In und um die Mainmetropole Würzburg

Nach einem Rundgang in Würzburg mit der Residenz als glanzvollem Ausgangspunkt schwingen wir uns in den Sattel. GPS-Track und Std./Km.-Angaben nur für den Radausflug nach Veitshöchheim (Autor: Armin Scheider)
25 km
450 m
1.00 h
Historische Eckpunkte. Würzburgs Geschichte beginnt 704 mit der ersten urkundlichen Erwähnung. Einige Jahrzehnte später wird das Bistum Würzburg gegründet. Im 11. und 12. Jahrhundert folgt eine Blütezeit unter den Staufenkaisern. In diese Zeit fallen die Weihe des Doms (1187) und die Gründung der Festung Marien-berg (1201). Ab 1483 prägt Tilman Riemenschneider das Kunst-geschehen in Würzburg mit und steigt auf zu einem der bedeu-tendsten Bildhauer. Seine Werke können heute im Mainfränkischen Museum auf der Festung Marienberg bewundert werden. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erlebt die Stadt unter der Regentschaft der Fürstbischöfe von Schönborn eine zweite Glanzperiode. Höhepunkt dieser Ära ist der Bau der Residenz (1723–1744) unter Leitung von Balthasar Neumann, einem führenden Architekten des Barockzeit-alters. Ab 1814 gehört die Mainmetropole endgültig zu Bayern. Ihre dunkelste Stunde erlebt sie am 16. März 1945: In nur 17 Minuten legen alliierte Bomberverbände die Stadt in Schutt und Asche, der Wiederaufbau dauert über 25 Jahre.Stadtrundgang (Route siehe Karte). Beginnen wir mit der Residenz (April–Okt. täglich 9–18, Nov.–März 10–16:30 Uhr, regelmäßige Führungen, Dauer 45 Min.). Sie gilt als eines der bedeutendsten Barockschlösser Europas und zählt zum Weltkulturerbe der UNESCO. Während außerhalb der terrassenartige Hofgarten mit reichem Puttenschmuck besticht, gehören im Schloss vor allem das Treppenhaus von Balthasar Neumann und darüber das größte Deckenfresko der Welt von Giovanni Battista Tiepolo zu den absoluten Höhepunkten. Sehenswert sind aber auch die Prunkräume, aus denen der prächtige Kaisersaal und das auf der Welt einmalige Spiegelkabinett herausragen, sowie die glanzvolle Hofkirche.Auf dem Gang durch Theaterstraße und Juliuspromenade zum Main-kai passiert man das Bürgerspital (gestiftet 1319) mit reizvollem Innenhof und die schlossartige Anlage des Juliusspitals (gestiftet von Julius Echter 1576), beide waren Spitäler für Arme und Kranke. Letzteres ist heute noch Krankenhaus und Altenheim. Die beiden Anlagen sind übrigens auch Domizil zwei der bekanntesten frän-kischen Weinstuben.Am Mainufer stehen der wuchtige Alte Kranen, errichtet 1773 vom Sohn Balthasar Neumanns, und nebenan das Alte Zollhaus, heute Haus des Frankenweins, wo man einen Bocksbeutel erstehen kann. Mit prächtigen Blicken auf Festung Marienberg und Käppele erreicht man am Mainkai entlang die Alte Mainbrücke. Sie stammt von 1543 und wurde knapp 200 Jahre später mit dekorativen Heiligenfiguren bestückt.Nun wenden wir uns dem Rathaus (seit 1316) zu. Der Komplex besteht aus mehreren Bauten, entstanden im Laufe der Jahrhunderte. Attraktivster Teil ist der Grafeneckart an der Domstraße, ein Geschlechterturm (um 1200) mit angefügtem Trakt. Er ist der älteste romanische Profanbau der Stadt. Im ersten Stock der Anlage befindet sich der sehenswerte Wenzelsaal aus dem 13. Jahrhundert, gegenüber steht der barocke Vierröhrenbrunnen von 1765. Neben dem Grafeneckart nach hinten gesetzt der sogenannte »Rote Bau« von 1660.Am Ende der Domstraße erhebt sich der mächtige Dom St. Kilian. Er gilt als ein Hauptwerk der deutschen Romanik und wurde 1187 geweiht. In den Jahrhunderten danach erfuhr er zahlreiche bauliche Veränderungen, bis er beim Luftangriff im März 1945 vollkommen ausbrannte. Der Wiederaufbau außen erfolgte in alter Form, im Innern wurden Altar, Sakramentshaus und Chor neu gestaltet. Vom alten Bestand sehenswert sind viele Grabdenkmäler, darunter das des Fürstbischofs von Scherenberg, ein Werk Tilman Riemenschneiders, die Schönbornkapelle, eine von Balthasar Neumann geschaffene Grablege der gleichnamigen Fürstbischöfe sowie barocker Stuck in Querhaus und Chor und der Kreuzgang an der Südseite.Neben dem Dom steht das Neumünster aus dem 11. Jh., errichtet über der Grabstätte des Hl. Kilian. Die Kuppel und die barocke Fassade wurden erst 1716 hinzugefügt. Sehenswert ist u. a. eine Steinmadonna von Riemenschneider und ein Cruzifixus, aber auch das stimmungsvolle Lusamgärtchen an der Nordseite der Kirche mit dem Grabdenkmal für Walther von der Vogelweide.Endpunkt des kurzen Rundgangs ist der Marktplatz, wo zwei Bauten das Bild bestimmen: das Haus zum Falken, einst Gasthaus, dann 1751 mit elegantem Rokokostuck verziert. Gleich dahinter erhebt sich beherrschend die Marienkapelle aus dem 14. Jh. Sie gilt als eine der bedeutendsten Hallenkirchen Frankens. Interessant sind vor allem die Torbogenfelder der drei Portale, im Innern aber auch viele Grabmäler fränkischer Ritter, Bürger und Künstler, so u. a. von Balthasar Neumann, sowie eine »Schöne Madonna« (um 1420).Natürlich besitzt Würzburg noch weitere hochrangige Sehenswürdigkeiten: so herausragende Kirchen und Klöster wie St. Burkard, Stift Haug oder das Käppele, aber auch die Anlage der Alten Universität, Letztere 1582 begründet von Fürstbischof Julius Echter. Sie kann man besuchen, wenn man genügend Zeit hat oder ein zweites Mal nach Würzburg kommt. Die Festung ist nach der Radtour an der Reihe.Über Eichhorn-, Martin- und Hofstraße geht es hinter dem Dom wieder zurück zum Residenzplatz.Radtour nach Veitshöchheim. Zurückgekehrt zur Residenz, besteigen wir die Fahrräder und starten nun zur Radtour, die etwa 25 km lang ist und einige markante Steigungen aufweist.Über Kapuzinerstraße und Rennweger Ring erreicht man den Ber-liner Platz und überquert auf der Grombühlbrücke die Gleise. Drüben geht es im Zick-Zack-Kurs links in die Grombühl-, dann rechts in die Ernst-Reuter- und am Ende wieder links in die Lindleinstraße. Von dieser rechts auf den Rimparer Steig. Wir folgen ihm, biegen nach 200 m scharf links auf den Schalksbergweg ein und nehmen nun durch die berühmten Stein’schen Weinberge (siehe Kasten) Kurs auf das Schlosshotel Steinburg, das spektakulär über den Steillagen postiert ist. Highlight dieses 1-Kilometer-Aufstiegs sind prächtige Tiefblicke auf Würzburg, seine Festung und den Main. Am Ende eines kleinen Wäldchens biegen wir kurz rechts und gleich wieder links auf die Zufahrtsstraße zum Schlosshotel mit seiner schönen Aussichtsterrasse ab.Ob kurze Rast oder nicht, wir setzen auf der Steinburgstraße fort, genießen jetzt eine lange Abfahrt hinunter nach Unterdürrbach und schwenken rechts in das Dürrbachtal ein. Seine Markenzeichen: alter Baum-bestand und gepflegte Wohnanlagen an den Hängen. Hinter Oberdürrbach zweigt nach ungefähr 3,5 km Fahrt nach Norden durch das Tal rechts ein Weg in den Wald ab. Wir folgen ihm und haben nun eine etwas schwierigere Strecke vor uns. Zuerst erreichen wir eine Wegespinne und setzen dort auf dem halbrechts weiterführenden Weg fort. Dann – 700 m weiter – teilt sich der Weg und bringt uns auf der rechten Abzweigung nach 250 m an den Waldrand und zu einem quer verlaufenden Feldweg. Links abbiegend stößt man nach einem Rechtsbogen auf einen Radwegweiser, der nach Gadheim hoch zeigt. Wir durchqueren das Dorf und biegen am anderen Ortsende rechts in Richtung Veitshöchheim ab. Nach lang gezogener Abfahrt gelangen wir schließlich dorthin und steuern auf Friedhofs-, Thüngersheimer- und Kirchstraße das Schloss und seinen Schlossgarten an.Das Schloss (April–Okt. Di–So 9–18 Uhr; Führungen zur vollen Stunde) wurde 1682 fertiggestellt, diente zuerst als Jagdhaus und später als Sommerresidenz der Würzburger Fürstbischöfe. Umbauten zum Wohnschloss erfolgten um 1750 unter der Regie von Balthasar Neumann. Größere Berühmtheit besitzt freilich der ebenfalls von Würzburger Fürstbischöfen angelegte Schlossgarten (täglich 7–20 Uhr) im Stil des Rokoko, einer der schönsten seiner Art in Deutschland. Er ist unterteilt in Schloss-, Wald-, Lauben- und Seenregion. Ein großer See mit Figurengruppe wird umrahmt von Heckensälen, Rondells, Pavillons und Lauben, verbunden mit einem Netz von Wegen und angefüllt mit nicht weniger als 300 Skulpturen Würzburger Hofbildhauer.Wir besteigen wieder unsere Räder, steuern über Obere Maingasse und Mainlände den Steg über den Main an und wechseln das Ufer. Damit schlagen wir Kurs zurück nach Würzburg ein, und zwar auf einem Radweg entlang des Mainufers, zunächst aber auch neben einer verkehrsreichen Straße. Nicht immer sind die Ausblicke auf das Gegenufer mit den Fabrikanlagen sehr reizvoll, dann aber wird das Gelände zusehends parkartiger und die Aussicht attraktiver. Rund 9 km nach dem Uferwechsel in Veitshöchheim erreichen wir die Alte Mainbrücke in Würzburg, stellen unsere Fahrräder an sicherer Stelle ab und steigen über Zeller Straße und Tellsteige oder Schlossgasse zur Festung Marienberg hinauf (ca. 800 m).Auf der Festung Marienberg. Man schrieb das Jahr 1201, als mit dem Bau der Festung Marienberg begonnen wurde. In späteren Jahrhunderten folgten Änderungen und Erweiterungen, zuletzt im 17. Jh. durch den Umbau zum Renaissanceschloss und die Errichtung eines Rings wehrhafter Bastionen. Von 1253 bis 1719 war die Burg Residenz der Fürstbischöfe von Würzburg.Empfohlen wird ein Spaziergang durch die Anlage, beginnend im Zeughaushof mit dem Mainfränkischen Museum in Zeughaus und Echterbastei (April–Okt. 10–17, Nov.–März 10–16 Uhr), einem der angesehensten Museen Bayerns. Zu sehen sind reiche Bestände frän-kischer Kunst, so u. a. zahlreiche berühmte Plastiken von Tilman Riemenschneider, aber auch Porzellan, Möbel, Gemälde sowie Objekte aus Kunstgewerbe, Volkskunst und Weinkunde. Durch das Echtertor geht es in den Mittleren Burghof mit Pferdeschwemme. Von dort führt der einzige Zugang zum inneren Burghof über eine Brücke durch das malerische, von zwei Rundtürmen eingefasste und mit Steinfiguren geschmückte Scherenbergtor von 1482. In der Kernburg sind verschiedene Bauten von Interesse, beispielsweise der romanische Bergfried (um 1200) mit Treppenturm, die Marienkirche, die mit ihren frühromanischen Bauteilen als ältestes Baudenkmal des Marienbergs gilt, der achteckige Renaissancebrunnen (um 1600) und die verschiedenen Flügel der Kernburg (Führungen April–Okt. Di–Fr 11, 14 und 15, Sa/So/Fei 10–16 Uhr stündlich außer 12 Uhr). Im Fürstenbau auf der Ostseite des inneren Burghofs ist das Fürstenbaumuseum (März–Okt. Di–So 10–18 Uhr, im Winter geschlossen) untergebracht. Es zeigt fürstbischöfliche Wohnräume sowie die Schatz- und Paramentenkammer mit reichen Sammlungen.Mit der Besichtigung der Festung Marienberg ist der Ausflug nach Würzburg abgeschlossen. Wir steigen wieder hinunter, nehmen unsere Fahrräder auf und steuern den Autoparkplatz oder den Hauptbahnhof an. Zu einem kleinen Abschiedstrunk reicht es aber noch.n Einkehr: Würzburg: Alte Mainmühle, Mainkai 1, Aussichtsterrasse; Julius-spital, Juliuspromenade 19, Freisitz; Zum Stachel, Gressengasse 1, Innenhof (So Ruhetag); Backöfele, Ursulinengasse 2, überdachter Innenhof; Restaurant Steinburg, Auf dem Steinberg, Aussichtsterrasse.Veitshöchheim: Hotel Weißes Lamm, Thüngersheimer Str. 5 (Mo Ruhetag); Spundloch, Kirchstr. 19, kleine Terrasse.

weinradeln

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour25 km
Höhenunterschied450 m
Dauer1.00 h
TourencharakterNach einem Rundgang in Würzburg mit der Residenz als glanzvollem Ausgangspunkt schwingen wir uns in den Sattel. Zunächst geht es die berühmten Stein’schen Weinberge hinauf, dann steuern wir durch das Dürrbachtal die Schlossanlage in Veitshöchheim an. Zurück in Würzburg, unternehmen wir noch einen Abstecher zur fotogen gelegenen Festung Marienberg.
Beste Jahreszeit
KartentippReisekarte Franken: ADAC-Autokarte Bayern Nord, 1:200 000. Radtour Würzburg: Topografische Karte UK 50-7 Fränkisches Weinland, 1:50 000; oder ADFC-Regionalkarte Würzburg Mainfranken, 1:75 000.
VerkehrsanbindungMit dem Auto ab München/Nürnberg A 9/A 3 und B 8/B 13, ab Augsburg A 7 sowie B 2/B 25 und B 19. Mit der Bahn zahlreiche Verbindungen im Fern- und Nahverkehr; Radtransport nur im »Bayerntakt«, dann u. U. längere Fahrzeiten.
Tipps
Würzburger Stein Etwa 85 ha ist er groß, der Steilhang mit der weltbekannten Weinlage am Nordrand von Würzburg. Im Zentrum des lang- gestreckten Areals mit Muschelkalkböden die Lage Steinharfe. Erste Anpflanzung von Weinreben 1665. Besitzer der Weinberge sind zu je rund einem Drittel die Würzburger Weingüter Juliusspital, Staatlicher Hofkeller und Bürgerspital, Letzteres ist Alleininhaber der Lage Steinharfe. Von den zwölf angebauten Sorten dominieren Silvaner und Riesling.

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