Um den Ammersee

Schöne Rundtour um den See, fast ausschließlich auf ausgeschilderten Radwegen und wenig befahrenen Nebenstrecken. Viele schattige Abschnitte, deshalb auch besonders bei sommerlichen Temperaturen geeignet. Die Tour lässt sich, z. B. wenn man mit Kindern unterwegs ist, per Schiff verkürzen. (Autor: Lisa und Wilfried Bahnmüller)
46 km
150 m
4.00 h
Die Schiffsanlegestelle Herrsching ist unser heutiger Startpunkt. Wir radeln in Seenähe nach Süden, müssen aber vor der Pizzeria Da Mario den Uferweg verlassen und ein Stück entlang der Straße fahren. Das schadet nicht, denn so sehen wir gleich darauf das Schloss Mühlfeld von seiner Schokoladenseite. Hier verläuft parallel zur Straße ein relativ langweiliger Radweg. Wenn wir jedoch gleich nach dem Schloss rechts zum Uferweg hinunterradeln, ist unsere Strecke viel schöner. Unten wenden wir uns links immer am See entlang. Kurz nach dem Café Wartaweil finden wir links eine (erneuerte) Steinsäule, die, wie man sich erzählt, dem Gebiet den Namen »Wartaweil« gegeben hat. Sie steht direkt auf der Linie zwischen den beiden Klöstern Andechs und Dießen und war die Peilmarke für den Fährmann, der die Pilger von einem Kloster zum andern brachte. War das Boot voll und drängten sich immer noch Wallfahrer am Ufer, so rief der Fährmann »Wart a Weil«, und man musste sich wohl oder übel gedulden. Weil dies wohl häufig vorkam, erhielt der ganze Ort diesen Namen.Bald darauf passieren wir die Naturkunstwerke – u. a. einen aus Schwemmholz erbauten Pegasus – der nahen Villa Habersack, einem Bildungszentrum des Bundes Naturschutz. Dann haben wir schon das Südufer erreicht und verlassen bei Aidenried unseren schönen Uferweg. Für ein kurzes Stück teilen wir uns die Straße mit dem Autoverkehr und folgen dann wieder dem Radweg nach Fischen. In Fischen können wir uns ein bisschen Zeit für das Kupfermuseum in der Ortsmitte nehmen. Ansonsten folgen wir einfach der Beschilderung nach Dießen. Parallel zur Autostraße durchqueren wir auf dem Weg dorthin das große Naturschutzgebiet des Ammermooses. Hier im Flussdelta der einmündenden Alten und Neuen Ammer wächst ein großer Schilfgürtel, der vor allem Vögeln einen geschützten Lebensraum und ein Rückzugsgebiet bietet. Unsere Strecke führt unmittelbar nach der Ammerbrücke in einem weiten Bogen zunächst nach Süden durch das sonnige Moorgebiet, bevor wir kurz vor Raisting bei Rothbad wieder nach Norden parallel zu den Bahngleisen radeln. Ein Stück der Strecke führt dabei leider auf der mit vielen Ausflüglern befahrenen Autostraße. Kurz vor Dießen beginnt dann wieder ein echter Radweg, auf dem wir bis zur dortigen Uferpromenade und dem Bootsanlegesteg kommen.Dießen lohnt einen längeren kulturellen Stopp. Außer der berühmten Stiftskirche macht es Spaß, durch den malerischen Ort zu schlendern und sich die zahlreichen Kunsthandwerksbetriebe wie Zinngießereien und Töpfereien anzusehen. Besonders für die Keramikwaren pilgern jedes Jahr an Christi Himmelfahrt einige Tausend Besucher zu dem in ganz Deutschland bekannten Töpfermarkt. In Dießen haben wir noch nicht einmal die Hälfte der Seeumrundung zurückgelegt, sodass wir, wenn wir nicht mit dem Schiff abkürzen wollen, nun weitermüssen. Nach Riederau: Dafür geht es zunächst in Ufernähe zur kleinen Wallfahrtskirche St. Alban, in die wir trotz Zeitmangels unbedingt einen Blick werfen müssen. Die reizvolle Rokoko-Ausstattung, die Wessobrunner Stuckateure im 18. Jh. geschaffen haben, ist wirklich sehenswert. Auch wenn man es nicht glauben kann, die Altäre, die meisten Figuren und die elegante Kanzel sind aus Stuck, also aus Gips. Uns immer an den Gleisen orientierend erreichen wir bald Riederau mit seinem großen Strandbad. Zur »Alten Villa«: Weiter geht es nach Norden nun ein schönes Stück durch den Wald. Kurz vor Utting bremsen uns das Künstlerhaus Gasteiger und sein Park zu einer Besichtigung aus. Der Park steht allen Besuchern offen. Das ehemalige Wohnhaus des Künstlerehepaares kann sonntags gegen eine Eintrittsgebühr besichtigt werden. Es dient heute vor allem als Standesamt, und deshalb sieht man häufig Brautpaare, die das Haus und sein Ambiente auch gerne als Fotomotiv nutzen. Wer jetzt nach so weiter Strecke und so viel Besichtigungen auch einmal an sein leibliches Wohl denkt, muss noch ein bisschen durchhalten. Wir radeln weiter, am Uttinger Strandbad vorbei, bis wir unmittelbar nach dem großen Campingplatz zum Biergarten »Alte Villa« kommen. Sonn- und feiertags ist hier immer besonders viel los.Eine Dixieband spielt für die vielen Musikfans und Biergartenbesucher an Sonn- und Feiertagen bis 14 Uhr zum Frühschoppen auf. Es kostet keinen Eintritt, nur während des Programms ist die Maß Bier dafür um 50 Cent teurer. Dafür sitzt man wirklich idyllisch unter schattigen Bäumen, das Essen ist gut und für Kinder gibt es einen Spielplatz. Da wird es jetzt schwer, sich nach so viel Gemütlichkeit noch einmal in den Sattel zu schwingen.Wir strampeln über Schondorf, entlang des Freizeit- und Erholungsgeländes, über die Brücke des Amperabflusses bis nach Stegen. Stegen scheint nur aus einigen Cafés und Gasthäusern zu bestehen. Hier gibt es ein beliebtes Erholungsgelände, das vor allem von Münchnern, die es gut über die Autobahn erreichen, genutzt wird. So müssen wir uns an den vielen Erholungs- und Parkplatzsuchenden vorbeischlängeln. Am Ende wird der Weg zwar zum reinen Fußgängerweg, aber mit viel Rücksicht können auch wir das Stück passieren. Dann geht es aufwärts nach Buch, von wo wir nun auf einem Höhenkamm über die Höhenstraße, die Schornstraße und die Waldstraße gen Süden radeln. In Buch biegen wir rechts Richtung Ortsmitte und dann links in die Breitbrunner Straße ab. Nun folgen wir immer den Radwegschildern bis Breitbrunn. Dort überqueren wir die große Autostraße und folgen über den Friedhofweg, die Jaudesbergstraße und die Wörthseestraße der Beschilderung Utting über Ellwang und Rausch. Wir radeln jetzt zwar nicht mehr in Seenähe, jedoch – mit herrlichem Blick auf die Alpenkette – auf einem der schönsten und aussichtsreichsten Streckenabschnitte unserer Tour. In den Weilern stehen prächtige, blumengeschmückte Bauernhöfe, und bald schon grüßt das Kloster Andechs über den Hügeln. Nun ist es nicht mehr weit, und gleich nach Rausch rollen wir bergab, an der großen Fachhochschule für Beamte vorbei bis an die Uferpromenade von Herrsching.

Motto: Wandern am Wasser

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour46 km
Höhenunterschied150 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktHerrsching am Ammersee, Schiffsanlegestelle Herrsching
EndpunktHerrsching am Ammersee
TourencharakterDer Ammersee ist nach dem Chiemsee und dem Starnberger See der drittgrößte bayerische See. Auch er entstand am Ende der letzten Eiszeit, als sich abgeschmolzenes Gletscherwasser in einem während der Eiszeit vertieften übergroßen Becken sammelte. Auf unserer Rundtour können wir den Ammersee von seiner schönsten und beschaulichsten Seite kennenlernen. Denn wir erreichen Uferplätze, die dem motorisierten Besucher verborgen bleiben. Wenn uns die komplette Umrundung zu lang wird, kürzen wir den Rest der Strecke einfach von einer der zahlreichen Anlegestellen mit dem Schiff ab.
Hinweise
DER DIESSENER TÖPFERMARKT. Um den Dießener Töpfermarkt zu besuchen, bietet sich diese Radtour besonders an. Denn mit dem Auto würden wir Dießen nur nach endlosen Staus erreichen.MATHIAS UND ANNA SOPHIE GASTEIGERDie Eheleute Gasteiger waren die ersten Künstler, welche die Schönheit des Ammersees erkannten, die Aura des Westufers spürten und sich in Holzhausen bei Utting niederließen. Nach ihnen zog es noch viele andere Künstler in das kleine Dorf. Mathias Gasteiger wurde 1871 in München geboren. Er besuchte die Kunstakademie und gewann bereits mit 22 Jahren auf der großen Berliner Kunstausstellung die Goldmedaille. Er war einer der großen Künstler des 19. Jh. und schuf in München zahlreiche Objekte wie das »Brunnenbüberl« am Stachus oder den Dianabrunnen am Kufsteiner Platz. Er gründete aber auch eine angesehene Malerschule bei Dachau und lernte dort seine zukünftige Frau Anna Sophie (geboren 1877) kennen. Sie war eine angesehene Blumenmalerin, kein Wunder, dass der Ammersee und seine Umgebung auch für sie ein unerschöpfliches Kreativpotenzial bedeutete. Das Ehepaar erwarb 1902 ein großes Seegrundstück in Holzhausen, baute ein Haus und zog an das Westufer des Sees. Im Laufe eines Jahrzehnts wurde aus dem Haus ein Gesamtkunstwerk es Münchner Jugendstils mit einem prächtigen Landschaftsgarten, der Villa, Wirtschaftsgebäuden und liebevollen Blumenbeeten, die natürlich vor allem als Malvorlage dienten. Mathias Gasteiger starb bereits 1934, seine Frau lebte bis zu ihrem Tode 1954 weiter in Holzhausen. Es muss eine glückliche Familie gewesen sein, denn heute dient die Villa vor allem Ehepaaren als Standesamt. Und der Park für den anschließenden Hochzeitsempfang ist prachtvoller denn je.
KartentippKompass Karte Nr.189 Landsberg – Lech –Ammersee, 1:50 000
VerkehrsanbindungVon München auf der A 96 Richtung Lindau, Ausfahrt Inning, über das Ostufer des Ammersees nach Herrsching; gebührenpflichtige (auch So!) Parkplätze am südlichen Ortsende. Mit der S 5 ab München bis Endstation Herrsching.
GastronomieUnterwegs viele Möglichkeiten, besonders schön ist am Sonntag der Jazzbiergarten Alte Villa in Utting
Tipps
BADEMÖGLICHKEITEN: An allen ausgewiesenen Badestellen, Erholungsgebieten und Strandbädern des Sees. Einer der schönsten, einsamsten Plätze liegt unterhalb von Buch.

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Wilfried und Lisa Bahnmüller

Radeln am Wasser im Allgäu

Forggensee, Alpsee, Hopfen- oder Grüntensee sind immer einen Badestopp wert. Doch lohnt es sich, vor dem erfrischenden Sprung ins kühle Nass die welligen Hügel des Allgäus mit den Kuhweiden und Almen zu erkunden. Lisa Bahnmüller hat die schönsten Touren entlang von Flüssen und Bächen, durch Berge und Täler recherchiert – reich bebildert und kundig beschrieben. Mit allen wichtigen Infos für unterwegs.

Jetzt bestellen
Tags: 
Mehr zum Thema