Von Bad Tölz nach Gmund am Tegernsee

Bad Tölz – Gaißach – Marienstein – Gmund am Tegernsee (Autor: Thorsten Brönner)
Von Bad Tölz nach Marienstein: Bad Tölz in südliche Richtung verlassen. Schwenk nach Nordosten und im Zickzackkurs durch ein Filzgebiet. An dessen Ende steigungsintensiv durch einen Bergwald bis Marienstein. Bad Tölz (Bhf.) , in der Isarniederung gelegen, ist bei Gästen und Einheimischen gleichermaßen beliebt. Den besonderen Reiz der Kurstadtmacht de rMix aus Kultur und Natur aus, den man bereits am Isarufer erkennt. Wenn wir mit dem Blick dem türkisfarbenen Wasser des Alpenflusses folgen, schauen wir auf die nahen bayerischen Voralpen. Stromabwärts erblicken wir auf dem Kalvarienberg die Heilig-Kreuz-Kirche (A) und links daneben die Leonhardikapelle (B), die jährlich am 6.November das Ziel der Tölzer Leonhardifahrt ist. Den Zugang zu dem Aussichtshügel, der einen lohnenden Blick über den Kurort hinüber zu den Alpen vermittelt, finden Sie über die Marktstraße (C), der wir uns nun zuwenden wollen. Staunend schieben wir unsere Fahrräder zwischen den ansehnlichen, bunt bemalten Bürgerhäusern hindurch, die sogleich mit ihren mächtigen Dachgiebeln imponieren. Die sogenannte Lüftlmalerei entstand vermutlich im 18. Jahrhundert in Oberammergau, wo der Fassadenmaler Franz Seraph Zwinck sein Haus »Zum Lüftl« bemalte, das so der Zunft ihren Namen gab. Die Arbeitsweise ähnelt der der Freskotechnik. Hierbei werden die Motive auf den frischen Kalkputz aufgemalt, wobei eine schnelle Arbeitsweise wichtig ist. Die bunten Wasserfarben härten zusammen mit dem Mörtel aus und trotzen so jahrelang Wind und Wetter. Der Reichtum, der vor allem hier in der Fußgängerzone ins Auge fällt, geht auf die Zeit als blühende Handelsstadt zurück. Strategisch günstig am Schnittpunkt von zwei bedeutenden Handelsrouten gelegen, profitierte der Marktplatz lange vom stetigen Warenstrom. Zum einen verlief der alte Salzhandelsweg auf der Marktstraße, über die das kostbare Gut von den Salinenorten Reichenhall und Berchtesgaden zu den westlichen Absatzmärkten transportiert wurde. Der zweite bedeutende Handelsweg verlief auf der Isar. Die zeitweise immense Nachfrage nach Bauholz ließ hier im Isarwinkel das Flößergewerbe florieren. Neben dem Rohstofftransport profitierte Tölz zudem erheblich vom großen Durst der Münchner. Da die Landeshauptstadt auf einer Schotterebene ohne natürliche Kühlmöglichkeiten erbaut ist, wurde dort das Bier im Sommer sauer, sodass Bad Tölz mit 22 Brauereien für Nachschub sorgte. Nachdem das Lagerproblem gelöst war und die Städter den Gerstensaft selbst herstellten, stellt die Brauhäuser in Tölz nach und nach ihren Betrieb ein. Die Verbreitung der Eisenbahn und der Siegeszug des Automobils leiteten schließlich auch den Niedergang der Flößerei auf der Isar ein. Das vielleicht schönste Gebäude des Ortes ist das Bürgerbräu (ehemals das Rathaus), in dem das Stadtmuseum (D) anschaulich die einstigen Erwerbszweige der Region dokumentiert. In einer Zeitreise von der Bronzezeit bis in die Gegenwart zeigt die drei Etagen umfassende Heimatsammlung Exponate zu verschiedenen Themengebieten wie dem Kistlerhandwerk oder der sakralen Kunst sowie einige geologische Funde. Wer tiefer in die Geschichte der Stadt eintauchen möchte und die verborgenen Kulturschätze von Bad Tölz erkunden will, dem sei eine Podcast-Stadtführung angeraten. Im Internet kann man unter www.badtoelz.de eine kostenlose MP3- Datei herunterladen, die auf einen tragbaren Player übertragen werden kann. Ebenso gut können Sie sich in der Tourist- Information oder dem Stadtmuseum einen iPod mit dem historischen Stadtrundgang ausleihen. Wir wenden uns nun auf der Höhe des Hotels Klammerbräu der Klammergasse zu, über welche sich die Route fortsetzt. Bevor wir losradeln, lockt linker Hand die steil aufragende, spätgotische Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt (E). Der »Dom des Isarwinkels«, wie er in Tölz genannt wird, ist das älteste erhaltene Bauwerk der Region. Die Besonderheit des Gotteshauses ist die große Altarkrippe, die auf den Tölzer Bildhauer Anton Fröhlich zurückgeht, der um 1825 die Figuren schnitzte. Nun wenden wir uns der südlich gelegenen Konradgasse zu, die in die Krankenhausstraße übergeht, auf der wir stets geradeaus fahren Nach einem guten Stück unterfahren wir die große Brücke einer Bundesstraße und schwenken nach 100 Metern rechts in den Zwieselweg. An der Stelle, an der dieser eine Straßenmündung erreicht, folgt ein Rechts-links-Schwenk, dem nun die Brauneckstraße und die Blombergstraße (rechts) folgen. Nachdem das Wohngebiet hinter uns liegt, geht es nach einem kurzen Stück entlang der B 13 links (Tölzer Straße) und nach weiteren 600 Metern auf der Straße Kranzer nach Osten. Hier führt die Route über die Schienen, von wo es auf der breiten Ortsstraße von Mühl weitergeht, bis uns ein Wegschild rechts an die Ostfeldstraße verweist. Anschließend verlassen wir das bewohnte Isartal und begeben uns auf eine lange Naturfahrt. Ein für uns verbindliches Radschild (Greiling) zeigt eine Richtungsänderung nach links an – hier geht die Strecke schlagartig in Schotter über. Am Wegesrand breiten sich nun schöne Wiesenmatten aus, in denen einzeln stehende Baumriesen ihre Wurzeln in die Filzböden krallen. Für weitere angenehme Landschaftsbilder sorgen die umliegenden Bergketten. Allmählich wird der Weg ruppiger und welliger, mitunter kurzzeitig steil. Das gut beschilderte Teilstück folgt nun am nächsten Waldrand (rechts) der Großen Gaißach bergan. Der folgende Forstweg beginnt erst leicht, später teils beträchtlich anzusteigen und überquert dabei mehrmals den Waldbach. Nach dem knapp fünf Kilometer langen Waldstück treffen wir mit Marienstein auf die nächste Siedlung. Von Marienstein nach Gmund am Tegernsee: Ab Marienstein weiterhin nach Osten radeln – erst heftig bergauf, dann schönes Gefälle. Im Ort Siedlung Steinbergstraße rechts und nach mehreren Richtungswechseln ab Holz nach Nordosten bis nach Gmund. In Marienstein, im abgelegenen Holzwiesenthal gelegen, wurden zwischen 1852 und 1962 vier Millionen Tonnen qualitativ hochwertige Pechkohle gefördert, wozu eigens eine Bahntrasse verlegt wurde. Die Schienen sind längst entfernt und es ist wieder Ruhe eingekehrt, sodass uns auf unserer Fahrt durch Marienstein nur noch die langen, schlichten Bergmannshäuser aus dieser Zeit auffallen. In der Ortsmitte stoßen wir auf ein Wegdreieck, das wir rechts über den Kirchenweg verlassen, der sich extrem steil einen Waldrücken emporwindet. Oben angelangt, treffen wir auf den in schöner Aussichtslage gelegenen Golf-Club Margarethenhof. Hier verschnaufen wir kurz, folgen der Ausschilderung um die Gebäude herumund tasten uns vorsichtig den Kopfsteinpflasterweg hinunter, der schnell in ein gutes Teersträßchen übergeht. Nach einer Rollpassage von 1,4Kilometern erreichen wir die kleine Siedlung Steinbergstraße, um hier zweimal rechts abzubiegen. An den nächsten Wegpunkten erfolgen zwei Linksschwenks (Hainznhöhe Weg) und (Max-Obermayr-Weg) in Richtung Bad Wiessee. So nehmen wir abermals links fahrend die berauschende Abfahrt nach Kaltenbrunn unter die Räder. Hier überqueren wir die B 318 und erreichen drei Rastbänke, von denen man schön den fünften großen See unserer Reise – den Tegernsee – überblickt. Eingebettet in eine wellige Wiesenlandschaft erstreckt sich das knapp neun Quadratkilometer große Gewässer in Nord-Süd- Ausrichtung und wird im Süden von den steil anwachsenden Waldbergen des Mangfallgebirges begrenzt. Namensgebend für die Gebirgsregion ist die Mangfall, die den Tegernsee entwässert und ein wichtiges Grundwasserreservoir für die 1,3Millionen Einwohner zählende Landeshauptstadt darstellt. Der Weg zum Etappenende ist nun leicht zu finden. So folgen wir der Route auf dem Begleitradweg der Fernstraße nach Osten und radeln an der großen Ampelkreuzung in Gmund am Tegernsee (Bhf.) rechts über die Mangfall. Hier wurde das Jägerhaus als Heimatmuseum hergerichtet. Die kleine Sammlung gewährt einen Einblick in die einstige Lebensweise der Gmundner und zeigt, wie die Menschen das Leben zu Großmutters Zeiten bewältigten (geöffnet Fr 15–18Uhr und nach Vereinbarung).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour20 km
Höhenunterschied200 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
StartortBad Tölz
AusgangspunktBad Tölz
EndpunktGmund amTegernsee
TourencharakterNachdem wir die farbenfrohen Lüftlmalereien der historischen Marktstraße von »Tölz« bewundert haben, verlassen wir die Flößerstadt und radeln auf einsamen, ansteigenden Schotterwegen durch urbayerische Landschaften nach Gmund am Tegernsee.
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte 1:50 000, Lindau- Oberstaufen, www.geodaten.bayern.de; Radwanderkarte Bodensee-Königssee- Radweg 1:50 000, www.publicpress.de
MarkierungenBlauer Schriftzug »Bodensee-Königssee-Radweg« auf weißem Grund; durchgehend gleiche Markierung bis zum Königssee.
VerkehrsanbindungAnreise Bad Tölz ist per Bahn über München gut zu erreichen. Mit dem Auto erreicht man Tölz ebenfalls über die Landeshauptstadt und dann weiter auf der B 13.
GastronomieMarienstein: Margarethenhof Golfclub. Gmund: Restaurant Strandbad Seeglas; Gasthaus Jennerwein; Gaststätte Feichterhof.
Tipps
Die Bayerische Seenschifffahrt GmbH bietet beliebte Erlebnisfahrten auf dem Tegernsee an. Lassen Sie sich mit dem Schiff nach Tegernsee schippern und besuchen Sie dort das Kloster Tegernsee mit seinembeliebten Bräustüberl. Nahe der beiden Schiffsanlegestellen Seeglas und Kaltenbrunn finden Sie die beiden Strandbäder von Gmund, die sich per Fahrrad gut erreichen lassen.
Verleih
Bad Tölz: Tourist-Information, Tommy’s BikeShop, Salzstr. 16, Tel. 08041/ 76 01 75, www.tommys-bikeshop.de; Zweirad Riedelsheimer, Sachsenkamer Str. 6, Tel. 08041/781222, www.zweiradriedelsheimer. de; Oisam Radln, Ludwigstr. 11, Tel. 08041/749 54, www.oisam.de
Unterkunft
Gmund: Maroldhof, Schlierseer Str. 23, Tel. 08022/73 75; Gasthof am Gasteig, Münchner Str. 14, Tel. 08022/73 78; Gasthof Hotel Eder, Am Eisweiher 1, Tel. 08021/84 36. Ostin: Landhotel zum Kistlerwirt, Schlierseer Str. 60, Tel. 08022/968370.
Tourismusbüro
Tourist-Information Gmund am Tegernsee, Kirchenweg 6, Tel. 08022/750527, E-Mail: info@gmund.de, www.gmund.de
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