Von Ahlbeck nach Anklam

Die lange Streckentour nach Anklam ist gut zu bewältigen, da sie auf kleinen, ebenen Wegen entlang des Stettiner Haffs verläuft. (Autor: Michael Graf)
48 km
387 m
3.00 h
Vom Seebrückenplatz in Ahlbeck fährt man wenige Meter nach Osten und dann rechts hoch in die Kirchenstraße und bis zur Kreuzung mit der befahrenen Lindenstraße. Wir wenden uns nach links und nach ca. 100m geradeaus in die Waldstraße. Nachdem man die Bahnlinie überquert hat, setzt sich die Straße im Korswandter Weg fort. Durch den Brandhorst, den anschließenden Wald, geht es teilweise ziemlich hügelig auf und ab, nach einer steilen Abfahrt trifft man auf die Querstraße in Korswandt. Nach links erreicht man die Straße Ahlbeck - Zirchow, auf der man 200m nach rechts und dann vor dem Landgasthaus Pirol links und gleich wieder rechts in einen Kiesweg einbiegt. Es geht zunächst durch den Wald, dann am Waldrand entlang und schließlich fährt man durch eine Bahnunterführung auf die Ortsstraße von Garz, dort rechts und gleich wieder rechts der Beschilderung »Dargen/Zirchow« nach. In Garz ist die schön gelegene Dorfkirche sehenswert, die im Inneren mit zwei Votivschiffen aufwartet, hinter dem Altar ist auch noch ein romanischer Feldsteinbogen zu erkennen. Von hier aus ist es nicht mehr weit zu der an der polnischen Grenze gelegenen Gedenkstätte Golm, die ab 1943 als Marinefriedhof angelegt wurde und seit dem 12.März 1945 mehr als 20000 Tote aus dem nahe gelegenen Swinemünde beherbergt. Vom höchsten Punkt aus kann man auch die Hafenanlagen der polnischen Stadt an der Odermündung sehen. Die ehemals schwedische Stadt wurde nach ihrem Erwerb 1719 durch die Preußen zum wichtigsten deutschen Ostseehafen ausgebaut. Ab 1824 entwickelte sie sich zum ersten preußischen Seebad und wurde im Zweiten Weltkrieg leider fast vollständig zerstört. Von Garz radelt man durch den Wald nach Zienow. Auf der rechten Seite im Ort liegt die Kirche, der wahrscheinlich älteste Baukörper Usedoms von 1280, die als ehemalige Flucht- und Wehrkirche erbaut wurde. Davon zeugen nicht nur die hoch gelegene Lage, sondern auch die Mauern, die 1,1m und im Wehrturm sogar 1,5m dick sind.
Man hält sich Richtung Neverow und fährt am Ende der Rollbahn des Flughafens Heringsdorf rechts in eine Teerstraße. Hinter dem rohrgedeckten Gut Neverow verläuft ein Radweg bis nach Dargen, das wir durchqueren und weiter nach Prätenow radeln. In Dargen findet man noch die Reste der einstigen Bäderbahn von Dargen nach Swinemünde: einen als Zweiradmuseum genutzten Bahnhof und einen schienenlosen Bahndamm. Die Gegend hier ist stark landwirtschaftlich geprägt, links zum Peenestrom hin sind eher Wiesen zu sehen, rechts große Felder. In Stolpe biegt man vor dem alten Ortskern mit den Resten eines Schlosses rechts ab nach Usedom. Ein schmaler asphaltierter Weg verläuft erst durch Wiesen und anschließend durch einen Kiefernforst. Am Anfang von Usedom hält man sich rechts, dann geht's links hinab und man biegt links in die Swinemünder Straße ein, die bis ins historische Zentrum führt. Die kleine und beschauliche Stadt, die der Insel ihren Namen gab, ist eine planmäßige Gründung, wie man an dem großen, viereckigen Marktplatz und den gerade davon ausgehenden Straßen sofort erkennen kann. Der Marktplatz wird beherrscht von der spätgotischen Marienkirche, die im Wesentlichen nach dem Stadtbrand 1475 entstanden ist; 1891-93 erfolgten allerdings tief greifende Umbauten. Neben der Kirche steht das eher kleine Rathaus. Von der ehemaligen Stadtbefestigung ist nur noch der schöne Anklamer Torturm erhalten geblieben. Durch diesen verlassen wir das Städtchen Usedom und halten uns danach links. Auf einem gemütlich zu fahrenden Weg geht es nach Mönchow, wo gleich am Anfang, die, wie ein engagiertes Gemeindemitglied betont, schönste Dorfkirche Usedoms steht. Die Westwand und der Glockenturm sind in Fachwerkbauweise erstellt, aus den Schallluken des Turms hat man einen weiten Blick über den Usedomer Winkel, die Reste der Hubbrücke von Karnin und den kleinen Leuchtturm. Die einheitliche Ausstattung mit Empore, Altar und Kanzel ist aus dem 16.Jh. und eine Seltenheit in diesem Gebiet. Gegenüber liegt der Friedhof mit dem großen Mausoleum, das nach den Entwürfen von Schinkel 1891 für einen örtlichen Gutsherrn erbaut wurde. In dem nahen Karnin stehen noch die imposanten Reste der 600m langen, stählernen Eisenbahn-Hubbrücke, die zu ihrer Bauzeit (1930-32) die größte und modernste in Europa war. In nur 2 Std. und 36 Min. gelangten nun die Badegäste von Berlin an die Ostsee. 1945 sprengte die deutsche Armee bei ihrem Rückzug die Brücke. Nur der Mittelteil mit der Hebevorrichtung ist noch erhalten. Wollten Schiffe passieren, so wurde dieses Teil mit den Eisenbahnschienen in die Höhe gehoben. Wir radeln vom alten Bahnhof zurück Richtung Usedom und biegen am Ortsende links ein. Über Zecherin erreicht man die mächtige Brücke über den Peenestrom, den man auf einem Radweg überquert. Dieser führt auf der linken Seite der B110 weiter und biegt dann links in den Wald ein. Es radelt sich angenehm auf einem ruhigen, asphaltierten Weg, bis man bei Relzow auf die Autostraße trifft. Nach links geht es nun auf Anklam zu, man nimmt nicht die große Peenebrücke, über die kein Radweg führt, sondern hält sich links und radelt über die neu erbaute Rad- und Fußgängerbrücke ins Zentrum von Anklam. Dort sind die gotische Marienkirche, die Stadtmauerreste, das hohe, schmuckvolle Steintor sowie der Pulverturm sehenswert. In Anklam wurde 1848 Otto Lilienthal geboren. Der Flugpionier flog 1891 mit einer selbst gebauten Flugmaschine als erster Mensch 15m weit. Im Otto-Lilienthal-Museum befindet sich das Gleitflugzeug, mit dem er bis zu seinem Tod 1896 bis zu 250m weite Flüge zurücklegte. Rückfahrt: Mit der DB bis Züssow, dann mit der
Usedomer Bäderbahn.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour48 km
Höhenunterschied387 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktSeebad Ahlbeck.
EndpunktAnklam.
TourencharakterAuf kleinen Straßen radeln wir angenehm und ruhig am Stettiner Haff entlang. Zahlreiche kleine Dörfer und das Städtchen Usedom laden mit mehreren Sehenswürdigkeiten zum Verweilen ein.
Hinweise
Etwas östlich vom Karminer Zollhafen soll auf Bestellung eine Fahrradfähre nach Kamp und Anklamer Fähre übersetzen (Tel. 0171/9370708).
KartentippDeutsche Radtourenkarte Blatt 4, Rügen - Usedom - Vorpommern, 1:100000.
MarkierungenGute Radbeschilderungen.
VerkehrsanbindungMit dem Auto oder der DB bis Züssow, dann mit der Usedomer Bäderbahn.
GastronomieKorswandt: Landgasthof Pirol; Kamminke am Hafen; Zirchow: Inselkrug; Usedom; Eisenbahnrestaurant in Karnin; mehrere Gasthäuser in Anklam.
Tipps
Neben der Hubbrücke in Karnin steht der schön restaurierte, 100-jährige Bahnhof. Eine kleine, aber detailreiche Ausstellung informiert über das Bäderwesen und die Eisenbahnbrücke. Außerdem befindet sich dort eine kleine, aber sehr ansprechende Gaststätte. Zwei Kilometer nördlich von Stolpe am alten Bahnhof steht der »Stolper Hof«, ein Bett & Bike Hotel mit pommerscher Küche, das nach ökologischen Gesichtspunkten als Lehmfachwerkanlage rekonstruiert wurde. (Tel.: 038372/71081).
Verleih
Heringsdorf: Uwe Pilgrim, Brunnenstr. 7, Tel. 038378/22324.
Informationen
Kurverwaltung, Dünenstr. 45, 17419 Seebad Ahlbeck, Tel. 038378/499350, Fax 038378/499352. 17538 Anklam: Stadtinformation, Am Markt 3, Tel. 03971/210541. Web: http://kaiserbaeder.usedom.de/serviceinfos/urlaubsplanung/touristinformationen.html
Unterkunft
Einige Hotels und kleiner Campingplatz in Anklam.

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Michael Graf

Ostseeküsten-Radweg

Entlang wunderschöner Seebäder und Sandstrände, alten Hansestädten und einzigartiger Natur führt der Ostseeküsten-Radweg von Flensburg bis Stettin.

Jetzt bestellen
Tags: 
Mehr zum Thema