Volkstheater. Unser heutiges Etappenziel Traunstein ist bekannt für seinen Georgiritt. (Autor: Thorsten Brönner)
 
32 km
260 m
3.00 h

Von Bernau am Chiemsee nach Bergen

Zuerst der B 305 auf dem Bodensee-Königssee-Radweg bis Rottau und Grassau folgen. Danach die Tiroler Ache überqueren und wieder den Radweg entlang der Bundesstraße nach Bergen benutzen. Ein lohnendes Nahziel von Bernau am Chiemsee (Bhf.) ist der Vogelbeobachtungsturm Irschener Winkel in Felden am Chiemsee. Der Informationspunkt befindet sich inmitten von ausgedehnten Röhrichten und Schwimmblattflächen, die verschiedenen Wasservögeln Schutz bieten.

Eine Vogelzählung ergab, dass sich rund um den drittgrößten See Deutschlands rund 300 Vogelarten tummeln. An bestimmten Tagen (Auskunft bei der Tourist-Info) können Sie morgens um 9Uhr unter der Leitung eines Naturführers an einer kostenfreien Vogelbeobachtung teilnehmen. Ebenfalls ein besonderes Schmankerl sind die von Mitte Juni bis Ende September jeden Freitag um 20Uhr stattfindenden Bauerntheateraufführungen der Bernauer Volksbühne des Gasthofs Kampenwand.

Unsere Radtour setzt sich an der Aschauer Straße fort, die wir rechts am Brotzeit-Stüberl über den Mitterweg verlassen. Diesem folgen wir bis zum Ende, schwenken dort links (Kreuzstraße) und radeln bis zum Begleitradweg der Deutschen Alpenstraße (B 305) vor, in den wir rechts einfahren. Nach drei Kilometern ist Rottau erreicht. Hier ist ein Ausflug in die »Kendlmühlfilzen« zu empfehlen.

Abstecher zum Bayerischen Moor- und Torfmuseum

Die leichte Fahrt zum Hochmoor beginnt an der Tourist-Info in Rottau, von der wir links abbiegen und auf der Hauptstraße, der Dorfstraße (rechts) sowie der Hackenstraße (links) nach Norden hinausfahren. Unweit von Rottau radeln wir entlang des 748 Hektar großen Naturschutzgebiets Kendlmühlfilzen. Je nach Jahreszeit kann man hier das weißeWollgras oder das violett wuchernde Heidekraut bewundern.

Das Hochmoor hat sich in der Verlandungszone des Ur-Chiemsees entwickelt, der einst eine dreimal so große Ausdehnung hatte wie heute. Jahrhundertelang nutzen die angrenzenden Bauern die Filzregion zur Gewinnung von Brennmaterial und Stalleinstreu. Weitreichende Einschnitte erfuhr die anmutige Naturlandschaft ab Mitte des 19. Jahrhunderts, als der industrielle Abbau einsetzte. 1920 wurde der Torfbahnhof eingeweiht, der die begehrte Blumenerde über die Bahnlinie München–Salzburg verfrachtete.

Nach jahrelangen Protesten der lokalen Bevölkerung und von Umweltverbänden wurde der Betrieb 1988 endlich eingestellt und die Kendlmühlfilze unter Schutz gestellt. Richtig lohnend ist der Besuch des einsam gelegenen Verladebahnhofs am Samstag. Dann finden geführte Besichtigungen durch das Industriedenkmal statt, die eine Fahrt mit der historischen Feldbahn (Spurweite 880mm) beinhalten (Mitte April–Anfang Nov. Sa 14 und 16Uhr, Mitte Juli–Anfang Sept. auch So).

Wenn Sie nicht denselben Weg zurückradeln möchten, können Sie von hier aus auf dem südostbayerischen Jakobsweg nach Osten radeln und treffen nach dem Überqueren der Tiroler Ache zwischen den Weilern Straßberg und Bayern wieder auf die Hauptstrecke. In Rottau geht es auf dem Salinen-Radweg nach Osten weiter, bis wir einen Kilometer später mit dem Brunnhaus Klaushäusl auf das erste Relikt der Soleleitung treffen, die einst von Reichenhall nach Rosenheim führte.

Da es in den Salzabbauorten des Berchtesgadener Landes mit der Zeit an Brennholz fehlte, das zum Auskochen des »weißen Goldes« unerlässlich war, errichtete man nach und nach Soleleitungen nach Traunstein (1619) und später nach Rosenheim(1810). Um ein beständiges Gefälle zu erreichen und die topografischen Höhenunterschiede zu überbrücken, musste das kostbare Gut mehrmals in die Höhe gepumpt werden – so entstanden entlang der Eisenrohrleitung mehrere »Brunnhäuser«.

Im Klaushäusl veranschaulicht die Solehebemaschine die Arbeitstechnik der damaligen Zeit. Im Museum daneben erklären Schautafeln und Originalwerkzeuge die technischen Meisterleistungen der einzelnen Soleleitungen. Im Obergeschoss ist eine Ausstellung dem angrenzenden Naturschutzgebiet gewidmet (geöffnet 1.Mai–16.Okt. Di–Sa 14–17Uhr, So/Fei 10–17Uhr).

Nun folgen wir der Bundesstraße nach Osten, bis wir Grassau erreichen. Die Ortsdurchquerung gliedert sich wie folgt: der B 305 bis zur Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt folgen, jetzt geradewegs in den Birkenweg, der nach einer langen Fahrt in die Kramerstraße übergeht. Weiter geht es auf der Straße Eichelreuth, die einen Rechtsbogen vollzieht und uns zu einem Kreisverkehr führt, wo wir die zweite Abfahrt nutzen, um über die Tiroler Ache zu setzen.

Danach radeln wir links in die Weidacher Straße ein, passieren einige Höfe und treffen nach der Dorfdurchfahrt von Egerndach erneut auf eine gut ausgebaute Landstraße. Hier nutzen wir den nach Bergen verlaufenden Radweg. Landschaftliche Höhepunkte sind das Egerndacher Filz sowie das anschließende Bergener Moos, die beide von vielen Wassergräben durchzogen sind und das Auge mit ihrer vielfältigen Blumenpracht verwöhnen.

Von Bergen nach Traunstein

In Bergen den Radsymbolen folgen und die steile Nebenstraße nach Bad Adelholzen hinaufklettern. Später rechts auf einen Radweg abbiegen und abwärts nach Siegsdorf rollen. Schließlich dem Lauf der Traun nach Norden folgen und ansteigend ins Zentrum von Traunstein hineinradeln. Nach dem Willkommensschild in Bergen wählen wir die nächste Abzweigung nach links (Weißachener Straße) und folgen ihr leicht ansteigend ins Ortszentrum.

Die 4800 Einwohner zählende Gemeinde bietet mit der Königlichen Maxhütte (südlich des Zentrums) ein besonderes Denkmal der Industriegeschichte. 1562 unter Pangraz von Feyberg gegründet, zählte das Eisenhüttenwerk von Bergen Mitte des 19. Jahrhunderts zu den wichtigsten Eisenherstellern in Bayern, sodass die Einrichtung erst in der Weltwirtschaftskrise unter die Räder kam und 1932 stillgelegt wurde. Seit 2002 veranschaulicht das »Museum Maxhütte« die Eisenerzverarbeitung (geöffnet Mai–Anfang Okt. Di–So 10–16Uhr).

Jetzt wollen wir uns wieder der Radroute zuwenden. Wir fahren vom Zentrum aus rechts (Gasthof Zur Post) durch ein Wohngebiet, bis wir auf die Kreisstraße TS 5 (Staudacher Straße) treffen.Hier genießen wir kurz den Blick auf den Hausberg von Bergen – den 1674 Meter hohen Hochfelln – und radeln bergan in das enger werdende Tal hinein.

Später treffen wir auf eine links wegführende Landstraße, deren gewundenem Verlauf wir hinauf zu den Adelholzener Alpenquellen folgen. Glaubt man den Chronisten, so wurde die berühmte Quelle um das Jahr 286 n.Chr. von dem Legionär Primus entdeckt. Heute befindet sich der Mineralbrunnen im Besitz der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul, die alle Einnahmen der Alpenquellen sozialen Zwecken zugute kommen lässt.

Näheres über die Getränkeherstellung erfahren wir in der Adelholzener »Wasserwelt« , die spannende Einblicke in die wechselhafte Geschichte des Heilortes gewährt (geöffnet Mo–Do 8–16Uhr, Fr 8–12Uhr; Führungen nach telefonischer Anmeldung unter Tel. 08662/62 36). Nun steuern wir ein Stück talwärts und folgen dem braunen Schild (rechts) in Richtung Siegsdorf.

Nachdem der schmale Wiesenweg eine Hügelkuppe überwunden hat, beginnt eine rasante Abfahrt nach Siegsdorf (Bhf.). Hier rollen wir auf der Thalhamer Straße zur Thannhäuserstraße, in die wir links einfahren, und treffen nach weiteren 250 Metern auf die größere St 2105, welche uns (rechts) zur Weißen Traun führt. Auf der anderen Flussseite erblicken wir das Naturkunde- und Mammutmuseum , das man auf keinen Fall verpassen sollte.

Der Anstoß zur Museumsgründung erfolgte durch den spektakulären Mammutfund von 1975 im Gerhartsreiter Graben. Neben den gut erhaltenen Überresten des zottigen Rüsseltiers befasst sich das Museum mit Geologie und der letzten Eiszeit und stellt anschaulich zahlreiche Fossilien vor (geöffnet Di–So 10– 18Uhr, in den Ferien täglich). Nachdem wir unseren Wissensdurst gestillt haben, setzen wir zum Endspurt an.

Wir verlassen Siegsdorf nach Norden und folgen dabei einfach auf der linken Flussseite dem Talverlauf. So fahren wir über eine Bahntrasse, unterqueren dann die A8 und radeln von da ab auf einem guten Naturweg bis nach Traunstein (Bhf.). Um dort ins sehenswerte Stadtzentrum zu gelangen, wählen wir bei der Ettendorfer Brücke die links abzweigende Gasstraße – ab hier ist der Weg ausgeschildert.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour32 km
Höhenunterschied260 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortBernau am Chiemsee
AusgangspunktBernau am Chiemsee
EndpunktTraunstein
TourencharakterBernau am Chiemsee – Grassau – Bergen – Siegsdorf – Traunstein
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte 1:50 000, Lindau- Oberstaufen, www.geodaten.bayern.de; Radwanderkarte Bodensee-Königssee- Radweg 1:50 000, www.publicpress.de
MarkierungenBlauer Schriftzug »Bodensee-Königssee-Radweg« auf weißem Grund; durchgehend gleiche Markierung bis zum Königssee.
VerkehrsanbindungAnreise: Der Bahnhof Bernau am Chiemsee liegt an der Zugstrecke München–Salzburg. Mit dem Auto auf der A 8 bis zur Anschlussstelle Bernau.
GastronomieSiegsdorf: Gasthof-Pension Forellenhof; Hotel Alte Post.
Traunstein: Sailer Keller; Alpengasthof Hochberg.
Verleih
Bernau: Fahrradverleih Fritz Müller, Rottauer Str. 80, Tel. 08051/82 81, www.fahrradverleih-chiemsee.de; Thomas Kamler, Birketstr. 8, Tel. 08051/809 91. Grassau: K. Bartsch, Achentalstr. 5, Tel. 08641/45 70. Bergen: Fa. Sportlich, Schlipfinger Str. 4, Tel. 08662/59 13. Siegsdorf: Radsport Ederbike, Hauptstr. 22, Tel. 08662/24 33, www.ederbike.de
Unterkunft
Siegsdorf: Gasthof Edelweiß, Hauptstr. 21, Tel. 08662/92 96.
Traunstein: Parkhotel Traunsteiner Hof GmbH, Bahnhofstr. 11, Tel. 0861/988820; Rosenheimer Hof, Rosenheimer Str. 58, Tel. 0861/986590; Gästehaus Einsiedl, Neuhausen 10, Tel. 0861/31 19.
Tourismusbüro
Tourist-Info Bernau, Aschauer Str. 10, Tel. 08051/986 80, E-Mail: tourismus@bernau-am-chiemsee.de, www.bernau-am-chiemsee.de